BENÜGEN vb. mhd. benüegen,
mnd. ben̂ö
gen. der artikel ist wie bei begnügen
(s. d.) nach gramm. gesichtspunkten gegliedert. die als simplex im dt. nicht bezeugte bildung mit be-
präfix geht wie die im germ. geläufigeren bildungen mit ge-
präfigierung (vgl. genug
1DWB 4,1,2,3486 mit allerdings unzureichender etymologie) über germ. -nōga- ‘
genug’ (Heidermanns
et. wb. primäradj. [1993]428 f.) auf idg. *h2nek̑- ‘
erreichen’ zurück, wozu u. a. auch ved. ā́nat ‘
hat erreicht’, íyakṣati ‘
will bekommen’ u. air. -ánaic- ‘
erreichte’ gehören (vgl. Rix
lex. idg. verben 2282 u. EWN 2,235a). erstbeleg nicht eindeutig 1
oder 2
zuzuordnen: ⟨u1220⟩ daz liut spræche ez wær ein mort, / ob wir die maget erslüegen. / dâ von mac uns benüegen / ob sî wurde versant / verre in ein ander lant Fleck
Flore 1510 S. 1 ‘
jmdn. (selten etwas) zufriedenstellen, bezüglich seiner ansprüche u. bedürfnisse befriedigen’
; auch mit unpersönl. subjekt sowie mit präpositionaler oder genitivergänzung. häufig in der fügung sich benügen lassen: ⟨u1250/72⟩ wie vil der mensche sünden hât, dar an benüeget den tiuvel niht, er verleite in dannoch gerne in mêr sünde Berthold v. Regensburg
1,5 P./S. 1295 wande ich ingesigels nút han so benuͤget mich mit mines vorgenanten herren mines vatter .. ingesigele an disen brieve
corp. altdt. originalurk. 3,352 W. ⟨u1350⟩ ein arm koͮfman wenne den got beriete das er und sine kindelin wol fuͦrent, so solte er sich losen benuͤgen Merswin
neunfelsenb. 46 ATB. ⟨u1350⟩ wer hêr mag sîn, der sî nicht knecht! / wer hât, des in benüegen sol, / der hab genuog! Boner
edelstein 40 P. M14.jh. wer sich auch nicht woͤlt laussen benuͤgen, von welhen sachen und schulden daz wer
bayer. rechtsqu. 2,34 ak. ⟨1435⟩ so wolten die von Bamberg sich lassen benugen an dem urtail, das das concillium erkant
chr. Bamb. 1,101 Ch. 1468/9 ich lig und schlaf, biß mich benügt, / und wil essen, so es mir fügt
märendicht. 15. jh. 288 F. 1472 die natur laß sich an einem kleinen benuͦgen Eyb
dt. schr. 1,36 H. ⟨v1475⟩ da mitt
(mit wasser u. brot) er sein begyrde vnd notdurfft mag benuͤgen
ders., sitten (1511)42b. 1528 und soll ein iede raths und gerichts person .. sich seins zugeordenten lons und besoldung benugen lassen
obrhein. stadtrechte I 203. 1539 vnd mich benuͤgt wie es sich fuͤgt Forster
liedlein 25 HND. 1556
(ein armer mann) lest sich etwa mit einem geringen gelt abweisen vnd benuͤgen Lauterbeck
regentenb. 65a. 1624 das ihr aber wollet den leutten model des glaubens für schreiben, .. darzu gehöret ein ander pasquil, diser benüget sie nicht Böhme
urschr. 2,255 ak. 1669 wenn einer den andern mit einem trunck ehret, so lassen sich beyde nur mit einem christl. räuschlein benügen Grimmelshausen
Simplicissimus 427 Sch. 1672 wormit ich dann von dem, was mich benügt und bereichert, auch genug geredt haben wil
ders., simpliciana 109 Sch. 1716 benügen lassen (sich) benügt seyn Ludwig
t.-engl. lex. 264. 18.jh. gibet er jn denne zue pfande sinen gegen riehmen .., dess soll sie beniegen vnndt sollen esz dem meyere bringen
weist. 4,155 G. 2 ‘
jmdm. ausreichen, genug sein, befriedigung verschaffen’; auch sich
(dat.) benügen lassen
(vgl. 1
): 1297 so benvͦget mir mit ir zwaiger insigele
corp. altdt. originalurk. 4,114 W. ⟨M14.jh.⟩ der mensche ist alzuͦ gitig dem an gotte nút enbenuͤget Tauler
425 DTM. ⟨1405⟩ das sol beiden parthien wol benuͤgen
in: Sattler
Würtenb. graven 3(1767)2,48. 15.jh. mit dem jungen
(mann) mir benugit
märendicht. 15. jh. 481 F. 1561 was im gott zu ist fügen, / das nimbt er an, lest im benügen Sachs
12,563 LV. 1630 mir benügt wie es gott fügt Lehmann
florilegium 787. 3 ‘
genug haben, mit etwas zufrieden sein’: ⟨1314⟩
(hierher ) nu hoͤrt wie daz fuͦgt! / die minne niht benuͦgt / an des kuͤnges laiden / .. si wolte sinem sinne / mer herzelaides bringen Johann v. Würzburg
2802 DTM. ⟨u1380⟩ etelich wip wolt sich ser schamen, / e sie mit vier buolen benügen wolt, / sie wolt dem fünften wesen holt Altswert
51 LV. 1439 daz ein keller .. zuͦ den drygen jargerichten einem vogt selbander essen vnd trinken geben sol. .. vnd sol des ein vogt benuegen, vnd sol in nüt fürer straffen
weist. 1,12 G. 1577 inn dem jr nicht benügt an gringem, / wolt allzeit nach vil hoͤherm ringen Fischart
1,76 DNL. 1607 daß sie
(die seele) mit deme, so jr zuhandlen vnd zu meditieren vorgsetzt, nicht benüget Spangenberg
ausgew. dicht. 4 M. 4 ‘
sich mit etwas zufriedengeben, sich (auf etwas) beschränken’: A15.jh. her Neithart sprach: ‘ich wil euch leren / eigenleich mit gantzer trüw: / in dem spil pin ich nit nüw.’ / des bnuogtend si sich alle Wittenwiler
880 DLE. 1472 er het sich allzeit benuͦget an eim acker vnd den fruͦchten, die darauß komen waren Eyb
dt. schr. 1,89 H. 1523 mit hoffnung, e. g. werd sich benuͤgen, vnns fürter vnbeschwert lassen
flugschr. ref. 1,92 C. 1567 so sollen die oberkeiten nicht alles zu sich raffen, sonder mit jrem gebuͤrenden antheil sich benuͤgen Milichius
schrap teufel D 3b. ⟨1670⟩ indem sie sich allein mit blossem anschauen benügten Grimmelshausen
Simplicissimus 3(1713) 279. 5
als part.adj. oder im zustandspassiv ‘zufrieden(gestellt)’: 1505/6 das er an solicher wintslegigen antwort nit benugt odir gesettigt sey
gerichtsb. Cassel 55 S. ⟨1537/8⟩ damit sol euer erwirden auf dismal eines benügten willens sein Paracelsus
I 11,17 S. 1589 wann nun alle solche sachen .. beschlossen, .. können auch die partheygen aller sachen wol benügt vnnd zufriden
(sein), d. geschichtsfreund 3(1846)283. 1622 daran ich auch wol benüget wehre, vnd Christus mein reicher lohn sein wirt Böhme
urschr. 2,363 ak.Arbeitsstelle