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weltlichkeit

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weltlichkeit f.

Bd. 28, Sp. 1641
weltlichkeit, f. , mundialitas, saecularitas, spätmittelalterliche bildung zu weltlich (s. dort sowie Quint d. spr. meister Eckeharts in: viertelj.-schr. f. lit.-wiss. 6, 685); mnd. wer(l)tlicheit Schiller-Lübben 5, 687; mndl. wereltlicheit Verwijs-Verdam 9, 2, 2231; ndl. wereldlijkheid Sicherer-Akfeld 1408; nordfries. werldelkhaid Schmidt-Petersen 162; engl. worldlihood Murray 10, 2, 306 s. v. worldly; mschwed. väruldslikhet, schwed. verldslighet Söderwall 2, 2, 1066; n. verdslighed ordbog over det danske sprog 26 (1952) 1235. 11) zeitlichkeit, diesseitige endlichkeit (zu weltlich A 1): ey, sprach die iungkfraw, got vnd sein liebe muoter sind gar vil vnd mer wirdiger dann alle weltlicheit Marquart vom Stein spiegel d. tugend u. ehrsamkeit (1498) c 3a; wo die ding (hoffart, neid, selbstsucht) seind vnd deren gleich, das ist lautter welttlichait Keisersberg pred. teutsch (1508) 72b; im innewerden jener armuth beim hinblicke auf gott werden wir zugleich des himmels inne, denn wir werden unsere nichtigkeit los, sowie alle last und allen tand der bloszen weltlichkeit A. Jung geheimn. d. lebensk. 1 (1858) 181; das papstthum ist auf jahrhunderte fast eine weltliche macht geworden, es verfällt für diese zeit dem schicksal aller weltlichkeit G. Freytag ges. w. 17 (1888) 443. 22) der weltliche stand und das ihm zugehörige (zu weltlich A 2). 2@aa) laienschaft: vnd so aber das rOemisch kaiserthumb von got uber alle menschen in der werltlichkeit auffgerichtet ... ist Alt buch d. chron. (1493) 183a; und darumb weil allezeit an den obersten richter, der dem untersten richter, der das urteil gesprochen, zu gebieten hat, mus appelirt werden, folgt daraus das von dem herrn oder frsten, der in der weltligkeit keinen oberherrn erkennt, ... nicht mag appelirt werden Chil. König process (1541) 128a; diese geistlichen ritterorden ... retteten die weltlichkeit vor allzu gedankenloser und unheiliger geistiger richtung, sie retteten den geistlichen stand vor allzu mönchischer verdummung Gutzkow ritter (1850) 1, 90; die geistlichkeit, die weltlichkeit, wie sie so ganz verstehen sich! ich glaube, gott verzeihe mir, sie lieben sich herzinniglich Th. Storm s. w. 1, 193 Köster. 2@bb) weltliche rechte und güter, u. ä.: (könig Sigmund verbot deshalb, dem Nenninger fürder renten oder gülten zukommen zu lassen) wann wir im die regalia und werntlichkeit, die ein byschoff von Augspurg von uns ... zu lehen haben sol, mit nichten lihen wöllen (1418) städtechron. 5, 356 (Rotweil); ires obersten herrn, von dem alle werntlichkeit des stiffts zu lehen gen chron. d. st. Bamberg 1, 68 Chroust; der empfieng sein lähen und weltligkeit von k. Ludwigen dem IV. Guler v. Weineck Raetia (1616) 147b; das man die geistliche stiffter dergestalt in weltligkeit (säkularbesitz) verwandelte Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 373; in neuerer zeit auf historische darstellungen beschränkt: reichstag ..., auf welchem Karl sodann auch den reichsstAenden ihre regalien, lehen und weltlichkeit, auch was sie sonst vom heiligen reich im besitz hAetten, leihen und verfertigen wollte M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 5, 39; man glaubte, der kaiser werde seinen sitz in Rom nehmen, die weltlichkeit des kirchenstaats für sich behalten und den papst absetzen oder wegführen Ranke s. w. 3 (1868) 9. 