zerbeiszen,
verb. ,
erst spätmhd.: sîn lîbel daz was überal zekratzet und zebizzen
schrätel u. wasserbär 315; 1)
in stücke beiszen, entzweibeiszen: das thier ... zerbisz im das (
sc. schwert) zu zweyen stcken
buch d. liebe 283
d; Lessing 1, 200
M.; sprw.: wer den kern haben will, musz zuerst die nusz z. Düringsfeld
sprw. 1, 485
a;
auch: wenn die mAeuse einem die kleider z. J. G. Schmidt
rockenphilos. 1, 369;
ferner vom zerkleinern der speise: (die zähne) zerbeyszend ... die speysz Frisius 389
a;
und so auch: bleibt doch ... war, das niemand Christus leib sihet, greifft, isset oder zubeiszet, wie man sichtbarlich ander fleisch sihet und zubeiszet Luther 26, 442; 33, 265
W.; vgl.: H. Sachs 18, 319
G.; B. Waldis
Esop 1, 38
K.; Cl. Brentano
ges. schr. 5, 83;
u. a.; 2)
durch bisse verwunden, beschädigen, verletzen, kleine stücke abbeiszen, a)
eig. von menschen und thieren als subject und mit gleichem oder einem gegenständlichen object: die hantdadigen wurden razende unde tobeten sick sulven Lappenberg
brem. gesch.-qu. 151;
Reinke vos 6063; nim boley, tuncks in essig ... lasz ihn ... in mund nemen und z. Gäbelkover
artzneyb. 1, 61;
häufig: von wanzen zerbissen;
ferner: mit seiner zerbissenen nase
polit. maulaffe 45; herr
Z. hatte die ... cigarre ... bis zur unkenntlichkeit zerbissen Storm 5, 279;
sprw.: wie kOende der zerbissen hund recht haben? S. Franck
sprw. (1541) 2, 38
b;
sodann als folge einer gemütserregung: will ich schreiben, so zerbeisz ich mir die nägel Göthe 45, 140
W.; so schon von Kramer
teutsch-it. 2, 98
c vermerkt; federn zu z. Gottsched
schaub. 6, 468; Hans Unwirsch zerbisz (
aus zorn) die lippen W. Raabe
hungerpastor 2, 237;
vielfach: sich die zähne an etwas (
der harten schale einer nusz u. ä.) z.,
z. b. G. Arnold
ketzerhist. 270
b; so lange hatte ich mir die zunge zerbissen, um mein geheimnisz nicht ... zu verrathen
F. H. Jacobi
w. 2, 129;
woran sich der ausdruck schlieszt: (
er) zerbisz die worte zwischen den zähnen O. Ludwig
ges. schr. 2, 36;
abgeschwächt im sinne von verfolgen, angreifen: mir künd ... nicht bas geschehen, denn das mich die papisten fressen, zurissen, zubissen Luther 30, 3, 291; 34, 2, 404
W.; so in älterer sprache meist reciprok sich zanken: darber zanckten und z. sich nun die Samariter mit den Juden Dannhauer
cat. 4, 211; Lessing 17, 264
M.; b)
übertr. oder bildl. α)
bei sachlichem subject: zerbissen wirt mein geist von meiner sünden dorn Weckherlin
ged. 2, 189
F.; die ... vom ... wetter zerbissenen gesichter der männer W. Raabe
hungerpastor 3, 196;
für beizen (
s. zerbeizen): sintemal ... der limoniensaft ... essig wAere, welcher ... die eingeweide zerbisse Lohenstein
Arm. 2, 340
b; Eichendorf
s. w. 4, 379;
β)
selten bei abstractem object: wer hat uns die freuden zerbissen? W. Müller
ged. 277
H.; 3)
lex.: Stieler 129; Frisch 1, 79
b; Adelung
2 4, 1686; Campe 5, 840
b; H. Fischer 6, 1126; Müller-Fr. 2, 699
b;
lux. wb. 501
b; tobîten Lübben-W. 406
a;
andere zss.: ab-, an-, auf-, aus-, durch-, ein-, ver-, zubeiszen. —