wuchtig,
adj. ,
schwer; kraftvoll; schwungvoll. junge bildung zu wucht
oder wuchten;
häufiger erst seit der mitte des 19.
jhs. bezeugt und dann schnell über das gesamte sprachgebiet sich ausbreitend. nicht hierher gehört die gerundete form von wichtig: wchtig-beschAefftigte augenstralen Harsdörffer
gesprächsp. (1641) 5, 182;
umlaut analog zu flüchtig
fordert Berndt: '
es musz also wüchtig
geschrieben werden'
sles. id. (1787) 162;
das wort fehlt den hist. wbb. vor Sanders 2 (1863) 1668
c.
vereinzelt mundartl.: wuchtig Mi
Mecklenburg 109.
mit abweichender bedeutungsangabe (
in anlehnung an fuchtig
teil 4, 1, 1,
sp. 360?): '
böse, gereizt, grob. wie kann man gleich so wuchtig sein' Frischbier
pr. 2, 482
a. wuchtig
steht in allen seinen verwendungen denen des substantivs nahe; berührungen in der bedeutung ergeben sich am ehesten mit gewichtig
s. teil 4, 1, 3,
sp. 5765,
bes. gewichtig 2,
wobei aber wuchtig
immer der stärkere ausdruck bleibt. das wort füllt, ebenso wie das subst., indem es die schwere des bewegten körpers und die kraft der bewegung zugleich bezeichnet, eine lücke im sprachschatz. darüber hinaus wird es in jüngster zeit modewort im sinne '
groszartig, phantastisch': dies kürzlich entdeckte herrliche wort war gerade in dieser bedeutsamen zeit eine notwendigkeit in ihrem (
der knaben) wortschatz. ... wuchtig — aber gar, wenn man bei so einer sprengung (
der felsen) dabei sein dürfte! ... ha, wuchtig! die felsen sind weggespritzt wie haselnüsse! Dörfler
d. komm. geschlecht (1932) 265. 11)
schwer, gewichtig. 1@aa)
im eigentlichen sinne. 1@a@aα)
grösze und schwere von sachgegenständen bezeichnend: ihr aber, leichtbewaffnete, duckt bald hierhin, bald dahin unter den schilden und werft wuchtige steine auf sie E.
M. Arndt
w. 6, 26
R.-M.; dieser hielt noch und wog den wuchtigen schweif in den händen Mörike
w. 1, 73
Maync; liesz man die wuchtigen vorhänge zufallen, so waren die hinter ihnen beschäftigten maler voneinander getrennt Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 3, 285; ein wuchtiger laib brot Rosegger
schr. (1895) I 2, 6; die notwendigkeit, ... wuchtige steine ... herbeizuschaffen, reizte den erfindungsgeist Boltzmann
popul. schr. (1905) 331; Lorenz fand unter dem alten gewölbegrund ... wuchtige brocken ..., die herausgeschafft sein wollten Kluge
Kortüm (1938) 242. 1@a@bβ)
von der gestalt des menschen, schwere und gedrungenheit betonend: kaiser Otto I. ist ... eine wuchtige, massive reitergestalt G. Freytag
ges. w. (1886) 17, 365; befreiendes wiehern schüttelt seinen wuchtigen körper A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 359; ein wuchtiger riese wie Peyramale, bevorzugt eine muskulöse baukunst Werfel
Bernadette (1948) 391. 1@a@gγ)
häufig von schlaggeräten. die vorstellung der schwere des gerätes verbindet sich mit der durch sie bewirkten schlagkraft: und wär' er dann, zum mann heran gewachsen, die wucht'ge eichenkeule in der hand hervor geschritten aus dem dunklen wald Hebbel
w. I 4, 191
Werner; ausstiesz er worte, wild und grimm und dreist, wie glühend eisen unter'm wucht'gen hammer Freiligrath
ges. dicht. (1870) 5, 30; krachten die thüren, vom schlag wuchtiger äxte gesprengt Geibel
