weihnacht,
f. weihnachten,
m. f. n. mhd. wîhe(n)naht(en)
mhd. wb. 2, 302. 3, 613; Lexer 3, 816. 882,
mnd. wînachten Schiller-Lübben 5, 724. 11)
urspr. nur hd.: Braune
beitr. 43, 412.
mnl. gilt kersmisse, kersdach,
nnl. kersmis, kersfeest,
mnd. auch kersnacht, kerstesmisse,
engl. christmas.
md. tritt wînahten
erst seit ende des 13.
jahrh. auf: pass. 46, 47
Köpke; Frankf. insatzbuch 2 (1370) 104;
weist. 6 (1415) 103,
auf nd. boden nicht vor 1340:
cod. dipl. Brand. I 20, 345; Detmar
lüb. chron. 1, 140,
nfr. nicht vor Schueren
teuth. 195
Verdam. auch auf fries. boden ist wînach(t)ən
junger eindringling: Siebs
helgol. 303. christtag
gilt mundartlich in Thüringen, Oberhessen, Lothringen, Luxemburg, Westfalen: Kretschmer
wortgeogr. 558; Woeste 144; Leihener
Cronenb. 69.
im östl. Norddeutschland herrscht jul
th. 4 ii 2369,
das als ahd. *gëhal,
got. *jaíƕl
vorauszusetzen, in mnd. jûl,
anord. jól,
schwed.-dän. jul,
ags. ʒéol, ʒeohhol,
engl. yule
bezeugt ist, dazu als monats- oder jahrzeitname got. jiuleis,
ags. ʒiuli, ʒéola,
anord. ýlir. 22)
ältestes vorkommen um 1170: diu gnâde diu anegengete sih an dirre naht: von diu heiʒet si diu wîhe naht
spec. eccl. 23
Kelle; er ist gewaltic unde starc, der ze wîhen naht geborn wart Spervogel
minnes. frühl. 28, 19.
von 400
belegen liegen 100
vor 1500, 65
gehören dem 16.
jahrh. an, 25
dem 17., 30
dem 18., 180
der zeit nach 1800. 33)
die wortbildung geht aus von der formel (ze den) wîhen nahten.
von den 100
mittelalterlichen belegen stehen 62
im dat. plur., von den 300
späteren 75.
von wbb. wird w.
geradezu als plurale tantum bezeichnet: Braun
orthogr. wb. (1793) 257; Adelung; Campe; Heinsius;
so auch für obd. und nd. maa.: Schröer
Gottschee 226; Bacher
Lusern 221; Schambach
gött. 298; Frischbier
preusz. 2, 471.
dabei sind andere pluralcasus als der dat. selten. am ehesten begegnet acc. plur., weil die gangbare präp. zu mit solchen wechselt, die den acc. regieren, am häufigsten mit um zu ungefährer zeitbestimmung: umme wynachten Stolle
thür. chron. 10; umb weichnachten Wilwolt v. Schaumburg 197; umb winachten Kantzow
chron. v. Pommern 270
Gäbel, und so regelmäszig bis auf Bismarck: ihre zeilen lassen mich leider vermuthen, dasz die ungewiszheit um weihnachten noch dieselbe sein wird wie jetzt
ged. u. erinn. 1, 291
volksausg. gegen im gleichen sinn bleibt selten: Bahrdt
leben 3 (1790) 5; Göthe IV 41, 252
Weim. auf leitet fristbest. ein: 4 scot uf wynachten
Marienb. tresslerb. 16
Joachim; uff das heilig hochzyt wynachten nechstverschinen Riederer
sp. d. rhet. (1493) s 4
b; 4 brülinge (
ferkel) auff weyennachten
Clemens flugschr. 3 (1522) 375;
entspr. Archenholtz
Engl. I 1, 247; Iffland 7, 221.
acc. der zeit ist seit 16.
jahrh. bezeugt, mit oder ohne artikel oder attr.: er wolt die weynachten bey yhn bleyben Luther 18, 236
Weim.; wolte herr Drechsler etwa die weynachten herüber kommen Lichtenberg
briefe 2, 97; Karl, der weihnachten nach Dresden reist
briefe von u. an Herwegh 235; alle weihnacht Storm 2, 301; künftige weihnachten Göthe IV 28, 10
Weim.; vorige weihnachten O. Ludwig 2, 482.
als obj. steht der acc. plur. bei verben wie feiern, halten, begehen: B. v. Chiemsee
t. theol. 121; Mathesius
hochz.-pred. 331; Hippel
lebensl. 1 (1778) 178; Gervinus
gesch. d. d. dichtg. 2 (1853) 264.
freier gebrauch vereinzelt: auszgenomen die hochen fest Cristi, alsz weichenachten Knebel
chron. v. Kaisheim 38; so habe ich die ehre, vergnügte weihnachten zu wünschen Storm 1 (1899) 173.
gen. plur. ganz selten: ze dem hôchzît der hailgen wînächten Stagel
leben d. schw. zu Tösz 56
Vetter; die lustbarkeiten der weihnachten Wieland
Lucian 3 (1788) 7.
