weingärtner,
m. ahd. wîngartâri
ahd. gloss. 3, 137. 185,
mhd. wîngart(en)er, wîngert(en)er Lexer 3, 903.
seit 13.
jahrh. überall möglich, obd. das begünstigte wort neben älterem rebmann
und weinzürl,
fränk. (wein-) häcker.
schriftsprachlich nie häufig, belebt durch 23
maliges vorkommen in der Lutherbibel, von klassikern bei Herder 9, 268
S. 11)
das nebeneinander starker und schwacher stammbildung in weingarte(n) (
s. d.)
spiegelt sich (
wie bei gärtner
th. 4 i 1, 1420)
auch in wîn-gartâri
und -gartinâri Graff 1, 887. 4, 252.
formen ohne -n-
sind hoch- und niederdeutsch bis 1600
möglich, obd. wîngarter Tauler
pred. 31, 24
Vetter; in schwäb. urk. seit 1366
bei H. Fischer 6, 615;
gemma gemm. (
Straszb. 1508) E 2
a, weingarter Diefenbach
nov. gloss. 382
b;
Frankf. patr.-verm. 136;
n. arch. f. gesch. v. Heidelb. 1, 168. 2, 17,
md. wîngerter
weisth. 1, 754; Diefenbach
gloss. 619
c,
nd. wyngarder
das. 623
c. -n-
formen sind seit uuînigarthenâri
ahd. gloss. 3, 137
zumal md. möglich: wîngertener
ratsgesetzb. v. Mühlhausen 162
Lambert; wyngertener
Marienb. tresslerb. 186
Joachim; wîngertener
rheinfr. voc. (1420)
bei Diefenbach
gloss. 620
b; weingartner
cod. Tepl. 1, 99
Huttler. umlaut fehlt obd. bis nach mitte des 17.
jahrh.: heil.-leben, wintert. 249
c; Eberlin 1, 174
ndr.; Zürcher bibel (1531)
2. chron. 26, 10; Paracelsus
op. 2 (1616) 355; Bäumker
kirchenl 1, 611; Albertinus
hirnschl. (1664) 329,
aber auch in der Lutherbibel. die heutige form wird im obd. durch schule, bildung und kanzlei durchgesetzt: weingärtner Frischlin
ncl. (1586) 153
b. 158
b; Moscherosch
ges. 2 (
Str. 1650) 166;
württemb. umgeltsordn. (1651) 30.
seit 1666
gilt sie allgemein und ausnahmlos. 22)
im süddeutschen rebland ist der w.
der geplagte landarbeiter: den armen, erbarn, frommen und arbeitsamen weingartnern ... frucht fürtzesetzen, wollen wir ... bevelch ... geben Herz. Ulrich
an A. Blarer
in dessen briefw. 1, 619,
auf seinen fleisz angewiesen: soll einem handwercksmann sein werckgezeug ... und einem w. seine karst, hauwen und dergl. gelassen werden
Frankf. reform. (1611)
s. 85
b; aschenkrüge zertrümmert täglich der spaten des weingärtners, der seinen berieselungen ... ein neues bett graben will Gutzkow
zaub. 2, 18,
vom wetter abhängig und darum abergläubisch: die wein-erndte stund in einer unschätzbaren hofnung. die weingärtner vertrösteten sie auf tausend eimer wein J. Riemer
pol. colica (1680) 125; der heil. Urban papst kann den weingärtnern nicht zu gutem wetter helfen Nicolai
reise 9, 163. arm
bleibt sein beiwort: Gaudy 19, 90,
die ursache seines elends liegt zu tage: wo zerstücklung und überladung den bauern, den w. in vergebliche schinderei ... herabdrückt Fr. Th. Vischer
ästh. 2, 185
f. mit der wirthschaftlichen lage sinkt die achtung: diese verdammten Württemberger, diese w. und schustersjungen haben mich so zerfetzt Hauff 1, 276.
aller schimmer kommt dem stand von den neutest. parabeln Matth. 21,
Mark. 12
und Joh. 15,
die stets von neuem nachgebildet werden: selbst unser heyland ... hat ein sonderbares hohes belieben getragen, ... sich bald wie einen hausvatter, bald ... wie einen w. und in dergl. seinen zuhörern fürzustellen Hohberg
georg. cur. 2 (1682)
vorr.; entspr. M. Herr
feldb. 7
a; Dannhawer
cat.-milch 5, 899; Claudius
Asm. 7, 225; Ritter
erdk. 16, 221; D. Fr. Strausz 3, 169. 6, 35.
auch zu selbständiger neubildung reizen die bibelworte: (
gott) sei wie ein w., der da nachlieset, und wolte doch auch gerne der edlen trauben genieszen J. Böhme 6, 13; ein weinstock ... dem w. kann eine predig machen Abr. a S. Clara
etw. f. alle 1, 635.
nach biblischem vorbild heiszen pfarrer die geistlichen weingärtner Chr. Weise
pol. redn. 554. 33)
zus.-setzungen sind seit dem 15.
jahrh. obd. nicht selten: wingerteners mecz Diefenbach
gloss. 474
c; wingartners knecht J. Ruf (1539)
bei Bächtold, schweiz. schausp. 3, 160; weingärtnerlohn J. v. Müller 10, 383
f. gelegentlich greifen sie ins westmd.: -zunft
Sachsenhausen 1612
bei K. Bücher
bevölk. v. Frankf. 1 (1886) 83.
heute vorwiegend schwäb.: -volkswehr Fr. Th. Vischer
altes u. neues 3, 319; -fest Finckh
Rapunzel (1910) 133; -mädchen
das. 134. 145; -gasse
vielfach als straszenname H. Fischer 6, 615; -fleisch
als spottname der bohnen, das.