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ALLMENDE

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DWB2
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Eintrag · Grimm Neubearbeitung (1965–)

ALLMENDE f.

Bd. 2, Sp. 480
ALLMENDE, allmend f. n.  (auch m., vgl. Fischer schwäb. wb. 1,143). mhd. almeinde, almende; mnd. almene, almenie (nicht im lebendigen sprachgebrauch). (1) herkunft: das wort geht zurück auf ahd. al(gi)meinida (s. ahd. wb. 1,232), das kaum nachweisbar ist; vgl. (latinisiert) mlat. almeinda, algeme(i)nda mlat. wb. 1,487 ak. und: ⟨1223⟩ Wimpinensibus dedit forestum suum apud Wollenberc in proprietatem, et iure illo, quod vulgariter dicitur algemeine, perpetuo possidendum et tenendum ad communem ipsorum vtilitatem in: Haltaus gl. germ. (1758)19. 1656 gieter, weliche an die lantstraß und allgmain .. stossen öst. weist 3,256. ebd. 3,266. ferner: schweiz. id. 1,191. zur herkunft s. all indef.pron. sowie gemein (1DWB 4,1,2,3178 f.) mit suffix ahd. -ida, also ‘was allen gemein ist’; auf eine mögliche, aber weniger plausible herleitung vom namen der Alemannen weist J. Grimm dt. rechtsalterthümer (1922)2,11 hin (s.a. 1DWB 1,237 f.). (2) form: das wort erscheint in zahlreichen formvarianten, die (in jüngerer zeit zunehmend) auch mit ll vorkommen: almend(e), almeind(e), almeide, almein, almay, almäny, almy, almand(e), almad, almet, almit, almund(e); auch almut, almuot. (3) verbreitung: uneingeschränkte geltung hat das wort vor allem obd., insbesondere westobd. verschiedene mundartwörterbücher außerhalb dieses gebietes führen das wort (z.t. mit abweichender bedeutung) an (vgl. Mitzka schles. wb. 1,32b; Mensing schlesw.- holst. wb. 1,107; Dornkaat ofrs. wb. 1,26b). als ökon. fachwort wird allmende seit dem 19. jh. allgemein verwendet. die sache ist gemeingerm. (vgl. Kluge et. wb. 2115a, HRG 1, lfg. 1,108 ff.). 1 gemeinsam genutztes land einer gemeinde, einer festen nutzergemeinschaft. a allen gemeinsamer grund, besonders viehweide, auch waldgebiet, fischgewässer (außerhalb des unmittelbar zum ackerbau bestimmten bodens) 12.jh. compascuus ager almeinde ahd. gl. 3,407,15 S./S. 1258 daz dîe selbvn almeînde nîeman verkoͮfen sol .. âne .. willen alre der gebîvrschefte corp. altdt. originalurk. 1,70 W. 1280 (die schiedsleute) hant uns also gesceiden daz .. daz ober teil des selben wazzers des uorgenanten closters und der gebure eine gemene almende (sei) ebd. 1,387. 1318 daz wir .. hand verlúhen unsern walt ze Gúndlingen .. dem dorf ze einer almende freiburg. urkb. 3,346 H. ⟨1399⟩ der almäny wegen in: Jutz vorarlb. wb. 1,62. ⟨14.jh.⟩ (bildl.) er wond, ir (Helenas) rubin rotter mund / der wer almente worden: / nein: aller ritters orden / möste ee an fröden sin verzagtt / ey sy die kaysserlichen magtt / liessend suss verkrenken göttweiger trojanerkrieg 3323 DTM. ⟨1453⟩ doch ander welde weren ir allemit weist. 2,41 G. ⟨1456⟩ da dannen hin alss deren von Ottelfingen geteilt wissen vnd äker stossent an die offnen allment ebd. 1,81. ⟨1504⟩ wenn kein hŭss me uff der selben hofstatt stat, so soll dann die selb hofstatt wider allmy sin in: schweiz. id. 1,190. 1514 böm .., so usserhalb der weld und uff irn aigen guttern oder den allmanden stiend bauernkrieg, aktenbd. 112 F. ⟨1535⟩ vndt auf st. michelstag mag bey der gemeindt vihe in die lachen gehen, vndt auf gallitag in die allmayen überall weist. 4,559 G. ⟨1539⟩ die andern wasser .. sind dero von Losspurg gemaine allmad, vnd wa ain frembd mentsch darjnn vischete, den rugte man ebd. 1,393. ⟨1540⟩ item diese mark des stiefts eigenthum und den armen ein richtig almunde. .. item weisen sie, das .. der probst kein verbot hab zu machen uber ire almud ân die gemein ebd. 6,412. ⟨1563⟩ weg, an die acker, darauff die almuth stoßen hatt, soll er uff ihm uff die almuth fahren obrhein. stadtrechte I 458. 1593 so ainer vich hat, das der herd nit gefolgen mag, das soll im stall bleiben .. und der almuot mießig stehn württ.ndl. rechtsqu. 2,69 W. 1630 (im bilde:) hurerey. auff gemeiner almend ist niemand zu grasen verboten Lehmann florilegium 433. 1781 alle grundstücke folglich auch die weiden oder allmenten zum anschlag zu bringen Pfeiffer finanzwiss. 299. 1786 frey irrten sie (gallische einwanderer) weit und breit in der allmend (anm.: ein oberteutsches wort für gemeindgüter, aus waiden oder feld bestehend), und man weiß nicht, ob sie von derselben die Alemannen oder die allmend nach ihnen genannt wurde J. v. Müller eidgenossenschaft 1,64. 1837 diese gemeinschaftlichen hudeplätze der gemeinheiten nannte man almenden, almeynen J. Scholz schäfereirecht 14. ⟨1854⟩ (bildl.:) diess (muttersprache) ist die grosse allmend, worauf sich die gelehrten und die ungelehrten aller fächer weiden Wackernagel kl. schr. (1872)3,421. 1905 das große „allmend“, das von vornherein nur der gesamtheit diente, in dem .. jeder eine möglichkeit, seine notwendigsten lebensbedürfnisse zu erwerben, fand. von der größe dieses allmends zeugt die tatsache, daß .. Damaschke nationalökon. 