baar [bar],
nudus, intectus, synonym mit nackt
und blosz,
ahd. par,
mhd. bar,
nnl. baar,
ags. bar,
engl. bare,
altn. berr,
schw. dän. bar.
die heutige schreibung baar
neben barfusz, barhaupt
ist wie in heer
und Hermann, hahn
und Hanstein,
doch setzen auch viele bar.
leider geht uns die goth. form ab, sie würde vielleicht lauten basis,
wozu der umlaut des altn. berr
stimmt, oder basus, basvus,
nach dem mhd. barwer brüste
bei Frauenlob
Ettm. s. 6
und irbarwen
für irbaren
im gedicht von dem gelouben 850. 1268. 1331. 2630.
denn mit unserm bar
in offenbar, lautbar
u. s. w., mhd. bære,
ahd. pâri,
überhaupt mit der wurzel beran
kann das baar
nichts zu schaffen haben, auf S
weisen auch sl. bosʾʾ
nudus, litt. basas,
lett. baśś,
selbst die lappische sprache, welche P
für B
setzt, gewährt puodsus
nudus. also verhält sich das R
in baar,
wie in beere,
goth. basi,
ja zwischen basi
und jenem basis, basus
wäre verwandtschaft möglich, wovon mehr unter beere
gesagt werden soll. zwar schränkt der heutige sl. und litt. sprachgebrauch bosy
und basas
ein auf barfusz, nudipes, und bosʾʾ
übersetzt Jes. 20, 5
ἀνυπόδητος,
allein früher musz es allgemein nudus bedeutet haben, sonst sagte man nicht russ. na bosu nogu,
auf bloszem fusz und hätte nicht gebildet bosonogii,
böhm. bosonohy;
entscheidend wird das lappische, nudus überhaupt ausdrückende wort. Baar
bedeutet uns 11)
leibliche nacktheit und blösze. Cädmon
läszt Adam und Eva im paradies sagen: vit hêr baru standað, unvered vædo,
wir beide stehn hier baar
und unbekleidet; so könnte auch schön wie ein baarer engel. Wieland 22, 169
zu nehmen sein für nacket, doch soll es nach 23, 321
ausdrücken manifestus, luculentus. Gewöhnlich wird die enthüllung einzelner theile des leibs gemeint, was die zusammensetzungen barhaupt, barfusz, barschenkel
näher bezeichnen. der paro arm
ist ahd. brachium exsertum, ein aus dem gewand hervorgestreckter, entblöszter; geirvörtur berar
sind altn. papillae nudae. Laxd. saga s. 136;
mhd. diu barn knie; arme und füeʒe wâren bar. Ben.
wb. 1, 140
b; sie wies ihre baaren zähne,
bleckte die zähne; mit iren schenklein get sie bar, recht als sie waschen solte. Uhland 57; und flohe hinweg mit allem har, da sasz der reuter kal und bar. Waldis 1, 95; sie rauft im aus die schwarzen har, bisz im der kopf ward kal und bar. 3, 83; ach, dasz doch, wie ich wünsch, mein herz euch bahr zu sehen (
wäre)! Weckherlin 746; polsche pferde gehen baar, polsche leute gehn beschlagen. Logau 2, 6, 13,
die pferde gehn ohne schuhe, hufeisen. houbetparî
war ahd. calvitium, und kahl
berührt sich oft mit baar. das scheint doch wirklich sonnenklar, ich geh mit zügen frei und bar, mit freien, treuen blicken; der hat eine maske vorgethan Göthe 3, 161.
man sagt, das baare (
wie sonst das nackte) leben: erbötig, sollt es auch ums bare leben gehn, das abenteuer zu bestehn. Wieland 18, 99. (dem selbst nichts übrig blieb als dieses nackte leben. 23, 44). 22) baar,
auf die erde bezogen, kann dem zusammenhange nach meinen unbedeckt von wasser, schnee, gras, blumen. ahd. dar diu erda bar ist, dar ist sie oberôra demo waʒʒere.
N. ps. 135, 6,
aus dem wasser hervorgetreten. winters liegt die erde baar,
wenn kein schnee auf sie gefallen ist (
vgl.barfrost).
mhd. nu ist diu heide worden bar.
MS. 2, 50
b. die bare heide
bei Möser
p. ph. 1, 246
meint aber, wie das nnl. barre hei,
den raum, wo das auge nichts als heide erblickt, wie nnl. de bare zee,
wo man nichts als wasser, kein land sieht. 33) baar
von schwert und waffen gesagt, bedeutet entblöszt: das baare,
wie sonst das blosze, nackte schwert,
das aus der scheide gezogne: ir swert heten sie al bar, diu siu an henden truogen.
En. 6611; done heten sie dehein andern pfant, niuwan daʒ îsen alsô bar.
Iw. 7222; der ritter beleip bar.
