Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)
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zwinghof, m. , zu zwing 2 und hof als 'gebiet, umkreis, umfriedeter raum', nur in älterem deutsch, vor allem schweizerisch. vereinzelt die form tzinghoff, s. u. 1 a. 11) ursprünglich im weiteren sinne: eine ausgedehnte fläche, ein gröszerer umkreis, der unter besonderen, die freie verfügungsgewalt stark einschränkenden oder ausschlieszenden rechtsverhältnissen steht; vgl. zwing 2, zwinger B 1 a, zwingolf 1; twing-, zwingelhof schweiz. id. 2, 1035. 1@aa) der verfügungsbereich, in dem der besitzer im offenen lande seine grundherrlichen rechte und die niedere gerichtsbarkeit ausübt, gerichtsbezirk, hofmark, vgl. schweiz. id. 2, 1035 u. die dort gegebenen belege, anscheinend aufs hochalemann. beschränkt: dis sind die rechtung, die in den twinghof ze Halderwanc gehörent ... ouch sol des twinghofs twing und bann gan ze Rubisweil für Birrhard an den stalden (schweiz. 14. jh.) weist. 5, 68; lütt, die in dem obgenannten tzinghoff gesessenn sind, ob da deheiner one liberben abgatt unnd nit im tzinghoff fründ hatt, die inn erben mögennd (Zürich anf. d. 16. jhs.) ebda 4, 316; ein ieder, der im zwinghoff zu Nerach gesessen ist und darzuo gehoerd, der sol unnsern herren von Zurich alls irem vogt ein fasznachthuon gebenn (16. jh.) ebda 4, 318; zwuoschen keyserstuol vnd dem Wental ligt das neuw ampt, ein besondere herrligkeit vnnd vogtey der statt Zyrich zuostendig, mit etlichen dörffern vñ höfen darzuo gehörig. disz ampt ... heiszt von alterhär der zwinghof zuo Nerach Stumpf Schweizerchron. (1606) 466a. 1@bb) bannmeile, weichbild einer stadt: pomoerium ein zwinghof, das ist ein bestimpte weyte bey der stattmauren hAerumb, innerthalb vnd auszerthalb, da dann verbotten was zebauwen Frisius dict. (1556) 1017b; Calepinus XI ling. (1598) 1110b; antemurale zwinghof Diefenbach gl. 37c; pomerium zwinghof (1590) ebda 446b; pomoerium ein zwinghoff, gewisse weite bey den stadtmauren, da man nicht bauen duorffte Dentzler clavis (1716) 595; zwinger, zwinghoff pomoerium, promurium Aler dict. (1727) 2, 2294b. der begriff erweitert und verallgemeinert sich zu dem des geltungsbereichs rechtlicher verfügungsgewalt der stadt überhaupt; das stadtgebiet, der gesamte besitz der stadt an grund und boden: nachmals aber, da Gratianus regiert, und jhr zwinghof oder herrschung erweitert worden G. Braun beschreibg. u. contrafactur 3 (1581) 9a; Leopoldus (hat) dieser neuen oder vielmehr erneuerten statt Wienn gecirck und zwinghoff erweittert H. Abermann histor. beschreib. 2 (1619) 33. 22) in verengerter bedeutung unter sachlicher begriffsverschärfung. 2@aa) der freie raum zwischen innerer und äuszerer verteidigungsmauer (vgl. zwing 3, 2zwingel 3, zwinger B 1 b, zwingolf 2): die zwinghoff zwischen den stattmuren zu Geyszlingen gelegen (Geislingen 1513) dt. bauernkrieg, aktenbd. 75 Franz; wann ein fremmder die grosze zwinghOeffe oder lAere plAetze sahe, da zuvor grne wAelde, gAerten mit wolriechenden blumen ... gestanden Egesippus v. d. zerstörung d. st. Jerusalem (1575) 177; dieselbige (märkte) umziehen sie mit mawren gleich eim zwingkhoff G. Braun beschreibg. u. contrafactur 1 (1572) 55a. 2@bb) sonstwie umschlossener raum, z. b. umzäunter hof für vieh: der meierhof soll ein zwinghof han. der gehaget syge, daz weder gäns noch hüener möge darus kommen noch ander vieh quelle im schweiz. id. 2, 1035. vom vogelnest: der storck sucht ... sein vorig und alt näst ... wenn es ... zerbrochen (ist), liszt er allenthalben im väld gerten zusamen vnndt bauwt ein neuws. erstlich machet er einen runden vnnd holen zwinghof, ganz eben und gleych R. Heuszlin Gesners vogelbuch (Zürich 1557) 231a. mit der vorstellung von zwingen, vb., B 1 b, 'zwingburg'; bewuszt in altertümlicher form erneuert im 'Wilhelm Tell': ein solches ist in Uri nie gewesen — seit menschendenken war kein twinghof hier, und fest war keine wohnung als das grab (auf die feste Zwing-Uri bezogen) Schiller 14, 297 G.
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15.–20. Jh.
NeuhochdeutschZwinghofDer
Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg
✱ ✱ Der Zwinghof , — es, Mz. — höfe , ein größeres Gebäude, welches dazu dient, Andere in Zaum zu halten und zu dem Verl…
- modern
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Cotta, M. (2026). „zwinghof". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/zwinghof/dwb?formid=Z13679
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Cotta, Marcel. „zwinghof". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/zwinghof/dwb?formid=Z13679. Abgerufen 10. May 2026.
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Cotta, Marcel. „zwinghof". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/zwinghof/dwb?formid=Z13679.
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