wellbaum,
m. ,
welle, drehbarer, cylinderförmiger stamm, seit dem 12.
jh. bezeugt: cylindro wellepoumo
ahd. gloss. 2, 677, 6;
cylindro wellistain
vel welliboum 2, 688, 1 (
beides glossierungen zu Vergil
georgica 1, 178:
area cum primis ingenti aequanda cylindro et vertenda manu et creta solidanda tenaci).
im mhd. u. frühnhd. gelegentlich wellebaum,
seit dem 17.
jh. auch wellenbaum (
s. u.).
fast überall gleichbedeutend mit 3welle,
und nur gelegentlich von ihm unterschieden: bei maschinen mit getrieben und bei wasserrädern, welche nur kurze achsen von holz oder eisen haben, nennt man dieselben vorzugsweise wellen. bei hammer- oder gebläserädern aber, wo diese achsen sehr massive rundstämme sind ..., nennt man sie vorzugsweise wellbäume oder gründel Scheuchenstuel
österr. berg- u. hüttenspr. 262. wellbaum
wird von hochd. mundartenwb. öfter bezeugt, jedoch mit landschaftlich verschiedenen angaben der verwendung: wellbâm (
im mühlwerk) Schöpf
tirol. 811;
ebenso Schmeller-Fr. 2, 887; wellpâm Lexer
kärnt. wb. 255; wellbaum
in der mühle oder als welle am wagen (
zum festspannen des wiesbaums) Fischer
schwäb. 6, 1, 666; weallbâm
radwelle Crecelius
oberhessisches wb. 903; wellbâm
wellbaum am brunnen wb. der luxemb. ma. 483; wällbam
holzrolle für den zettel am webstuhl, an der eisenzapfen zum einstellen sind; mühlwelle Christa
Trier 215;
die nd. maa. kennen wellbaum
anscheinend nicht (
dafür aber das simplex welle,
s. 3welle A 3),
doch vgl.: wellboom
rol van hout of steen, waarmede akkers en wegen worden gelijk gemaakt, wel Verwijs-Verdam
mnl. wb. 9, 2088. 11)
achse eines rades, insbes. des mühlrades, vgl. ἄξων,
axis wellbaum Frischlin
nomencl. (1588) 190
a;
axis rotae molaris ein wellbaum
nomencl. lat.-germ. (
Hamburg 1634) 376: mer ist beredt worden, was in den nechsten acht jaren gepruchs im grunt oder ob dem wasser, am segrat, welpaumen, kamprad, wagen ... geschee, das alles sollen die benanten müllner machen lassen (
um 1464) E. Tucher
baumeisterbuch d. stadt Nürnberg 122
lit. ver.; (
die) dingensmid auf dem unteren hamer zu der Hadermül ... beclagten (
sich), das sie ein swachen welpaum hetten ... und noch dem ... man den auf dem anderen hamer ob in ein welpaum bezalt hette, peten sie, in auch ein zu bestellen
ebda 313; obe ich nuwe wellebeume oder andere mergliche nuwe wergke mechte, die sulde man mir nach zemelichkeit verlonen (1465)
bei K. Bücher
berufe der stadt Frankfurt 85
b; mehr musz die mölen an vorrhat verschen seyn, mit ... steinaxten ..., eck- und zugbanden ..., ring ... an die groszen wellbäum, item zapffen Kirchhof
militaris disciplina (1602) 25; (
ein) wasserflusz ... durch welchen die achteckigen wellbäume ... umgetrieben werden A. a
s. Clara
etw. f. alle 2 (1711) 475; der wellbaum musz aus einem einzigen stück gesunden eichen holz bestehen J. W. Langsdorf
von salzwerken (1781) 289; ein kunstmeister im volke, seinem gewerbe nach ein müller, (
hatte) den gesunden geraden stamm der eiche zu einem wellbaum sich ausersehen Musäus
volksmärchen 4, 73
H. achse einer radwinde: der kranich sol oben am gibel (
des zeughauses) an ein eysenstangen gefaszt sein, da das seyl durch den kranich gehe, und das seyl an dem wellbaum des radts herabgehen L. Fronsperger
kriegsbuch 2 (1573) 149
a;
im uhrwerk: der wecker selbst bestehet aus einem steigrade und einer ... spindel ... an gedachten steigrades wellbaum ist eine ausgehöhlte rolle, worinne eine schnur gehet, an welcher ein gewichte hänget, so das steigrad herum drehet
allg. haushalt.-lex. (1749) 3, 673;
als achse schlechthin: wofern aber ein in gleicher weise sich verlängerender schwibbogen sich drehet um eine achse oder wellbaum, wird solcher deswegen aufhören ein schwibbogen zu sein
Des Argues zeichnung z. steinhauen (1699) 31. — '
glockenjoch',
vgl. 3welle A 1: wellbaum einer glocke
mouton, beam of a bell Beil
technol. wb. (1853) 1, 653; sie (
sah) nach dem glockenturm hinauf, der im wesentlichen nichts war als eine vom giebel hervorgeschobene holzwelle ..., auf dem wellbaume aber ... lagen ein paar arbeiter Fontane
ges. w. I 4, 117. 22)
windebaum, haspelbaum, grindel; über einem brunnen, schacht, an aufzügen; sucula das holtz, dadurch man zwo oder mehr stangen steckt und daran zeugt, als wenn man wein aus dem keller zeucht
etc., ein wendel, haspel, zug, welbaum Alberus
dict. (1540) b b 2
b;
sucula wellbaum, rennbaum Frischlin
nomencl. (1586) 146
b;
ergata wellbaum, wendelbaum Orsäus
nomencl. (1623) 154; 'wellbaum ...