Krone 2874
ist gleichviel mit beleip blôʒ. 2888. 2904,
ohne rüstung. 44) das baare geld, die baare münze,
pecunia praesens, numerata, man könnte wieder auslegen: aus dem beutel gezognes, aufgezähltes geld, offen auf dem bret liegendes; auch die blanken thaler,
wie es sonst heiszt, sind die blankenden, blinkenden. baar geld lacht; baar geld kauft; baar geld kauft wolfeil; baar geld ist gute waare; baar geld ist die losung; wer baar geld gibt, hat macht zu dingen; baren solt geben. Keisersb.
hell. lewe 66
a; baare bezahlung
steht entgegen dem borgen; auch blosz baar (
ohne geld): 100 thaler in baar; und aufschlag machen in all wahr, auf porg vil thewrer wann umb par. H. Sachs I, 333
b; und man gab das geld bar uber denen, die da erbeiten (
ἔδωκαν τὸ ἀργύριον τὸ ἑτοιμασθὲν ἐπὶ χεῖρας,
vulg. dabant in manum).
2 kön. 12, 11; der guot alt etti hett sein siben pfenning geholt, die waren im also bar (
ausgezahlt) worden. Frey
garteng. cap. 40; etliche werden bahr bezahlet. Kirchhof
mil. disc. 213; wa sie dafür gab gut par gelt. Weckherlin 810; kaum so viel kahle mark baares geldes, dasz man darvon schwefelhölzer in die küche kaufen kan. Gryphius 1, 820; da hast du baare funfzig thaler, nur unterlasse den gesang. Hagedorn 2, 68; verheiszung, gegendienst, vielleicht was baarers noch. Haller 113; die tausend thaler musz ich baar und auf einem brete (haben). Gellert 3, 296; geben wir denn nicht unser baares geld dafür? Göthe 20, 145; es dauerte sie jeder baare pfennig, den sie aus der hand geben wollte. 22, 202. etwas für baares geld nehmen
heiszt unbesonnen und ungeprüft lügen glauben, oder scherz für ernst halten: ungereimte meinungen und märchen, die für baares geld angenommen wurden. Wieland 19, 128; man glaubt leicht was man wünscht, Nicolai nahm in seiner unbefangenheit alles für baare münze. Fichte
Nicol. leben s. 18.
s.bargeld,
barschaft. 55) baar
für rein, lauter, ungefälscht: baare milch,
blosze milch, nichts als milch; er soll schwarz brot essen und das baare wasser dazu trinken; sehen sie, das ist blanke, baare erfahrung. Bürger 179
b,
das liegt offen vor augen, ist lauter. Fischart
sagt: dise haben gebeicht und gerewet (
bereut) und ablasz bekommen, darumb werden sie also par (
gereinigt) ins paradis fahren, wie die säns in sack.
Garg. 207
a.
in den folgenden stellen ist mehr abstraction, doch liesze sich überall baar
vertauschen mit offenbar
oder lauter: und was er andern nicht an baarer gunst erweist. Hagedorn 1, 22; sie halten dies vermutlich für baren eigensinn? Wieland 5, 43; und dazu kommt noch, dasz sie mirs für baare verachtung aufnehmen, wenn ich ihrer nicht gedenke. Wieland
bei Merck 2, 140; baare, angeborne einfalt. Gotter 3, 302; das ist eine baare thorheit zu nennen. Göthe 2, 232; das ist baare hexerei. 11, 293; wenn sie nach entfernten und immer entferntern tropen haschen, so wird es baarer unsinn. 6, 105; diesen baaren unsinn der nachwelt zu empfehlen. 59, 292; das ist doch der baarste unsinn; ich schämte mich nur vorher, gleich meine reue so baar und offen zu zeigen. Tieck 11, 6. 66)
die mhd. sprache verwendet bar,
wie blôʒ,
häufig für ledig und frei, mit gen. der sache; er ist wîser sinne bar; si ist alles valsches bar; eʒ tuot sorgen bar; ougen saffes bar (Ben.
wb. 1, 141
a); der dâ wirt guotes bar.
jüngling 430.
nhd. erfolgt die fügung seltner: und aller ehren bar wär ich geblieben, hätt euer mut die schmach mir nicht vergaumt (
abgewehrt). Wieland 18, 50; so seis. wer von ergebung spricht an Östreich, soll rechtlos sein und aller ehren baar. Schiller 530
a; da kommt der immer meine freude war, der jetzt mich machet aller freuden baar. Tieck 2, 142; so waren wir alles französischen wesens auf einmal baar und ledig. Göthe 26, 71.
statt des gen. mit der praep. an: wehr-lehr-nährstand, jeder stand hat sein eigen ehr in sich, nim w. l. und
n. weg, lehrt der name solches dich: nur der herstand, der bisher andrer stände henker war, hat bei ständen keinen stand, ist an ehr und namen baar. Logau 2, 8, 21. 77)
wie das baare geld
ein bereites ist, setzt Keisersberg bar haben
für bereit halten, in promptu habere: het ich auch also bar die geschrift wider ietlichs lasters anfechtung, ich bin aber nit gelert; ein unvernünftige antwurt, die hastu bar.
post. 2, 83.