nom. plur. begegnet seit 13.
jahrh.: daʒ an dem sunnentage niemant niht veiles habe ... die drî hôchzît: wîhenahten, ôstern und phingsten, die habent ouch daʒ selbe reht
Schwabensp. landr. cap. 301; die heiligen weynachten sich nechten Arigo
dec. 430
Keller; weihnachten nähern sich H. Steffens
Malkolm 2, 437.
häufiger ist er seit 15.
jahrh. als lemma in wbb.: Diefenbach
n. gloss. 261
b;
nomencl. Hamb. (1634) 17; Stieler 1322. 44)
vom dat. geht auch der sing.-gebrauch des wortes aus, der reichlich ein viertel aller belege umfaszt. in der gesamtzahl zwar halten sich nom. und dat. die wage, aber nur, weil der nom. seit Frischlin
nomencl. (1586) 6
häufig als ansatz in wbb. erscheint. aus maa. hierher: bainacht Schmeller
cimbr. 170; binuachden,
n. Hertel
thür. 256; wînachte E. L. Fischer
saml. 97; wainācht,
f. Lenz
Handschuhsh. 76; pinxt,
m. Hentrich
eichsf. 94.
dieser sing.-gebrauch setzt im 14.
jahrh. ein: nû was eʒ vor der hôchzît, diu in dem winter lît und wîhennaht ist genant
zs. f. d. a. 8, 102.
üblich wird er erst im 18.
jahrh.: wie weihnachten heran kam Möser
patr. phant. 2, 34; und kommet die liebe weihnacht heran Boie (1798)
Böhmes volkst. lieder 319.
heute ist er möglich, wenn die festzeit als ganzes ins auge gefaszt wird: kein weihnachten ohne baum Hauptmann
friedensf. 7; hoier wōr kē schoes wainachd Ehrlicher
synt. d. Sonneb. ma. (1906) 57,
oder wenn die bed. auf '
weihnachtsabend'
eingeschränkt ist: du hättest ... beinah vergessen, dasz heut weihnacht ist Th. Mann
Buddenbrooks 2, 186.
vocativ ist ganz vereinzelt: weihnachten, ach weihnachten. du warst der kinder trost Arnim 22, 99
Grimm. auch der genetiv bleibt selten: das fest der weihnacht Stifter 5 i 197; in solchen päckchen steckte ein stück leibhaftigen weihnachtens Storm 1, 178.
häufig dagegen ist seit 12.
jahrh. der dativ sg., abhängig meist von zu: (
der fürst) wolt ze wînaht hôchzît hân Enikel
fürstenb. 1719
Strauch. die formel ungestört auch weist. 1, 36;
Straszb. zunftverordn. 75
Brucker; Luther 19, 149
Weim.; Voss 2, 14; Hebbel I 8, 90. III 6, 211; zu jeder w. Gutzkow
ritter 3, 227; zu jedem w. Sudermann
frau Sorge 247.
gekürzt aus der formel zu w.
ist weihnachten
als dat. der zeit, zuerst in e. rechnung 1650: offer-gelt weinachten Staphorst
hamb. kirchengesch. I 4, 971; (
ein heft) welches weihnachten erscheinen könnte Göthe I 48, 230
Weim.; wainachd Ehrlicher 64.
entspr. steht der dativ bei wechselnden präp., die den verlauf in der zeit regeln: drü ganze jôr, von wîhenachte an ze zelende
urk. kaiser Ludwigs 1322
bei Schrieder
verf.-gesch. von Hagenau (1909) 59; von weinnacht bisz zuo ostern Heyden
Plinius (1565) 390; jnn dieser nehesten wigennacht Luther 38, 328
Weim.; in der kalten weihnacht Droste-Hülshoff 2, 399
Kreiten; das advent vor weychennächt
städtechron. 4, 287; an jeder weihnacht G. Freytag 4, 5; zwischen weinacht und aller narren fasznacht Fischart
prakt. 3
neudr.; gleich nach der weihnacht Th. Mann
Buddenbrooks 1, 376.
von präp. ist meist auch der acc. sg. abhängig, am häufigsten und frühesten von auf: uff die wienacht
urk.-samml. des kt. Glarus nr. 81 (1367); ein kinder lied auff die weinacht Christi Luther
geistl. lieder nr. 30
neudr.; fortan ohne art.: Schertlin v. Burtenbach 79; 152
Schönhuth;
von u. an Herder 2, 43; Anzengruber 3, 10; auf die nächste w. G. Keller 1, 333.
demnächst: umb weihenacht Bock
kreuterb. 134; Kirchhof
wendunm. 2, 342; L. Finckh
Rap. (1910) 150,
selten über: bleven se beyde over den wînachten Korner
Lüb. chron., Wiener hs. 62
d.
acc. der zeit ist hier jung und bleibt selten: war ich jede weihnachten allein
F. Lewald
Adele (1855) 275; das sie ... mir letzten weihnachten ... geschenkt haben Fontane I 5, 144.
acc.-object ist w.
