weidenbaum,
m. tritt im 15.
jahrh. auf: weydenpawm
voc. theut. (
Nürnberg 1482)
bei Diefenbach
gloss. unter taxus, und steht zunächst an stellen, wo der wuchs der weide
zum baum betont werden soll: weidenbäum und wilgenbusch Fischart
Garg. 122
neudr.; der weidenbaum ... die weide,
salix, so fern sie als ein baum gewachsen oder gezogen ist Adelung 4 (1801) 1449.
hochalem. begegnet im 16.
jahrh. die zweisilbige form weydböum Frisius
dict. (1556) 1175; Maaler 491
a. 509
a,
die sonst nur im zwang des verses widerkehrt: bruder hielt im sinken einen weidbaum feste Herder 25, 189.
in der verbreitung des wortes gehen Schweiz und Elsasz voran, charakteristisch bietet die Zürcher bibel (1531)
ps. 137, 2: da hattend wir unsere harpffen an die wydböum gehenckt,
wo Luther weide
bot; von dort auch hist. volksl. 4, 28
Liliencron; Thurneysser
m. alchymia 86; Wickram 7, 242
Bolte; Scheidt
fr. heimfart C 2
b; Fischart
Garg. 369
neudr. auch in lebender mundart gilt das wort dort vor allem: schweiz. id. 4, 1249; Henry
colm. 237; Martin-Lienhart
els. 2, 45
a; wîdəbaum
mündlich aus Zell b. Offenburg. sonst in hd. ma. selten: waëre-, weire-bâm Crecelius
oberhess. 900,
so dasz es wol nicht zufällig bei Klopstock, Lessing, Schiller, Wieland
fehlt. dagegen nd. gut bezeugt (
trotz wilge): so hebbe ick in ein holen widenboum gestecken Kirchhof
wendunm. 1, 135
Österley; wîenbâm Schambach
gött. 297
a; wedenboom Richey
hamb. 336; wiën-boom
brem. wb. 5, 214. 11)
die bed. '
salix'
steht fest mit einer ausbiegung: im Berner oberland bez. widenbaum
viburnum lantana (
sonst schneeball, schlinge)
wegen seiner weidenartig biegsamen äste: Pritzel-Jessen
volksn. d. pflanzen 435; Kanngieszer
etym. d. phanerog. 186.
von dort wol auch Dietrich
vollst. lex. d. gärtn. 10 (1811) 449.
sollte Diefenbach
gloss. 612
b viburnum statt verebrum widenbaum
zu lesen sein, so wäre diese bed. schon für das 15.
jahrh. belegt. 22)
im übrigen entfaltet sich die wortgeschichte entspr. der bed. 1)
von 1weide.
am weidenbaum
in der natur ist dem Deutschen sein stand am wasser das auffälligste: die weidenbäum ... wöllen ... eyn feucht erdtrich haben Herr
feldbau 34
a. bach Heine 5, 439
Elster, tümpel Holtei 2, 122, see G. Keller 7, 313
sind dabei gleich bezeichnend. der baum zeigt die gegenwart von wasser an: ein paar graue weidenbäume ... verriethen ihm, dasz wasser in der nähe seyn müsse Ch. v. Schmid 1 (1858) 217.
er gedeiht dort so üppig, dasz er zum gleichnis taugt: da Sparta unter seinen gesetztafeln blühete, wie ein weidenbaum an den wasserbächen Hippel
lebensl. 3 i 81.
auch dasz er ohne menschliches zuthun wächst, wird zum bilde: mancher wächset in seinem freyen willen auff wie ein weydenbaum Lehman
flor. pol. 4, 121.
seltener prägen sich seine sonstigen eigenheiten sprachlich aus: er ist im frühling einer der ersten: grünen am ersten die illmenbäwm, weidenbäwm Sebiz
feldb. 53,
er wächst nieder: sie hüpft dann auf den weydenbaum S. Gessner 1 (1777) 54,
bildet nur ausnahmsweise wälder: ländereien ... mit den schönsten wäldern von weidenbäumen Ritter
erdk. 2, 138,
trägt keine nutzbaren früchte: und regneten die wolken lebensbäche, nie wird der weidenbaum dir datteln tragen Herder 26, 380,
wird im alter hohl: den guckguck ... in den holen weydenbäumen verstecket Prätorius
winterfl. 92,
und ist dann mit moder gefüllt: man ... leerte ihm seine tabaksdose aus und füllte sie mit staub aus weidenbäumen J. Gotthelf 5, 49.