29. 1955 Foag denkt u.a. an eine aufteilung der allmenden (des gemeindlichen land- und forstbesitzes) und an eine teilweise reprivatisierung des staatswaldes süddt. ztg. 299,17. 1969 sachwb. gesch. Dtlds. 1,51a.ferner (ohne erkennbaren hinweis auf nutzer und nutzungsform)freier platz, anger’, auchbrachland’; öfters als versammlungsplatz dienend: ⟨1150/60⟩ (hierher?) der minir genoze / quamen sechscene / vf ir alemene / vnd clagetin trut herre min / deme liebin vatir min könig Rother 5126 (s.a. fußnote) F./K. M15.jh. die güeter (ländereien).. also (wegen der Pest) ungebuwen lagent, als ob es almend were Kiburger stretlinger chr. 87 B. ebd. 93. ⟨1498⟩ da die dry jünger geschlaffen hand, da mag in den selben ziten wol ein gart sin gsin; es ist aber jetz nüt den alment d. geschichtsfreund 8(1852)219. 1535 also sei die erde den menschen auch geben vnd zuͦ bewonen zuͦgelassen, welche wo sie oͤde vnd wüst stehe, doselbst sei sie alman vnd eynem jeden sich dohin zuͦ setzen erlaubt Micyllus Tacitus 216a. 1823 daß es sich hier um eine dem zwecke entsprechende weide oder wiese und nicht um eine allmande oder ein wildland handelt Schwerz ackerbau 1,367. ⟨1878⟩ auf dieser allmende sah er .. ein häuflein .. älterer herren sich .. durcheinander bewegen und alle vorbereitungen zu einem .. bombenwerfen (mörserschießen) ausführen Keller (1889) 6,12. ⟨1947⟩ mit dem eindrücklichen ernst eines alten totentanzbildes trat ihm mit einem male die große almeinde vor augen, auf der alles gebrechen und vergänglichsein zutage kommt Welti Martha (Zür. o.j.)485. b sonstiges gemeindeeigenes gelände, z.b. wege, plätze u.ä. (auch innerhalb von ortschaften): 1296 so hant die minrebruͦdere, vnserre stette gegebin, ze eîner almende, daz gesselin bi der frowen hûs corp. altdt. originalurk. 3,439 W. ⟨1362⟩ die hüser uf dem graben brantent zuͦ beiden siten ... donoch verbot man, daz nieman keinen uberhang me machen sol uber die almende (Straßb.) chr. dt. städte 8,96. 15.jh. das nieman die almende und gassen die zuͦm wasser zuͦ gont uf dem holzmercket verlege noch verslahe strassb. zunft-verordn. 410 B. 1509 es sol nieman .. machen ingenge in keyler oder gruben .. in gemeiner unser stat almende, strassen und gassen weiter .. dan sein eigen grunt, muren oder schwellen reichen obrhein. stadtrechte III 1,472. 1604 der gerber zunftstuben vornen ufs allmend gehend strassb. tucherzunft 235 Sch. 1643 einer armen magd .., so die allmend in der sandgaßen in meinem haus geseubert stud. lebenshaltung Frankf./M. 2,130 Sch.-A./B. 1780 auch ist das haus, wie jeder sagt, / von böser nachbarschaft geplagt. / wie man exempel jeden tag / in der almende (von Plundersweilern) sehen mag Goethe I 16,47 W. 1855 diese großen vorplätze waren aber allen hausgenossen zur gemeinen benutzung. sie sind gleichsam die almende des „ganzen hauses“ Riehl familie 163. 1899 wie sie (bürger) sich die baulichen übergriffe auf die allmende erlauben und davon nur schwer abzuhalten sind .., wie sie ihre werkstatt gelegentlich auf die strasse verlegen Heyne hausaltertümer 1,331. 1953 der markt wurde gleich der allmende und der stadtbefestigung vom rat überwacht Thürer st. galler gesch. 1,198. 2 als einrichtung, recht der gemeinschaftlichen nutzung von ländereien, auch nutzergemeinschaft: 1133 videlicet potestatem secandi in silva publicali, quod vulgo almeide dicitur, & jus viarum eundi & redeundi Schoepflin alsatia diplomatica 1(1772)203. 1239 quicunque extraneus accedens ad oppidum in Wettera vult habere communionem, que volgariter almeinde dicitur, dabit .. communitati xx den. leves weist. 3,343 G. ⟨1335⟩ ein ander stözze (streitigkeit) was umb die almain an holtzern und an weide in: Fischer schwäb. wb. 1,143. 14.jh. untze zuͦ sante Michels tage, so sol jederman (vogelsteller) stellen und tuͦn wie er gewinnen mag, und got das die almende nüt an strassb. zunft-verordn. 178 B. 1404 welcher unser burger der ist, .. der sich der almende under ziuhet, der oder die selben, .. sullen der stat geben 10 pfund haller obrhein. stadtrechte I 89. 1521 vom alment. gewild, voͤgel vnd vysch soll jederman gemein sin für sin not zuͦ fahen ... holtz soll jederman gemein sein zuͦ hawen Eberlin 1,125 HND. 1537 vnd ob vns einich guͤttere .. abgangen oder abgetrungen wurden, es were gegen der allmand, gemeinden oder sondern personen, .. das soll jnen (lehnsherrn) .. an obgemelter jargült .. keinen schaden .. bringen Hug rhetorica 169a. 1850 am Oberrhein, einem lande, welches gallische ansiedler bewohnt haben, auf deren sprache und verhältnisse man bei einem so alten institut wie die almenden rücksicht nehmen musz Mone in: J. Grimm kl. schr. 7(1884)296. 1955 die alten bäuerlichen forderungen nach wiederherstellung der allmende wiss. annalen 227. 1971 allmende bezeichnet .. auch den gemeindeverband als die vereinigung aller jener, welche an der nutzung der allmende beteiligt sind HRG 1,111.Huber
9694 Zeichen · 285 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    AllmendeDie

