wundertäter,
m. ,
seit dem 16.
jh. 11)
in der kennzeichnung religiöser persönlichkeiten, denen die fähigkeit zu übernatürlichen wundern zugeschrieben wird. 1@aa)
als epitheton Christi: das solch grosser wundertheter und armer könig, auffm esel eingeritten, sich würde lassen tödten und creutzigen (1543) Luther 53, 534
W.; ein himmlischer lehrer, und mitleidiger menschenfreundlicher wunderthäter Klopstock
Messias (1780) 443 (13.
ges.); (
darstellungen, die sich) auf Christus als erlöser und wundertäter, auf die wege der gnade, die taufe und eucharistie beziehen Dvorak
kunstgesch. als geistesgesch. (1928) 19.
hier auch als prägnante benennung: der wunderthäter ist ja hier, der grosze fürst des lebens Schubart
sämmtl. ged. (1825) 1, 217. 1@bb) a
gegenüber in klassifizierender bestimmung, vor allem eine bestimmte funktion der religionsstifter und religiösen führer im vorderen Orient kennzeichnend. auch in diesem sinne von Christus: (
der hauptmann zu Capernaum) ging selbst zu dem jüdischen wunderthäter (
Christus)
M. Claudius in:
dt. museum (1812) 1, 326
Fr. Schlegel; Jesus wurde ein wunderthäter und er machte als solcher unter den heiden ein glück, das Apollonius von Tyana ebenfalls gehabt hätte, wenn er den vorrang der neuheit gehabt hätte Gutzkow
ges. w. (1872) 4, 346.
und sonst, meist in der reihung mit prophet, heiliger
u. ä.: über Muhammed hinaus stellet es Zoroaster als einen vom himmel gesandten propheten, gesetzbringer, wunderthäter ... vor Herder 24, 554
S.; das grab eines arabischen heiligen und wunderthäters Ritter
erdkde (1822)
teil 1, 781; auf jenem reichstage in Karakorum erklärte ferner ein ... weissager und wunderthäter, namens Tengry Raumer
gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 73.
von hier aus auch als epitheton der christlichen heiligen: wozu auch seine wunderthätige gabe kam, davon ... man ihn (
Gregor) deszwegen tavmaturgum, oder wunderthäter, item den grossen benennet hat G. Arnold
unpart. kirchen- u. ketzerhist. (1699) 102
a; als ein mann der sich göttlicher erscheinungen rühmte, als wunderthäter, ... verachtete er (
Antonius) natürlicher weise alle gelehrsamkeit Zimmermann
einsamkeit (1784) 1, 199; wenn der selige Memmo zu Ordorf einen zulauf als wunderthäter erhält und am ende gar zu Rom als heiliger aufgenommen wird G. Freytag
ges. w. (1886) 9, 36;
vgl. 17, 237.
andererseits vom christlichen standort aus auch in leicht oder betont abwertendem sinne, wie er dem wort auch in anderen gebrauchsweisen eigen ist (
s. u. 2 c): ich wil lieber on zeichen und wunder bey meinem schwachen Christo bleiben, denn zu dir starcken und mechtigen wundertheter (
Mahomet) fallen Luther 30, 2, 189
W.; vgl. 32, 532; ein wunderthäter konnte seyn ein Moses, ein Elias, ein Romulus, aber niemals ein Christus, ein stifter des himmelreichs Fichte
s. w. (1845) 4, 555.
hierher wohl auch: all klosterhummeln, alle jesebellitische wunderthäter zu Dillingen Fischart
binenkorb (1588) 96
b. 22)
zauberer, magier, mit übernatürlichen kräften begabter mensch; ohne religiöse beziehung. 2@aa)
in neutraler wertung verhältnismäszig selten: so stand er, als der wunderthäter (
ein magier) an eine gruppe nymphen schlug Pfeffel
poet. versuche (1802) 3, 208; die gestern am feuer so kühn gespielte rolle des willkommenen wunderthäters (
Goethe hatte vorher versteckten wein verteilt, so dasz es wie eine hexerei erschien) Göthe I 33, 75
W.; sie wuszte, dasz der wundertäter (
Cagliostro) durch viele wochen bei dem Rohan in Straszburg gewesen war W. Schäfer
die halsbandgesch. (1911) 37. 2@bb)
speziell der erfolgreiche arzt oder heilkünstler, dem übermenschliche kräfte zugeschrieben werden, von a
her vergleichend: die ersten wundertäter, die säulen unsers heils, der arzeneien väter Fleming
dt. ged. 145
lit. ver.; zusehends fiel nun das ansehen des mannes (
eines stadtarztes), den man vor wenig jahren für einen wunderthäter ausgerufen hatte ... man gebrauchte heimlich pfuscher und quacksalber Wieland
s. w. (1794) 31, 34.
in bildlichem zusammenhang: während so die alten geschwüre des ... polizeistaates von zeit zu zeit aufbrechen, fehlt es gottlob auch nicht an wunderthätern, die sie zu heilen verstehen Hebbel
w. 10, 295
Werner. 2@cc) a
wie b
gern in dem durch die aufklärung geförderten, prägnant abwertenden sinne von '
scharlatan, betrüger, gaukler': bey einem wunderthäter dachten sich männer wie Tacitus und Lucian einen betrüger, gaukler, taschenspieler ..., gerade so, wie diesz der erste gedanke ist, der heut zu tage einem vernünftigen menschen einfällt, wenn er von den wunderthaten eines Gaszner, Schröpfer, Calliostro ... erzählen hört Wieland
Lucian (1788) 3, 60; ein französischer Kalvinist, namens Launoi, stand in Tournai als wunderthäter auf, wo er einige weiber bezahlte, dasz sie krankheiten vorgeben, und sich von ihm heilen lassen sollten Schiller 7, 118
G.; der lügenkünste thörichte bethörer, ... todtenbeschwörer, zaubrer, magier, und wunderthäter aller farb und art Rückert
ges. poet. w. (1867) 9, 104. 33)
auszerhalb des übernatürlichen für personen oder für unpersönliche mächte und kräfte, die ungewöhnlicher, auszerordentlicher wirkungen fähig sind; z. t. wohl als übertragung von 1
oder 2
her empfunden: die träume sind wunderthäter Wieland
Lucian (1788) 1, 13; zum glück ist der frühling vor der thür ..., und der ist doch der eigentliche wunderthäter Hebbel
br. (1904) 6, 244
Werner; sie sind ein wunderthäter, sie haben Berlin für das geschick eines poeten interessirt Holtei
vierzig jahre (1843) 5, 318; also, die maschine ist heutzutage: — der moderne heilige, der wirkliche wundertäter Billinger
rosse (1931) 22. —