zertheilen,
verb.,
got. disdailjan,
ahd. ziteilen (<
*-tailjan), ziteilôn,
as. tedêlian,
ags. tódǽlan,
afries. todêla,
mhd. zerteilen,
mnd. todêlen;
in theile zerlegen, sondern; 1)
transitiv, a)
concretes in stücke oder seine bestandtheile zerlegen, α)
leiber oder speisen zerschneiden: er ... zurteilet es (
das opfervieh) mitten von ander
1. Mos. 15, 10; die gansz z. Schupp
schr. (1663) 712; speisen z. Stieler 2272; Holtei
erz. schr. 35, 209;
die aasvögel z.
den körper des gehenkten: Milst. genes. 81, 30
Diem.; Wackernagel
kirchenl. 2, 151
a;
β)
gegenstände in stücke theilen: soll man geprannten ziegel ... zu kleynen stücklin zertheylen Sebiz
feldbau 108; Oken
allg. naturg. 1, 86;
in der gärtnerei werden stauden getheilt: z. der stOecke
allg. haush.-lex. 3, 649;
das haar scheiteln: das haar z., ein scheitel machen Frisius 188
b; Lohenstein
Sophon. 41;
wasser, zunächst anknüpfend an 1. Mos. 14, 16
im sinne von scheiden: das rohte meer zu seiner ehr zuthailet er Weckherlin
ged. 1, 393
F.; H. Sachs 18, 306
G.; sodann für theilen, wie es schiffe und schwimmer thun: mit ausgespanntem segel eilte das schiff gleich pfeilen und zertheilte ........ schnell die flut J. A. Schlegel
verm. ged. 1, 46;
ebenso von der luft: denn er (
der vogel) regt und schlegt in die leichte lufft, treibt und zuteilet sie mit seinen schwebenden flgeln
weish. 5, 11; 12; H. v. Kleist 1, 80
Sch.; der blitz zertheilt die luft Hagedorn
poet. w. 2, 177;
die sonnenstrahlen durch das prisma zerlegen: Th. v. Schubert
verm. schr. 4, 188;
γ)
reich entfaltet sich der gebrauch von z.
in der chemischen und medicinischen anwendung; in jener zumeist für zerlegen: das saltz zertheylet ... das gestanden Oele wider Sebiz
feldbau 386; (
platin) fein zertheilt darstellen Just. Liebig
chem. br. 97;
in dieser ist z.
noch unersetzt, in älterer sprache concurriert vertheilen 2
a (
th. 12, 1, 1885);
vgl.: honig zerteilt die zehen schleim und koder Ryff
confectb. 4
a; solches die flsse im haupte wie auch die zahnschmertzen zertheilet Döbel
jäg.-pract. 3, 28; die ... z-den arzneien J. G. Forster
s. schr. 9, 133;
dann auch: diesz nagende gefhl zu z. Thümmel
reise (1791) 3, 23;
δ)
speisen, güter, besitzungen, länder theilen, auf-, austheilen: ziteilta (
fische und brote) sinen iungiron (
distribuit)
Luk. 9, 16
Tat. 80, 6; Notker 2, 184
P.; Nibel. 1213, 2
L.; zuteyleten (1523,
später: beraubten) ihr lager
1. Sam. 17, 53 Luther
bib. 1, 68
W.; nachdem er das reich unter seine vier sOene zertheilet hatte Schütz
hist. rer. pruss. 1, C 4
b; Tschudi
chron. helv. 1, 33; H. Sachs 12, 203
K.; ε)
in anlehnung an α bildlich vom herzen: unheilsam ist der schlag, der hertzen kan zutheilen A. Gryphius
trauersp. 118
P.; das gefühl betreffend: wart geainte liebe in zway geschnitten und getailet, und wart das hertze zertailt in taile Niclas v. Wyle
transl. 77
K.; b)
gemeinschaften auseinander bringen, zusammenhangendes trennen, α)
menschen und ihre verhältnisse scheiden: that sie (
mann und frau) thiu mikila mahtmetodes tedêlda
Heliand 511; das eivern zurteilet die fruntschaft Luther 7, 333; 8, 503; 23, 577
W.; mit angabe der richtung soviel wie vertheilen: (
ist) not, das man die kinder zurteile in haufen 26, 237
W.; der knig liesz si (
die gefangenen) hin und wider z. und gefangen bewaren Tschudi
chron. helv. 1, 26; Gaudy
s. w. 14, 113;
β)
zer-, verstreuen: pass. 125, 92
H.; ich wil sie zurteilen in Jacob und zerstreuen in Israel
