wutig,
wütig Adj.: 1. 'wütend, zornig, wild, agressiv',
wurich [Schandein Ged. 16],
wiedich (wīdiχ) [verbr. östl. VPf SPf vereinzelt übrige Pf, Heeger Südostpf. 22 Otterstetter 260 Lambert Penns 178 mancherorts Don Gal Buch],
(wīðiχ) [KU-Kaulb Kreimb, Christmann Kaulb 49],
wiedisch (wīdiš) [vereinzelt, Bernhard 188],
widdich [Gal-Dornf],
wierich (wīriχ) [verbr. WPf NPf mancherorts VPf, Höh 66 Mang 140 Müller Dietschw 72],
wierisch (wīriš) [mancherorts WPf, Bernhard 188 Henn Mda.-Int. 65 Schneckenburger 35],
wielich (wīliχ) [KU-Bedb Dennw/Frohnb O'alb IB-Ensh (Glass 130) LU-Altr LA-Bornh Kirrw Wollmh BZ-Steinf Nd'ottb GH-Bellh Nd'lustdt],
wienich (wīniχ) [GH-Leimh Minf]; Zs.: toll- 2, grund-, hachel-, hagel-, himmel-, hirn-, rund-,
zornwütig; auch
subst. e Wiericheʳ (Wierichi) 'wer leicht zornig wird' [KU-Adb].
Er läßt de Wiediche los 'spielt den wilden Mann' [KU-Kaulb].
Die Leit, die werren bees un w. [Münch Werke I 178].
Die hat e wiedich Zung (Maul) [Kus].
Der macht wie w. [PS-Ruppw].
Die Bieⁿ sinn heit w. 'angriffslustig' [ZW-L'wied].
Wierisch baubst de Wind vor m'Haus [Kraus Pädcher 12].
Do werd er wurig, knerschelt mit de Zä' / Der krottig Krutze, strampelt mit de Bä' [Schandein Ged. 16]. RA.:
w. wie e Fixfeier 'leicht in Wut geratend' [KU-Körbn];
's wielich Heer 'das wilde Heer',
s. Heer 1 [Gimmel in PfL 30. 1. 1932];
's wierich Wese 'Tobsucht', meist in Verwünschungen:
Du sollscht 's wierich Wese krieh! [RO-Feilbg, Müller Luscht un Lewe 40].
Des sinn zwee wieriche Hahne, von zwei Streitenden [BZ-Annw]. SprW.:
Wann die Laus an de Grend kemmt, werd se w. 'Wer aus niederen Verhältnissen an die Macht kommt, wird unberechenbar' [WD-Niedkch]. BR.: Es gibt Gewitter wenn die Bremsen
so w. sinn [KU-Bedb]. — 2. 'von Tollwut befallen, tollwütig' [verbr.]; Zs.:
tollwütig.
Der is vun em wiediche Hund gebiß worr [Kaislt].
Der is fort, mer hot gemäänt, 's herren (hätte ihn)
e wiericheʳ Hund gebiß [KU-Schmittw/O]. RA.:
Der gehert dotgeschlaa wie e wiericheʳ Hund [KU-Kaulb]. Wenn die Schuhe knirschen, sagt man
des es Lerrer vum e wieriche Hund [KB-Bennhs]. SprW.:
's gibt mehⁿ Kerre (Ketten)
wie wierige Hunn [KU-Roßb, mancherorts]. Volksgl.:
Wammer 'n Hufeise findt mit all der Näggel drin, macht mer 'n Stang devun, un mit sellre Stang, heeß gemacht, brennt mer der Biß vumme wiediche Hund aus, noo werd mer net wiedich [Fogel Beliefs Penns Nr. 1453].
Eenich-eppes 'Jemand',
wu vumme wiediche Hund gebiß is, werd in nein Dag, nein Woche, nein Munet odder nein Jahr wiedich [Fogel Beliefs Penns Nr. 661]. Einen VR.
s. Lauer3. — 3.a. 'aufgeweckt, munter, keck, temperamentvoll',
wierich [KU-Bechb Kaulb Krottb Trahw ZW-Battw Gr'bundb, PfId. 151],
wierisch [Hussong Kirkel 172],
wielich [IB-Ensh (Glass 130)].
Das is e wierichi Krott 'ein aufgewecktes Kind' [KU-Trahw].
Minnem Kussing sinne Kenn hon all wieliche Aue [IB-Ensh (Glass 130)]. — b. 'leidenschaftlich, energisch' [KU-Kaulb Kreimb PS-Geisbg].
Nor net so w.! beim Vorübergehen an Arbeitende [PS-Geisbg]; Zs.:
tanzwütig. — c. 'mannstoll' [PS-Erfw LU-Opp]. —
d. vgl. faselwütig. — 4. der Steigerung dienend 'außerordentlich, arg' [vereinzelt].
Ne Hochzet isch werklich e widigi Freed [Firmenich II 22].
Das horren (hat ihn)
würig gekröppt un gefuchst [PfId. 173]. —
Rhein. IX 677;
Lothr. 541;
Els. II 884.