das laub hat graugrüne farbe: es neigt ein weidenbaum sich übern bach und zeigt im klaren strom sein graues laub Schlegels
Shakespeare 3, 319,
und glänzt von fern: auf dem raine sahen wir einen weidenbaum gleiszend stehen Stifter 2, 225. 33)
der mensch bemächtigt sich des weidenbaums
zu wirthschaftl. nutzung. er pflanzt ihn als landmarke: auf tiefen wiesen, woselbst steine versinken, kann man zu bezeichnung der gränze einen weidenbaum ... hinpflanzen Leopold
handwb. d. ökon. (1805) 324
b,
und als alleebaum: die strasze zieht zwischen weidenbäumen in langer zeile hin Steub
drei sommer 2, 40.
die gerte ist gut zur züchtigung: Christus ward ... mit ruthen gegeiszelt, die von einem weidenbaum genommen waren Grimm
sagen 1, 228,
sie zu gewinnen wird der baum beschnitten: so behaut er mit dem beil einen weidenbaum Mommsen
röm. gesch. 5, 95.
von allen nutzbäumen ist er der bescheidenste: unfruchtbare plätze können wenigstens zu weidenbäumen benutzt werden
allg. d. biblioth. 111, 595. 44)
den weidenbaum der phantasie ergiebig zu machen, gibt ps. 137, 2
, das vorbild, darnach: (
die feinde, die) das volk höhnten,
dessen harf' am weidenbaum verstummte
Schubart
ged. 1 (1825) 331.
so ist er die zuflucht der betrübten geworden: dort traf er ein weinendes frauenzimmer sitzen unter einem weidenbaum G. Keller 4, 308
, der baum der trauer und des abschieds: an dem weidenbaum
stehst du, weinest kaum,
mit der welle zieh' ich fort
Auerbach 2, 103,
gern auf gräber gepflanzt: am ufer steht ein weidenbaum
und dran gelehnt ein stein,
und drunter liegt im schmalen raum
ihr kaltes totenbein
Platen 1, 29
Hempel. dem Deutschen von sich aus vermittelt der baum und seine landsch. umgebung viel eher heiteren naturgenusz: wo ist aber dasz artige clare bächelgen hin kommen so durch den gartten flosz undt bey welchem ich so offt auff einen umgeworffen weydenbaum geseszen undt geleszen? Elis. Charlotte 354
Menzel. den dichter spricht am unmittelbarsten die traumhafte stimmung an, die dem baum innewohnt: dieser alte weidenbaum
steht und wächs't als wie im traum
Göthe I 4, 142
Weim. unheimlich kann er werden durch nächtlichen moderschein: ein alter fauler weidenbaum, der ihr ... zum entsetzen ins auge glühte Immermann 5, 113
Hempel. an den gespenstischen baum heftet sich unheimliches thun: drei mörder unter dem weidenbaum stahn
wunderhorn 1 (1845) 197
und allerhand aberglaube: wa du holder und weidenbaum in einander gewachsen findest, darausz mach ein creutz Gäbelkover
arzn. 1, 45
; als amulett auch Hohberg
georg. cur. 1, 528
; greulich war es, wenn sie ihre feinde langsam töteten, indem sie für dieselben drei nägel in einen weidenbaum schlugen G. Keller 1, 71
; patienten, die an rheumatismus leiden, bestreicht man (in der Ostprignitz) mit einem stück holz von einem faulen weidenbaume zs. f. volksk. 7, 172. — das demin. weidenbäumchen name einer eigenen weidenart, der zwergweide Heinsius 4 (1822) 1562
a, setzling des weidenbaums Rossmässler
d. wald 121
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