1. Mos. 49, 7;
schiffe durch sturm: hist. volkslied. 3, 3
Lil.; c)
abstractes (
s. a ε),
α)
zerlegen, zergliedern: bis er ihn (
den begriff) zergliedert und in sätze zertheilet hat Gerstenberg
rec. 128, 178
lit.-dkm.; Hölderlin
ges. dicht. 2, 135
L.; β)
zerstreuen: lustbarkeiten, so auch das gemüth z. Leibnitz
d. schr. 2, 237;
trennen, scheiden, beendigen: bis die sinkende nacht den kampf der heere zertheilet Bürger 199
Bohtz; 2)
reflexiv (
wie 1
gegliedert),
a α)
in der rda. der umgangssprache ich kann mich doch nicht z. (zerreiszen)
als abwehrende betheuerung gegen zu viele ansprüche: dasz es (
das Christkindlein) sich doch nicht z. könne, um überall auf einmal zu handthieren Holtei
erz. schr. 5, 153; Immermann 6, 50
B.; β) ein dunkles gewOelke, welches mit einem groszen donnerknall ... sich zertheilete A. U. v. Braunschweig
Oct. 1, 896; die nebel zertheilten sich Göthe III 2, 171
W.; äste ..., die bis zu 50 zweigen und mehr sich z. Ratzeburg
standortgew. 9;
ein flusz zertheilt sich
in arme: v. Chemnitz
schwed. krieg 1, 59;
γ) reibe es ... wohl, so zertheilet sich das geblth
M. Böhme
roszarznei 52;
schmerz: Pfeffel
poet. vers. 5, 190;
δ) das meer hat sich von der erden zertheilet (
abgesondert)
volksb. v. dr. Faust 47
P.; b α) disz ist aller secten art, dasz sie sich selbs in vil thail zerthailen, zerspalten Nas
antipap. 1, 164
a; Kramer
teutsch-it. 2, 1069
c;
β)
pass. 546, 23
K.; haben ... sich in die stett herumb zerteilet Xylander
Polyb. 9; nach der eroberung ... zertheilte sich das heer Raumer
gesch. d. Hohenst. 4, 248;
γ)
sich in eine arbeit theilen: Martha het ain schwester Mariam, die zertailen sich in die werck Luther 10, 3, 269
W.; δ)
sich spalten, sich entzweien: mit abtheilung der gtter zerteilen sich in gemein die gemtter Butschky
Pathm. 79;
c β) dein (
Jesu) lob hat sich in alle welt zertheilt Schmolcke
s. schr. 2, 361; 3)
das partic. als adj., a)
getheilt, gespalten: flözz waz zeteilt an dem hausze
Luk. 6, 48
cod. tepl. 1, 84; das zertheilte wettergewölke des himmels H. v. Barth
Kalkalp. 58; eine schöne, mit einer rauschenden bach zertheilte wiese Lohenstein
Arm. 1, 422
b;
von der geschlitzten kleidertracht (
vgl.zerhauen 2
a δ, zerflammen): Scheit
Grob. 4661; Schmeller-Fr. 1, 600;
bei pflanzen gelappt, verästelt: H. Fischer 6, 1153; Campe 5, 853
a; und man sahe an inen die zungen zerteilet, als weren sie feurig
apost. 2, 3; waren ihm die fsz in finger zertheylet Fischart
Garg. 228
ndr.; Kirchhof
wendunm. 2, 272
Ö.; übertrg. vom herzen: wie blutet ihr zertheiltes hertz? B. Schmolcke
s. schr. 1, 892; b)
gesondert, geschieden, α)
vertheilt, zerstreut: ob etwas drin (
im wein) wer ungesundt, wann es zertheilt ist, schadt es minder Scheit
Grob. 1758; B. Waldis
Esop 1, 152
K.; zertheilte völker, die sich ihrer einheit entgegensehnen Treitschke
d. gesch. 5, 318; die ausgestreckte hand mit zertheilten (
gespreizten) fingern Harsdörfer
secr. 1, 710;
β)
gespalten, uneins: iogiwelîh rîhhi in imo selbemo ziteilit (so es mit im selbs uneins wird Luther) wirdit ziworphan
Luk. 11, 17
f. Tat. 62, 2; 44, 22; als Gallia unrwig in im selbs zertheylt war S. Franck
chron. Germ. (1538) 83
b; ein hauptkrieg, dagegen wir ganz blind, schläferig, blos, offen, zertheilt, unbewehrt ... seyn Leibnitz
d. schr. 1, 154; —
andere zss.: ab- (
th. 1, 137), aus- (996), ein- (3, 320), er- (1029), mit- (6, 2421), ver- (12, 1, 1884), zu-. —