    Campe (1807–1813) · +4 Parallelbelege

    † Die Allmende , s. Allgemeinheit.

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Allmende

    Goethe-Wörterbuch

    Allmende Gemeindebezirk Auch ist das Haus .. | Von böser Nachbarschaft geplagt: | Wie man Exempel jeden Tag | In der Alm…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Allmende

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Allmende , urspr. der Verein, die Gemeinschaft freier Männer, der Wald und Weide in bestimmtem Umfang gehörte, jetzt das…

  4. modern
    Dialekt
    Allmende

    Bayerisches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    Allmende Band 1, Spalte 1,274

  5. Sprichwörter
    Allmende

    Wander (Sprichwörter)

    Allmende [1.] Auf Allmende zu weiden ist niemand verboten. Lat. : Nemo ire quemquam prohibet publica via. [Zusätze und E…

  6. Spezial
    Allmende

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    All|men|de f. (-,-n) (Gemeindeflur, Gemeindegut) terac dla comunité m. , proprieté de na vijinanza f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit allmende

4 Bildungen · 3 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von allmende

allmenden + -e

allmende leitet sich vom Lemma allmenden ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von allmende 2 Komponenten

all+mende

allmende setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

allmende‑ als Erstglied (3 von 3)

Allmendegut

Wander

allmende·gut

Allmendegut Almendegut ist nicht Nachbargut. – Graf, 68, 35. Das Gut, welches einem Privatbesitzer gehörte, musste durch einen Zaun vom Geme…

Allmenderdreich

DRW

Allmenderdreich Pflanzland auf der Allmende 1775 Obersimmenthal 192 Faksimile

allmenderecht

DWB2

allmende·recht

ALLMENDRECHT , allmenderecht n. recht auf nutzung der allmende: ⟨1695⟩ in: DRW 1,485. ⟨1765⟩ allmenderecht für 4 kühe in: schweiz. id. 6,276…

allmende als Zweitglied (1 von 1)

Sommerallmende

DRW

sommer·allmende

Sommerallmende, f. Sommerweide, die nach Allmendrecht genutzt wird vgl. Frühlingallmende, Herbstallmende es sollen auch keine dann werschaft…