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zerreiben

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zerreiben verb.

Bd. 31, Sp. 735
zerreiben, verb. , mhd. zerrîben, mnd. to-, mnld. tewriven; Diefenbach gl. 24a; 58c; 147c; n. gl. 108a; gemma gemm. C 1b; Frisius 61a; 134a; 294b u. öft.; Stieler 1580; Frisch 2, 102b. II. trans., 1) in kleine theile oder pulver, mehl, brei reiben, a) allerlei gegenstände wie gestein u. ä., auch gethier: daz stein uf steine als ein mel wirt zuriben Herbort v. Fritzlar 8679; nimb lebendigen kalch und goldwurm gleich vil, zerreibs mit dem safft ausz knoblach Seuter hippiatria 72; zerriebene erdschollen Stieler 1580; zerriebene farben J. G. Forster s. schr. 3, 275; das salz ... läszt sich leicht so fein als mehl z. Chamisso w. 2, 23; 4. Mos. 11, 8 erste bib. 4, 43; brodt ... aus zerriebenen eicheln W. v. Humboldt 4, 190 ak.-ausg.; 3. Mos. 22, 24; nim alantwurtz, seuds in essig, dasz sie wol waich werde, zerreibs dann mit altem schmeer und salbe dich damit Gäbelkover arzneib. 2, 98; s. mhd. wb. 2, 681a; H. Fischer 6, 1142; schweiz. id. 6, 63; selten auf das zerkleinern der speise mit den zähnen, zermahlen, -malmen entsprechend, bezogen: den leyb des herren zureybe ich myt meynen zcenen Luther 29, 195; 26, 442 W. (an beiden stellen citat aus dem lat.); conficere cibos die speysz zerkeüwen oder klein z. Frisius 290a; gethier und thierische stoffe: yhe mehr man sie (die wanze) zureibet, yhe erger sie stinckt Luther 23, 376 W.; zerreibet eyerdotter mit rosenwasser, zucker und etwas saltz Amaranthes frauenz.-lex. 1345; auch von thränen: ich, mit den fäusten meine thränen z-d G. Keller ges. w. 4, 60; auszerhalb des gebietes der hauswirthschaft von den naturkräften als würkenden ursachen: der winterfrost hat manche bergspitze zu mürbem schiefer zerrieben Gutzkow ges. w. 6, 406; wie zermahlen 2 von der inneren auflösung des gallensteins durch arznei: mediz. maulaffe 500; b) menschen, menschliche einrichtungen und eigenschaften z., zermalmen, α) mit waffen oder gewaltsamem zugriff; zunächst lediglich (wie ob.) übersetzungswort für lat. conterere: er wirt auszwerffen von deinem angesicht den veinde und wirt sprechen: zerreib (1477 zertreyb) in (dicetque conterere) erst. bib. 4, 244; sy wirt dir zerreiben dein houpt mit den fszen (zu 1. Mos. 3, 15) d. heil. leb. wintert. 213 ab; so schon älter: und wirt vor unsern ougin hute zuriben al disz heres lute Nic. v. Jeroschin 2093 Str.; Herm. v. Fritzlar in myst. 1, 141 Pf.; auch anfangs von Luther (s. ob.) beibehalten: si zutrieben und zurieben (später: zertraten und zerschlugen) die kinder Israel (1523) richt. 10, 8 bib. 1, 7 W.; 29, 270 W.; sodann unabhängig und an das bild der mühle oder das z. zwischen den fingern angelehnt: ein mensch ... get ausz von muterleib als ein blume, wirt zerriben und fleuohet als der schate Albr. v. Eyb d. schr. 1, 81; ich will ihn zu staub z. Schiller 2, 61 G.; denn im verhängnisz stands geschrieben: er (Napoleon) soll noch besser sein zerrieben Rückert w. 1, 49; 54; Wenden, Sorben, Obotriten ... die geschichte hat sie zerrieben (aufgerieben) Laube ges. schr. 9, 88; dieser bildhafte stil tritt noch deutlicher in die erscheinung: England werde ... wie zwischen zwei mühlsteinen zerrieben Ranke s. w. 14, 57; zwischen den rädern des alltags zerrieben ... werden Immermann 5, 78 B.; Hebbel III 1, 368 W.; sodann auch von abstracten: ewiclichen zuriben sal sin gehugde wesen Daniel 5938 H.; (ich) hab ... zerryben min leben und min alter (contrivi) Terenz deutsch 119a; Klinger w. 2, 362; so z. wir diese französische herrlichkeit Fontane ges. w. 1, 422; ihre ... heuchelei zerrieb er zu staub Fr. Th. Vischer auch einer 2, 32; β) wie zerknirschen 1 c und 2 a abgeschwächt im sinne von jemandes körperliche oder seelische widerstandskraft brechen, ihm zusetzen, ihn demütigen: und zureybet (corr. in trübet, 1541 peiniget) mich mit wortten Hiob 19, 2 Luther bib. 1, 417 W.; sie müssen mit iren wercken gedemütigt und zuriben werden wie das mel, und wie der mülstein zureibt das korn 10, 3, 376 W.; nerven: Fr. Th. Vischer auch einer 2, 317 (cit. unt. zerdreschen 2); das herz: ein mühlstein und ein menschenhertz wird stets herumgetrieben; wo beydes nicht zu reiben hat, wird beides selbst zerrieben Logau 289 E.; Lenau s. w. 379 B.; 2) die haut des körpers, kleidung oder überhaupt die oberfläche von sachen durch reiben oder abreiben beschädigen; wundreiben: da drenget sie (Balaams eselin) sich an die wand und zureyb dem propheten den fus Luther 14, 56 W.; ich hab ... ire augen zerriben, welche mit den OelgOetzen bulten Carlstadt v. abthuung d. bylder C 3b; als kräftige züchtigung, wofür in der modernen soldatensprache die rda. eine abreibung bekommen in gebrauch ist, vgl. Mauszer soldatenspr. 37: ich zerrieb ihr mit den nesseln den hindern Grimmelshausen 3, 367 K.; s maul zerrieben J. Frischlin Sus. 403; zerriebene ... kleider Stieler 1580; die wAesche ... z., durchreiben Kramer teutsch-it. 2, 302b; die strmpfe mit dem reiten z. Steinbach 2, 261; schlieszlich zur behebung eines juckreizes und als geste des nachdenkens: ob ich gleich manchen das hinterquartier ziemlich z., auch wohl ihn hOeren sagen, er wrde gewisz gevatter werden, weil ihm der hintere juckte J. G. Schmidt rockenphilos. 1, 232; ich zerreibe mir die stirn, aber es will kein vernünftiger gedanke heraus W. Raabe hungerpastor 2, 31; IIII. refl., zu I 1 a: ist ... kein korn vorhanden, so lauft dennoch der (mühl-) stein herm, zerreibet sich aber selbst Butschky Pathmos 211; b α: weil doch Rom sich nur an Rom zerreibet v. Besser schr. 1, 27 K.; (reiche,) welche sich beständig an einander reiben und z. Klinger w. 10, 4; reichthumb und hoheit sich flucks zerreibt, doch tugend bleibt Venusgärtlein 14 ndr.; β: seine seele hätte sich ... an tausend anderen kleinen unebenheiten des lebens zerrieben Bielschowsky Göthe 1, 198; so schon pilgerf. d. träum. mönchs 7172 M.; zu 2: damit sich an dem hirnholze dieser leisten nicht das leder der daran liegenden falten zerreibe G. Töpfer lehrb. d. orgelbaukunst 566; — andere zss.: ab- (th. 1, 88), an- (425), auf- (707), aus- (931), be- (1495), durch- (2, 1657), ein- (3, 248), ver- (12, 1, 1001), weg- (13, 3013). —
6156 Zeichen · 181 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zerreiben

