ABDRÜCKEN,
obd. abdrucken vb. mhd. abedrücken,
mnd. afdrücken. 1
etwas durch druck lostrennen, abpressen. a
eigentlich und in zugehörigen bildlichen verwendungen: ⟨1172⟩ owē da man sie hin zuchte/ vnd in daz leben abdrukte,/ da der kinde blut nidergoz priester Wernher
(D) 4926 W. ⟨1250/4⟩
(die amme) viel und in dem valle/ kam undir si der kleine knabe./ die fuͤze druchte si im abe Rudolf v. Ems
weltchr. 27578 DTM. 1513 darzuͦ die wundartzet besunder instrument .. haben sollen .., da mitt solich
(glieder einer totgeburt) gleich .. abgetruckt vnd geschnitten .. werden Rösslin
rosengarten 72 K. ⟨1682⟩ den schnee, wann er sich .. an die aeste legt, und zu besorgen, daß er solche abdrucken möchte, sacht abschütteln Hohberg
georgica (1687)1,571a. 1797 fliegen, die noch immer, wenn man ihnen den kopf abgedrückt, die vorderfüße vorstrecken, um die augen zu säubern Jean Paul
I 7,129 ak. ⟨1858⟩ im vollsten schmerz faßte mir Reil die hand .. als wenn er sie mir abdrücken wollte Arndt
2,1,127 R./M. 1956 weil die isolierschicht .. vom wasser nach und nach abgedrückt .. wird
berl. ztg. (23.6.)6. —
redensartlich das herz abdrücken
seit dem 16. jh. durchgehend gut bezeugt: 1521 glaub, der etcum
(eifersucht) sampt dem innern nyd zamen hetten ims hertz abtrückt
flugschr. ref. 4,84 C. ⟨1947⟩
(ihr) hätte es das herz abgedrückt Fallada
jeder stirbt (1951)220. b
übertragen, jmdm. etwas abnötigen abzwingen: v1365 wir virbiedin .. unrecht zulle und unrecht geleide und abedrucken gewonlichis schetzins umb daz geleide
goldene bulle 17 in: zs. f. rechtsgesch. 31(1897)133. 1523/6 so er .. gross guͦt gelöst,/ kouft er witwen und weisen us,/ truckt inen ab hof und hus
in: N. Manuel
404 B. 1544 wöliche
(kaiserlichen freiheiten) der bischof gern widerfochten und abgedruckt haben wollt
(Augsb.) chr. dt. städte 34,141. ⟨1682⟩ einen zu betriegen und ihm das pferd abzuschwätzen und abzudrucken Hohberg
georgica (1687)2,247b. ⟨v1742⟩ gehäufftes korn, den armen abgedrücket Drollinger
ged. (1743)87. ⟨1898⟩
(der inspektor) will m’r wieder vom fuhrlohn abdricken G. Hauptmann
ausgew. dr. 2,216 M. 2
einen abdruck machen, etwas in wachs u. dgl. nachbilden refl. sich abzeichnen; häufig bildlich im sinne von (sich) abbilden, ausdrücken: 1377 eyn .. slussel .. abezudrucken .., andere slussele darnach zu machen
frankf. zunfturk. 1,460 Sch. ⟨u1440⟩ das selbe fürspang
(des halsbandes) drucket ich ab in ein gelbes wachs Windeck
denkw. 82 A. ⟨z.j.1503⟩ des Baners .. petschafft an ainem anndern brief abgedruckt .., denselben falschen brief damit versigelt
(Nürnb.) chr. dt. städte 11,668. 1577 die floͤh in laimen abtrucken, zusehen, wie vil sie füs hetten Fischart
3,59 DNL. 1615 denselben
(schlüssel) truckte ich ins wachs ab Albertinus
landtstörtzer 120. 1759 den
(geschnittenen stein), welchen ich heimlich auf der gallerie abzudrucken suchte Winckelmann
br. 2,52 R. ⟨1896⟩ mit fußtritten, deren spur sich noch im erdboden abdrückte Wildenbruch
ausgew. w. (1919)3,300. 1955 deutlich hatte sich die spur zweier .. füße im schnee abgedrückt
berl. ztg. (27.11.)3. —
bildlich: ⟨1538⟩ vnser gmuͤt inn dem gemuͤt des zuͦhörers .. abzuͦtrucken Franck
arch (1539)182b. 1657
