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babylon

mhd. bis lat. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Babylon

Bd. 2, Sp. 222
Babylon (Babel, keilschriftlich Bāb-ilu, »Pforte Gottes«), erwähnt bereits in der Zeit Sargons I., Hauptstadt Gesamtbabyloniens seit Hammurabi (um 2250), von Sanherib 689 von Grund aus zerstört, von Asarhaddon und später hauptsächlich von Nebukadnezar (604–561) neu gegründet, gebaut und befestigt, eine der ältesten, größten und prächtigsten Städte der Alten Welt, seit zwei Jahrtausenden in Trümmern liegend. Nach der Schilderung Herodots (1,178 ff.), der das B. Nebukadnezars und seiner Nachfolger beschreibt und Babylons Schwesterstadt Borsippa mit unter B. begreift, erstreckte sich die Stadt auf beiden Seiten des Euphrat in Form eines Vierecks, von dessen Seiten jede eine Länge von 120 Stadien (22 km) hatte. Das ungeheure Ganze hätte also einen Raum von ca. 490 qkm (viermal mehr als London) bedeckt und wäre von einer 200 Ellen hohen und 50 Ellen dicken Mauer mit 100 ehernen Toren umschlossen gewesen. Außer dieser äußern waren noch eine innere Mauer sowie eine Mauer längs der beiden Ufer des Euphrat vorhanden. Eine steinerne Brücke führte über den Euphrat. Die Stadt wurde von lauter geraden Straßen mit zum Teil drei- und vierstöckigen Häusern gebildet. In dem einen Teile der Stadt (am linken Euphratufer, da, wo jetzt der Trümmerhügel Kasr sich erhebt) lag »die Königsburg innerhalb einer großen und starken Umfassungsmauer«, d. h. der von Nabopolassar gebaute und von Nebukadnezar restaurierte und verschönerte königliche Palast. In dem andern Teile der Stadt, also in ihrer Westhälfte auf der rechten Euphratseite. befand sich das Heiligtum des Zeus Belos mit ehernen Toren, »ein Viereck im Umfang von 2 Stadien auf jeder Seite«, und inmitten dieses Heiligtums erhob sich »ein Turm in der Länge und Breite eines Stadiums, und auf diesem andre Türme, bis zu acht Türmen«. Außen führte um alle Türme herum eine Wendeltreppe in die Höhe. Im obersten Stockwerk war »ein großer Tempel«. Nach Diodor stellte man in dem obersten Gemach astronomische Beobachtungen an. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß Herodot den großen Tempel des Gottes Nebo in Borsippa meint und dessen den sieben Planeten geweihten, auf einem mächtigen Unterbau in sieben sich verjüngenden Etagen aufsteigenden Turm, jenes höchste jemals auf Erden ausgeführte Bauwerk, dessen Ruinen gegenwärtig Birs Nimrud heißen und auf einer Grundfläche von mehr als 700 m Umfang sich bis zu einer Höhe von 46 m erheben. Die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel (1. Mos. 11, 1–9) ist wahrscheinlich an diesen erst von Nebukadnezar vollendeten Turm angeknüpft (s. Borsippa). Über die Geschichte der Stadt bis Kyros s. Babylonien (S. 223). Im I. 538, unter dem letzten Chaldäerkönig Nabonētos (s. d.), wurde B. von Kyros erobert, indem er (gemäß Herodot 1, 191), während die Einwohner der Stadt ein Fest feierten, bei Nacht durch das trocken gelegte Flußbett des Euphrat in die Stadt eindrang (über den keilschriftlichen Bericht s. Nabonetos und Belsazar). Obschon Kyros die Stadt verschonte und zur dritten Hauptstadt des persischen Reiches erhob, auch B. noch längere Zeit fortfuhr, ein wichtiger Handelsplatz zu sein, so bedeutete dennoch Kyros' Sieg für B. den Anfang vom Ende. Nach der Empörung der Stadt gegen Dareios Hystaspis wurden die Mauern und Türme geschleift, viele Einwohner verjagt oder getötet. Xerxes raubte aus dem Belostempel die goldene Statue des Gottes und beschädigte den Tempel selbst, der seitdem verfiel. Alexander d. Gr. beabsichtigte die Stadt größer zu machen, als sie je gewesen, starb aber vor Ausführung dieses Planes im Palast Nebukadnezars. Den härtesten Stoß erlitt B. unter der Herrschaft der Seleukiden durch die Erbauung der Stadt Seleukeia und die derselben verliehenen Privilegien. Handel und Wandel wendeten sich jetzt von B. weg, und schon um 130 wurde auf dem größten Teil des von den Mauern eingeschlossenen Stadtraums Getreide gebaut. Unter den noch übrigen Einwohnern waren sehr viele Juden. Zur Zeit des Hieronymus (gest. 420 n. Chr.) benutzten die Partherkönige die Ruinen von B. mit den noch stehenden Mauern als Wildgehege zur Jagd. Seit der Herrschaft der Araber verschwand der Name B. ganz aus der Geschichte, und im 10. Jahrh. wußte man von der Stadt nur, daß an ihrer Stelle ein kleines Dorf, Namens Babel, stehe. Die Ruinen Babylons liegen bei dem heutigen Hillah am linken Euphratufer und bestehen hauptsächlich aus vier ungeheuern Schuttbergen, deren nördlichster Babil heißt, der mittlere Kasr (d. h. »Schloß«), die beiden andern Amran-ibn-Ali und Dschumdschuma (oder Nischan el-aswad). Die Ruinenstätte ist seit dem 16. Jahrh. öfters besucht und in neuerer Zeit namentlich von Rich, Loftus, Fresnel und Oppert, Rawlinson, Layard, Rassam untersucht worden. Die systematische Erforschung des ganzen Ruinenfeldes von B. ist die Aufgabe der 1898 von der Deutschen Orient-Gesellschaft unter Robert Koldewey ausgesandten Expedition, über deren Resultate die »Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft« fortgesetzt berichten. Vgl. Friedrich Delitzsch, Babylon (2. Aufl., Leipz. 1901). Der Hügel Babil dürfte die Stätte des zweiten Palastes Nebukadnezars mit den sogen. hängenden Gärten sein. Der Kasr birgt den Palast Nebukadnezars, dagegen der Hügel Amran-ibn-Ali das babylonische Pantheon, den Marduktempel Esagila. Der erste größere Fund von Schriftdenkmälern wurde im Winter 1875/76 von den Eingebornen in dem südlichen Hügel Dschumdschuma gemacht, wo arabische Backsteingräber mehr als 3000 Tontafeln (von 2 bis zu 30 cm im Geviert) in Tonkrügen verpackt fanden, meist Kontrakttafeln privatrechtlichen und merkantilen Inhalts, 1876 von George Smith für das Britische Museum erworben. Vgl. Kiepert, Karte der Ruinenfelder von B. (Berl. 1883), sowie Koldeweys Pläne des Kasr und Amran-ibn-Ali; die Literatur, betreffend die Ausgrabungen in B., s. Babylonien (S. 225).
5806 Zeichen · 79 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    Babylônstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)

