Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
bildære stM.
2 als Äquivalent des lat. idea :
3 ‘Muster, Vorlage (in gleichem Maßstab)’ (vgl. Heyne, Hausaltertümer 3, 250; Brüggen, Kleidung, S. 117)
3.1 gegenständlich
3.2 in Vergleichen und Übertragungen, z. T. in 4 übergehend
4 ‘Vorbild, Beispiel’
5 ‘Bild, Bildwerk’
1 ‘Schöpfer, Gestalter’ dar an [an ihre Wangen] het sinen fliz / gelait der bildere, / vnd worht vil geuere / zwai rote roͤselin dar in JvKonstanz 641; hie wirt si [Seele] irm pilder so gelich, / daz sie furpas stetiklich / an werken, worten, willen, mut / ob sinen willen niht entut MvHeilGr 1349; o bilder der vernunst, / entwirf in mines herzen runst / der sprüche forme unde kunst Mügeln 113,1 2 als Äquivalent des lat. idea: doch haizz wir ettwenn ydeam den pildär des goͤtleichen willen vnd der gleichnuͤsse aller creatur KvMSel 283; der bilder, der in gotes herzen ewig ist, / der ist genant idea Mügeln 35,1; idea, [...] der bilder, gotes spiegel heißt ebd. 244,6 3 ‘Muster, Vorlage (in gleichem Maßstab)’ (vgl. Heyne, Hausaltertümer 3, 250; Brüggen, Kleidung, S. 117): 3.1 gegenständlich: sîn [des Amtmannes] tohter vor vrouwen næt / schôn ab einem bildær, / diu billîch dâ heime wær, / daz sie ir muoter spunne Helbl 8,209; ich hân niht in mînem schrîn / wan zwêne bildære [vgl. aber Anm. z.St.: „Bilder, Skulpturen“] , / drî nâdeln und ein schære / und zwei niuwe hârbant Sperb 135; als ein iegleich werchman / einen pilder hat vor sein, / daz er wurcht nach dem schein / waz er hat in seinem muͤt Teichn 332,59; der pilder ist zu nichtew guͤt / denn daz man dw mazz dran sicht ebd. 332,62 3.2 in Vergleichen und Übertragungen, z. T. in 4 übergehend: daz wir mit dir an allen tvgenden also eigenlich gehellen als daz volbraht bilde nach dem gerehtisten bildar DvAPatern 125. 33; vnd da von der mensche, der nit ist, als in got haͮt eweklich angesehen, der ist vngerecht, won er ist vngelich dem ersten bilder Gnadenl 1,60. 1,770. 1,774; wir mugent gerne bilde und lere nemen ab únserm herren, won er ist ain bilder und ain spiegel aller tugent und aller saͤlikait PrGeorg 226,3; da mitte siv [Folterknechte] si [Martina] bilten / nach dem bilder der tugende, / den siv von ir ivgende uor ir ovgen hatte gespannen Martina 147,55; si [Maria] waz ain anvang der kúnschi und ain bilder und ain spiegel dez magtuͦmes PrGeorg 328,24; KvWGS 558; ein bilder houbethafter zuht, / [...] ein sâme sældebernder vruht [Lob auf Kaiser Friedrich] RvZw 136,4; Meissner 17:9,1; Damen 6,3 4 ‘Vorbild, Beispiel’ sehen an zuͦ einem bilder den gotesminner Paulus Seuse 392,21; dar umb in pillichen diße selige swester Elsbet [...] fur gehebt wirt zu einem pilder Stagel 121,10; nu wil ich ze bilder / nemen ain wisen spiler Teichn 594,73; sol dew chünigin sein rain vnd käwsch, also das sy sey andern frawn ain spiegel vnd ein pylder Schachzb 37,36; daz fuͦsstuͦch, daz ich dem hund nam und mir es ze einem bilder [zur Mahnung] han behalten Seuse 368,28 5 ‘Bild, Bildwerk’ von dem pechlein zu dem prunnen, / von dem schein zu der sunnen / [...] von dem bilder zu dem bildner, / von der geschepfde zu dem schepfer Syon 27. – bildl.: swie sô der ûzer wære, / der inner bildære [gemeint: Tristan selbst, im Gegensatz zu seiner Rüstung] / der was baz betihtet, / bemeistert unde berihtet / ze ritters dan diu ûzere faitiure Tr 6644
MWB 1 797,63; Bearbeiter: Tao