zerreiben,
verb. ,
mhd. zerrîben,
mnd. to-,
mnld. tewriven; Diefenbach
gl. 24
a; 58
c; 147
c;
n. gl. 108
a;
gemma gemm. C 1
b; Frisius 61
a; 134
a; 294
b u. öft.; Stieler 1580; Frisch 2, 102
b. II.
trans., 1)
in kleine theile oder pulver, mehl, brei reiben, a)
allerlei gegenstände wie gestein u. ä., auch gethier: daz stein uf steine als ein mel wirt zuriben Herbort v. Fritzlar 8679; nimb lebendigen kalch und goldwurm gleich vil, zerreibs mit dem safft ausz knoblach Seuter
hippiatria 72; zerriebene erdschollen Stieler 1580; zerriebene farben J. G. Forster
s. schr. 3, 275; das salz ... läszt sich leicht so fein als mehl z. Chamisso
w. 2, 23;
4. Mos. 11, 8
erste bib. 4, 43; brodt ... aus zerriebenen eicheln W. v. Humboldt 4, 190
ak.-ausg.; 3. Mos. 22, 24; nim alantwurtz, seuds in essig, dasz sie wol waich werde, zerreibs dann mit altem schmeer und salbe dich damit Gäbelkover
arzneib. 2, 98;
s. mhd. wb. 2, 681
a; H. Fischer 6, 1142;
schweiz. id. 6, 63;
selten auf das zerkleinern der speise mit den zähnen, zermahlen, -malmen
entsprechend, bezogen: den leyb des herren zureybe ich myt meynen zcenen Luther 29, 195; 26, 442
W. (
an beiden stellen citat aus dem lat.);
conficere cibos die speysz zerkeüwen oder klein z. Frisius 290
a;
gethier und thierische stoffe: yhe mehr man sie (
die wanze) zureibet, yhe erger sie stinckt Luther 23, 376
W.; zerreibet eyerdotter mit rosenwasser, zucker und etwas saltz Amaranthes
frauenz.-lex. 1345;
auch von thränen: ich, mit den fäusten meine thränen z-d G. Keller
ges. w. 4, 60;
auszerhalb des gebietes der hauswirthschaft von den naturkräften als würkenden ursachen: der winterfrost hat manche bergspitze zu mürbem schiefer zerrieben Gutzkow
ges. w. 6, 406;
wie zermahlen 2
von der inneren auflösung des gallensteins durch arznei: mediz. maulaffe 500; b)
menschen, menschliche einrichtungen und eigenschaften z.,
zermalmen, α)
mit waffen oder gewaltsamem zugriff; zunächst lediglich (
wie ob.)
übersetzungswort für lat. conterere: er wirt auszwerffen von deinem angesicht den veinde und wirt sprechen: zerreib (1477 zertreyb) in (
dicetque conterere)
erst. bib. 4, 244; sy wirt dir zerreiben dein houpt mit den fszen (
zu 1. Mos. 3, 15)
d. heil. leb. wintert. 213 a
b;
so schon älter: und wirt vor unsern ougin hute zuriben al disz heres lute Nic. v. Jeroschin 2093
Str.; Herm. v. Fritzlar
in myst. 1, 141
Pf.; auch anfangs von Luther (
s. ob.) beibehalten: si zutrieben und zurieben (
später: zertraten und zerschlugen) die kinder Israel (1523)
richt. 10, 8
bib. 1, 7
W.; 29, 270
W.; sodann unabhängig und an das bild der mühle oder das z.
