wi(e)derkunft,
f. ,
rückkunft, wiederkehr. verbalabstraktum zu wi(e)derkommen (
s. d.).
mhd. widerkunft,
mnd. wedderkomst, -kumst,
mnl. wedercomste Verwijs-Verdam 9, 1934,
nl. we(d)erkomst.
das wort ist seit dem 13.
jh. durchgehend gut bezeugt, die masse der belege setzt jedoch erst ende des 16.
jhs. ein. wiederkunft
tritt in einigen verwendungen an die stelle von zukunft (
bes. I 5
teil 16,
sp. 478),
s. unten 2.
gegenüber dem weithin synonymen wi(e)derkehr (
s. d.)
bezeichnet es (
resultativ wie ankunft)
zuvörderst das eintreffen am ausgangspunkt. nur in älterer zeit finden sich belege für den umfassenderen wortsinn '
rückreise',
vgl. in (
d. i. während) der wiederkunft
unter 1: alsus sin wille im do geschach mit erlicher sigenumft. do greif er an die widerkumft
passional 282
a Köpke. kaum mundartlich: '
mod. noch in rel. kreisen von der w. Christi' Fischer
schwäb. 6, 782.
gegenüber dem jüngeren rückkunft (
teil 8,
sp. 1372)
steht es vorwiegend für die rückkehr nach längerer abwesenheit. in den hist. wbb. seit dem 16.
jh. durchgehend, bes. für: reditus, regressus, regressio, reuersio widerkunfft Alberus
nov. dict. (1540) x 1
a;
reditus widerkunfft Frisius
dict. (1556) 1126
b;
postliminium widerkunfft eines vermeyndten todten Frischlin
nomencl. (1586) 264
b; widerkunfft
retour, reuenue, ritorno Hulsius-Ravellus
t.-frz.-it. (1616) 410
b; wiederkunft Stieler
stammb. (1691) 1007 (
nicht bei Kramer); Steinbach
dt. wb. (1734) 1, 907. 11)
in eigentlichem sinne von der rückkehr des menschen (
bes. aus der fremde, verbannung, von einer reise): urloup nâmens zuo der magt unt zuo dem gast. ir widerkunft in wart gesagt: diu wart dô anderweide gelobt in beiden
Lohengrin 1539
Rückert; als dann er wider in tvschiv lant komt, oder in sin hvs oder als sine wider kvnft erste bevindent, so svln si z im komen
Schwabenspiegel, lehenrecht 128
Laszberg; so uch von ... uwers bruders ... widerkunfft ferner eigintliche botschafft inkompt, ir wullet uns die auch mitzuteylen nicht verhalten (1476) Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 168; nach seiner widerkunfft (
aus Welschland) (1543) Luther
br. 10, 306
W.; nach der widerkunfft von meinen wenigen reisen Bastel v.
d. Sohle
don Kichote (1648) 5; bei Napoleons ausbruch und wiederkunft Fr. L. Jahn
w. (1884) 2, 6; als ich ... fort gegangen war, hatte mein gastfreund gesagt, dasz ich meine wiederkunft vorher ... anzeigen möge Stifter
s. w. 6 (1921) 226.
sehr häufig verbindet sich mit widerkunft
die vorstellung von glück und freude über die rückkehr eines lange entfernten oder aus gefahr zurückkehrenden: deine wiederkunft die macht, dass mein hertz vor freuden lacht Neumann
fortgepfl. lustwald (1657) 315; der tag und abend meiner wiederkunft sollen sie gewis vollkommen dafür (
für d. abwesenheit) belonen (1783) Schiller
br. 1, 139
Jonas; weil er aber diesem so ähnlich sah, hielt sie ihn für ihren rechten mann, freute sich seiner wiederkunft br. Grimm
kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 347.
bes. in der stehenden verbindung glückliche wiederkunft: was fr ... freude vater und mutter ob dieser glcklichen wiederkunfft hatten
volksb. v. geh. Siegfried 87
ndr.; und erfreueten sich meiner guten gesundheit und glcklichen wiederkunfft Chr. Reuter
Schelmuffsky 90
ndr.; desto angenehmer wird es mir seyn, sie bey einer glücklichen wiederkunft gesund und fröhlich zu empfangen Göthe IV 30, 28
W. 22)
im bereich des glaubens und der sage. 2@aa)
von der auferstehung Christi: vnd Crist der gewere got nach der goteheite gebot an vrolicher wider kunft erstunt mit aller sigenunft
passional 90
a Hahn, von der des menschen: ir (
der toten) widerkünfft hat kayn versehn, bald würt desgleich dir auch geschehn Schwarzenberg
Cicero (1535) 151; vordem aber war er (
der mensch) eine himmlische bildnisz, und die musz er wieder werden in seiner wiederkunft am jngsten tage J. Böhme
s. w. 3, 204
Schiebler; (
an die sonne:) kehre morgen — rötend wieder, allen seelen eine wiederkunft verbürgend! Carossa
ged. (1912) 33. 2@bb)
sehr häufig eschatologisch vom erscheinen Christi zum jüngsten gericht (
in der tradition der bibelübersetzungen hält sich für Matth. 24, 27 adventus filii hominis
bis ins 20.
jh. das in dieser bed. unverständlich gewordene zukunft [
s. teil 16,
sp. 478]: die zuokunft des suns der megde
erste dt. bibel, die zukunfft des menschen sons Luther,
noch Leipzig 1707
und Berlin 1920; die wiederkunft des sohnes des menschen
Zürcher bibel [1951]): wie er denn thun wirt in seiner wiederkunfft am jngsten tag
theatrum diab. (1569) 186
b; (
die engel) waren zeugen und verkndiger seiner auferstehung von den todten und seiner wiederkunft zum gerichte Lavater
verm. schr. (1774) 2, 327; persönliche wiederkunft Jesu zur errichtung dieses reiches Fichte
s. w. (1845) 4, 580. 2@cc)
auszerchristlich: Herodot behält recht, dasz die Ägypter die wiederkunft der seelen ... erfunden haben Herder 24, 544
S. in der sage: den Armoricanern war Arthus ihr eigner könig ... sie glaubten an seine unsterblichkeit und wiederkunft Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 1, 252; die wiederkunft Friedrichs II. und nicht Barbarossas war (
es), welche die deutsche sage noch jahrhunderte nach seinem tode festhielt Nitzsch
dt. studien (1879) 180. 33)
in sachlichem und abstraktem bereich. 3@aa)
rechtssprachlich: postliminium recht oder widerkunfft zu vnserem (durch krieg ['
prozesz'] verloren) guot Frisius
dict. (1556) 1030
a; wiederkunfft, wiederkunfftsrecht
reditus, jus postliminii Hayme
jur. lex. (1738) 1332. 3@bb)
häufiger nur von der rückkehr der sonne (
der jahreszeiten)
und der zeit (
eines bestimmten gesellschaftlichen zustandes): mit leide kalt kan uns der winter smahen. von widerkunft der sunnen muoz er hin, und kan uns vreude nahen Albrecht v. Scharfenberg
jüng. Titurel 1655
Wolf; bei heller wiederkunft der sonne Brockes
ird. vergnügen (1721) 4, 26; die wiederkunft des frühlings zu begehen Wieland
Agathon (1766) 2, 140; die wiederkunft besserer zeit ... abzuwarten Gaudy
s. w. (1844) 15, 49; (
in einem gespräch über d. bildniskunst:) sie wissen jedoch, dasz ich ihren ansichten von der ewigen wiederkunft stets skeptisch gegenübergestanden bin J. Schlosser
präludien (1927) 240. —