AUFERHEBEN vb. ahd. ûfirheffen,
mhd. ûferheben,
mnd. uperhēven.
zur flexion, bes. zum nebeneinander v. schw. u. st. präteritalformen s. heben
1DWB 4,2,721 f. 1
etwas, jmdn. nach oben bringen, hoch-, emporheben, aufwärts bewegen; refl. ‘
nach oben gehen, aufsteigen, sich erheben’. a
von räuml. bewegung; auch bildl.: ⟨800/10⟩ ther heilant uferhabanen ougon quad: ..
(Joann. 11,41: elevatis sursum oculis), Tatian 2135,25 S. ⟨v1022⟩ er
(Herkules) in
(Antäus) ûferhûob. unde in in bore ervuurgta Notker
1,300,23 P. E12.jh. uf erhuben sich wazzer sin
(ps. 106,25: exaltati sunt fluctus eius, d. h. des meeres), cod. pal. vind. 2682 1,179 LGF. 1293 bi geswͦrem eide den si tâtten mit ̂vf erhabenen henden ze gotte
corp. altdt. originalurk. 3,82 W. hs.u1300 daz unser herre wart uf erhaben an daz crúce
Lucidarius 46 DTM. 1472/3 dem kleynen puluer das .. von dem wind betrübt ist vnd auf erhebt von der erdenn Schlüsselfelder
decameron 246 LV. 1487
(er weint) mit aufferhebter stymm
(deren lautstärke erhöht ist; var. zu gen. 29,11), 1. dt. bibel 3,137 LV. ⟨1532⟩ vom cometen, der iez im december sich uferhebt hat Paracelsus
I 9,415 S. ⟨1562⟩ daß Daniel ward aufferhaben / unverletzt auß dem löwengraben Sachs
15,287 LV. 1646
(d. brunnen) stärkt, was lebt, / und jener
(auf der fontäne schwebenden) kugel gleich zum himmel auferhebt / die andacht-volle brunst
in: Harsdörffer
gesprächsp. (1641)6, )()()()( 7a. ⟨1770⟩ leicht schwebend erhoben sie
(grazien) sich .. vom boden zu Amorn auf Wieland
(1794)10,83. —
aufstehen, sich aus der ruhelage erheben; aufbrechen, sich aufmachen: ⟨u1460⟩ erhuͦb er sich snell auff aus dem pett, zu volbringen dasselbe versaumpt gepet Hartlieb
dialogus 83 DTM. ⟨1461⟩ ufferhuͦb sich ain jüngling, Appolonius .., und fuͦr über mer gen Antiochia Steinhöwel
Apollonius 93 Sch. ⟨v1560⟩ erhuben sich ire kon. may. am montag um eilf uhr wider auf, aus der stadt Eger nach Regenspurg zu reisen
chr. Eger 49 G. 1569
(nach dem sturz) erhabt er
(junker) sich viel leichtlicher auff, dann Galpan
(sein gegner), Amadis 77 LV. 1797 (matt erhob sich vom strohe)
var.: vom stroh auf (die bleiche / wöchnerin) Goethe
I 50,199 u. 393 W. b
von räuml. ausdehnung (als ergebnis einer bewegung) auferhaben, auferhebt
part.adj. ‘nach oben gerichtet, gewölbt, erhaben aufragend’,
zuerst ‘aus getriebenem metall gefertigt’: 9.jh.
