zabeln,
verb. ,
in mehreren bedeutungen. 11)
das nur hochdeutsche wort, ahd. zabalôn, zapalôn,
palpitare (Graff 5, 579),
mhd. zabelen, zabeln,
unzweifelhaft eine malende bildung, von heftigen regellosen bewegungen der glieder oder des ganzen leibes bei menschen und thieren gebraucht, bewahrt bis über das mhd. seinen kurzen stammvocal namentlich in mitteldeutscher volkssprache, wo er bis jetzt dauert und in schriftlichen aufzeichnungen durch verdoppelung des auslautenden stammhaften consonanten gekennzeichnet wird, so schon im 15.
jahrh.: palpitare, zabbeln Diefenb. 408
a;
bei Luther: die fremden kinder sind verschmachtet, und zabbeln in jren banden
2 Sam. 22, 46 (
σφαλοῦσιν ἐκ τῶν συγκλεισμῶν αὐτῶν Septuag., contrahentur in angustiis suis Vulg.)
; bei Schottel 1446 zabbelen,
trepidare; bei Stieler 2590 zabbeln,
und noch heute in Düringen; auch hessisch zabbeln,
palpitare Pfister
nachträge zu Vilmars idiotikon 341.
schriftgemäsz hat sich aus dieser form ebenfalls bereits seit dem 15.
jahrhundert zappeln (
s. d.)
entwickelt, wie ähnlich krabeln, krabbeln
und krappeln
zusammen stehen, vgl. th. 5, 1911. 2067
und wegen des inlautenden pp
unter knappe
ebenda sp. 1342.
gegenüber diesen formen bildet sich oberdeutsch die form zabeln
mit verlängertem a
der stammsilbe, die in schriftwerken sich bis ins 17.
jahrhundert findet, wo sie vor dem mitteldeutschen zappeln
weicht, mundartlich aber sich weiter erhält: bairisch zabeln
und mit umlaut zebeln Schm. 2
2, 1072 (
neben zappelen, zeppelen 1141);
schwäbisch zabeln
und zappeln Schmid 541;
schweiz. zabeln Stalder 2, 462; zable Hunziker 305; Seiler 321
b;
auch rheinfränkisch zabelen,
sich hin- und herkrümmen Waldbrühl
rhingscher klaaf 220. 22)
die ursprüngliche bedeutung der gewaltsamen gliederbewegung tritt mannigfach hervor, namentlich als folge von schmerz, angst, innerer beengtheit: diu (
ein vom teufel besessenes weib) zabelte harte vaste und hete deheine raste Lamprecht v. Regensburg
st. Franz. leben 2808; sî ructin vreislich mit unzucht den mûtren den vil armen dî kindir von den armen und spîʒten sî mortlîchin sâ ûf dî zûne hî und dâ, dâ sî der pîn enzwischin zabiltin und krischin Jeroschin 1603; hê, wie frevenlîch durchstieʒ Ruodi Trollen bî dem nabel! er sprach: dâ lig und zabel!
liedersaal 3, 413, 551; diu tiuvele ... füerent die sêle gevangen gein Babilônje, daʒ ist diu helle. dâ muost dû danne von noeten iemer zabeln, wan dich lânt die tiuvel niemer mêre geruowen. nû zabel, nû zabel als ein gurre, als ein gürrelin, als ein esel, als ein ros und als der tiuvel: der geruowet ouch niemer Br. Berthold 1, 270, 21; nach dem beid die schönsten fisch also lebendig für den künig auf den tisch truogen, vor im auf dem tisch springen und zabeln lieszen Arigo
decam. 615, 14
Keller; der fisch begunde zabeln vor seinen füszen
bibel von 1483
bei Frisch 2, 462
b (
Tobias 6, 5); stast du auf und zablest mit den füszen als ein katz die in dem herd ist gelegen Keisersberg
spinnerin (1510) d 6
a; ain katz die man ertrenken wil, die da zablet und umb sich beiszet und kretzet Aa 8
b; vor forcht zitteren und angstlich zablen,
trepidare, mit forcht, angst, und groszen zablen,
trepide Maaler 510
c; bald so sie (
die vögel) an rücken niederfielen, zableten sie mit den füszen und starben also Thurneiszer
von wassern (1572) 384; besser gezabelt am declinenden scamno (
