wiechlein,
wicklein, (
mundartl. -el, -le),
n., diminutiv zu wieche, wicke. 11)
zu wieche B 1 '
faserbündel, insbes. die zum abspinnen um den rocken gewickelte fasermenge' (
s. a. das gleichbed. 2wickel 1).
schon ahd. —
meist mit inlautender obd. affrikata —
reich belegt: (
prunas)
maniplis (
confovere)
stuppeis vuicchilinun zunterinun (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 453, 20
St.-S.; pensa uuicchili (11.
jh.)
ebda 720, 70;
penso uuikiline (
dat. sg.; 11.
jh.)
ebda 712, 40;
pensum wichili (11.
jh.)
ebda 3, 624, 62; wickelin (12.
jh.)
ebda 253, 39.
das oben unter 2wickel 1
angeführte wichel (13.
jh.)
ebda 306, 58
ist von Steinmeyer
mit recht aus wiehel
gebessert worden, da dieser beleg sonst als einziger zu der bedeutung von wieche B 1
die lautform von wieche A 2
zeigen würde. die erst im frühnhd. wieder einsetzende bezeugung reicht bis ins 18.
jh.: stuppa heyden wickly
vel rist werck (1466,
obd.) Diefenbach
nov. gl. 351
b;
pensum ein wichkel flachs, das man an legt vnd dar von spint
voc. pred. (1486) T 3
a;
globus lanae wickle wullen Emmel
nom. quadr. (1592) 327; wicklen
pensum, manipulus lini Aler
dict. (1727) 2, 2183
b; wo ain schofwoll fürgenomen ist, daraus zespinnen ... scharlach tuoech ..., dieselb woll wirt getailt in vil wikel, die vngleich werden. eins lAesst sich schon spinnen, dann es ist zugig vnd tglich zuo scharlach. das ander wickel ist vnzügig, daraus nichts anders werden mag dann grob loden tuoech. deszhalb kumbt des ainen wikels woll im scharlach zum kOenig. des andern wickels woll kumbt im loden zumm ackerman, wiewol bede wickel ainer woll vnd natur seinn Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 204
Reithm.; das wickel, das an die gunkel ist gebunden, ist Christus Jesus vnnser herr Keisersberg
gaistl. spinnerin (1510) a 6
a; wenn zu Rom ein newer bapst erwehlet und gekrönet wird, dasz einer ein wickelein flachs an einer stangen mit fewr anzündet G. Mayer
hist. lustgarten (1625) 1, 609.
die wendung sein wicklein abspinnen
meint '
seine pflicht tun': der eüsserlich gottesdienst verfürt die gantze welt, dann damit meinet der mensch, er hab nun mit gott feyerabent gemacht, vnd sein wickle abgespunnen S. Franck
paradoxa (1558) 117
a.
in neuerer zeit nur noch mundartl. im obd. gebräuchlich: wickelein '
soviel an flachs oder wolle als jedesmal zum abspinnen um den rocken gewickelt wird' Schmeller-Fr.
bayer. 2, 847.
mit ähnlichen bedeutungsangaben: wikkele,
n. Schatz
Tirol 705; wickúl,
n. (
Burgenland)
dt. maa. 6, 347
Frommann; wickel, wickerl,
n. Unger-Khull
steir. 631
a; wickle
in Fischer
schwäb. 6, 752; wikxli (
veraltet) Clausz
Uri 144; 's wiggeli Seiler
Basel 315; wickel,
n., büschel leicht in einen zopf geflochtenen hanfes, wie er in die reibmühle getan wird Stalder
schweiz. 2, 448. 22) 2@aa)
zu wieche B 2 a '
docht': man saczt im ze dem haubt sein ein lampen, die was ein rubein, die was aus gedrett woll und was edels palsams voll dar in was ein wikel chlain gemacht von abeston (
asbest) dem stain Seifrit
Alexander 5875
Gereke; ain wikhel oder zachen
feuerbuch von 1591
bei Schmeller-Fr.
bayer. 2, 847. 2@bb)
zu wieche B 2 b '
zündschnur, lunte': mach darein ein wicklein oder zochen, zu dem feuerwerck gehörig Fronsperger
kriegsbuch 2 (1573) 202
b. 33)
zu wieche B 3 '
spitzer, gedrehter pfropfen oder bausch zur wundbehandlung': nim gebrant saltz, wisszen weinstein ... vnd mache ein sälblin dorusz, vnd lege sye jm in die fystelen mit wyechlin oder fäszen Gersdorff
wundtartzney (1517) 61
a; mache nur ein gerecht und bequeme meiszlin oder wicklin von flachs ..., stecke es von unten auff in den schaden Bartisch
augendienst (1583) 149
b; die wicklin, so die balbirer in die wunden drehen Faber
thes. (1587) 275
a; mache auch leinene wicklein, duncke sie darein Bapst v. Rochlitz
wacholder garten (1605) 75.