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wuchtig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wuchtig adj.

Bd. 30, Sp. 1732
wuchtig, adj. , schwer; kraftvoll; schwungvoll. junge bildung zu wucht oder wuchten; häufiger erst seit der mitte des 19. jhs. bezeugt und dann schnell über das gesamte sprachgebiet sich ausbreitend. nicht hierher gehört die gerundete form von wichtig: wchtig-beschAefftigte augenstralen Harsdörffer gesprächsp. (1641) 5, 182; umlaut analog zu flüchtig fordert Berndt: 'es musz also wüchtig geschrieben werden' sles. id. (1787) 162; das wort fehlt den hist. wbb. vor Sanders 2 (1863) 1668c. vereinzelt mundartl.: wuchtig Mi Mecklenburg 109. mit abweichender bedeutungsangabe (in anlehnung an fuchtig teil 4, 1, 1, sp. 360?): 'böse, gereizt, grob. wie kann man gleich so wuchtig sein' Frischbier pr. 2, 482a. wuchtig steht in allen seinen verwendungen denen des substantivs nahe; berührungen in der bedeutung ergeben sich am ehesten mit gewichtig s. teil 4, 1, 3, sp. 5765, bes. gewichtig 2, wobei aber wuchtig immer der stärkere ausdruck bleibt. das wort füllt, ebenso wie das subst., indem es die schwere des bewegten körpers und die kraft der bewegung zugleich bezeichnet, eine lücke im sprachschatz. darüber hinaus wird es in jüngster zeit modewort im sinne 'groszartig, phantastisch': dies kürzlich entdeckte herrliche wort war gerade in dieser bedeutsamen zeit eine notwendigkeit in ihrem (der knaben) wortschatz. ... wuchtig — aber gar, wenn man bei so einer sprengung (der felsen) dabei sein dürfte! ... ha, wuchtig! die felsen sind weggespritzt wie haselnüsse! Dörfler d. komm. geschlecht (1932) 265. 11) schwer, gewichtig. 1@aa) im eigentlichen sinne. 1@a@aα) grösze und schwere von sachgegenständen bezeichnend: ihr aber, leichtbewaffnete, duckt bald hierhin, bald dahin unter den schilden und werft wuchtige steine auf sie E. M. Arndt w. 6, 26 R.-M.; dieser hielt noch und wog den wuchtigen schweif in den händen Mörike w. 1, 73 Maync; liesz man die wuchtigen vorhänge zufallen, so waren die hinter ihnen beschäftigten maler voneinander getrennt Gutzkow ritter v. geiste (1850) 3, 285; ein wuchtiger laib brot Rosegger schr. (1895) I 2, 6; die notwendigkeit, ... wuchtige steine ... herbeizuschaffen, reizte den erfindungsgeist Boltzmann popul. schr. (1905) 331; Lorenz fand unter dem alten gewölbegrund ... wuchtige brocken ..., die herausgeschafft sein wollten Kluge Kortüm (1938) 242. 1@a@bβ) von der gestalt des menschen, schwere und gedrungenheit betonend: kaiser Otto I. ist ... eine wuchtige, massive reitergestalt G. Freytag ges. w. (1886) 17, 365; befreiendes wiehern schüttelt seinen wuchtigen körper A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 359; ein wuchtiger riese wie Peyramale, bevorzugt eine muskulöse baukunst Werfel Bernadette (1948) 391. 1@a@gγ) häufig von schlaggeräten. die vorstellung der schwere des gerätes verbindet sich mit der durch sie bewirkten schlagkraft: und wär' er dann, zum mann heran gewachsen, die wucht'ge eichenkeule in der hand hervor geschritten aus dem dunklen wald Hebbel w. I 4, 191 Werner; ausstiesz er worte, wild und grimm und dreist, wie glühend eisen unter'm wucht'gen hammer Freiligrath ges. dicht. (1870) 5, 30; krachten die thüren, vom schlag wuchtiger äxte gesprengt Geibel ges. w. (1883) 590; kantige steinklingen ... geben wuchtige handwaffen Ratzel völkerkde (1885) 2, 153; sein wuchtiger haselstock ruhte ihm noch im arm Scheffel ges. w. (1907) 1, 166; das gewehr in der einen, das wuchtige, ellenlange, breite schlachtmesser in der andern hand Liller kr.ztg., ausl. 1—40 (1914/15) 1, 234. 1@bb) übertragen. 1@b@aα) wesen und eigenschaft des menschen charakterisierend: das schwerblütige wuchtige wesen der rauflustigen altbaiern G. Freytag ges. w. 15 (1887) 380; der wuchtige stille mann hört es nicht mehr Hohlbaum Stein (1934) 11; jener war durchaus das, was die studenten eine 'wuchtige persönlichkeit' nannten Th. Mann Faustus (1948) 152. 1@b@bβ) von gesprochenem und geschriebenem, eindringlichkeit und prägnanz des ausdrucks hervorhebend: wenn er (v. Stein) seine schwerwiegenden gedanken in markigem, altväterlichem deutsch aussprach ..., in jener wuchtigen kürze Treitschke dt. gesch. (1897) 1, 275; einen fundamentalsatz geradezu seiner wissenschaftlichen methode ... spricht der schlusz seiner anzeige des ersten bandes ... knapp und wuchtig aus Burdach über Scherer kl. schr. (1893) 1, XI; dasz es (ein buch Useners) ein wuchtiges werk war, das die ganze wissenschaft in bewegung setzt Wilamowitz-Möllendorff briefw. (1934) 49. 22) im sinne 'kraftvoll, schwungvoll' bei nomina actionis und verben der bewegung: ich ... neide der wucht'gen schaumfluth markigen sturmtakt Strachwitz ged. (1850) 177; im wuchtigsten strom hat man schlengen angelegt Allmers marschenb. (1900) 20. 2@aa) häufig bald den schwer-lastenden gang und bald das kraftvolle vorwärtsschreiten bezeichnend: der bataillone wuchtigen geschwindschritt Gutzkow ges. w. (1872) 10, 193; als ein mann ... sich wuchtigen schrittes näherte M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 176; breitspurig und wuchtig trat er mit schwerem stiefel auf, wie es ihm, dem besitzer des gröszten gutes im dorfe, zukam Polenz Büttnerbauer (1895) 1. in musikal. wiedergabe: das übrige orchester ... die wuchtigen tritte des siegers darstellt Schweitzer Bach (1948) 538. 2@bb) neben substantiven wie hieb und schlag: der scharfe stahl mit wuchtigem hieb fällt er ohne zahl der feindlichen verwilderte schaar Ditfurth volksl. d. bayer. heeres (1871) 144; Ludwig strich rücken und flanken der pferde mit wuchtigen hieben M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 65; die angriffe der gegner mit wuchtigen schlägen ... parieren amtl. kr. dep. (28. 5. 1915); wuchtige, mit einsatz aller kraft umfassend geführte keulenschläge Mackensen br. u. aufzeichn. (1938) 19. in diesem sinne sehr häufig in adverbialer verwendung: nicht gleitenden noch wankenden tritts, wuchtig an's knirschende gestein gestoszen, gelangte ich nun (nach anlegen der steigeisen) rasch in höhere regionen Barth Kalkalpen (1874) 294; der fremde legte die hand auf den widerrist des pferdes und sprang wuchtig in den sitz G. Freytag ges. w. 8 (1887) 7; der dreschflegel (flagellum), der wuchtig und im takte geschwungen durch die gehöfte hallte Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 63; wuchtig setzte sich herr Kortüm seinen zylinder wieder auf Kluge Kortüm (1938) 453; er unterschrieb wuchtig H. Mann d. untertan (1949) 166.
6379 Zeichen · 154 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    wuchtigadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    wuchtig , adj. , schwer; kraftvoll; schwungvoll. junge bildung zu wucht oder wuchten; häufiger erst seit der mitte des 1…

