weibsstück,
n. dafür weibesstück
bei Md. von ende des 16.
bis 18.
jahrh.: wohlgepl. priester 59; Hondorff
salzw. 77;
polit. maulaffe 229;
allgem. d. biblioth. 1 ii 36; Lichtenberg
Hog. kupferstiche 4, 246. weibsstück
verdeutlicht ostmd./nd. stück
als wegwerfende bez. weiblicher wesen. im 18.
jahrh. daneben das nicht viel höflichere frauenstück,
mundartl. auch bildungen wie stuckschelm Schmeller 2, 731.
die bildung kann etwa auch veranschaulicht werden an: befiel ihn plötzlich der wunsch, nicht nur diese, sondern auch noch drei oder vier weitere stück schöner wesen bei sich zu versammeln Keller 6 (1910) 153.
der böse sinn wohnt dem worte von vornherein inne: die starcken schelmen, die nicht erbeiten wöllen, sondern lust und liebe haben mit jungen weibesstücken, gemeinen huren und garstigen säcken sich zu schleppen Pape im
theatr. diab. (1587) 167
b; wie also ein weibesstück (junfern seyn sie nicht zu schelten, bey so unzüchtigem und leichtfertigen gemüth) ihren freyer oder löffelknecht an einem ort auff dem bock holen lassen Mengering
gewissensrecht 292,
und wird von den theoretikern, die das wort offenbar als zu niedrig lange übergehen (
nicht vor Ludwig 1906),
in den schärfsten ausdrücken betont: das wort weibsstück anbetreffend: so pfleget man durch dasselbe gemeiniglich eine weibsperson von dem allerschlechtesten stande, oder vielmehr eine solche auszudrücken, die sich durch ihre aufführung verächtlich und niederträchtig gemacht hat Gottsched
beobacht. (1758) 425,
dem Dornblüth
observationen 336
den gebrauch des worts verwiesen hatte; Adelung 5, 124
nennt es noch niedriger als weibsbild, weibsen, weibsperson;
von hess. mundart aus urtheilt Scherr: er gebrauchte, wenn er von den frauen sprechen muszte, statt des in unserer gegend heimischen ländlichen ausdrucks 'weibesbilder' den ausdruck 'weibesstücker', und er sprach das wort nur mit unsäglicher verachtung aus
Michel 1, 55.
daneben erscheint noch 1686 frauenzimmer
als ehrende anrede: die blosze brüste seyn ein grosz gerüste viel böser lüste, wird dem züchtigen frauen-zimmer zu ehren und den unverschämten weibs - stükken zur schande erwiesen Schultz
alltagsl. 51.
attribute verstärken den sittlichen tadel: lose Werder
Roland 121; trunken Olearius
verm. reisebeschr. 11; elend
schausp. engl. kom. 221; Novalis 2, 276
Minor; geil Grimmelshausen
vogeln. 2, 699
Keller; Leipz. aventurier 2, 134; leichtfertig Weise
kl. leute 147; lüderlich
Felsenb. 4, 208; Lessing 9, 334; Grillparzer 17, 78; gemein Gottsched
sprachk. 167; Wieland
Lucian 4, 45; verflucht Nicolai
lit.-briefe 9, 141; ungezogen
t. Merkur 1784 ii 141; verrufen Wieland
Lucian 4, 375; leichtsinnig Holtei
erz. 10, 91.
möglich ist auch jeder andere vorwurf: falsch, herrschsüchtig und boshaft Wieland
Agathon b. 12
k. 7; stolz und hart Holtei
erz. 4, 92; häszlich 13, 164; dumm 35, 5; toll Keller 5, 163.
seinem niedrigen klang entsprechend bleibt weibsstück
auf quellen beschränkt, die der umgangssprache nahe stehen. kaum je in versen: wenn dein alter kindskopf von einem listgen weibsstük oder einem schalk von freygelasznen guverniert wird Wieland
Horazens sat. 2 (1794) 166,
nur einmal in einem gesetz: preusz. verfügung v. 18.
juni 1701
betr. die eigenmächtige verheirathung von unteroffizieren: so soll ... der mann mit einjähriger vestungs-arbeit, das weibstück aber mit dem spinnhause auf ein jahr abgestraffet werden Fleming
vollk. t. soldat 103/104 § 2.
um so weiter ist das wort in den mundarten verbreitet: weibsstuck Anzengruber 1, 242; wîwesštikə Hentrich
eichsf. 8;
aus Berlin Glasbrenner 6 ii 25; Hauptmann
ratten 193;
aus Ostpreuszen wiefstöck Frischbier 2, 461.
in mundartlich bestimmter lit. ist auch am ehesten eine milderung des bösen sinnes zu beobachten: das weibsstück hat recht, und gefällt mir nicht übel Stranitzky
ollap. 17
Werner; solte ... am ende das arme weibstück gar unschuldig sein? Meiszner
d. erz. 75
Fürst; ein tüchtiges weibsstück Holtei
erz. 6, 153; es ist keine leichtigkeit, ein weibstück wohl unterzubringen G. Keller 4, 300.