zuhörer,
m. ,
seit beginn des 16.
jh. allgemein Frisius 136
b; 146
b,
mhd. nur als zughorer
pilgerfahrt des träumenden mönches 5372. 11) zuhörer
ist, wer im einzelnen falle zuhört: und der sehenden augen werden sich nicht blenden lassen, und die ohren der zuhörer werden auffmercken
Jes. 32, 3; durch zu viel und unbescheidentliche reden verderbestu den magen der zarten und subtilen zuhörer Äg. Albertinus
hirnschleiffer (1664) 5; eine arie aus Fanchon .., womit eine verstimmte harfe, ein paar nicht gestimmte violinen ... sich und die zuhörer quälen E. Th. A. Hoffmann 1, 11
Gr.; Münchhausen hatte ihm die wirthschaft der infusionsthiere mit so reizenden farben geschildert, dasz sein zuhörer
in entzückung gerathen war Immermann 1, 90
H.; vier .. bürger, zwei ... im gespräch, die beiden andern .. eifrige zuhörer Fontane I 1, 375; ein sprechender findet aufmerksame, andächtige, eifrige, willige, wiszbegierige zuhörer
u. ä. beim schauspiel nur, wenn es auf das hören ankommt: datum und jahreszahl werden undeutlich gelesen, so dasz sie der zuhörer nicht versteht Göthe 8, 292
W. 22)
in einer besonderen beziehung steht der zuhörer zum redner, prediger, lehrer: ein kluger beredter mann weisz seine reden den zuhörern so eben und gerecht zu machen, wie ein geschickter schneyder ein schön kleydt dem leib Lehmann
floril. 2, 665; meine feurige beredsamkeit, die jetzt den zweifachen zweck hatte, die eigene furcht zu dämpfen und die zuhörer zu entflammen Steffens
was ich erlebte 1, 119; sintemal, wo kein zuhörer were, da kund kein prediger sein Luther 30, 2, 604
W.; buszfertiger zuhörer, tröstlicher prediger Petri 1, a 4
b; fleiszige zuhörer machen fleiszige prediger 1, c iv
b; predigen konnte er gut, nur waren seine predigten zu lang für seine zuhörer, und für seine eigene gesundheit Schubart
leben u. gesinn. 1, 48; die hefte, welche durch den fleisz aufmerksamer zuhörer entstanden sind A. v. Humboldt
kosmos 1, x; für vorlesungen im alten sinne fanden sich in kurzem keine zuhörer mehr Ranke 1, 203. 33) zuhörer
ist, wer zum zuhören da ist, auch wenn er gerade nicht zuhört, oft wie '
anwesender', '
zeuge': bey der gegenwirkung des zuhörers gelangt man eher zu einer geistreichen stimmung Göthe IV 19, 236
W.; es fehlte nicht an tischen für die notarien, an bänken für die zuhörer Ranke 1, 281; 'erzählen sie nur!' riefen die zuhörer Spielhagen 2, 26; er war bei der freisprechung der Vera Sassulitsch ... der erste, der zum beifall der zuhörer das signal gab Bismarck
ged. u. er. 1, 336
volksausg.; abends nach dem diner war konzert bei der königin, leider in einem so kleinen saal, dasz nur die hälfte der zuhörer hinein konnte Moltke
schriften u. denkwürd. 6, 310; hatte er (
der prediger) ... geendet, so geschah es häufig, dasz auf dem kirchwege die zuhörer herbeieilten und ihm dankend die hände drückten G. Keller 5. 301. 44)
so wird in den bei 2
genannten beziehungen zuhörer
zur bezeichnung eines allgemeinen, dauernden verhältnisses, wie hörer, jünger, schüler: Simeon einer gewesen sey von den zuohörern Christi C. Hedio
chron. Germ. (1530) d 2
b; sein zuhörer und jünger Achatius
chron. Sleidani 32
a; seine (
des predigers) befolhene schäfflin und zuhörer
M. Herr
feldbau (1551) 7
b; so fragen sie nichts darnach, ob ihre zuhörer zum teuffel oder zu seiner mutter fahren B. Schupp
schr. (1663) 88; liebe zuhörer! (
als anrede in der predigt).
besonders von studenten: si daretur tale auditorium hett ich solche zuhörer E. Alberus (1540) 1
b; eim seine junger oder zuohörer abziehen Frisius 143
a; als er nun mit seinen zuhörern einmal den griechischen fürtreflichen poeten Homerum gelesen
volksb. von dr. Faust 148
ndr.; prof. Heise hat 50 zuhörer, was bei den bis jetzt wenigen studenten sehr viel sagen will J. Grimm
an Wilhelm 40; seinen ältesten sohn, einen tüchtigen studenten und zuhörer Wolfs Chamisso 5, 116. 55)
die zuhörer
werden den lesern gegenüber oder, in älterer zeit, auch gleichgestellt: die entfernten leser einer predigt urtheilen ganz anders als die zuhörer derselben J. Möser 3, 4; lieber leser oder zuhörer Wickram 2, 122
Bolte, ähnlich Fischart
ehzuchtbüchl. 151
Hauffen; Gottsched
beytr. z. crit. hist. 1, 69; Herder 17, 163
S. in demselben sinne meine zuhörer Fischart
podagr. trostbüchl. 21
Hauffen; geschichtklitt. 67
ndr.; Hebel 2, 439
Behaghel. 66)
der zuhörer,
wie sonst der hörer,
dem thäter gegenübergestellt: dann bey gott nit die zuohörer des gesetz gerecht sein, sonder die würcher des gesetz werden gerecht gemacht Berthold v. Chiemsee 26; last uns nicht nur zuhörer, sondern thäter des gesetzes sein Kramer 1, 710
a; got wil nit zuhörer oder nachreder haben Luther 10, 3, 4
W. 77)
vereinzelt für '
vermittler', '
richter': die eltesten von Gilead sprachen zu Jephthah, der herr sey zuhörer (
mediator ac testis) zwischen uns, wo wir nicht thun, wie du gesagt hast
richter 11, 10. 88)
veraltet u. selten wie zugehöriger: Abraham, Loth und ihre zuhörer E. Menius
chr. Carionis (1560) 1, 40
c; die besten ... güter, höfe, dörffer ... daran ihnen (
den vögten) die unterthanen und zuhörer vielmehr arbeit, hof- und frondienste ... thun und verrichten müssen Fr. Breckling
regina pecunia (1663) 15; und ist (
die depositio) ein fein spiegel und fürbild ... des glücks der gelehrten, von bösen leuthen, weibern, zuhörern, gesinde Scheräus
sprachensch. (1619) 99. 99)
zusammensetzungen sind besonders seit dem 19.
jh. häufig, in der bedeutung 3
und 4
folgend: zuhörerkreis, -zirkel, -zahl, zuhörerbank, -gallerie, -raum u. a. m. am meisten hat sich