    Babylôn stm. Babylonier. Parz. 23 8. Ipomidôn, der stolze werde Babylôn Parz. 111,24. dâ dîe Babylône Alexandrîe lœsen s…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    BABYLONn.

    Grimm Neubearbeitung (1965–)

    DWB2 BABYLON n. , DWB2 seltener f. ahd. mhd. Babilon. name der hauptstadt des antiken reiches Babylonien, im alten testa…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Babylon

    Goethe-Wörterbuch

    Babylon , Babel unterschiedl Formen je zur Hälfte belegt; in c einmal fem a Schauplatz der (bibl) Geschichte; bes im (dr…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    BABỸLON

    Hederich (Mythologie, 1770) · +1 Parallelbeleg

    BABỸLON , ónis , ein Frauenvolk, mit welcher Apollo den Arabus zeugete. Plin. H. N. lib. VII. c. 56 .

  5. modern
    Dialekt
    Babylonf.

    Mecklenburgisches Wb.

    Wossidia Babylon (Ton auf der letzten Silbe) Bezeichnung hoher Gebäude im Jöljapp- Rätsel, der Scheune: (der Storch) up …

  6. Latein
    Babylonf.

    Mittellateinisches Wb.

    Babylon , -onis f. vel rarius

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit babylon

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Zerlegung von babylon 2 Komponenten

baby+lon

babylon setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

babylon‑ als Erstglied (14 von 14)

Babylonica

MLW

Babylonica (-bil-) , -ae f. absinthium Santonicum — Strandbeifuß (Artemisia maritima L., subsp. Iudaica vel MLW sim. , cf. MLW Hegi, Flora V…

Babylonien

Herder

babylon·ien

Babylonien , das Land im untern Flußgebiet des Euphrat und Tigris, vom pers. Meerbusen bis zur med. Mauer, die es von Mesopotamien trennte, …

Babyloniidioticon

GWB

Babyloniidioticon GWB 53,429 Var [ Zit s v Babylon, Babel GWB Sp 2,53 ] Maria Erxleben M. E.

BABYLONISCH

DWB2

babylon·isch

DWB2 BABYLONISCH adj. DWB2 aus gleichbed. lat. babylonicus, zu lat. Babylon (s. Babylon ) bzw. zu Babylonien, lat. Babylonia, name eines ant…

babylonisch,

FWB

1. mit Bezug auf das alttestamentliche Babylon: ›babylonisch, in Babylon, von Babylon‹.; 2. ütr. auf zeitgenössische Zustände des späten Mit…

Babylonische Felle

Herder

Babylonische Felle , in der Heraldik so viel als Hermelinfelle.

Babylonischer Turm

Meyers

babylonisch·er·turm

Babylonischer Turm , ein Turm, den nach 1. Mos. 11, 1–9 die Nachkommen Noahs als Mittel bleibender Gemeinschaft zu erbauen beabsichtigten, d…

Babylonisches Exil, B. Gefangenschaft

Herder

Babylonisches Exil, B. Gefangenschaft beginnt mit der Unterwerfung des Reiches Juda durch Nebukadnezar 606 v. Chr., der 18000 Juden nach Bab…

*Babylonitas

MLW

* Babylonitas , -atis f. captivitas Babylonica — babylonische Gefangenschaft : MLW Chron. rhythm. Austr. 525 comparatam reputa -em Babylonit…