2@cc) gelegentlich auch für den bereich der weltlichen herrschaft gebraucht: ... bis die bäpste zu Rom sich haben anheben, in die weltlicheit gar einzutringen und über das geistlich regiment das weltlich gleichfals inen zuzueignen understanden (16. jh.) Lazarus v. Schwendi bei Eiermann Lazarus v. Schwendi (1904) 117; secularisiren ein geistliches gebiet zur weltlichkeit bringen zeitungs lust u. nutz (1697) 654. 2@dd) als besondere buchung erscheint: weltlichkeit gladius, brachium, s. jus seculare Frisch teutsch-lat. wb. (1741) 2, 438. 33) das weltleben und seiner sphäre zugehöriges (zu weltlich A 3). 3@aa) weltliche gesinnung oder haltung: solche frefele reden alle stincken zu vil nach der weltlichkeyt, die nur den zeitlichen nuz vnd wollust betrachtet Fischart w. 3, 268 Hauffen; dardurch vom himmel wird das hertz gantz abgeschreckt, zum guten lau und kalt mit weltligkeit befleckt W. H. v. Hohberg habsburg. Ottobert (1664) Tt 4a; ... dass ein ieder, wer mit dem apostel Paulo zerfiele ... die wahl hatte, ob er grade zur welt gehen oder noch eine weile unter den kindern gottes bleiben wolte, und ob er den ursachen, warum er von der Paulischen oeconomie abginge, einen schein der weltlichkeit oder einen schein der heiligkeit geben wolte (12. 5. 1745) Zinzendorf rede a. kirchweih-feste (zeitschr. f. brüdergesch. 3 [1909] 211); denn das wollen wir nicht in abrede stellen, dasz viele ... der vornehmeren aus ihrer weltlichkeit nur durch diese herbe art und weise der frömmigkeit geweckt werden konnten (1799) Schleiermacher red. üb. religion (1879) 177 Pünjer; die unheilige weltlichkeit der humanisten wurde der glaubensfrohen seele Luther's nie recht heimlich G. Freytag ges. w. 19 (1888) 78; mein sohn, spricht er, dein seelenheil verlangt, dasz du auf immerdar ihr absagst, die dein dämon war: der weltlichkeit, der lust am leben F. Dahn ged. (1908) 288. gelegentlich auch im sinne von 'profanität': von der sekunde aber, da er das sakrament zu verwalten beginnt, ist nicht mehr ein hauch von weltlichkeit an ihm (einem jungen priester) Carossa arzt Gion (1931) 206; 'niedere gesinnung, sinnlichkeit': wenn sie ihr auge aufschlug, da zog es jede weltlichkeit empor, und wiederum blieb das geistigste, das sie anregte, doch nicht ohne einen reiz für die sinne Gutzkow zauberer (1858) 5, 68. 3@bb) weltliches gebaren, weltliches treiben u. dgl.: also giengs, mer dan ich anzaig, gefarlich im stift Brichssen zue in der weltlikaitt (in bezug auf weltliches treiben) Georg Kirchmair denkwürdigkeiten 497 Karajan; eine schwere sünde, wo man an einem solchen mit der allerheiligsten gottheit erfüllten ort (beim gottesdienst in der kirche), wie auf dem marckt ... muthwillen, spötterey oder andere weltlichkeiten treiben ... wolte M. J. C. R. D. academ. klugheit (1717) 47; er verschwört (als bischof) ... das versemachen und manche andere weltlichkeiten Mommsen reden u. aufs. (1905) 138. 3@cc) auch sonst mit bezug auf den weltlichen charakter von erscheinungen verschiedener art: jetzt wie damals (im mittelalter) finden wir dichter, die über die weltlichkeit des poetengeschäfts in späteren jahren mit sich in peinlichen zwiespalt gerathen Gervinus dt. dichtg. (1853) 3, 241; es war ein gebet wie die sühne für die sündhafte weltlichkeit aller dieser verhandlungen Gutzkow zauberer (1858) 8, 138; die friderizianische architektur (des Staufers Friedrich II.) ist in ihrer weltlichkeit ... durchaus ein vorbote der renaissance Dehio kunsthist. aufs. (1914) 112. 3@dd) weltleben: ich wollte ... der geistlichkeit ade sagen und mich in die volle weltlichkeit hineinstürzen E. M. Arndt w. 1 (1892) 73 R.