BOUTIQUE f. (1)
lehnwort aus it. bottega
f. oder frz. boutique
f. zuerst in den formen but(t)ig, bot(t)ig(a), potege,
seit dem 16. jh. budike, butike.
seit dem 17. jh. häufiger in der frz. form boutique
bezeugt. (2)
in den bedeutungen DWB22
und DWB23
seit dem 18. jh. auch in pejorativer verwendung, wohl in anlehnung an bude f. (3)
in der mitte des 20. jhs. erneute entlehnung aus der frz. entsprechung, die in bedeutung 1 c
den gegenwartssprachlichen hauptgebrauch ausmacht. (4)
die älteren nebenformen budike
und butike
existieren parallel zur frz. form, insbesondere in bedeutung 3,
im 20. jh. jedoch nur noch regional und umgangssprachlich. 1
laden. a
geschäft (für waren des täglichen bedarfs), kramladen. bis ende des 19. jhs. hauptgebrauch, danach meist historisierend: 1477 soltind die Massips und ander wniser kunden inna waerdenn, das wier ain aiggin butig haetind, so wordund si nit fill von wnisß kouffen
handelsakten ma., neuzeit 3,53 ak. u1566 darumb bedacht er sich nit lang, gieng den nechsten zu des apotekers butiken
zimmer. chr. 23,248 B. 1628 und oben auf der brucken seindt allerlei gemaurte laden und botegen Lubenau
reisen 2,78 S. 1661 wormit hat doch vor wenig jahren der .. wohlgebauten handelstadt Pluers in Binten das unglück also grimmig zugesetzt .. wo zuvor die herrliche boutiquen, und reiche kaufmansläden mit verwunderung zu sehen waren Schütz
vberlegungen 8. 1700 er wäre .. ins haus gangen, umb zucker .. zu kauffen; wie nun sein camerade gesehen, daß die boutiqve wenig verwahret Hosmann
denck‐mahl 3,43. 1773 mein grenadier lauft durch alle boutiken, um die juristischen bücher zusammenzutreiben
in: br. an Bahrdt 2,141 P. 1803 in einer mittelstadt wie Metz .. siehst du boutique an boutique in allen straßen, .. alles scheint ein gewerbe zu seyn
F. Schlegel
in: Europa 1,1,24 faks. 1854 aber warum sahen sie sich nicht näher in der boutike
(in dem laden eines wursthändlers) um? Hebbel
III 5,199 W. 1910 Friedrich
(ließ) an der westseite des schloßplatzes .. dreistöckige wohn= und geschäftshäuser aufführen. .. hier wurden denen, ‘welche auf der stechbahn eigene boutiquen gehabt’, gleichartige stellen angewiesen Goldschmidt
Berl. 64. ⟨1957⟩ die butike und venda – gemischtwarenhandlung – des Manoel Braganza
sp. 2,92. –
handwerksladen; offene werkstatt mit straßenverkauf: 1708 boutiqve, eine werckstatt der handwercks‐leute Marperger
kauffmanns‐magazin 201. 1792 daß die werkstätten der handwerksleute nicht in verschlossenen zimmern, sondern in offenen boutiquen, im freien sind, und einige sogar ihren arbeitstisch auf die straße hinausgerückt haben Moritz
Italien 1,6. ⟨1849⟩ baronesse Adele ward soeben gesehen – .. wie sie in begleitung des sir Atworth in die butike des schneiders – Nestroy
5,250 B./R. b
(jahr)marktbude, ‐stand; schaubude. letztbeleg historisierend: 1715 im hofe von bretern auffgeschlagene boutique, worinnen die speisen über die hochzeit‐tafel gekochet und verfertiget werden Amaranthes
frauenzimmer‐lex. 852. 1797 der glückstopf. / hier ist messe, geschwind, packt aus, und schmücket die bude./ kommt autoren und zieht, jeder versuche sein glück./ .. die kunden. / wenige treffer sind gewöhnlich in solchen boutiquen Schiller
1,310 nat. 1826 wir wurden auf der plaza major stationirt, wo viele große boutiquen aufgeschlagen waren, in welchen handel mit eßwaaren aller art getrieben wurde Mämpel
feldjäger 1,119. 1850 eine alte frau zerrte mich fast mit gewalt in eine dort aufgeschlagene boutike hinein, wo ihr mann, wie sie versicherte, vortrefflichen warmen kaffee ausschenke Hebbel
I 10,29 W. ⟨1925⟩ hier, in der kleinen butike, sind seine texte noch viel besser als in den großen operetten Tucholsky
2,269 G.‐T./R. 1988 die kleinen stände (‘boutiquen’), an denen erfrischungen angeboten werden, kamen mit den hugenotten nach Berlin Fischer
hugenotten 39. c
mode‐, schmuckgeschäft: 1952 wer es sich nicht leisten kann, in einem der berühmten modellsalons kundin zu sein, der bekommt in der zugehörigen boutique konfektionierte kleider, röcke, blusen, über denen dennoch der hauch der inspiration eines großen couturiers liegt
frankf. allg. ztg., beil. (13.9.) 6b. 1996 Gucci, Prada und andere avantgardisten der italienischen mode haben keine eigenen boutiquen in Turin
frankf. allg. ztg. (27.6.)R2a. 2004 so stösst man auf der wiener nobelmeile immer mehr auf boutiquen, die es überall gibt
n. zürch. ztg. (7.5.) 43b. 2
kleines haus, hütte; häufig abwertend ‘schäbiges, verfallenes haus’. teilweise in unklarer abgrenzung zu DWB21 a: 1716 man hat bereits alle umb den thurm gestandene kleine Frantzosen‐häuser und boutiquen abgebrochen
berl. geschrieb. ztg. 562 F. 1899 früher
(erfreute) eine mannigfaltigkeit von großen und kleinen holzbauten, butiken und erkern das auge
dt. rundschau 100,135 R. 1927 die scheunen, die niedergebrannt worden waren, sollten baufällig gewesen sein, und die zersprengten häuser nannte man alte budiken Kläber
passagiere 224. 3
kleine kneipe, gastwirtschaft; häufig abwertend ‘ungepflegtes, verrufenes wirtshaus’. gegenwartssprachlich noch regional, besonders berlinerisch: 1832 Pechberger (zum wirt). ihr habt’s auch ein’ saubern branntwein in der butik Nestroy
1,441 B./R. 1890 zieht ihnen
(kneipenwirten) doch die zecher von den tischen fort und lockt sie heraus aus den dumpfen destillen und budiken!
in: freie bühne 1,259. 1937 umsonst hatte der vater aus einer kleinen budike eine anständige kneipe gemacht Fallada
wolf 1028. 1987 die kneipe um die ecke – budike genannt – gehört auch in Ost‐Berlin zur alltagskultur
frankf. allg. (23.4.)R6c.Meyer-Hinrichs