[]wohlgefällig,
adj. 11)
was (
sinnliches oder sittliches)
wohlgefallen hervorruft; placabilis gemma gemm. (1508) t 4
a;
acceptus, gratus ... voluptabilis wolgefellig, angenem Alberus
dict. (1540) x 3
a;
agréable Widerhold
t.-frantz. (1669) 425
b;
welches beliebet und angenehm ist Rädlein 1 (1711) 1072
a. 1@aa)
mit dat. der person: do was er seynem himelischen vater allerwolgefelligst Tauler
sermones (1508) 147
a; daz sie iren herren underthenig seyen, wolgefellig in allen dingen H. Gebweiler
lob Marie (1523) 41
a.
bei abstraktem subjekt: derselb hochmaister hab ... gesagt, das solich ainung im nit wider, sunder wollgevellig sei (
a. 1453)
acten d. ständetage Preußens 4, 141; es seiner ... majestat angenem, entpfengklich und wolgefellig sey
manuale curatorum (1516) 62
b; Peter Berner ist ... gekommen, um mich zu lieben und zu ... heirathen, aber weder das erste noch das letzte ist mir wohlgefällig Tieck
schr. (1828) 9, 149; ich bitt, ihr wolt die arbeit mein euch lassen wolgefellig sein Ringwaldt
christl. warnung (1588) J 5
a; fangts wol an! und wie ihrs thut machn, soll es uns wolgefellig sein Jac. Ayrer
dramen 175
K. häufig gott wohlgefällig: zum opffer, das da lebendig, heilig und gott wolgefellig sey (
hostiam viventem, sanctam, deo placentem)
Römer 12, 1;
vgl.: prüfet, was da sei wolgefellig dem herrn (
probantes quid sit beneplacitum deo)
Ephes. 5, 10; disz leiden ... ist der recht got wolgefellig sabbath Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 134
b; es entstunde die red, ... wie ein christlicher potentat mit gutem gewissen und gott dem herren am wolgefälligsten kriegen könte Zinkgref
apophthegmata 1 (1628) 367; löbliche und gott wohlgefällige wercke Butschky
Pathmos (1677) 208; ein heiliger und gott wolgefälliger wandel Chr. Weise
polit. redner (1677) 46; das gott wolgefälligste gelübde Herder 12, 234
S.; das ist doch gott im höchsten grade wohlgefällig Rilke
ges. w. (1927) 4, 71; vatter, ists wolgefellich dir, so nimb diesen kellich von mir! Hans Sachs 1, 305
K. 1@bb)
ohne personalen dativ. (
sinnliches, intellektuelles oder sittliches)
gefallen hervorrufend: rede was wolgefellig unnd nutz ist J. Barth
weiberspiegel (1565) L 6
b; ein wolgefälliges liedle singen Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 97; (
die) rezension ... kann als wohlgefällig angesehen werden Göthe IV 17, 200
W.; von einem wohlgefälligen eindruck überrascht 25, 275
W. τῷ θεῷ εὐάρεστον (
beneplacens der vulgata)
Röm. 12, 2
übersetzt Luther
mit wolgefellig: auff das ir prüfen möget, welchs da sey der gute, der wolgefellige und der volkomene gottes wille;
ebenso schon die Zainerbibel, s. erste dt. bibel 2, 48, 57
Kurr. vgl. noch: nichts anders ... begeren, dann was der wolgefällig göttlich will ist J. v. Schwarzenberg
beschwerung d. teufelischen schlangen (1525) h 3
b; Widmann
Fausts leben 43
K.; dagegen: das sol unser kasel, stola, manipel sein, ut omnia mala vitemus ... et hoc ist den ein wolgefelligen dienst thun Luther 49, 215
W. wo in der neueren sprache '
sinnliches gefallen'
gemeint ist, meist auf gesichts- und gehörseindrücke beschränkt, z. b.: ich fragte, wer ihn diese wohlgefällige form da schmieden gelehrt habe Watzlik
pfarrer von Dornloh (1920) 26.
aber ungewöhnlich: rauchpfannen, die einen wohlgefälligen geruch im zimmer verbreiteten Gutzkow
ges. w. (1872) 6, 190.
substantiviert: auge und ohr, die feinsten sinne unserer natur, die organe alles wohlgefälligen, reizenden und schönen Herder 27, 164
S.; die musik ... (
hat) nicht nur das sinnlich wohlgefällige, sondern auch das geistig energische ... in das bereich ihres ... ausdruckes gezogen R. Wagner
ges. schr. u. dicht. (1897) 8, 188. 1@cc)
als adverb: an diesen abgelebten ... königsgräueln ... konnten sich die leidenschaften wohlgefällig (
μεθ'
ἡδονῆς) läutern Herder 24, 371
S.; [] da regte phantasie mir manches bild, die schätze der erinnrung sichtend, auf, und wohlgefällig schwebten sie vorüber Göthe I 10, 346
W. (
nat. tochter 4, 2). 22)
gefallen, wohlwollen bezeigend, beifällig: do sy (
Lucretia) mich ansach lieplich mit wolgefelligen ougen Niclas v. Wyle
translat. 63
K.; selbst blumen ... können uns einen wohlgefälligen blick abgewinnen Gutzkow
ges. w. (1872) 6, 50.
zustimmend: steln ist eyn abestellung fremdes gutes von synen nehsten an sinen wolgefelligen willen widder got und recht (
vor 1468) Joh. Wolff
beichtbüchlein 16
Battenb. in der neueren sprache meist adverbiell: die red ... ward von seinem hauffen wolgefellig angenommen Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 18
a; e.
m. wolle disz ... werklein ... wohlgefällig an- und aufnehmen S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 11
a; ... etwas von meinem eigensten ..., das ... wie ein freundlicher grusz wohlgefällig aufgenommen ward Göthe I 24, 295
W.; (
der alte Baumann) schaute wohlgefällig lächelnd zu, wie seine herrin ... den trank schlürfte Spielhagen
s. w. (1872) 1, 92; er nickte Chievres wohlgefällig zu A. v. Arnim
s. w. 1 (1853) 163
Gr.; diese unerschrockenheit des Johannes hatten die umstehenden ... wohlgefällig bemerkt G. Keller
ges. w. (1889) 6, 77. 33)
verengt für '
selbstgefällig, stolz' (
s. u. Tauler
-beleg s. v. wohlgefälligkeit): der vater ... konnte ein gewisses wohlgefälliges lächeln über die riesenkraft seines sohnes nicht unterdrücken Tieck
schr. (1828) 19, 142; ihr nennet euch wohlgefällig das erste volk unter den völkern unsers welttheils E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 3 (1845) 107; Salerl betrachtet sich wohlgefällig im spiegel Nestroy
ges. w. (1890) 1, 61; derselbe (
räuberhauptmann) hatte ..., wie er wohlgefällig bemerkte, ... dreiszig menschen ermordet Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 5, 22.