  2. modern
    Dialekt
    wuchtig

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    wuchtig schwer, gewichtig: wuchtigen Gang schwerfälliger Schritt Mi 109 b .

  3. Spezial
    wuchtig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    wuch|tig I adj. 1 (massig) massif (-s, -iva) 2 (heftig) violënt (-nc, -a) 3 (kraftvoll) sterch (-rsc, -rscia) 4 (gewicht…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wuchtig

3 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von wuchtig

wucht + -ig

wuchtig leitet sich vom Lemma wucht ab mit Suffix -ig.

wuchtig‑ als Erstglied (1 von 1)

wuchtigkeit

DWB

wuchtig·keit

wuchtigkeit , f. , abstraktbildung zum vorigen; selten und erst in jüngster zeit für das kraftvollere wucht bezeugt: Miltons jüdisch christl…

Ableitungen von wuchtig (2 von 2)

gewuchtig

DWB

gewuchtig , verstärktes wuchtig, wohl unter dem einflusz von gewichtig gebildet: der strom trieb baumstämme und pfosten in die strassen der …

unwuchtig

DWB

unwuchtig Alexis Isegrimm 2, 51 . —

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APA
Cotta, M. (2026). „wuchtig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wuchtig/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „wuchtig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wuchtig/dwb. Abgerufen 18. May 2026.
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Cotta, Marcel. „wuchtig". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wuchtig/dwb.
BibTeX
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