ductilibus úf urhápanem
(vgl. eccli. 50,18: in tubis productilibus sonuerunt), ahd. gl. 2,342,22 S./S. ⟨1225/30⟩ den liuten er .. gebôt / diu betehûs, hôhe ûferhaben, / niderbrechen Rudolf v. Ems
Barlaam 339,11 P. 1261 wuͦrde ein man .. geslagen .. vn̄ die slege bruͦn weren vn̄ blâ vnde vf erhaben
(‘geschwollen’
), corp. altdt. originalurk. 1,80 W. ⟨1349/50⟩ wer über sich auferhebt ahseln hât gegen dem haupt Konrad v. Megenberg
b. d. natur 48 P. 1480/90 do erhuͦb sich das hopt
(Christi) vff von dem gemäld
(tafelbild des gekreuzigten) .. in der gestalt, als gewonlich die erhownen crucifix vfferhept sind
in: Sibilla v. Bondorf
Franciscus 191 TSM. 1561 auferhabne brust
arrectum pectus Maaler
t. spr. 31c. 2
von 1 a
her in übertr. verwendungen. a
jmdn., etwas aufwerten, zu höherem ansehen, in eine herausragende position bringen, auch refl. i. s. v. ‘
sich überheben, einen unangemessen hohen status beanspruchen’: ⟨790/802⟩ ze deru erhabanii dia himiliscun ze deru duruh des antuurtan libes deoheit ist uferhaban
(ad quam per pręsentis vitę humilitatem ascenditur), benediktinerregel 210,7 S. ⟨1394/5⟩ het er
(könig) stillen frid mit den aüssern, aber von innen ward ain hausveint auf erhebet
öst. chr. 185 MGH. u1477 als .. die pfauen .. merkten, daz er
(rabe) sich mit ieren klaidern
(pfauenfedern) höher wolt in eeren uf erheben Steinhöwel
Äsop 128 LV. ⟨v1495⟩ haben di Walchen selber küng under in auferhebt Arnpeck
bayer. chr. 475 L. 1525 das helig evangelium .. zu erwecken, wider ufzuerheben
urk. u. akten Strassb. II 1,120. 1560 wer gut, das sich niemandt / aufferhüb uber seinen standt Sachs
9,537 LV. ⟨1571⟩ demuͤtigkeit, / woͤlliche aufferhebt allzeit / die niderigen ding Holtzmann
spiegel (1574)165b. b
jmdn., etwas (herz, gemüt u. dgl.), sich in gehobene stimmung versetzen, geistig u. seelisch aufrichten, bei mystikern ‘
jmdn., etwas in gottes nähe bringen’: ⟨E13./A14.jh.⟩ wir müezen ûferhaben werden und gesast in eine lûter ruowe und alsô got sehen meister Eckhart
dt. w. 3,196 Q. ⟨n1391⟩ der deyt daz god gebyet / .. dem wort siin seel ho op erheben bruder Hans
marienlieder 4991 ATB. 14.jh. do erhuͦb sich sein
(des königs) hertz auf .. vnd
(er) sprach wider sich selben. ob icht ein ander got wær. dann er
gesta Romanorum 54 K. 1510 das fünft das den mennschen beraiten mag zuͦ goͤtlichem beschawen, ist ain auferhebtz gemuͤtt
granatapfel G 4c. ⟨1561⟩ daß sich auß dem sehnenden schmertz / gleich aufferhebt mein wundes hertz Sachs
16,30 LV. c
sich auflehnen, empören: ⟨1450/80⟩ wann sich das gemein volck und povel .. wider den ratte, die regirer und erberen altes geslechts .. aufferhuben
(Nürnb.) chr. dt. städte 3,275. hs.1514 her Caipha, er
(Jesus) hat sich aufferhept / und staczt wider unser gsacz gestrebt
passionssp. Tirol 312 W. 3
etwas wegnehmen, beseitigen, aufheben: 1281 daz diu selben gelubde vnd dev selben bant gar ledich sein, vnd ouch gar auferhaben
corp. altdt. originalurk. 1,405 W. 1349 in dem gute, so
N. N. und den andern synen gesellen ze Meilan uferhaben wart
(ablata et detenta) in: schweiz. id. 2,907. 1523 das fasten reinigt dz gemüt, es vfferhebt die sinlicheit Gebwyler
beschirmung L 3b. 1728 daß bloß das auferhabene gleichgewichte der elastischen krafft in der lufft eine solche bewegung verursachen könne Gottsched
in: Reichel
Gottsched-wb. (1909)1,393a. 4
etwas entstehen lassen, in gang bringen, von der stimme ‘
ertönen lassen’ ,
refl. ‘entstehen, aufkommen’ ⟨M14.jh.⟩ do irhuben dy van Lycaonien uf ire stimmen sprechende: ..
ostdt. apostelgesch. 63 ATB. ⟨1450/80⟩
(Karl IV.) het gelert leut gar liebe, darumb er auch die hohe schul zu Brag auff erhub
(gründete), (Nürnb.) chr. dt. städte 3,275. ⟨1531⟩ es hat sich auch ein sect vnder jn
(den täufern) aufferhebt Franck
zeitb. 2(1550) 184b. ⟨1556⟩ als ich kam zu eyner wegscheyd, / do auff erhub sich der sudwind / so gwaltig Sachs
3,293 LV. —
vereinzelt intrans. ‘
beginnen, anheben’: 1447 ob er .. zu reden auferhüebe von ains heurats wegen, darein wir uns begeben solten
privatbr. d. ma. 1,47 S.Petermann