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widersinnisch

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

widersinnisch adj.

Bd. 29, Sp. 1213
widersinnisch, adj. , in ähnlichen bedeutungen und verwendungen wie widersinnig (s. d.) vom frühnhd. bis anfang 19. jhs. durchgehend und etwa in gleicher dichte bezeugt. Luther, der es zuerst gebraucht, bevorzugt das wort (40 zu 3 bel.), wie auch noch das 16. u. 17. jh. mehr belege für die -isch- als für die -ig-ableitung liefern. erst in der 2. hälfte d. 18. jhs. wird widersinnisch im selben masze seltener wie widersinnig häufiger. Adelungs bemerkung 'in den gemeinen sprecharten widersinnisch' 5 (1786) 204 (ebenso Campe 5 [1811] 702a) trifft für diese zeit nicht voll zu (noch bei Lessing, oft bei Wieland, Herder, Kant). lexikalisch nur selten: hypallage ... eine weise zu reden so man wiedersinnisch verstehen musz Faber thes. (1587) 394b; contra, al contrario widersinnisch Güntzel haubtschlüssel (1648) 873 (nicht bei Stieler und Kramer); widersinnisch, morosus Steinbach dt. wb. (1734) 2, 610. 11) in der sprache des bergbaues vom streichen und fallen der (erz-)gänge, vgl. widersinnig 1 b: wiedersinnische gAenge Junghans gräublein ertz (1680) F 3b; Schönberg berginformation (1693) 2, 109; wiedersinnisch oder wiedersinnige gänge, sind diejenigen, die ihr streichen und fallen oft verändern, das ist, die bald das hangende zum liegenden, bald das liegende zum hangenden machen Minerophilus bergwercks-lex. (1730) 717; diese (gänge) strtzen sich offtermahls, das ist, sie fallen widersinnisch Herttwig neues u. vollk. bergb. (1734) 128b; Zappe miner. hdlex. (1817) 3, 229. 22) entgegengesetzt, gegenteilig, -sätzlich. häufig belegt (bes. bei Luther) im 16. jh., vereinzelt noch ende des 18. jhs.: das er diesen orden umbkere und eynen widdersynnischen auffrichte (1525) Luther 18, 136 W.; seine (gottes) werck sind nicht wie menschen werck, sondern gar widdersynnisch (1527) ebda 24, 296; der heylig geyst aber soll euch andere unnd widersinnische gedancken eingeben, das werden gedancken sein von mir (Christus) (1544) bei Luther 52, 309 W.; werden nicht schon auf die ordentliche weise zu heyrathen, personen genug zusammen gekoppelt, die am gemüthe ungleich, an sitten widersinnisch ... sind? Gottsched vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 305; trotz alles abstandes und widersinnischen zwischen unsern und seinen sitten Kretschmann s. w. (1784) 1, 26. mit dat. 'im gegensatz zu': syntemal ich myr furgenommem meynes geblutts lands herrn disz buch zuzuschreyben, nit seltzam wurd angesehen, das ich widersynnisch der welt nit an den eltisten, m. g. herrnn, szondern an dem iungsten beydes stammisz anfahe (1522) Luther 10, 1, 1, 4 W.; der papisten und geystlichen leben ... strack mit dem kopff an dissen felsz (Christus) leufft und szo widdersynnisch dem christlichen leben wandelt ebda 397; wer wolte aber darausz nicht schliessen, das diese Maria, weniger nichts als die h. jungfraw Maria sei? als die alles widerwertig unnd widersinnisch dem herren Christo unnd seinen heiligen aposteln handelt J. Marbach v. mirackeln u. wunderzeichen (1571) q 1a. in häufigeren verbalverbindungen: widersinnisch tun 'das gegenteil tun, im entgegengesetzten sinne handeln': weil er (gott) der aller hohist ... ist, mag er nit uber sich sehen ... aber die welt und menschen augen thun widdersinnisch, die sehen nur uber sich (1521) Luther 7, 547 W.; aber vnser schwermer thun widder synnisch ebda 23, 224 u. ö. widersinnisch lehren: aufftzihen und still stehen ist tzu ruck gehen ynn gottis wege, unnd schweygen ist szo viel alsz widersinnisch leren (1521) Luther 8, 193 W.; (die papisten) sehen aber nicht, wie S. Paulus gerade widersynnisch leret (1539) ebda 50, 474 u. ö. widersinnisch (zu-)gehen 'den entgegengesetzten verlauf nehmen', z. t. in bed. 4 'absurd, unsinnig' übergehend: die vernunfft kan sich jnn diesen wunderlichen sieg der gleubigen nicht richten, denn es gehet hie alles widdersynnisch zu Luther 51, 290 W.; ach dort (im himmel) in der vollkommen ruh, geht alles widersinnisch zu Ringwaldt christl. warnung (1588) E 2b; ein mal wolte das gesinde in den stal gehen, werden (statt dessen) in die meelkamer geführet, und gieng also widersinnisch zu Hennenberger ercl. d. pr. landtaffel (1595) 47; verwundern wir uns noch, wenn wir den zepter sehen, der unterm mond die herrschaft führt, dasz alle dinge dort so widersinnisch gehen? Wieland s. w. (1794) 5, 173. in wenigen zeugnissen zeigt