weltbürgerlich,
adj. ,
ableitung von weltbürger (1),
die auch im ndl. (wereldburgerlijk)
und dän. (verdensborgerlig)
üblich geworden ist. — '
kosmopolitisch' (
s. auch die belege in: zeitschr. f. dt. wortforschg. 6 [1904-5] 349
f.). 11)
vom geist des weltbürgertums bestimmt: meine absichten und arbeiten sind zugleich patriotisch und weltbürgerlich J. B. Basedow
Agathokrator (1771) 206; denn der gute, weltbürgerliche Deutsche läszt von einem unternehmen nicht ab, wodurch er das beste der welt zu befördern hofft Klinger
s. phil. romane (o. j.) 12, 188; nichts ist weltbürgerlicher als die wissenschaft und die kunst
dt. museum 1, 257
Schlegel; ich habe noch keine so weltbürgerliche stadt gesehen (
wie Lyon) (1865) Treitschke
br. 2, 414
Cornicelius; niemals ist der Buddhismus national gewesen, sondern weltbürgerlich geblieben bis auf den heutigen tag Peschel
völkerk. (1874) 285; langsam bereitet sich ... nach langer abgeschlossenheit ein weltbürgerliches zeitalter vor Dehio
gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 103;
gelegentlich mit negativem akzent: er gilt in den weltbürgerlichen theeschwemmen (
teegesellschaften) um so mehr für mann von stande, welt und bildung, je mehr er entvolkstümlicht dem vaterlande hohn spricht Jahn
w. 2 (1885) 433; man soll seines bestallungsbriefes an die natur sich erinnern, ... damit man an der doppelschneidigweltbürgerliche (!) politur (
der hofleute) nicht ... ausglitscht Bettine
d. buch geh. d. könig (1843) 1, 20; der (
ton) auch jedem ans herz spricht, der ächte freude an der natur kennt und unter weltbürgerlichen grillen nicht die empfindung für das glück der beschränkung verloren hat Gervinus
dt. dichtg. (1853) 5, 41. 22)
der art eines weltbürgers entsprechend (
denken und handeln): jene (
reisebeschreibungen), in denen natur und kunst und vOelker aller art, nebst sitten und trachten und staatsverfassungen der witzig-philosophischen eitelkeit des schriftstellers wie affen zum tanze aufgefhrt werden, der sich in jedem augenblick nicht genug darber verwundern kann, dasz er es ist, ... der so weltbrgerlich sich mit allen diesen thorheiten einlAeszt; o, sie sind mir von je so widerlich gewesen Tieck
schr. (1828) 4, 8; weltbürgerlich sprang er (
Schiller) schon als knabe über die grenzen des vaterlands weg Gervinus
dt. dichtg. (1853) 5, 129; aber Unruh und die deutschen expressionisten jener zeit waren friedensfreunde, waren humanitär und bei aller heimatliebe weltbürgerlich gesinnt Klemperer
l. t. i. (1949) 32;
vereinzelt als anglied eines beiworts: Garcin's ... weltbürgerlich freier blick Döllinger
vortr. (1888) 2, 283. 33)
substantiviert: vielleicht erbaut sich aber ein menschenkind daran, dem seine heimath auch ein paradies ist, und dafür mögen denn die unkindlichen, heimathlosen, unheimlichen, weltbürgerlichen mit der parole 'ubi bene
etc.' ein paar blätter überschlagen Goltz
b. d. kindheit (1847) 278; in Kerner tritt das weltbürgerliche vor: er ist mittheilend wie die sonne
M. A. v. Niendorf
a. d. gegenwart (1844) 32; berühmte menschen haben stets etwas weltbürgerliches ... an sich Rosegger
schr. II 4 (1902) 295.