Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
buosem stM.
1.1 allgemein
1.2 speziell ‘bauschige Falte der Oberkleidung, Brusttasche’ , in Verbindungen mit den Verben stôzen, ziehen usw.
2 ‘Brust’
3 ‘Schoß’
4 ‘Mutterleib’
5 rechtsspr. ‘Nachkommenschaft in gerade absteigender Linie’
1 ‘Brustteil der Bekleidung’ 1.1 allgemein: daz [die Lanzenspitze, die Isenhart getötet hat] zôch er ûzem buosem sîn / an einer snüere sîdîn: / hin wider hiengz der degen snel / für sîne brust an blôzez fel Parz 51,15; dâ hafte si ir buosem mit [mit der Brosche] / nâch der Kärlinge sit Wig 846. 10566; man sach ouch an dem buosem mîn / von golde ein kostlîch heftelîn UvLFrd 451,13; vor dez rockes bvͦsem man hie sach / drvͥ bilde TürlArabel *A 298,2; ermel unde buosem sint mit sîden wol genât Neidh WL 22:4,4; so treit manik edel kneht / sine kleider gar unreht: / [...] sin busem ist offen, sin hemde blecket Jüngl 95 1.2 speziell ‘bauschige Falte der Oberkleidung, Brusttasche’, in Verbindungen mit den Verben stôzen, ziehen usw.: got sprach ime zuͦ: / ‘[...] dû stôz dîne hant / sciere in daz dîn gewant!’ / [...] in den buͦsem [ sinus Ex 4,6] er si stiez Exod 734. 742; VMos 35,19; RvEWchr 9556; in sînen buosem er si [Zunge des Drachen] stiez Tr 9063; dô zôch er ûz dem buosem sîn / ein wol gemachet tevellîn / ze guoter mâze kleine RvEAlex 579; in sein puesem er in [Trinkbecher] parg Seifrit 2509; do heten si ein teil der nüzze / in ir buosem gebrochen [gepflückt] RittermdN 33; des paums pleter sint guot für die harmwinden [Harnzwang] , wenn man si under dem kinn tregt, niht in der hant oder in dem puosem BdN 364,15. – phras.: jmdm. in den buosem gerîsen ‘in den Schoß fallen’ Helbl 4,229 (vgl. TPMA 10,235); dîn vorgedanc in dînen buosen rîse! [deine böse Absicht falle auf dich zurück!] RvZw 64,12; waz sô man ime vurbaz tût, daz enist niht verlorn, wenne ez kumet deme wider, der ez tût, in sînen busem [ihm zugute] StatDtOrd 91,5 (ähnl. swaz din tugentriche hant / dar uber im tut [...], / ez kumt dir gar in dinen schoz Pass III 584,20 ); der vor sîn almuosen / mangem armen truoc ze buosen [der früher vielen Armen Wohltaten erwiesen hatte] Schlegel 252; ez hat maniger sunden vil / und guͤter werch lutzel pracht, / daz der teufel hat gedacht, / er habe’n in seim puesen [in seiner Gewalt] gar Teichn 311,71 2 ‘Brust’ so fuͦr er schlaffende mit den spizzigen steften in buͦsen und krazte sich Seuse 40,21. – Wendung slange im (in) ~ : [der böse Höfling] ist doch schedelîcher denne eines landes brunst, / slange im buosem, ein wolf bî jungen schâfen Kelin 3:2,14; [die falsche Zunge ist] ein slange in buosme, ein fiur in lieber wæte KLD:WvBreis 3:6,9. – ~ als Sitz der Gefühle und innersten Gedanken: die [Tränen] uze dines [der Sünderin Maria Magdalena] herzen grunde / rechte in sinem [Christi] busem stigen / [...] do er durh dine groze clage / dinen bruder irquicte an deme vierden tage Litan 1167; ih diemuͦtet in der uasten sele mine unde gebet minez in busen minen chumet [ oratio mea in sinu meo conuertetur ] PsM 34,13; daz [die Schmach] ich uerbarch in busem minem ebd. 88,51. 78,12 3 ‘Schoß’ er [Christus] fuͦr von himilriche uzsir sines vatir buͦsime PrGeorg 271,20; des hern Abrahamis buͦsim [das vorangegangene schôz variierend] , da die engel des armin mennischin sele in fuͦrton, bizaichint die toͮgenlichen gnade vnsirs herren PrWeing (Pf) 183,2. – bildl.: Maria hat uf getan den buͦsem der erbaͤrmde an allen dingen, dar umb daz wir von ir volle gnade nement PrGeorg 77,33 4 ‘Mutterleib’ do er [Christus] chom in dere magide puͦsim, do geheilt er mennisken chunne JPhys 1,16; do sich der werde slovfte / in der megde buozin Martina 7,93 5 rechtsspr. ‘Nachkommenschaft in gerade absteigender Linie’ ez [Erbe] gêt nicht ûz den bûsemen, die wîle die ebenburtige bûseme dâr ist SSp(W) 1:17,1
MWB 1 1114,8; Bearbeiter: Tao