zanksüchtig,
adj. zu zanksucht,
frühester beleg bei Kirchhof
wendunmuth (1565) 2, 353 (
s. unter 1),
im obd. und md. des 17., 18.
jhs. und mundartlich auch entrundet zanksichtig,
in den dtsch.-lat. wbb. mit jurgiosus. litigiosus übersetzt (Steinbach 2, 767; Dentzler 2, 359
b);
auch bei Pansner
schimpfwb. 79
b;
auch als adv. verwendet. 11)
krankhaft dauernd geneigt zu zanken, scheltsüchtig, mäklig, als eigenschaft des weiblichen geschlechts: ein altes mütterlein (
ist) geitzig, zanksichtig, gehzornig Harsdörfer
frauenzimmer gesprechspiele (1641—49) 5, 25; das alte zanksüchtige weib Gottsched
schaubühne 5, 352; als nun der widerwärtige planet bey dieser zancksüchtigen frauen regierete
ollapatrida 332, 1
ndr.; wir erinnern uns unter andern eines jungen menschen, der die rolle einer leidenschaftlichen, zanksüchtigen ... frau vortrefflich spielte Göthe 32, 233
W.; sie ist gefallsüchtig, sie ist zanksüchtig Rosegger
schr. 4, 240;
seltener von männern: ein fürnemer groszer herr, für andern sehr zancksüchtig und unleidig ... suchet und hub unfrieden an gegen männiglich Kirchhof
wendunmuth 2, 353
lit. ver.; ey, wie ein hincketer schelm, ein alter, zancksichtiger, saturnischer, kalter, zottender, saurzapffeter mann! J. Ayrer 4, 2495
Keller; zu wittwen und waysen gehen, ... und zanksüchtig, richterisch ... seyn in seinem hause Lavater
verm. schr. 2, 362; du Bartel Klotzmann und du Jokel Dreyecke, ihr seyd zwey alte grein- und zancksichtige haderkatzen und tumultuanten Gryphius
dornrose 331
lit. ver.; nicht immer scharf von 2
zu trennen, von menschen überhaupt: es sind zanksüchtige menschen, seine schwiegerältern Iffland
theatral. werke 7, 35; die einnahmigen, ... zancksüchtigen, ... festvereinten geschwister G. Treuer
deutsch. Dädalus 1, 650
u. ö.: ein glieder-, wassersüchtiger mensch leidet viel, aber ein zanksüchtiger ... mensch noch viel mehr Gotthelf
ges. schr. 6, 177. 22)
mit der sucht sich zu zanken, zu entzweien, in zwist zu leben behaftet; in der bürgerlichen gemeinschaft und der gesellschaft störende und lästige erscheinung, auch von der rechthaberei und proceszleidenschaft, ferner von der neigung zu aufruhr: ich kenne solche alte, neidische, zancksüchtige köpffe, die dem andern nicht den tropffen wasser gönnen
der wohlgeplagte priester 165; das geheimnis, durch dessen kraft er mit den zanksüchtigen leuten immer im guten frieden ausgekommen sei J. P. Hebel
werke 2, 7
Beh.; soll der allerhöchster gott Teutschland mit dem edelsten friede begaben, welchen diese zancksüchtige leute mit händen und füssen von sich stossen? Rist
d. friedej. Teutschland 28; es blieb doch ein dauernder gewinn, ... dass die zanksüchtige hauptstadt nun endlich eine anerkannte grösse besass, die alle gelten liessen Treitschke
dtsche gesch. (1897) 3, 433; auch hat ... er ... uns den durstigen aegeln der zancksüchtigen sachredner zum raube übergeben Lohenstein
Arminius 1, 19
b;
sodann von der krankhaften neigung zur kritik und polemik: der zweyte zeitraum fängt von Scioppio an, einem ... zanksüchtigem ... kopfe
allg. dtsche biblioth. 5, 153; er war zwar ein gelahrter, lustiger, aber verwegener und zanksüchtiger geist Morhof
unterr. v. d. dtsch. sprache 188; wol nur di, welche nicht sonderlich scharfsinnig und desto zanksüchtiger sind, ... wAerden in Demostenen seine aufmerksamkeit auf ... füsse, und silbenmas nicht finden können Klopstock
üb. sprache u. dichtk. 1, 167;
von religionsstreitigkeiten: nach diesen verachte die Lutheraner oder ubiquetisten. diese heerde ist sehr zanksüchtig Lessing 5, 339
M. (
übersetzt); von der zanck- und herschsüchtigen clerisey Arnold
kirchen- u. ketzerhistorie 7
a ; diese weiber verbreiteten ... mehr wahre ... religion als alle die zanksüchtigen schriftgelehrten, Pharisäer, buchstabenmenschen Zimmermann
einsamkeit 4, 396;
auf abstracta bezogen: er sagte immer, dass ihr ein zanksüchtiges gemüth hättet
samml. von schauspielen (
Wien 1764—69) 1,
stärke des naturells 32; eine reine vernunft, deren gebrauch durch und durch dialektisch,
d. i. zanksüchtig und rechthaberisch ist Herder
w. 21, 280; ich ... will ... keinen kameraden mehr haben als die zanksüchtige erfahrung Raimund
werke 2, 238; die furcht und die hoffnung, zwo zanksüchtige schwestern J. A. Cramer
d. nord. aufseher 3, 139;
tropisch: diese aufrührischen, zanksüchtigen händel J. J. Chr. Bode
Montaigne 3, 418; wer sein zanksüchtig schwerdt aus falschem heldenmuthe mit anderm blute färbt als mit des feindes blute Joh. E. Schlegel
werke 1, 247; Peleus und Thetis, auf deren hochzeit die Eris ihren zancksüchtigen apffel auf die tafel geworffen Amaranthes
frauenz. 2014;
von thieren: endlich nah', ungeschreckt von dem lerm unholdes gevögels, das aus dem schutt zanksüchtig emporschwärmt; steig in die felskluft demutsvoll J. H. Vosz
sämtl. ged. 3, 106. 33)
in substantivischer verwendung früh erscheinend: die zancksüchtigen, überwitzige und müssige schullehrer, haben sich über diesem wurm gewürmet Dannhawer
catechism.-milch (1657) 6, 701; zancksüchtige und störenfriede Nigrinus
papist. inquis. (1582) 206; kein zanksüchtiger konnte eine rechtssache weiter bringen als seine futterung reichte J. Möser
sämtl. werke 1, 250; der zanksüchtige und der friedliebende hielten mit gleicher geduld ihre kraft bereit G. Keller
ges. w. 5, 237; Heinrich der zanksüchtige war nicht sohn, sondern neffe Otto des grossen J. v. Müller
sämtl. werke 11, 326.