von einem kinde gesagt, das vom schulmeister zur vollstreckung der prügelstrafe über die bank gelegt wird), als am undeclinenden ligno, so ein galgenpfosten heiszt
Garg. 458
neudr.; das wasser fing an ein zu rinnen (
in einen kahn), und als der essel das entpfund, ungeschickt er zabelt und aufstund und schray yan nach essels art H. Sachs
fab. und schwänke 2, 363, 20
Götze; (
der esel) stüerzt ins wasser, nit schwimen kund, zabelt ein weil und ging zu grund 364, 32; das er sein prüegel hoch auf schwang und draff die saw vorn an die stirn, das sie fiel, zabelt mit alln viern 376, 118;
von einzelnen gliedern, leibestheilen: allweg zablet jn das herz noch Keisersberg
spinnerin (1510) ee
a;
in krämpfen, als krankheit: und nach ausgang des tanz, so fiel sie nieder, dem mann zu leid, zablet ein weil und schlief darnach Paracelsus (1589) 1, 263; zablen der glyder kompt von eim groben dämpfigen wind
schachtafeln der gesundh. deutsch von Herr (1533) 221; zablen der mannsruoten ... von verschlossenem wynd in der ruoten 160;
in der verbindung zabeln und grabeln, krabeln: darvon fing das kind (
im mutterleibe bei der geburt) an zu erschrecken und erhupffet, und kam inn solchem aufflauff in die kraus holader, zabelet und grabelet daselbs durch die langscheidige leibesleist
Garg. 157
neudr.; seh hin und trink dein aygen harm, dieweil er noch ist also warm! so wern die narrn in dir zabeln, wie ameisz durch einander krabeln H. Sachs
fastn. sp. 1, 135, 101
Götze (
das narrenschneiden).
von den bewegungen des kleinen gethiers, gewürms: 'so lege dich in den kasten zuo den natern allen unde zuo den würmen, und ich wil des bürge sîn, daʒ dû alse gesunt her wider ûʒ scheidest als dû iezuo bist.' nein, herre! dû sæhe niht, wie sie zabelten unde wie sie wispelten! ich wolte ê iemer in der hellen sîn Br. Berthold 1, 573, 11; das herz des menschen ist gleich als ein käs, der voller maden ist, die allzeit durch einander wüten und zablen Keisersberg
pred. 10
b; (
die kröte fing an) zu wüten und zu zablen
Simpl. 1, 385
Kurz; wer nicht gablet, wann die brem zablet, der laufft im winter mit einem seil, und fragt: wo ist heu feil? Keisersberg
narrenschiff bei Frisch 1, 312
a;
bei Simrock
sprichwörter s. 248
in der fassung: wer nicht gabelt, wenn die heuschreck zabelt;
auch in der verbindung krabeln und zabeln,
von würmern, vgl. th. 5, 1912
oben. 33) zabeln,
übertragen auf strenge und hastige arbeit, bei der die glieder sich eifrig rühren, wie sich mühen, sich abarbeiten: man findt einen menschen, der werket, und je mehr er zablet, je ärmer er ist
Zürcher bibel (1530) 635 (
Sirach 11, 11,
bei Luther mancher lessets jm sawr werden); er sprüszt sich wie ein katz im wetschger, zablet wie ein holtzbetschger (
holzhacker)
N. Manuel 212, 13
Bächtold. noch jetzt schweizerisch: wär im heujed nitt gabled und in der ärn nitt zabled und im herpst nitt früej ufstot, dä cha luege, wie's — im im winter got Seiler
Basler mundart 321,
vgl. Hunziker 99.
von mühe überhaupt: das man kein regen bring durch zabeln zuwegen, sonder gott schickt den segen, wann und wa es im ist gelegen Fischart
podagr. trostb. D 4
a.
auch von nutzloser arbeit, beschäftigtem nichtsthun: ich sihe manchen reichen inn stätten hin und wider, der unruowig fast zablet, und in dem nicht thuot, dann dasz er seiner mägd und knecht knecht ist
sprichwörter, schöne, weise klugreden (1560) 208
b.
