Wossidia
antrecken anziehen, hat das alte anteihn (
s. d.) fast ganz verdrängt; im
Part. Perf. ist die schwache Form -treckt neben der starken -trocken üblich. 1. an etwas ziehen, absolut: mööst düchtig antrecken am Seil allgem.; dat Pierd treckt an an den Strängen; auf jegliche Arbeitsleistung allgemein angewendet: ick möt ümmer antrecken die Arbeit leisten LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; dorför (für die geschenkte Arbeitshose)
süll he düller antrecken SchwSchwerin@LübesseLüb; bildlich für prahlen, aufschneiden: dee treckt däägt an WaWaren@JabelJab. 2. jem. angreifen, ergreifen, anpacken, auf ihn einwirken, bes. von Anstrengung, Krankheit, seelischen Erlebnissen, absolut: wenn 't nich gor to dull antrecken ded' (nämlich die Erntearbeit), güngen de Spaßräden ümmer hen un her Wo. Ernt. 5; nachts ümherliggen, dat treckt an WaWaren@RothenmoorRoth; wenn dat Feewer antreckt Wa; wenn de Muk so recht scharp bi em antreckt Bri. 3, 58; 57; Döst un Hunger tröcken an Gü; bes. Schmerz, Leid:
dat (nämlich sein Tod, sein Verhalten) hett mi dull antreckt ist mir sehr nahe gegangen LuLudwigslust@TewswoosTewsW; WiWismar@Klein GörnowKGörn; Mi 3
b; RoRostock@WarnemündeWarn; as wüsst he dat, wat mi am smerzlichsten antröck Bri. 2, 42; ick künn keen Wuurt rute bringen, so tröck mi dat (nämlich die Abschiedsworte)
an Bri. 2, 238; wo kann di so wat antrecken? (aufregen) Reut. 3, 92; ferner 2, 386; den jungen Herrn sine Unhöflichkeit treckte em nich an (berührte ihn nicht) Reut. 2, 237; 4, 30; anderseits freudige oder bedeutsame Ereignisse: So hett mi nix antreckt min Lebenlang H. Schrö
d. Garw 216; Reut. 2, 54; im gemilderten Sinne jem. anreizen, interessieren: ick wull ok to See, dat treckt jo an RoRostock@WustrowWustr; auch auf ein sachliches Objekt bezogen: dat (der anhaltende Regen) hett antreckt auf den Erdboden eingewirkt GüGüstrow@GülzowGülz; wenn de Muerstein butenenn' natt sünd, dat treckt ok de annern an macht auch die anderen Steine naß WaWaren@BlücherhofBlüch. 3. Kleidungsstücke anziehen, jem. ankleiden: de Stäwel, dat nige Kleed antrecken allgem.; perfektisch meist in übertr. Sinne beschaffen, geartet sein,
z. B. von der Gesinnung, der Denkart eines Menschen: dee wir anners antreckt Wa; Ro Rostock@KlockenhagenKlock; ick bün so antreckt, wat ick nich kenn, dat frät ick nich RoRostock@RabenhorstRab; von seiner Befähigung: de Deensten (das Gesinde) wiren früher so antreckt (antrocken), de Buer bruukte nicks to seggen Schö; auch von der wirtschaftlichen Stellung: de Buern wiren so antreckt (so gestellt), dee güngen jeden Abend in 'n Krog to 'n Koortenspälen Wa Waren@BlücherhofBlüch; oder von gesellschaftlicher Stellung, scherzhaft: du büst hüt jo hoch antreckt in vornehmer Rolle RoRostock@RibnitzRibn; auch von Dingen: dor is de Acker nich nah antreckt für diese Frucht nicht geeignet GüGüstrow@GülzowGülz; so is 't nu antreckt so liegen die Verhältnisse GüGüstrow@GülzowGülz. 4. mit refl. Dativ etwas auf sich beziehen, sich zuziehen: du brukst di de Dam (den Ausdruck 'Dame') jo nich antautrecken Derb. 2, 254; öft. 5. als Fachwort in der Weberei das Garn auf den Webebaum aufziehen, gleich uptrecken: so väl as wi antreckt hadden
WaWaren@WredenhagenWred. Bl. 49
a; Br. Wb. 5, 104; Da. 6
a; Me. 1, 146; Ri. 312.