zu halten, haben, feiern: Korner 24
c; L. Osiander
bed. ob d. päpst. kalender ... (1583) D 3
a; Holz
u. Schlaf
n. gleise 250; Raabe
hungerp. 3 (1864) 168. 55)
artikellosigkeit ist regel, soweit w.
ohne attr. steht, während fügungen wie an den nahsten weinachten
font. rer. austr. II 6, 203 (1306); von den letzten weihnachten Storm 1, 187
überall möglich sind. unbestimmter artikel in der formel: zuo einem wînachten
regel für ein vollk. leben 33, 14
Priebsch; zuo einen wînnathin
Alem. 1, 76
bleibt auf das 13./14.
jahrh. beschränkt: es ist unbest. artikel beim plurale tantum sing. auffassung, wie mhd. zeinen pfingesten, sunewenden: Schmeller 2, 881; Paul
mhd. gramm. § 225.
beim sing. brauchen unbest. artikel nur junge nordd. schriftsteller: welch' eine ewigkeit ist von einem weihnachten bis zum folgenden heiligen Christ B. Goltz
b. d. kindh. (1847) 327; gedenkst du noch an einen weihnachten? Storm 1, 180.
bestimmter artikel ist geläufig beim sing. in alter u. neuer schriftspr.: in der weihennacht, da er die erst mesz zuo mitternacht an fieng zuo singen Pauli
schimpf u. ernst 236; in der weihnacht Dannhawer
cat.-milch 4 (1657) 19; der, dem die w. gefeiert wird Fouqué
gefühle 1, 180; der nachklang von der weihnacht Grillparzer 7, 125.
ebenso in der mundart: an tɐ waiənacht Meisinger
Rapp. (1906) 224.
ferner bei w.
in der bed. '
geschenk': der weihnachten hat mir hier sehr schöne sachen gebracht Droste-Hülshoff
briefe 38
Cardauns; wegen dem weihnachten Göthe III 2, 274
Weim.; zum w. IV 31, 45.
beim plur. ohne attr. ist best. artikel selten, aber zu allen zeiten möglich: bî den wînnahtin
Alem. 1, 248; des zwölften tages in den wînahten Tauler
pred. 16, 22
Vetter; ze einer zît vor den wînnahten Seuse 46, 26
B.; zu den weihnachten Hoffmann v. Fall.
gesch. d. kirchenl.2 418; um die weihenachten Widman
Fausts leben 218
Keller; in den weihnachten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 392.
in neuerer zeit auf Norddeutsche beschränkt: des frydages na dem Christdage in den wynnachten
N. Gryse
hist. von J. Slüter (
Rostock 1593) H 1; mit den weihnachten näherte sich endlich die katastrophe Gutzkow 3, 103; die w. dieses jahres brachten eine freudenbotschaft Sudermann
frau Sorge 22. 66)
umlaut. ahd. naht
hat cons. flexion, i-
formen wie nehte
erst seit dem 12.
jahrh.: Braune
ahd. gramm. 3 § 241. weihnacht(en)
erscheint in ⅞
aller belege umlautlos. umgelautete formen begegnen schwäb. und schweiz., zuerst wîhnechten
Ulm. urk. 1 (1312) 312; nâch, zuo wîchennächten
älteste d. jbb. von Zürich 69, 80, 92, 94
Ettmüller (
vor 1336).
schweiz. texte halten bis ins 16.
jahrh. die umgelauteten formen fest: wîenechten
Wackernagels leseb. 840 (
St. Gallen 14.
jahrh.); wîn(n)ächten Stagel
leben d. schw. zu Töss 39; 47
Vetter; wîhennechten
urk.-b. d. landsch. Basel 652 (1409); wienächt
weist. 1, 128 (
Winterthur 1472); wienächt Tschudi 1, 18;
weiteres schweiz. id. 4, 658
ff. ebenso die alem. nachbarschaft: wîhenächten
zs. f. gesch. des Oberrh. 36, 304 (
Breisgau 1431); Richental
chron. d. Konst. konz. 86. 131; wîhennechten Öheim
chr. v. Reichenau 57, 10.
umlaut stets in Augsburger quellen des 14./16.
jahrh.: städtechr. 4, 38. 44. 54
ff.; 5, 10. 23, 433. 437. 464;
Uhlands volksl. 1, 307; Tauler
serm., reg. 1
b; Eberlin v. Günzburg 3, 52
neudr.; Montanus
schwankb. 310
Bolte. im gleichen zeitraum begegnet vereinzelt umlaut in Ostfranken, Bayern, Tirol: Megenberg 346, 2
u. 6
Pfeiffer; Arigo
decam. 497
Keller; Lori
bair. bergr. 139 § 33;
Gudrun 1075, 1; J. A. v. Brandis
landeshauptl. 60,
heutige mundart setzt umlaut voraus im bad. oberland. der Nordschweiz und teilen Bayerns: E. Beck
obere Markgr. ma. § 118; Streiff
Glarus § 63; Wiget
Toggenb. 94; Schmeller 2, 881. 77)
von der üblichen, auch von den mundarten weithin vorausgesetzten betonung auf der ersten mit nebenton auf der zweiten silbe weichen dichter gelegentlich ab: kaum sind die kinder so erfreut bey den geschenken an weyhnachten Stoppe
Parnasz 6; ich hatte versprochen mit achten zu tanzen auf weihnachten Rückert 1, 233; wenns kommt um die weihnachten da werden die meister stolz
Mittlers d. volksl. 929; da ward zum erstenmal weihnachten Wildgans
österr. ged. (1914) 34. Schmeller 1, 1716
bietet wei
~náchtú, wei
~náchtún,
dem entspricht die heutige aussprache der Altbayern in München. sonst gilt erstbetonung, ausdrücklich bezeugt für Graubünden: Brun
Obersaxen (1918) 27;
kt. Freiburg: Stucki
Jaun (1917) 39;
Aargau: Hunziker 296;
bad. Oberland: E. Beck (1920) § 163;
niederalem.: zs. f. d. ma. 1914, 345;
ostfränk.: Heilig
Taubergr. § 228;
Thüringen: Hertel 256.