ges. w. (1883) 590; kantige steinklingen ... geben wuchtige handwaffen Ratzel
völkerkde (1885) 2, 153; sein wuchtiger haselstock ruhte ihm noch im arm Scheffel
ges. w. (1907) 1, 166; das gewehr in der einen, das wuchtige, ellenlange, breite schlachtmesser in der andern hand
Liller kr.ztg., ausl. 1—40 (1914/15) 1, 234. 1@bb)
übertragen. 1@b@aα)
wesen und eigenschaft des menschen charakterisierend: das schwerblütige wuchtige wesen der rauflustigen altbaiern G. Freytag
ges. w. 15 (1887) 380; der wuchtige stille mann hört es nicht mehr Hohlbaum
Stein (1934) 11; jener war durchaus das, was die studenten eine 'wuchtige persönlichkeit' nannten Th. Mann
Faustus (1948) 152. 1@b@bβ)
von gesprochenem und geschriebenem, eindringlichkeit und prägnanz des ausdrucks hervorhebend: wenn er (
v. Stein) seine schwerwiegenden gedanken in markigem, altväterlichem deutsch aussprach ..., in jener wuchtigen kürze Treitschke
dt. gesch. (1897) 1, 275; einen fundamentalsatz geradezu seiner wissenschaftlichen methode ... spricht der schlusz seiner anzeige des ersten bandes ... knapp und wuchtig aus Burdach
über Scherer
kl. schr. (1893) 1, XI; dasz es (
ein buch Useners) ein wuchtiges werk war, das die ganze wissenschaft in bewegung setzt Wilamowitz-Möllendorff
briefw. (1934) 49. 22)
im sinne '
kraftvoll, schwungvoll'
bei nomina actionis und verben der bewegung: ich ... neide der wucht'gen schaumfluth markigen sturmtakt Strachwitz
ged. (1850) 177; im wuchtigsten strom hat man schlengen angelegt Allmers
marschenb. (1900) 20. 2@aa)
häufig bald den schwer-lastenden gang und bald das kraftvolle vorwärtsschreiten bezeichnend: der bataillone wuchtigen geschwindschritt Gutzkow
ges. w. (1872) 10, 193; als ein mann ... sich wuchtigen schrittes näherte
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 176; breitspurig und wuchtig trat er mit schwerem stiefel auf, wie es ihm, dem besitzer des gröszten gutes im dorfe, zukam Polenz
Büttnerbauer (1895) 1.
in musikal. wiedergabe: das übrige orchester ... die wuchtigen tritte des siegers darstellt Schweitzer
Bach (1948) 538. 2@bb)
neben substantiven wie hieb
und schlag: der scharfe stahl mit wuchtigem hieb fällt er ohne zahl der feindlichen verwilderte schaar Ditfurth
volksl. d. bayer. heeres (1871) 144; Ludwig strich rücken und flanken der pferde mit wuchtigen hieben
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 65; die angriffe der gegner mit wuchtigen schlägen ... parieren
amtl. kr. dep. (28. 5. 1915); wuchtige, mit einsatz aller kraft umfassend geführte keulenschläge Mackensen
br. u. aufzeichn. (1938) 19.
in diesem sinne sehr häufig in adverbialer verwendung: nicht gleitenden noch wankenden tritts, wuchtig an's knirschende gestein gestoszen, gelangte ich nun (
nach anlegen der steigeisen) rasch in höhere regionen Barth
Kalkalpen (1874) 294; der fremde legte die hand auf den widerrist des pferdes und sprang wuchtig in den sitz G. Freytag
ges. w. 8 (1887) 7; der dreschflegel (flagellum), der wuchtig und im takte geschwungen durch die gehöfte hallte Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 63; wuchtig setzte sich herr Kortüm seinen zylinder wieder auf Kluge
Kortüm (1938) 453; er unterschrieb wuchtig H. Mann
d. untertan (1949) 166.