wurmfräszig,
adj. ,
von würmern angefressen, zerfressen, wurmstichig. spätmhd. wurmvræzic,
frühnhd. wurmfräszig, wurmfressig;
unter dem einflusz des jüngeren wurmfrasz (
s. d.)
in neuerer sprache (
seit dem ende des 18.
jhs.)
und mdal. auch wurmfraszig.
heute weitgehend auf fachsprache und mundart zurückgedrängt. von Campe 5 (1811) 795
als landschaftliches (
obersächsisches),
für die schriftsprache nicht geeignetes wort gekennzeichnet. vgl. auch wurmäszig
sowie vereinzeltes wurmgefressig (
wie wurmgefräsz
neben wurmfrasz) Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 495. 11)
eigentlicher gebrauch; von holz, früchten u. dgl.: it. gebrech van den pieken der veil wurmvreissich was, intzwey brAechen, affgingen (1390)
Aachener stadtrechn. 371
L.; ein nusz ..., die ein gut ansehen hat von aussen, inwendig aber wurmfressig ist Gretter
erkl. d. ep. S. Pauls an d. Römer (1566) 104; der schöne rote apffel dürffte wol wurmfressig seyn
theatrum diab. (1569) 460
a; so soll der zeugwart ... speichen vnd gestell sauber machen lassen, dann es sonst gern faul vnd wurmfressig wirt Fronsperger
kriegsb. 2 (1573) Bb 2
b; (
sie werden bezahlt) mitt wurmfresigem tuch und andern lumpensachen R. Lubenau
beschr. d. reisen 1, 295
Sohm; was geitzestu vnd scharrst so sehr? du nimbst doch nichts von hinnen mehr alsz dein wurmfressig pluder (1644) Scherffenstein
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 1, 78; bauholtz in diesem monat (
januar) ... gefällt ist sehr tauerhafft und wird nicht wurmfrässig Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 107; oehle aus unreifen, ... wurmfraszigen, ranzigen samen Krünitz
öcon. encycl. 18 (1779) 500; was etwa an bewohnbaren zimmern noch da ist, hat entweder keine möbel mehr oder wurmfräszige Chr. Fr. Schulz
reisen e. Livländers (1795) 1, 100; wurmfräszige adelsdiplome J. H. Voss
antisymb. (1824) 2, 260; se haben dir wurmfräszig mehl gegieben Immermann
w. 14, 253
Hempel; 15, 108; 3, 191; wurmfräszig ...
heisst das vom wurm theilweise zerrüttete bauholz Mothes
ill. baulex. (1881) 4, 491 (wurmfraszig 1, 462).
verbreitet mdal.: wurmfräszigs traid Schmeller-Frommann
bayer. 2, 1001;
wippelet ... vom kornwurme zernagt, wurmfräszig (
als interpretament) Unger-Khull
steir. 631
a; wūmfrasa
wurmstichig Gusinde
dt. sprachinsel in Oberschlesien 214; wormfras-ch
vom wurm durchfressen (
obst, holz) Göpfert
sächs. Erzgeb. 56; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 683; woarmfrAessich Fischer
Samland 118; wormfrātsig (
uckerm.) Gombert
bem. u. ergänz. (1879) 4, 20; wormfrääterich (
holz) Lademann
Teltow 285; wormfrääsch
wurmstichig Flemes
Kalenberg/Hann. (1.
nachtrag) 111.
anders das dithm. wormfretsch '
ärgerlich' (1860) Mensing
schlesw.-holst. 5, 689;
s. dazu wurmig 3 b.
vom leib des menschen: zum dritten werden auch der gottlosen leibe ... viel erger und abschewlicher riechen, denn des Antiochi, Herodis, Diocletiani, Maximini wurmfressige leibe auff erden
M. Christophorus Irenäus
spiegel d. hellen (1588) 283
a; was ist der mensch? ein unreiner, sündhafftiger wurmfressiger schlamsack Artomedes
LVI pred. (1604) 267.
als ausdruck der botanischen fachsprache: wurmfraszig (
von der oberfläche eines körpers)
cariosum, exesum Illiger
thier- u. pflanzenreich (1800) 55;
exesus ausgefressen, wurmfräszig Bischoff
wb. d. beschr. botanik (1839) 73. 22)
übertragener gebrauch (
s. wurmäszig 4); '
nicht lauter': kinder, alle dise werk (
guttaten um lohn) die sint alle wurmfressig (wurmstichig 186, 30) Tauler
pred. 186, 11
Vetter. '
nicht stichhaltig': damit vermeinet er, solt den armen bawfelligen vnd wurmfressigen propositionibus geholffen werden C. Spangenberg
wider d. böse sieben (1562) s 1
a. '
nicht rechtschaffen': ... Grumbach der alte ... sambt andern wurmfressigen gesindt, was args sie haben begangen, weiss manches muther kind (1569)
dt. hist. volkslieder 1, 426
Soltau.