von der betonung, dem wandel des h>ch,
seinem ausfall vor oder nach diphthongierung von î,
der entwicklung eines hiatfüllenden gleitlautes usw. ist die sehr mannichfaltige lautgestalt des worts in den mundarten bestimmt: schweiz. id. 4, 658. 661; Follmann
lothr. 542; Weik
Rheinbischofsh. § 34; 62. 88)
wie mit ostern (
th. 7, 1317)
so ist auch mit w.
ein vorchristlicher festname in den christl. kalender übernommen. zuerst behauptet S. Franck 1538, das diser heydnisch nam und standt (
sanctissimi commilitones) nicht von Petro, sonder von den heyden in das christenthumb ist kommen, wie auch die fasznacht, weinnacht
etc. chron. Germ. 36
b.
aus dem urnord. sind entlehnt finn. juhla '
feier, fest',
finn. joulu
plur. '
weihnachten',
daraus wider lapp. juovla '
weihnachten' Nilsson
arch. f. rel.-wiss. 19 (1919) 138; E. Olson
ark. f. nord. fil. 37 (1920) 88.
die entlehnung beweist, was die etymologie von jul (
zu anord. él,
n., '
schneegestöber',
grundform *jehwla- '
zeit der schneestürme' Kluge
engl. stud. 9, 312)
allein nicht lehren würde: dasz die Germanen ein vorchristliches mehrtägiges mittwinterfest gefeiert haben. Bedas zeugnis: ipsam noctem nunc nobis sacrosanctam tunc gentili vocabulo módra nect
i. e. matrum noctem appellabant Kluge
ags. leseb. 2 12
erlaubt, diese festzeit mit den matronae
oder matres
genannten göttinnen zu verbinden, deren verehrung zumal im westrhein. Germanien über 400
steine aus der röm. kaiserzeit erweisen: Helm
altgerm. rel.-gesch. 1, 391
ff. dem ags. módra niht
entspr. findet sich mutternacht
für das fest, durch Aventin
vermittelt, noch 1601: daher das fest die weinachten mit sinnen und d'mutter nacht wirdt gsprochen Th. Höck
blumenf. 133
neudr. auch das so viel später bezeugte wort w.
kann die umprägung eines vorchristlichen fests bestätigen: erster wortteil ist das adj. ahd. wîh (
sp. 473
f.),
nur obd. spurweise in christlichen sprachgebrauch übernommen, seit dem 8.
jahrh. auch von der ags.-fränk. bez. der heiligkeit 'heilag'
zurückgedrängt und seither nur in zus.-setzungen erhalten: Braune
beitr. 43, 398
f. diese sprachgesch. vereinzelung, die w.
mit heiland
und vielen götternamen teilt (R.
M. Meyer
wörter u. sachen 1, 63),
hat die rechte deutung lange aufgehalten. Luther
denkt an wiegen und die vorsilbe ge-: wygenachten, da wir das kindlein wiegen 37, 48
Weim.; wigenachten, gevater mitvater, nam ge- propositum semper significat collectionem: gewitter
tischr. 2, 521
Weim.; Beatus Rhenanus
rer. germ. libr. 3 (1531) 7, Keszler
sabbata 56
Egli und Ickelsamer
t. gramm. (1537) 35
f. denken an wein. Fischart
knüpft diese miszdeutung an einen in Tirol, Schwaben und Norddeutschland, am Rhein und in Flandern verbreiteten volksglauben: die weinacht vom wein würd in schlafftrüncken bräuchlich sein
prakt. 7
neudr. seinen scherz tritt Prätorius
breit: weihnachten haben den namen vom weine, weil mitten in der nacht alle wasser zu weine werden
saturnalia (1663) 3, Abr. a S. Clara
nutzt die bez. zur sittenpredigt: wie offt wird dir die h. weyhnacht zu einer weinnacht
etw. f. alle 2 (1711) 113,
erst Wachter (1737) 1850
lehnt sie ab. an weihen, vb., denken Rompler v. Löwenhalt 1, 24; Prätorius
sat. 13; Frisch 2, 433
c; Jacobsson 8 (1795) 195.
