bethören,
infatuare, inducere, fallere, mhd. betœren,
teuschen, zum thoren machen: mhd. ir lachen und ir schône ansehen und ir guot gebærde hânt betœret lange mich.
MS. 1, 51
b; denn schöne weiber haben manchen bethöret.
Sir. 9, 9; wein und weiber bethören die weisen. 19, 2; dein herz hieng sich an die weiber und lieszest dich sie bethören. 47, 21; die schöne hat dich bethöret.
Sus. 56; ich mein, du seist bethört.
Mörin 12; was du nit wilt von andern hören, da thu auch keinen mit bethören. H. Sachs I, 257
c; wil uns denn heint der alt bethörn? II. 2, 50
b; wölch reich mit tailung ist bethört, das bleibt die leng nit unzerstört. Schwarzenb. 146, 1; dardurch so wird mein mann bedört. Ayrer
fastn. sp. 80
b; der freundschaft keuscher stand war weiland voller ehren, jetzt läszt sie sich durch geld zum hurenbrauch bethören. Logau 1, 1, 88; der liebsten threnen sind, die oft den klügsten mann bethören, dasz er schwarz von weisz nicht sondern kann. 1, 3, 91; welt gibt ihren hochzeitgästen erstlich gerne guten wein, und zuletzte sauren lauer, wann sie nun bethöret sein. 1, 10, 89; indem ein seltzames getümmel berührend plötzlich sein gehör, den abgrund füllend und den himmel bethöret seine sehl noch mehr. Weckherlin 346; den hofnung und forcht nicht bethöret. 385; der jude steht bethöret (
betroffen), spricht, landsmann fahre fort, wenn er ihn reden höret. Fleming 160; wenn einer einen nicht will hören, der ihm gibt einen guten rath, hernach auch nichts zu klagen hat, wenn er sich etwa wird bethören.
pers. rosenth. 8, 63; echo, der wilde widerhall, lehrt uns den schlaf bethören.
Simpl. 1, 28; jemehr sie das glück anlachet und ihnen ihre fuchsschwänzer vorplaudern, jemehr sie sich bethören lassen. 3, 363; was sehe ich? werde ich bethört? Collatin kömmt. J. E. Schlegel 2, 38; bethörte hadrer, laszt euch rathen. Hagedorn 2, 39; zuletzt — mein schön geschlecht, gesagt zu deinen ehren — liesz sie (
Europa), von wem? vom bullen sich bethören. Lessing 1, 3; du glaubst, dasz Hannchen mich bethört, dasz sie auch fremdes flehn erhört? Gotter 1, 187; lasz sicherheit dich nicht bethören. 1, 229; das glück bethörte mich. 2, 478; abermal will die bethörte der Troer geschichte vernehmen, abermal haftet ihr blick an dem munde des schönen erzählers. Bürger 245
a; denn morgen wirst, in allen ehren, das arme Gretchen nicht bethören. Göthe 12, 158; die hat sich endlich auch bethört. 12, 186; ich sing ihr ein moralisch lied, um sie gewisser zu bethören. 12, 193; doch ein unsterblicher hat ihm die richtigen sinne bethöret. (
vorher: doch der unsterblichen einer bethört ihm
d. r.
s.). Voss
Od. 14, 178; sein schlaf war ein stetes entzücken und erwachen und in jedem traume gieng ein bethörender sonntagsmorgen auf. J. Paul
Tit. 2, 46.