ein horizontal liegender starker cylinder von holze, der durch eine kurbe auf seinem zapfen sich umdreht, und ein seil, mit welchem eine last auf- oder angezogen wird, um sich windet' Eggers
neues kriegslex. 2, 1335;
auch senkrecht stehend, bei zugvorrichtungen: sucula vel axis ist der wellbaum, umb den das seil an- oder abgewunden wirt, dicker in der mitte, unden und oben dünner Frisius
dict. (1556) 217
a;
ergata, ein trendel, ein auszzug oder rüstung, damit man schwere lasten auffhebet, nemblich, da ein auffrechter wellbaum wird umbgetrieben, mit einem hebel, daran man sich mit den achseln oder der brust sperret und also umbtreibet, ein winde Zehner
nomencl. (1645) 391; im hintergrund waren an die horizontalen arme eines senkrechten wellbaumes pferde angespannt E. Vollhann
lebensbilder (1826) 2, 133. '
ankerwinde',
vgl.: wellbaum, windenbaum
ergata, machina tractoria axe tecto, quae obnitentibus et in orbem euntibus vectiariis versatur, qualis est qua in emolienda anchora utuntur in onerariis navibus Junius
nomenclator (1567) 324
b: jetzo des schiffs brustwand entsank der gewichtige anker, rasselnden schwungs, und ihm, geschleudert vom kreisenden folgte das mächtige seil wellbaum, Pyrker
Tunisias (1820) 3, 20. '
weberbaum' Rädlein (1711) 1045: der weberstuhl aber mit seiner zubehör (
besteht) aus dem kamm, galgen, tritt, gewicht der rollen, dem wellbaum, dem sitz Marperger
hanf u. flachs (1710) 187;
ähnl.: 'wellbaum
am posamentirstuhl die holzwalze, auf welche das fertige aufgewickelt wird' Bucher
kunstgewerbe (1884) 438
a.
im uhrwerk: das ... ende der feder ist hier an den säulenfusz festgemacht, das andere an der welle B, dem wellbaum Karmarsch- Heeren
techn. wb. 9, 155.
als teil der büchse: (
als meisterstück zu machen) ein gekropfte büchsen sampt dem schlosz mit einem zertheilten welbaum (1586)
Frankfurter zunfturkunden 1, 477; 1 paar pistohlen mit braunen schäften, teutschen schlössern und gelbem wellbaum (1743)
bei Fischer
schwäb. 6, 3399. 33)
walze. als ackerwalze im mndl., s. Verwijs-Verdam 9, 2088;
vgl. auch die eingangs citierten ahd. belege. an der kelterpresse: der preszzeug, wo solcher nit mit schrauben, sonder durch die welbaum presset, sol er nit uber 40 schuh lang sein Rivius
Vitruvius (1575) 443;
ergata ... welbaum an der kelter Corvinus
fons lat. (1646) 603; wellbaum
l'arbre d'un pressoir, ergata Wiederhold (1669) 414
b;
ähnl.: die presse (
der zuckermühle) bestehet aus zween auf ein ander liegenden wellbäumen oder cylindris E. G. Happel
relationes curiosae (1685) 2, 524
a. '
rollholz': in Berlin hat man das ungeheure stück, Asia genannt, damit von seiner stelle gebracht. sie (
die maschine) bestehet aber aus zweien wellbäumen, deren jeder zwo rollen hat Zach. Conr. Uffenbach
merkw. reisen (1753) 1, 215. 44)
wiesbaum: 'wellbaum
palo che si lega sopra un carro di feno, ò paglia' Hulsius-Ravellus (1616) 404
b. 55)
cylinderförmig geschnittener baumstamm, vgl. 3welle B 1: Franz von Sickingen ... hat die stadt Trier belagert und die fursten des reichs, sunderlich den landgraven, mit einem groszen, langen, gerundten buchen welbaum, den er einer buchsen gleich formirt und herum gefuhrt hette, hochlich geaffet und beleidiget Joh. Mechtel
Limburger chronik 117
Knetsch; (
man hat) aus denen schweinsfedern (
spieszen) ... bei denen meisten milicen spanische oder friesische reuter gemacht, indem man einen wellbaum von ungefähr zwölff schuhen lang und einen halben schuh dicke genommen ... durchlöchert und die schweinsfedern darein ... gesteckt H. v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 252; 'wellbaum ...
ein groszer, starker baum, zu einer wasserradswelle tauglich',
ferner '
ein baum von 32
bis 34
zoll im durchmesser' Krünitz
oec. encycl. 237, 152;
ähnl. Behlen
forst- u. jagdkunde (1840) 7, 489; Beil
technol. wb. (1853) 1, 653. —