-M.; die motive zu verstehen, die einen mann ... wie sankt Bruno aus dem strom der weltlichkeit heraus in die einsamkeit stieszen Scheffel ges. w. (1907) 3, 159; gelegentlich mit besonderem bezug auf die gefahren des weltlebens, im poetischen bild: nur ein frommer pabst werde das schiff der gläubigen ... durch die klippen der weltlichkeit steuern können F. C. Schlosser weltgesch. 7 (1847) 337; so aber kleben die fittige der seele an der leimruthe der weltlichkeit (1804) Friedr. Creuzer in: d. liebe d. Günderode 129 Preisendanz; sowie im sinne von 'irdische geschäfte': mein lieber, was für weltlichkeiten haben sie (anrede) abgehalten, den betrachtungen beyzuwohnen, mit welchen ich so eben die erbauungsstunde beschlossen? Kotzebue s. dram. w. (1827) 44, 42. 3@ee) in dichterischer einzelanwendung für einen dem weltleben geöffneten daseinskreis: die (kleinen gewerkleute) bilden mit ihren blumenüberladnen gärtchen und neugierig befensterten häuschen eine offene weltlichkeit, die, über die natur hinüber, unmerklich in den verschwiegenen und verheimlichten bereich der nonnen übergeht (26. 6. 1917) Rilke br. 1914 -1921 (1937) 142. 44) in neuerem sprachgebrauch vereinzelt als positiv wertende eigenschaftsbezeichnung. 4@aa) formgewandte, anpassungsfähige weltläufigkeit (vgl. weltlich B): die violine besizt die einschmeichelnde weltlichkeit eines anmuthigen verstandes Loeben lotosbl. (1817) 1, 204; die feine weltlichkeit der klugen, stets maßhaltenden handelsrepublik (Venedig), der heimat fra Paolo Sarpis (berühmter italienischer geschichtsschreiber), verleugnet sich freilich auch in ihnen (den bildern Tiepolos, neben der ekstatischen glaubensinbrunst) nicht Julius Schlosser präludien (1927) 144. 4@bb) weltzugewandtheit, weltaufgeschlossenheit (vgl. weltlich A 3 b): du warst bei aller weltlichkeit ein gläubig gemüt B. Auerbach schr. (1892) 8, 156; ein dänischer pastor, der seine vorurteilsfreie weltlichkeit betonte qu. a. d. j. 1927; es spricht aus ihnen (aus Bruegels sittenbildern) dieselbe frohmütige, gedankenkühne weltlichkeit, die den fortgeschrittensten religiösen strömungen des zeitalters eigentümlich war Dvořák kunstgesch. als geistesgesch. (1928) 228.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wêltlichkeit

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Wêltlichkeit , plur. die -en. 1. In der ersten Bedeutung des vorigen Wortes. (a) Die Eigenschaft, da etwas weltlich …

  2. modern
    Dialekt
    Weltlichkeitf.

    Mecklenburgisches Wb.

    Weltlichkeit f. 1. a. Spr. Mitglieder des weltlichen Standes, Beleg s. Geistlichkeit 1. 2. weltliches Verhalten, weltlic…

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Ableitung von weltlichkeit 2 Analysen

weltlich + -keit

weltlichkeit leitet sich vom Lemma weltlich ab mit Suffix -keit.

Alternativen: welt+-lich+-keit

Keine Komposita gefunden — weltlichkeit kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

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Cotta, M. (2026). „weltlichkeit". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/weltlichkeit/dwb?formid=W16979
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Cotta, Marcel. „weltlichkeit". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/weltlichkeit/dwb?formid=W16979. Abgerufen 10. May 2026.
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Cotta, Marcel. „weltlichkeit". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/weltlichkeit/dwb?formid=W16979.
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