widersinnisch eine abwertende bedeutung im sinne 'verkehrt, verdreht', die sich mit der unter 4 berührt: die vorkerung ist yhr (der päpstlichen) schuld, seyntemal sie gar und gantz widdersynnisch und vorkeret sind Luther 8, 153 W.; vnd wiewol solche ... ordnung ... so gar veraltet, das sie beynahe verloschen, ja gantz widersinnisch vnnd zu allem argen (gott erbarm es) gerathen ist Herr feldbau (1551) 3a. wohl hierher: jhr werden euch noch mehr verwunderen, wann ich euch jetzt des Plinij capitel auszleget, inn welchem er von den frembden widersinnischen miszgeburten handelt Fischart Garg. 160 ndr. 33) trotzig, widersetzlich; seltener bezeugt als gleichbedeutendes widersinnig 3: die erste vnwilligkaiten, zänklin vnd widersinnische weisen der jungfrauen Fischart w. 3, 128 Hauffen; wer ist, der berwind die welt, die sich so widersinnisch stelt, die gleubigen mit list anfelt? Widmann hortulus (1627) 1, 61; wenn das widersinnische gelkke mir fort für fort alle mittel ... benimt? Butschky kanzelley (1659) 36; solte es möglich seyn, dasz sich iemand erfreuete, wenn ihm eine wiedersinnische gemahlin beygeleget würde? Chr. Weise dramen 159 Unwerth; ihre wiedersinnische natur ebda 161; ich weisz wie weit darinnen unsere schwachheit gehet, wie man ... durch verdrieszlichen und widersinnischen ernst und verAechtlichkeit die gegen die seine anbefohlene decenz verlAesset Zinzendorf christl. bedencken (1735) 31; dieses unerklärbare, launische, widersinnische ding, unsre seele Wieland Agathon (1766) 2, 289; ein unterschied zwischen dem menschenfreundlichen, liebreichen, sanftmüthigen, und zwischen dem störrischen, widersinnischen, hämischen menschen Garve Cicero, anm. (1783) 2, 28. 44) der vernunft zuwider; unsinnig, absurd. vom 16. bis ende 18. jhs. gut belegt (vgl. widersinnig 4): ists doch alles widdersynnisch, strebt widder alle vernunfft der menschen, ja widder sein eygene synn (1527) Luther 24, 173 W.; den plumpen Holländern (lautet es) so widersinnisch, dasz einer soll Diebold Angelgert oder Lentz Ochsenfusz heissen Fischart Garg. 163 ndr.; vnd ist zumalen widersinnisch, dasz man ausz dem ort vnd wort erzwingen will, Petrus sey vom herrn ein fels genennet worden, vnd jhme zugestellet vOellige macht, die gantze christliche kirche zu regieren M. Walther erläut. d. proph. Daniel (1645) 3, 141; anstatt nicht wissen, unwissen zu sagen, das würde lächerlich und widersinnisch seyn Gottsched beob. (1758) 223; allerdings ist es widersinnisch, bei einem groszen schmerzen sich geschwätzig zu zeigen Herder 1, 478 S.; es (ist) doch ganz widersinnisch, dasz einige von uns bermAeszig reich sind Wieland Lucian (1788) 3, 25; das ideal aber in einem beispiele d. i. in der erscheinung realisieren zu wollen, wie etwa den weisen in einem roman, ist unthunlich und hat ber dem etwas widersinnisches ... an sich Kant w. (1838) 2, 442; nur dasz einem alles äuszerst verunstaltet, widersinnisch und kauderwelsch vorkommen musz ebda 3, 173 u. ö.; natrlich wird keiner in der bibel etwas unvernnftiges, d. h. seiner vernunft widersinnisch scheinendes finden Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 2, 60. —
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    widersinnischadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    widersinnisch , adj. , in ähnlichen bedeutungen und verwendungen wie widersinnig ( s. d. ) vom frühnhd. bis anfang 19. j…

  2. modern
    Dialekt
    widersinnisch

    Schweizerisches Idiotikon

    widersinnisch Band 7, Spalte 1075 widersinnisch 7,1075

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit widersinnisch

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Ableitung von widersinnisch

widersinn + -isch

widersinnisch leitet sich vom Lemma widersinn ab mit Suffix -isch.

Zerlegung von widersinnisch 3 Komponenten

(wider+sin)+nisch

widersinnisch setzt sich aus 3 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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Cotta, M. (2026). „widersinnisch". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/widersinnisch/dwb?formid=W19685
MLA
Cotta, Marcel. „widersinnisch". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/widersinnisch/dwb?formid=W19685. Abgerufen 15. May 2026.
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Cotta, Marcel. „widersinnisch". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/widersinnisch/dwb?formid=W19685.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
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