gedanke an weihe, f., verrät sich in den formen weye-nächten Rompler
das.; weihe-nacht Brentano 1, 508; Voss
antisymb. 1, 407; weihnächte oder weihtage I. Kohl
Paris 2 (1845) 282; weihenächten Scherr
Michel 1, 164
Hesse. die rechte deutung Schmeller 4 (1837) 50.
aber auch der zweite wortteil zeigt höchste altertümlichkeit: nec dierum numerum, ut nos, sed noctium computant Tacitus
Germ. 11;
vgl. Caesar
bell. gall. 6, 18.
die alte zählweise lebt, wie im engl. se(ve)nnight
und fortnight,
so auch in w.
fort: unde etiam quibusdam festis diebus a nocte cognomentum, ex ethnicorum observatione: sicut weynacht, natalis Christi. fasznacht ... knöpfelsnacht, tres dies Jovis, Christi natalem praecedentes. similiter divorum festa, sanct Johans nacht, sanct Martins nacht et ejusmodi Althamer
commentar zu Tacitus Germania (1580) 204.
dem wort w.
muszte bei seiner übertragung zu statten kommen, dasz die geburt Christi Luk. 2, 7
ff. gleichfalls in der nacht spielt. früh hat sich dann jedes gefühl für den widerspruch verloren, der darin lag, dasz man den tag des 25.
dez. oder die ganze festzeit w.
nannte: am heiligen tage ze wîhnahten B. v. Regensburg 2, 131
Pfeiffer; in der ... nacht für weyhenachten Hennenberger
landtafel (1595) 21.
eine mischconstr. des 14.
jahrh. rückt nacht
und tag
hart aufeinander: in den vier winachten heilgen tagen
Frankf. insatzb. 2 (1370) 104; am dinstage noch den wynachten heyligen tagen
Marienb. tresslerb. 1, 8
Joachim; entspr. das. 219, 27.
da nacht
den alten wortsinn verloren hat, wird er nötigenfalls durch ergänzung neu gewonnen: wihnade z'nahds '
in der nacht von w.' Follmann
lothr. 542. 99)
das neue test. nennt weder Christi geburtstag, noch gibt es anhaltspunkte, ihn zu erschlieszen: Caspari
theol. lit.-bl. 32 (1911) 361.
auch stimmung und meinung der ältesten christenheit gingen nicht dahin, merktage aus Jesu leben zu feiern. so kannte die älteste kirche nur ein jährliches fest, das passah: Arn. Meyer
das weihnachtsfest (1913) 3
ff. die altorient. kirche begeht den 6.
jan., der zugleich epiphanias und Jesu tauftag war, als christfest; das spielt bei erwähnung der armenischen kirche, die den brauch bis heute bewahrt, in deutsche zeugnisse hinein: die weynachten halten sie an epiphania domini Schiltberger
reiseb. 106
Langmantel. in Rom hat nach Usener
weihnachtsfest2 (1911)
dieser brauch bis 353
geherrscht, am 25.
dez. hat nach ihm zuerst papst Liberius 354
das fest begangen, nach Duchesne
bull. crit. 10, 41
ff. ist der 25.
dez. schon 334
gefeiert worden. für die wahl dieses tags, nach Luk. 2, 8
klimatisch unwahrscheinlich auch im morgenland, ist das germ. julfest nicht bestimmend gewesen: Helm
hess. blätter f. volksk. 2 (1903) 156; Rühl
reallex. der germ. alt.-kunde 4, 503,
vielmehr hat die kirche den tag aus astron. gründen gewählt: mit Christi geburt nimmt der tag zu, die nacht (
des unglaubens)
ab, es ist der geburtstag des unbesiegten (
sonnengottes, Mithras),
auf Christus umgedeutet unter berufung auf Mal. 4, 1.
entspr. wurde die geburt Johannis des täufers nach Joh. 3, 30
auf den tag der sommersonnenwende gelegt: religion in gesch. u. gegenw. 3, 636.
in der linie solcher symbolik liegt es, das jahr mit dem 25.
dez. beginnen zu lassen, wie denn im ganzen deutschen mittelalter dieser weihnachtsanfang (
s. d.)
regel war: Grotefend
zeitrechn. 1, 204.
dasz papst Leo III. Karl den gr. weihnachten 800
zum kaiser krönte, sollte eine neujahrshandlung sein. die sitte gilt bis ins 16.
jahrh.: da dise geiseler hatten gegangen den somer, da ging annus jubileus an zu winachten allernest darnach
Limb. chron. 34, 27
Wyss; gegeven na der gebort Christi unses herrn vefteynhunderdt, darnha imme anfange des sovenden jars, am tage Steffani martiris in den hilgen winachten
urkundl. gesch. des geschl. v. Örtzen 2, 330
Lisch (1506).
die nachmals nach altröm. muster (Tille
gesch. d. d. weihnacht 1893;
yule and christmas 1899; G. Bilfinger
germ. julfest, progr. Stuttg. 1901)
als neujahrstag gefeierten kalenden des jan. erscheinen als octave des christtags: nâch wîhen nehten aht tage, den man dâ heiʒet ebenwîhe
gesamtabent. 3, 33, 14.
acht tage nach Christi geburt fanden beschneidung und namengebung statt: Luk. 2, 21,
die zeit dazwischen wird durch wichtige heiligentage zur festwoche (
s. u. weihnachtswoche): uf sant Stefanstag noch wynachten (26.
dez.)
