Andivie m.,
n.,
f.: 1. 'Endivie (Cichorium endivia)'. Die
mundartl. Formen und ihre Verbreitung zeigt K. 13. Dieselbe Bedeutung hat mancherorts die Zs. mit
-salat; vgl. Andiviensalat. Unterschieden wird zwischen Sommer- und Winterandivie.
Rhein. II 127 Endivie; Lux. I 30; Saarbr. 7;
Lothr. 9;
Els. I 50; Bad. I 46. — 2.
Wilder Andiftche 'Wegwarte' [KU-Lauteck GH-Wörth (Wilde 255)]. —
F.: Zur Qualität des
a s. an (Präposition);
e in
En-, das besonders westlich u. südl. von RO-Obmosch auftritt, ist wohl überall offenes
ę (ęn-). Die zweite Silbe lautet zumeist
-dif-, im Ostertal (WD-Hoof u. Marth), wo
i leicht in
e übergeht,
-def-; langes
ī (dīf, dīw) wurde 1930 gemeldet und 1963 teilweise bestätigt für KU-Albess HB-N'alth Höch ZW-L'wied RO-Münstapp LU-Altr LA-Edh; intervokalisch erscheint statt
-f- auch
-w- (wie auch in
kaawe 'kaufen'
u. a.):
andiwiχ, handiwiχ u. ä., so im Bliesgebiet sowie (neben
-dif-) südl. von PS-Dahn in einem Streifen
an der pfälz-. elsäss. Grenze. Die Endsilbe ist in der WPf sowie in der nördlichen und im westlichen Teil der mittleren VPf
-χə, das in individueller Aussprache auch als
-jə, bzw.
-šə (dieses bes. bei der jüngeren Generation) auftritt. Im übrigen (südlichen) Teil der VPf, im Grenzstreifen südl. Dahn und in der Bliesgegend gilt
-iχ bzw. (aus
-iχ hervorgegangenes)
-iš. Das die Aussprache erleichternde sekundäre
d (t) in
andifdχə, hḁndifdχə ḁndifdiχ, hḁndifdiχ u. ä. herrscht in der NPf und VPf von Norden bis etwa zur Linie PS-Dahn— GH-Wörth. Der Ton liegt beim Simplex zumeist wie im Pfälzischen auch bei anderen
frz. Fremdwörtern,
vgl. ˈalo (allo),
ˈbiro (Büro), auf der ersten Silbe:
ˈandi(f)χə, ˈandifdiχ, ˈhandifdχə usw., seltener auf der zweiten:
anˈdifdχə anˈdifdiχ usw.; die Pennsylvanier und Galizienpfälzer betonen allg. die 2. Silbe:
anˈdifdi, anˈdiwi, anˈdifχə, anˈdifdχə. In den Zusammensetzungen hat die zweite Silbe den Nebenton:
ˈsuməʳan̩difχə, ˈwindəʳan̩difdχə. Es kann also angenommen werden, daß die Erstsilbenbetonung erst nach Ende des 18. Jahrhunderts durchgedrungen ist. Im Genus überwiegt in der heutigen Pfalz
m.; bei den Formen, die auf
-ich, -i, -isch enden, gilt
m. allgemein. Bei den Formen auf
-che (-χə), -je (-jə), -sche (-šə) erscheint, da diese Silben als Verkleinerungssilben empfunden werden, auch
n. (das, des, 's andifdχə u. ä.
); f. wird in wenigen Fällen nur bei Andivie, Endivie angegeben. Die Pfälzer in Galizien haben zumeist
n. (ˈs Änˈdifχə u. ä.
); für Pennsylvanien gilt
m. nach Lambert Penns 13 u. 51. Das männl. Geschlecht statt des
urspr. weiblichen (
frz. endive und
mlat. endivia) ist offenbar vom Kompos.
andiwjəsalat 'Andiviensalat', das oft gleichbedeutend mit Andivie gebraucht wird, genommen. — Die pfälz. Formen deuten auf doppelte Herkunft des Wortes:
frz. endive, das sich in den mit
an- und
han- anlautenden Formen durchgesetzt hat (nur daß die Nasalierung des
a fast ganz geschwunden ist, wie
z. B. in
allo aus
frz. allons), und
mlat. ital. endivia (Kluge-Mitzka
17 Endivie), das in den Endungsformen
-jə und im weiteren
-χə (šə) nachwirkt,
vgl. Greffje —
Greffche 'Gemeindeschreiber', von
frz. grefier,
bißje —
bißche 'bißchen',
Mädje —
Mädche 'Mädchen'
u. a. Sekundär wie
d in
andifdχə, handifdχə ist auch
i vor
χ in
andifiχ, andiwiχ usw. (wie in
miliχ 'Milch',
āriχ 'arg'). Das Antreten von
h- an
an- in
handifχə usw. erklärt sich aus einer gewissen Unsicherheit im Hören und im Gebrauch dieses Lautes im Anlaut vor Vokal, wie auch die Form
Hawwerwachs für Aberwachs und
Handudel für Andudel und mehrere Ortsnamen in der Lautung früherer Sprachstufen zeigen (
Heberenburch für Ebernburg,
Honisheim für Ensheim,
Hophowa für Oppau,
Hudamerisheim für Ottersheim,
Orembach für Hornbach,
Arasheim für Harxheim,
vgl. Christmann SN 663). Nachträglich brachte man den Namen der Pflanze wegen der Lautähnlichkeit mit den Namen Johannes und Hannchen in Verbindung, so wenn man sagte, die Pflanze schieße nicht, wenn man ihren Samen am
G'hannstag (Johannistag, 24. 6.) säe (Wilde 49) oder ihr im Scherz die Deutung gab:
Handiftche —
de Hannche ehr Diftche [LU-Friesh]. Die Form
ḁndifdiχ in der südl. VPf erklärt sich als Mischform aus den ihr benachbarten Formen: nördlich
hḁndifdiχ, südl.
ḁndifiχ. —
Rhein. II 127 Endivie.