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Zerreiben , verb. irregul. act. S. Adelung Reiben , in kleine Theile reiben. Farben zerreiben. Den Tag zerreiben, oder a…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    zerreiben

    Goethe-Wörterbuch

    zerreiben [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    zerreiben

    Rheinisches Wb.

    zer-reiben: etwas z., wie nhd, Allg. (nicht Rhfrk hier ver- ).

  4. Sprichwörter
    Zerreiben

    Wander (Sprichwörter)

    Zerreiben Dich zerreibe ich ja in der Arschkerbe. ( Breslau. ) Um grosse körperliche Ueberlegenheit und Verachtung auszu…

  5. Spezial
    zerreiben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    zer|rei|ben vb.tr. 1 fruzié (früzia), smaciuié (-iëia), sfrogoré (-ra) 2 (mahlen) majené (-na).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zerreiben

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Ableitung von zerreiben

zer- + reiben

zerreiben leitet sich vom Lemma reiben ab mit Präfix zer-.

Zerlegung von zerreiben 2 Komponenten

zerr+eiben

zerreiben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Keine Komposita gefunden — zerreiben kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „zerreiben". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/zerreiben/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „zerreiben". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/zerreiben/dwb. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „zerreiben". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/zerreiben/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_zerreiben_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„zerreiben"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
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  urldate      = {2026-05-13},
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