Straszb. zunft- u. polizeiverordn. 82
Brucker; darnach zuo den nechsten wichennechten an sant Thomans tag (29.
dez.)
städtechr. 4, 64.
im mittelalter beging man das fest im bürgerl. leben 4
tage hindurch: ze weyhenacht in den viren
urk.-b. ob der Enns 8 (1362) 118; an dem fierden tag zuo weihennächten, da sy die andacht volbracht hetten
sommert. der heiligen leben (1472) 106
c;
im alem. Bonndorf heiszt w. vierfest.
die kirchl. festzeit reichte bis 6.
jan. (
s.zwölfnächte),
in datierungen griff die bed. des christtags von anfang dez. bis 13.
jan.: um die zeit, 3 wochen vor weinachten
städtechr. 2, 23; cinstag nach sant Hylaryen tag, dem man sprichet der zwentzgist tage nach wyenachten
urk.-b. der landsch. Basel 775
Boos; entspr. zs. f. gesch. d. Oberrh. 36, 319.
die spannung zwischen julianischem und gregorianischem kalender wurde an w.
bes. störend: dasz einer weihnächt helt, wann es der ander schon vor zehen tagen gehalten L. Osiander
bed. ob d. päpst. kalender (1583) D 3
a. 1010)
die kirche feiert w.
unter dem gesichtspunkt der geburt Christi: zu weyhennachten setzen sie eine wiegen mit einem geschnitzten kind auf den altar Fischart
bienenk. (1588) 163
b; die krippchen (
presepe), die man zu weihnachten in allen kirchen (
Neapels) sieht Göthe I 31, 252
Weim., mit nächtlichem gottesdienst und predigt: auf weihnachten ging ich morgens um vier uhr in die frühmette ins münster G. Büchner
nachgel. schr. (1850) 239; ergreifend sprach dr. Käuffer über die traurigen und freudigen weihnachten ... am zweiten weihnachtsfeiertage Treitschke
briefe 1, 40,
als fest hoher freude, bei dem alle fasten zu ende sind: ich wolte die sehs wochen vasten vor wînahten B. v. Regensburg 2, 48
Pfeiffer; es wär wol fein, das man noch etlich tag vor ostern, vor pfingsten und weyhenachten ein gemein fasten hielt Nas
antipap. eins u. hundert 3, 192
b,
mit musik: die musik, die man weihnachten in Maria maggiore ... hörte ... war eben so einzig Tieck 4, 424.
die groszen der erde nehmen von früh an teil an der kirchl. feier: von weihnacht 1074, das er (
Heinrich IV.) zu Straszburg, bis ostern oder pfingsten 1075, die er zu Worms feierte Nitzsch
d. studien 134,
und legen ihre eignen feste auf die gleiche zeit: Sigmund kam endlich und hielt um weyhnachten einen groszen landtag zu Brünn
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 130.
zinsen und löhne werden auf diesen tag ausbezahlt: ze wîhennahten zwai phuont pheffers ze zinse
ulm. urk.-b. 1 (1310) 304; die erung, so den hamerschmiden ... zu weyhenachten bisher gescheen sind Lori
bair. bergr. (1464) 82 § 61; die paar kreuzerln lohn und zu weihnachten ein neues rupfenhemd Pichler
gesch. a. Tirol (1867) 135.
am festtag selbst ruhen alle geschäfte: es sol ze weinahten niemen dem andern senden niur seinem pfarrer und seinem rihter
stadtr. v. München (1322) 289
Auer; doch zu winachten an sullen (
d. i. ensollen) die gewerken gemant werden
weist. 6, 103.
das volk feiert: ein fröhliches begängnisz wird der heiligen zeit um weihnachten zu theil Steub
drei sommer in Tirol 2, 176.
kein kirchliches fest hat sich bei uns volkstümlicher und fröhlicher gestaltet: Weinhold
zs. d. vereins f. volksk. 4 (1894) 100.
es wird gebacken und geschmaust: es soll ouch deheinre me bachen dann dry dage, uszgenomen in der winachten
Straszb. zunftverordn. 101
Brucker; zu weyhenachten gute kophannen und alte hüner Mathesius
hochzeitpred. (1563) Aa ij
a; denn, als ich fressn sollt gut christstollen, muszt ich mich mit den meinen trollen aus ganz Böhmen: war das nicht ein schur, die zu weihnachtn mir widerfuhr?
