zauberstab,
m. 11)
der stab zaubergewaltiger griechischer und römischer gottheiten, des Mercur und der Circe, dann in die deutsche feen- und märchenwelt übertragen, am meisten aber in der hand des mittelalterlichen magiers und zauberers anzutreffen, womit er den kreis, in dem er stand, beschrieb (Krünitz 241, 35);
zuerst literarisch bei Fischart,
bei dem bereits eine gewisse freiheit gegenüber dem zauberglauben auftritt: hiemit so will ich jetzund enden den zauberstab nun von euch (
den flöhen) wenden und euch gar ausz der gruoben lassen
flöhatz 58
ndr.; Mercurii z.
binenkorb 70
b;
über Mercurs stab vgl. J. Grimm
myth.4 1, 347
und Ed. Gerhard
ak. abh. 2, 254;
hier flieszt die quelle des glaubens, dasz der z.
tödten und todte erwecken könne; der glaube an die kraft, menschen in thiere zu verwandeln, stammt sowohl aus der sage von Circe wie aus heimischem glauben; jedoch, eh als die grufft, der abgrund wird zerrissen, muss Zirzens zauberstab in einen kreiss uns schlssen Lohenstein
Agrippina (1685) 96; Postel
Wittek. 180;
vgl. Welcker
alte denkm. 5, 235;
ein anderer griechischer z.: C. A. Böttiger
kl. schr. 1, 185; z.
als eidesstab: Wundt
elem. d. völkerps. 333;
sonst: Ratzel
völkerk. 2, 95; Grimm
märch. 1, 256; die zauberstäbe der weisen Ägyptier (
2. Mose 7, 12) Hamann
schr. 1, 56;
von zauberkünstlern: Gaudy
s. w. 6, 19; ohne schaden, wie am zauberstab die zahme schlange, spielt um dich nun die ungetreue menge Hölderlin 2, 220
L.; literarisch ferner: hervor, tochter, wie rufst du so? voll zauberstäbe, todte zu wecken Herder 25, 212
S.; hier ist auch der zauberstab, wen er anrührt, geht ins grab Cl. Brentano
ges. schr. 5, 120; an weisze wand bringt dort der zauberstab ein schattenvolk aus mythologschem grab Göthe 16, 138
W. 219; Jean Paul
w. 7/10, 316
H.; Hebbel
s. w. I 4, 276; Hafner
ges. lustsp. 2, 59;
lexicalisch nur bei Schwan
nouv. dict. 2, 1088
b; 22)
weit umfänglicher in übertragenem sinne bezeugt; dabei aber noch lange die einzelzüge des gebrauchs erkennbar; a)
auszerhalb der zaubersphäre in gleicher anwendung: wenn wir gebohren werden, so rührt uns die eine (
göttin, z. b. hoffnung oder furcht) mit ihrem z-e an J. A. Cramer
nord. aufseher 3, 140; und du, mitternächtlicher beschwörer Baylens, mit dem z-e in der hand, folge unsern tritten! Th. Abbt
verm. w. 3, 220; Zimmermann
eins. 2, 151;
vergleichsweise: seine (
Schillers) einsicht setzte gleich einem z-e versteinte massen in bewegung Caroline v. Wolzogen
in schr. d. Götheges. 6, 150;
vgl. Spielhagen
s. w. 1, 453; o frühling, mit dem zauberstabe berührest du auch meine brust Hoffmann von Fallersleben
ges. schr. 1, 96; die jugend mit dem z-e, der quellen aus felsen schlägt Gutzkow
ritter 1, 88; b)
auf andere sichtbare gegenstände bezogen: ein mächtger zauberstab, der, wenn sie es gebietet, rasch aus einander rauscht (
der fächer) Zachariä
poet. schr. 1, 34; den ... berg mitten ins dorf mit seinem optischen z-e (
dem tubus) versetzte Jean Paul
leb. Fibels 94
R.; seinen pinsel in einen z. verwandelte graf v. Loeben
lotosbl. 1, 170; c)
in anderer bildlicher verwendung; dichtkunst: alsdann den zauberstab des natürlichen epos gezückt! Bürger
w. 1, 320
a Bohtz; der allgewaltge zauberstab, den Phöbus in dem stil ihm (
Lessing) gab, kann, was er will, zu gold berühren J. A. Ebert
ep. 100; der z. des hexameters Klopstock
sprache u. dichtk. 1, 89;
u. a.; andere künste: die musik ... war ... nicht mehr ... der schlechte z. in der hand des götterboten
M. Claudius
Asmus 1/2, 90; Herder 15, 239
S.; was ihr (
der malerei) der sinn (
des sehens) für zauberstäbe gewährt 8, 24
S.; für anderes concretes: nun gebe ich ... den z. (
das geldgeschenk) unmittelbar in ihre hände Göthe 22, 5
W.; der halbe mond ... legte stralen als zauberstäbe an die erde an und verwandelte sie in eine heilige blasse welt des herzens Jean Paul
Tit. 4, 213
R.; für abstractes: z.
der liebe Klopstock
od. 1, 111
M.-P.; schwinge deines reizes zauberstab Bürger
s. w. 100
a Bohtz; der ihm den z. des lebens entzweigebrochen und als zwei bettelstäbe hingeworfen hatte Jean Paul
Tit. 5, 7
R.; dem z-e des gemüths allein thut sich alles auf Schleiermacher
im Athenäum I 2, 103; z. der zeit und entfernung Herder 16, 99
S.; des glückes z. Tiedge
w. 7, 210; z. der phantasie Creuzer
symb. 1, 102; z. des kredits
hdwb. d. staatswiss.2 2, 197;
dim.: zauberstaberl (
wienerisch) v. Ayrenhoff
w. 4, 307; -stäbchen: Göthe 33, 198
W.; 17, 160
W.; J. Gotthelf
ges. schr. 3, 157. —