zolch,
m. ,
mhd. zolk, zolcher, zolker
mhd. wb. 3, 946
b; Lexer 3, 1148;
in denselben formen und als zolgge, zolgen, zolkle
in der Schweiz, im Elsasz, in Schwaben, Baiern. Nordböhmen, Oberlausitz, als zulch
in Hessen Vilmar 473
nachgewiesen, s. die nachweise beider bedeutungen. seiner form nach gehört es einerseits zu got. tulgus '
fest, stark',
as. tulgo,
slav. dlŭgŭ,
griech. δολιχός,
apers. dareghō,
ai. dīrghas,
lit. ìlgas '
lang',
auf der andern seite zu mhd. zelch, zelge,
m. '
zweig', zelge,
f. '
pflugarbeit zur saat'
mhd. wb. 3, 868
b; Lexer 3, 1052;
mnd. telge Schiller-Lübben 4, 523.
heute durchaus lebendig. zweifelhaft ist ahd. zuelga
bei Tatian 73, 2; 146, 1.
diese wörter für '
zweig' (
mit ausnahme von mhd. zelge,
f.)
hängen zusammen mit einem in den nord. sprachen verbreiteten wort für '
schneiden, behauen',
neunorw. telgja,
schwed. tälja,
dän. telge, tælle Falk-Torp 1252.
danach ist telge, zelge
das abgeschnittene, und enthält als letzten bestandtheil die wurzel *del —
*dol
des idg. verbums für '
holz schneiden, bearbeiten',
über die bei zoll
1 zu vergleichen ist. dies zeigt sich deutlich in dem norw., auch in Deutschland bekannten tollekniv (
gegen dän. tælgekniv,
schwed. täljkniv),
s. Falk-Torp.
die abbiegung der bedeutung von got. tulgus
u. s. w. ist nicht so befremdlich, weil es sich um wörter des täglichen handgebrauchs handelt. das germ. grundwort der hd. gruppe zolch
kann etwa '
pflock, klotz'
bedeutet haben, wovon eine spur in nd. tulk '
zapfen am fasz' Schambach 236
a stecken mag. sonst hat sich die bedeutung in naher beziehung zu zoche, zolp, zollen, zotte
entwickelt, am auffälligsten in dem nebeneinander von '
grobe stelle im flachs, im faden'
und '
schnauze an einem gefäsz',
auch das verb zolken, zolkern
wie zotteln, zottern
u. ä. bedeutung. 11)
zweig, nur mhd.: zolcher
ramex Diefenbach 483
b.
hierzu auch zolch
mentula, zungenzolch
feststehende zungenwurzel Höfler 857. 22)
wulst, dicke stelle im faden, im flachs, im haar: Schmeller
2 2, 1117; Seiler 327; Martin-Lienhart 2, 903
b; zulcher
herabhängender fetzen am kleide Weinhold 100;
in Nordböhmen Frommann 2, 240.
auch '
zu langer docht', '
hängender rotz' Seiler; Martin-Lienhart. 33)
schnauze an einem gefäsz Stalder 2, 477 (
mit vielen ableitungen); zolgkle,
n. Schmid
schwäb. wb. 551 (
aus der Schweiz belegt). '
ablaufröhre am fasztrichter'
u. ä. Martin-Lienhart: er hat einen zolgken dadurch die win irn gang in die vass nemend Riederer
spiegel d. rhetorik t ii
a; da risz und schält man den wein ausz potten, ausz pinten .. zolcken (
aufzählung curioser trinkgefäsze) Fischart
geschichtsklitt. 123
neudr. 44)
als schimpfwort '
klotz, grober kerl' Schmeller; Schmid; Fulda
vers. 604; Kuen
oberschwäb. bauernspr. 57
a (zoag); Neubauer
egerl. mda. 109
b: wider di groben zolker
M. Beham
Wiener 62, 22; da faszt den groben zolgen Kurz
sonnenwirth 63.
in Mitteldeutschland '
liederliches weibsbild' zulch Vilmar; zolker Anton
Oberlausitzer wörter 6, 9.
hierzu verben zolken '
grob handeln',
schwäb. Fulda
versuch 604; '
hinterherlaufen von kindern' Stalder 2, 478; nachzolgen,
langsam einhergehen, müszig herumstreichen zolken Frommann 5, 462 (
Iglau); zulchen Vilmar: Gretchen soll in die stadt zolken
Friedel, Christel u. Gretchen 59
nach Paul
ztschr. f. d. wortforsch. 12, 69. zolkern, zulkern
nachschleppen Weinhold; Frommann 2, 240: der mantel hängt mir wunderlich und zolkert sich Neukirch 6, 23.
schlieszlich in der Oberlausitz '
schmutzige reden führen' Anton.