Opel-Cohn 116.
man tauscht festliche besuche aus: zuo ostern und weinnachten pflegt eyn yeder seinen gesipten ... zubesuchen
Aimon (1535) e 5
a,
und trägt die besten kleider: er thut mir die ehre an und trägt's (
das tuch) nur an den höchsten feiertagen, zu weihnacht oder zu pfingsten Hebbel I 2, 16.
seine hohe volkstümlichkeit hat w.,
das nicht das höchste christliche fest war, in Deutschland als erbe des germ. hauptfests gewonnen (
s. o.).
glaube der urzeit lebt bis heute als aberglaube fort, s. Eug. Fehrle
deutsche feste u. volksbräuche (1916) 13
ff.; literatur bis 1913
bei Arn. Meyer
weihnachtsf. 139
f.: in unserm Thüringen ... werden ... ümb die heiligen weynächten ... ein ziemliche menge gespänster ... gesehen Prätorius
blockesbergesverr. (1668) 15;
schweiz. id. 4, 659
ff. aber die beiden bräuche, die heute unserm weihnachtsfest das gepräge geben, weihnachtsbaum (
s. u.)
und weihnachtsbescherung (
s. d.),
sind jung und erst in der zeit nach der reformation ausgebildet. zwar die sitte des schenkens ist schon im mittelalter auf christnacht und christtag übertragen: Arn. Meyer 76
u. 118,
sie wird 1541
in einer iron. anspielung vorausgesetzt: er darf nit kifen kauffen, sein weib gibt jm zuo weihnachten gnuog S. Franck
sprichw. 2, 74
a;
von da: sch. w. klugr. (1548) 26
b; Eyering 2 (1604) 223.
die sitte ist vom 6.
dez. auf w.
übergegangen, die ältere bed. des Nikolaustags bleibt noch lange lebendig: wenn sie ... um weihnachten oder am st. Niklastage alle mägdlein ... mit ... puppen herumziehen sah, war sie ... betrübt Brentano 5, 114.
der eifer protest. geistlicher hat die übertragung begünstigt: Christus und nicht die heiligen sollten als geber alles guten erscheinen. die geschlossene reihe der zeugnisse für die kinderbescherung setzt spät ein: an weihnachten erhielt er die uhr Ch.
F. Weisze
kinderfr. 19 (1782) 114; (
das dukatenmännchen, th. 2, 1488,
das) manche leute wohl ihren kindern zu weihnachten zu schenken pflegen Tieck 3 (1828) 190; eine auffallend grosze trommel, die der junge in weihnachten profitirt hatte B. Goltz
b. d. kindh. (1847) 211; ihr vater pflegte ihr an jedem weihnachten ... ein kleid zu schenken Seidel
vorstadtgesch. (1880) 99.
bescherung unter erwachsenen im 19.
jahrh.: so vermelde zugleich, dasz die süsze und würzhafte sendung zum weihnachten glücklich angekommen Göthe IV 35, 244
Weim.; rath, was ich deiner mutter zu weihnachten schenke Storm 1 (1899) 16; ein ... zobelpelz zu weihnachten, das ist zu wenig Fontane I 4, 414.
uralt germanischer festzauber und höchste kirchliche weihe, die ererbte kraft religiöser vorstellungen und von kind auf erlebte häusliche festfreude, das alles in wirksamstem gegensatz zu der abgestorbenen natur, an deren tiefpunkt dieses höchste fest liegt, haben w.
den einzigartigen tiefen gehalt sehnsüchtig fröhlicher stimmung geliehen, in deren bann vor allem die kinder stehen: und süsz ängstete mich, wie zu weihnacht, kindliche sehnsucht Voss
sämtl. ged. 2 (1802) 14; schon siebenmal war weihnacht mir erschienen mit ihres kinderschatzes frommem glanz Brentano 1, 6,
der sich auch der erwachsene Deutsche nicht entzieht: dann freu' ich mich wie jedermann, weihnachten soll 's für mich auch sein Hoffmann v. Fallersleben 2, 289; ich sehe plötzlich, wie es daheim in dem alten, steinernen hause weihnacht wird Storm 1, 175.
so hat das wort wärmsten gefühlston erhalten: weihnachten lag in dieser zeit, eine warme insel, ein geheimnisvolles schlosz auf hohem berge, ein ziel, das man lange, lange vor sich sieht, zu dem man, absteigend, lange. zurückblickt
F. Huch
Mao 24. 1111)
übergang in sachliche bed. kommt seit 16.
jahrh. vor. Dürer
nennt seine darstellung der hlg. nacht weynachten
tageb. 57
Leitschuh; eine bed. '
krippe, darstellung der geburt Christi'
bezeugt schweiz. id. 4, 661;
vom weinachtsbaum
sagt Hebbel: unsere grüne weihnacht kann zwar nicht vertrocknen, denn der tannenbaum wird von jeder kinderhand begossen I 12, 201.
verbreitet ist doch nur die bed. '
geschenk'.
sie ist wesentlich dem gebiet eigen, das das fest selbst jul
nennt, fehlt dem obd. (
hier dafür christkindel)
und begegnet zuerst 1797: ich hab' in der kiste so manchen blanken thaler gespart: mein patengeschenk, und mein weinacht! Voss 1, 66; ich schicke ihnen ein kleines weihnachten Rahel Varnhagen
b. d. andenkens 1, 306 (1806).
das neutr. geschlecht ist hier vom synonym geschenk
her eingeführt, wie schon Bernd
d. sprache in Posen (1820) 348
gesehen hat. Göthe
braucht in dieser bed. das masc.: wenn mein Wilhelm dir ein guter weynachten war, freut mich's IV 6, 229
Weim.; entspr. 36, 249.