zwischen den fingern angelehnt: ein mensch ... get ausz von muterleib als ein blume, wirt zerriben und fleuohet als der schate Albr. v. Eyb
d. schr. 1, 81; ich will ihn zu staub z. Schiller 2, 61
G.; denn im verhängnisz stands geschrieben: er (
Napoleon) soll noch besser sein zerrieben Rückert
w. 1, 49; 54; Wenden, Sorben, Obotriten ... die geschichte hat sie zerrieben (
aufgerieben) Laube
ges. schr. 9, 88;
dieser bildhafte stil tritt noch deutlicher in die erscheinung: England werde ... wie zwischen zwei mühlsteinen zerrieben Ranke
s. w. 14, 57; zwischen den rädern des alltags zerrieben ... werden Immermann 5, 78
B.; Hebbel III 1, 368
W.; sodann auch von abstracten: ewiclichen zuriben sal sin gehugde wesen
Daniel 5938
H.; (
ich) hab ... zerryben min leben und min alter (
contrivi)
Terenz deutsch 119
a; Klinger
w. 2, 362; so z. wir diese französische herrlichkeit Fontane
ges. w. 1, 422; ihre ... heuchelei zerrieb er zu staub Fr. Th. Vischer
auch einer 2, 32;
β)
wie zerknirschen 1
c und 2
a abgeschwächt im sinne von jemandes körperliche oder seelische widerstandskraft brechen, ihm zusetzen, ihn demütigen: und zureybet (
corr. in trübet, 1541 peiniget) mich mit wortten
Hiob 19, 2 Luther
bib. 1, 417
W.; sie müssen mit iren wercken gedemütigt und zuriben werden wie das mel, und wie der mülstein zureibt das korn 10, 3, 376
W.; nerven: Fr. Th. Vischer
auch einer 2, 317 (
cit. unt. zerdreschen 2);
das herz: ein mühlstein und ein menschenhertz wird stets herumgetrieben; wo beydes nicht zu reiben hat, wird beides selbst zerrieben Logau 289
E.; Lenau
s. w. 379
B.; 2)
die haut des körpers, kleidung oder überhaupt die oberfläche von sachen durch reiben oder abreiben beschädigen; wundreiben: da drenget sie (
Balaams eselin) sich an die wand und zureyb dem propheten den fus Luther 14, 56
W.; ich hab ... ire augen zerriben, welche mit den OelgOetzen bulten Carlstadt
v. abthuung d. bylder C 3
b;
als kräftige züchtigung, wofür in der modernen soldatensprache die rda. eine abreibung bekommen
in gebrauch ist, vgl. Mauszer
soldatenspr. 37: ich zerrieb ihr mit den nesseln den hindern Grimmelshausen 3, 367
K.; s maul zerrieben J. Frischlin
Sus. 403; zerriebene ... kleider Stieler 1580; die wAesche ... z., durchreiben Kramer
teutsch-it. 2, 302
b; die strmpfe mit dem reiten z. Steinbach 2, 261;
schlieszlich zur behebung eines juckreizes und als geste des nachdenkens: ob ich gleich manchen das hinterquartier ziemlich z., auch wohl ihn hOeren sagen, er wrde gewisz gevatter werden, weil ihm der hintere juckte J. G. Schmidt
rockenphilos. 1, 232; ich zerreibe mir die stirn, aber es will kein vernünftiger gedanke heraus W. Raabe
hungerpastor 2, 31; IIII.
refl., zu I 1
a: ist ... kein korn vorhanden, so lauft dennoch der (
mühl-) stein herm, zerreibet sich aber selbst Butschky
Pathmos 211;
b α: weil doch Rom sich nur an Rom zerreibet v. Besser
schr. 1, 27
K.; (
reiche,) welche sich beständig an einander reiben und z. Klinger
w. 10, 4; reichthumb und hoheit sich flucks zerreibt, doch tugend bleibt
Venusgärtlein 14
ndr.; β: seine seele hätte sich ... an tausend anderen kleinen unebenheiten des lebens zerrieben Bielschowsky
Göthe 1, 198;
so schon pilgerf. d. träum. mönchs 7172
M.; zu 2: damit sich an dem hirnholze dieser leisten nicht das leder der daran liegenden falten zerreibe G. Töpfer
lehrb. d. orgelbaukunst 566; —
andere zss.: ab- (th. 1, 88), an- (425), auf- (707), aus- (931), be- (1495), durch- (2, 1657), ein- (3, 248), ver- (12, 1, 1001), weg- (13, 3013). —