in verbindung mit andern wörtern ähnlichen sinnes die bedeutung schärfer hervorhebend: die niemer keine ruowe gehaben mügen vor würken noch vor zabeln, eht dar und dar zabeln und würken den sameʒtac hinz in die naht, und an dem heiligen sunetage und an der zwelfboten tage, sô ûf den market mit schuohen, sô mit wegen, so mit karren, sô vihe trîben, nû daʒ, nû daʒ, sô hin, sô her Br. Berthold 2, 48, 19; nû hœrest dûʒ, der den vîrtac dâ loufet und zabelt, und der der heiligen zît niht schônen wil? 253, 36; warum zablet, frettet die ganze welt tag und nacht? Frank
paradoxa 13
b; dem mann sein arbeit nit erspreust, er nagel, zabel, frett und schab, so kompt er doch zu keyner hab H. Sachs 1570 1, 524
d; es leit auch in kriegshandlung nit daran, das ein haubtman vast zabell und fecht
Wilwolt v. Schaumb. 91; sy fechten und zablen, das zy guot überkommen, es sei recht oder unrecht, wie es jnen werden mag durch wuocher, durch stelen, oder das sy jren nächsten bescheiszen mit falsch Keisersberg
siben hauptsünd. (1510) 222
b; zablen und fächten umb reychthumb,
divitiarum certamina Maaler 510
c; vernünfftige geringachtung alles dessen, darumb jederman so tollgirig zabelt und grabelt, laufft und schnaufft, machet und wachet, kriegt und betrügt, wült und stilt, wandelt und handelt, fecht und recht und alle hertzbefridung verschmecht
Garg. 20
neudr.; nit ungestüem zabel und eil H. Sachs
fab. 1, 440, 120
Götze; auch von rein geistiger thätigkeit: got werd noch ainmal, wenns jn gut und zeyt bedunckt, seine gaben der kunst und sprach so klar herfür geben, das man nicht mit solchem martern und zabeln drinn musz lernen und studieren, wie man yetzt pflegt Ickelsamer
teutsche grammatica s. 5
Kohler; und von seelenkämpfen: das er frischlichen hindurch brech und sich selber überwind, denn als lang das nit beschicht, so nympt das wüten und zabelen kein end Keisersberg
seelenpar. 22
b;
selbst spöttisch von den gewaltsamen bewegungen beim tanz: kein tanz der was mir nimmer z'lang, ich gumpet, zablet, rant und sprang, dasz mir der schweisz zendumb abran Hans Rud. Manuel
weinspiel 365, 2521
Bächtold; dazu erzabeln (
vgl. unter erzappeln
th. 3, 1079)
in der bedeutung durch solche hastige arbeit etwas erwerben, jetzt noch schweizerisch Stalder 2, 462; biʒ dû des selben guotes wider âne wirdest, daʒ dû wider des almehtigen gotes gebot alsô ervohten und erzablet hâst Br. Berthold 1, 269, 39; was ich erzablen und erzien, das ist alls mit dem win vertan Hans Rud. Manuel
weinspiel 363, 2461. 44) zabeln,
von der regung des schreckens im herzen und des dadurch hervorgerufenen gebahrens, namentlich des eiligen laufens, ein lieblingswort Aventins: traten urbering (
plötzlich) daher aus allen kirchen und capellen all pfaffen chorherren pfarrer wârsager in iren chorröcken und menteln infeln heublen mit irem heiltum erschrocken, zableten, liefen als die unsinnigen vorn an die spitz des streits
bayer. chron. 1, 394, 14
Lexer; die feind, so in (
lies ân,
ohne) ordnung umb das geleger wie vor renten und vast zableten 569, 9; etlich zableten, zitterten, waren gleich sam twelmig 837, 4; und der schrecken war noch in den menschen, zableten, zittreten noch, wurfen die augen hin- und herwider 839, 12; flohen die Teutschen davon, zittreten, zableten, hetten sorg auf das römisch her, es würd anfarn und in das ir verprennen 1058, 25; die fueszknecht ... kunten hart die füesz gewinnen, eilten wider hinder sich in den wald, darausz si erst kumen waren, zableten, warn vol schrecken, kamen also gar ausz der ordnung 1089, 14. 55)
ein anderes zabeln,
im brette spielen, zu zabel
spielbrett oben sp. 6
gehörend: vür den künec si giengen.da wâren ritter vil. dâ vunden si besunder maneger hande spil: in dem brete zabelen, schermen unde schilden
Gudr. 353, 3; der sun der zabelt ûf dem brete
ges. abent. 2, 411, 135;
ist nach dem mhd. ausgestorben.