masc. bezeugen Karl August
bei Knebel
lit. nachl. 1, 138
für Weimar, Hebbel I 8, 281
f. u. 350
für Hamburg, Hans Meyer
richt. Berliner 110
und Brendicke 192
für Berlin, Albrecht 235
und Müller-Fraureuth 2, 650
neben neutr. für Obersachsen. danach ist masc. anzunehmen auch: als wenn er ihn seiner braut zum w. bescherte Tieck 3, 45; die treueste magd ... pruhstet wie eine katze auf, wenn ihr 'weihnachten' zu gering ausfällt Gutzkow
ritter 4, 229.
plur. bleibt selten: die kinder zeigten ihre weihnachten ... vor Göthe III 13, 16
Weim. 1212)
zu ahd. ahta
f. '
eigentum',
verbalsubst. zu ahd. eigan
swv., gehören nach Künszberg
acht (1910) 53
ff. rhein. flurnamen wie uf den heiligen aichten Lamprecht
d. wirtsch.-leben 1, 436.
entspr. deutet Buck
flurnamenb. 297
den seit 1144
bezeugten obd. hofnamen wîhennachten
auf den besitz eines heiligen. von da kann weihnacht
als familienname stammen, gemeinhin gedeutet als '
einer der zu w.
geboren ist' Heintze-Cascorbi
fam.-namen 287. Weinacht(er)
als fam.-name begegnet gerade in dem gebiet, das auch acht '
eigentum'
kennt: Nik. Müller
fam.-namen des gr. Luxemburg (1886) 30; 112.
auch kann w.
von hier aus zur scherzhaften ortsbest. gewandelt sein: ein gegent haist schlauraffen-land, den fawlen lewten wol bekandt. das ligt drey meyl hinder weynachten H. Sachs 5, 338
Keller; von da Fischart
Garg. 143
neudr.; J. Grimm
Reinh. fuchs XCII; leberwürst, die wolt er auf den sauren käszmarkt gen weyhenachten füren
finkenritter A 5
b Bolte. 1313)
wenn w.
als ortsbest. zur scherzhaften unmöglichkeit umgedeutet war, lag es nahe, auch scherze verwandter art zu wagen. so wird, wie bei lat. ad kalendas graecas
mit einer kalendarischen unmöglichkeit gespielt: du möchtest sunst begeren, das der ostertag uff die weinachten kem Murner
an d. adel (1521) 54; wart bis auf der Juden weihnachten Harsdörfer
frauenz.-gespr. 2, 319,
oder mit einer klimatischen: uf dasz er im nit verbrünn in der sonnenhitz zuo wienachten Manuel 236
Bächtold. den häufigsten dieser scherze, zu w. in der ernte (
fast so beliebt wie zu pfingsten auf dem eis
th. 7, 1700),
hat Luther
in schwung gebracht: suche die korn erndte umb weihenachten, brich kirschen umb weihenachten von den beumen 33, 404
Weim.; nach ihm Franck
sprichw. 1 (1545) 34;
sch. w. klugr. (1548) 145
a; Eyering 3, 601; Schottel 1124;
schweiz. id. 4, 658
f.; Borchardt-Wustmann 371.
daraus weitergesponnen ist: man musz die zeit nemen wie sie kompt, sagt jener, ging umb weyhenachten in die haselnüss Neander
sprichw. (1598) 23
Latendorf. eigne wege gehen: ein storchen umb winachten Wickram 2, 105
Bolte, und: so bösz zu überkommen, als um weihnachten ein warme sonnen Schumann
nachtb. 31
Bolte. 1414)
auf übertragung altröm. neujahrsglaubens beruht die bed. der weihnachtstage
für das wetter Nilsson
arch. f. rel.-wiss. 19, 120.
sie sind lostage für das kommende jahr. die wetterregel grüne weyhnachten machen weisze ostern Kramer
t.-ital. dict. 2, 174
c findet sich lit. zuerst bei Colerus (
th. 7, 1372)
und Prätorius
phil. colus (1662) 179.
dasz sie weit älter ist, ergibt sich aus ihrer verbreitung in deutschen mundarten, auszer Wander 5, 82
f. u. 1807: Follmann
lothr. 542; Schambach
gött. 298; Danneil
altmärk. 247; Frischbier
preusz. sprichw. 2
nr. 2917.
weitergeführt ist der gedanke bei W. Binder: ist's um weihnachten feucht und nasz, gibt's leere speicher und leere fasz
sprichw.-lex. 210.
auch umkehrungen sind geläufig: hängt um weihnachten eis an den weiden, kannst du an ostern palmen schneiden Binder
das.; lichte wîne düstre schne Frischbier 2
nr. 2918; d' winachde em schnee, d' oschdere em glee Follmann
lothr. 542.
vereinzelt bleibt der schlusz von anderen jahreszeiten auf w.: nasse pfingsten bringen fette weyhnachten
allg. haush.-lex. 1 (1749) c 3
b.