(Jesus) ist der gottheit meisterstuk,/ drein sie sich selbst abgedrukket Silesius
seelenlust 201 HND. 1790 er .. sieht entzückt/ sein bild im wasser abgedrückt Pfeffel
poet. vers. (1789)3,182. 1803 Albano suchte durch scharfe .. blicke das todtengesicht .. abzudrücken in sein gehirn wie in gyps Jean Paul
I 9,441 ak. ⟨1835/42⟩
(die minnesinger) waren von den gesetzen dieser gesellschaft gebunden und dies drückt sich in allen ihren gedichten ab Gervinus
dt. dicht. (1853) 1,331. 3
abschießen (eigentlich den hebel der armbrust bzw. den hahn des gewehrs betätigen, um den schuß auszulösen) 1517 der heldt spanndt den stahel vnd gert,/ den vogel zuͦschiessen herab./ als der held anschluͦg vnnd truckht ab,/ ein groß stuckh von dem stahel prach
Theuerdank 49a H. 1665 daß ein ieder schütze zeit hatte, deren
(pfeile) vier abzudrücken Bucholtz
Herkuliskus 664a. 1764/71 herr Voß hat .. sehr starck gegen mich geladen und wird im deutschen museum abdrücken Lichtenberg
br. 1,390 L./Sch. 1848 daß ich .. nicht fähig wäre, .. ein gewehr abzudrücken K. A. Varnhagen
tgb. (1861)5,87. 1953 schießt mir den bock vor der nase weg, ..
(als) ich selbst abdrücken will H. Grimm
jägerei 70. 4
euphemist. ‘sterben’ (
obwohl früher belegt, möglicherweise von 5 b
abgeleitet? s. auch abdruck 4): 1551 daß daheym das weibe dem man .. inn tods noͤten redlich geholffen .., daß eyner nur so bald abdruck vnd hingehe
Petrarca zwei trostb. 214b. ⟨1649⟩ ein süsser schlaff schleust jhm die augen zu,/ vnd damit drückt er ab,/ ein engel nimmt die seel in gottes-rhu Dach
ged. 3,263 Z. u1673 welcher .. im hundertsten jahr seines alters abtruckte Grimmelshausen
Simplicissimus 2,601 LV. ⟨1782/7⟩ da es mit ihm zum abdrücken kam Musäus
volksmärchen 3,86 M. 5
in verschiedenen weniger ausgeprägten (umgangssprachlichen oder okkasionellen) verwendungen. a
hinabdrücken: ⟨v1445⟩1473 das der valck das selb äß wol abtruckt
(hinunterschlingt) vnd abdäwet Mynsinger
falken 25 LV. ⟨v1528⟩ nach dem dj seele des menschen .. in dise erden .. abgedrügkt vnd gesengkt ist Schwarzenberg
Cicero (1535)37b. b
aufbrechen sich (heimlich) davonmachen (
vgl. sich [ver-]drücken): 1647
(wir sind) mit roß und vieh selbige nacht noch naher Uberlingen abgetruckt Bürster
schwed. krieg 124 W. ⟨1782/7⟩ um kein augenzeuge davon zu sein, drückte er sich ab, und unternahm eine kleine reise ins land Musäus
volksmärchen 1,18 M. 1800 drücke dich aus unsrer gesellschaft ab A. W. Schlegel
Shakespeare 6,255. c
wegdrängen, (sich) abstoßen: 1700 vom land abdrucken,
id est das schiff Kramer
t.-it. 1,247a. 1757 leget .. einen .. stein
(auf das mit quecksilber bestrichene glas), damit das quecksilber allenthalben hinkommt, das überflüßige aber abgedruckt wird
samml. wiss. u. kunststücke 22. ⟨1795⟩ Flamin drückte ihn
(Viktor) von sich ab Jean Paul
I 4,108 ak. ⟨1872⟩ von unserem recht lasse ich mich nicht abdrücken Freytag
(1886)8,96. ⟨1958⟩
(er) hatte das gefühl, sich von der wand, an der er klebte, abzudrücken und zu stürzen Apitz
nackt (1960)157. d
(heftig) umarmen: ⟨1910⟩ die
(kriegsleute) hatten das mädchen hergekriegt und abgedrückt Löns
wehrwolf (1944)30. ⟨1954⟩ der kleine Schuricht drückt mich ab Strittmatter
Tinko (1958)277.Richter