wirrig,
adj. ,
mhd. bereits sporadisch als werrecht
belegt (
s. u.),
nhd. daneben wirricht, wirrhaft Stieler (1691) 2514, werrich, wirrisch Kramer
t.-ital. 2, 1363
b;
zu mhd. wërre,
f. (
bzw. nhd. wirren,
pl., s. dort), wirren,
vb., meist aber zum adj. wirr
gebildet; ein wort mit reicher bedeutungsentwicklung, das aber hauptsächlich mundartlich geblieben und nur selten in die schriftsprache gedrungen ist. 11)
im bezug auf die geistesbeschaffenheit und stimmung von personen. 1@aa) '
geistig verworren'
; so schon mhd. vereinzelt, wohl aus werre
entwickelt: die prelate ..., die mit ir guten rate und mit der gotes minne die warrichaften (
lesart: werrechten) sinne ... hie kunnen so besniten daz sie warbichtic werden Heinrich Hesler
apok. 1108
Helm; [] im 16.
jh. erneut als ableitung von wirr,
adj. (
s. wirr 1),
auftretend, doch erst ende des 17.
jh. häufig, vgl. wirrig, wirricht
confusus Stieler (1691) 2514, wirrig, werrig, wirricht, wirrisch
imbrogliato di cervello Kramer
t.-ital. 2, 1363
b; wirrig, wirr '
verworren, im kopfe verrückt' Dähnert
plattdt. wb. (1781) 553
b;
ähnlich Mi
meckl. 107, Damköhler
Nordharzer wb. (1927) 222
b: und rennt wie wirrig her und hin durch gassen und durch straszen
das mädgen von Orleans (1821) 1, 59; da wurde er wirrig und muszte in eine anstalt Storm
w. 7, 103; anfangs wird einem ein wenig wirrig im kopfe E. Th. A. Hoffmann
s. w. 14, 158
Gr.; vgl. he wr krank un wirri in e kopp Mensing
schlesw.-holst. 5, 666; mein kopf ist noch ganz wirrig A. Schopenhauer
tageb. 1, 81; '
unklar': so glaube ich, ohne auf den wirrigen Chemnitz etwas zu geben, die verhältnisse verstehen zu müssen Dahlmann
gesch. v. Dänemark 1, 376;
hierher auch adverbial '
aus irrtum, fälschlicherweise': nur dasz Hvitfeld die sache wirrig in das jahr 1364 setzt
ebda 2, 27. 1@bb) '
zornig, reizbar',
vgl. wirrig
iracundus Schottel (1663) 1444; wirrig
so leichtlich verwirret wird, den man bald zornig machen kan Rädlein (1711) 1, 1066
a: (
ich fiel,) da ich wieder allein war ..., in mein wirriges störrisches wesen zurück Göthe 27, 145
W.; selbst seine keifenden tiraden ... werden mit leichtem sinn, gutem muthe, in wirrig humoristischer laune herausgepoltert
F. Rochlitz
für ruhige stunden (1828) 2, 45;
von weinerlichen kindern: sieben sind ihrer (
der kleinen rangen) an der zahl, noch klein und wirrig allzumal A. v. Droste-Hülshoff
br. (1893) 143. 22)
auf sachen und verhältnisse bezogen. 2@aa) '
verworren, verwickelt, durcheinander'
; schon im 16.
jh. gelegentlich bezeugt: der kaiser nam seinen weg von Hasungen nach Beiern, machet da so viel müglich die wirrigen hendel richtig C. Spangenberg
mansfeld. chr. (1572) 186
a;
in parallele mit irrig: und ist darauff viel irriges und wirriges dinges eingefallen
ebda 490
b;
mit bunt: wäre es auch heute so verzweifelt bunt und wirrig (
mit unseren inneren verhältnissen), wie uns die fremden schildern E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 4, 133; das revolutionstribunal, vor dem es bunt und wirrig genug hergegangen ist
F. Wehl
am sausenden webstuhl der zeit (1809) 1, 240;
von lichteindrücken, vgl. wirr 3 b
α: (
der pfeil) traf, recht in die mitte den karfunkel, der nun verstreut ein wirriges gefunkel J. D. Gries
Bojardos verliebter Roland (1835) 3, 78;
von haaren, stroh u. ä. '
ungeordnet, unordentlich, sperrig',
vgl. wirr 3 a: welk und müde hängt er (
der lorbeer) uns schon im wirrigen haare G. Frenssen
Bismarck 375; wird es aber wirrig eingebunden und zu dem ende krumm zusammengedrückt, so heiszt es wirrstroh L. G. Leopold
hdb. d. ökonomie (1805) 505
a;
vergleichbar vom holz wirriga, wirrigi, wirrigs '
unspältig' Bühler
Davos 2, 113. 2@bb)
vereinzelt entsprechend wirr 3 c '
verwirrend und in die irre führend': dasz man, wenn einem ein bekannter weg anfange, wirrig und entfremdet zu sein, sogleich umkehren solle Stifter
s. w. 2, 277
S.