weibsen,
n. aus weib(e)sname
wie mannsen
aus mann(e)sname
th. 6, 1582. 1604, rübsen
aus rübsame
th. 8, 1340.
mhd. wîbes name
mhd. wb. 2 i 306
f.; Lexer 2, 31. 3, 923,
entspr. formen bis ins 17.
jahrh.: wîbisnami
rechtsb. d. st. Mühlhausen 10
Förstemann; wîbsnam
pass. 76, 19
Hahn; weibisnam
Görlitzer stat. (1434)
script. rer. lusat. 1, 395; weibsnamen Gilhusius
gramm. 109; weibs nam Guler v. Weineck
Rätia (1616) 161
b.
auszer in mundartl. bestimmter rede (weibsnamen Rosegger 14, 119)
herrscht weibsen
seit Prätorius
anthr. plut. 1 (1666) 268
uneingeschränkt im ganzen sing. und plur. selten ein gen. sing. weibsens Bode
Th. Jones 1, 51
und nom. plur. weibser Chr. Reuter
ehrl. frau 17
neudr. in ostmd. mundart, wo die verschmelzung und abschwächung zu haus ist, behauptet sich neben vorherrschender zweisilbiger form (weibsen Albrecht
leipz. 234; waibsn Hertel
thür. 255
aus Altenburg; waibs Gerbet
vogtl. § 206, 2; weibszen Bernd
Posen 348)
auch dreisilbigkeit: wíwesen Hertel
aus Nordhausen; wiibeszen
M. Schultze
nordthür. 46; weiwesen Jecht
mansf. 123; weibesen Bruns
prov. Sachsen 26.
verbreitet ist das wort wesentlich im md. gebiet, in alter zeit über den heutigen mundartl. befund hinaus auch in dessen westen (Wig. Gerstenberg
chron. 74
Diemar)
und süden (U. v. Eschenbach
Wilhelm v. Wenden 4017;
städtechron. 1, 374
aus Nürnberg 1427; Schmeller 2, 831
aus Bayreuth 1724).
theoretiker des 18.
jahrh. nennen es ausdrücklich obersächs.: in Leipzig mannsen und weibsen Schwabe
belust. 4, 424; da man in Sachsen von dem worte weib auch weibsen gemacht hat Stosch 3, 184; in Sachsen im gemeinen leben Heynatz
antibarb. 2, 619.
aus ostmd. mundart ist es weitergedrungen: Wickram 8, 37. 56. 89
braucht weibesnamen,
soweit er Albr. v. Halberstadt
widergibt, Wieland
brief an Merck 12.
apr. 1778
erst in Weimar. selten bei Obd. (Ayrenhoff 5, 355; Bauernfeld 1, 222; Steub
drei sommer 1, 179; Keller 3, 100)
und Ndd. (Hennenberger
preusz. landt. 477; Möser 244; Claudius
Asmus 4, 28; Lenz 1, 89; Arndt 1, 86
Rösch).
das genus ist masc., so lange die bez. zu name
bewuszt bleibt, der übergang zum neutr. wird aber gerade schon in der frühen zeit vorbereitet, da die zus.-setzung noch nicht vollzogen ist: in junges wîbes name, ich armes wîbes nam
können junges, armes
als gen. masc. gemeint sein, aber nachmals als nom. neutr. verstanden werden, nachdem pluralische und fügungen mit unbest. artikel das urspr. genus verdunkelt haben. klares neutr. ist schon an der mhd. form entwickelt: (si) strafte daʒ wîbes nam
pass. 377, 3
Hahn; Waissel
chron. preusz. hist. 159
a; Irenius
Leipz. student 1, 95; Göckingk
in Bürgers
briefen 2, 41
Strodtmann; K. Lessing
mätr. 83; Kotzebue 13, 264; H. v. Kleist 2, 217; O. Ludwig 3, 15.
so allein bei den theoretikern von Rädlein 1, 1039
bis Weigand
syn. 3, 1105.
pronomina des folgenden satzes nehmen weibsen
mit fem. auf: ist ys abir eyn wybes namyn, so lege yr eyne czegyne longe uf den hals
mitt. d. schl. ges. f. volksk. 13, 26; für ein weibsen, die einem weiter nichts angeht Salzmann
Carlsberg2 1, 205; s weibsen rührt viel stob uff mit ihren langen gleedern Albrecht
leipz. 234. weibse
fem. bucht Unger-Khull
steir. 624.
der genuswandel hat die etymologie des wortes weiter verdunkelt: Stosch 3, 183
f. sieht darin einen provinzialen plur. von weib, Adelung 5, 124
hält -sen
für die endung, noch Schmeller
2 1, 1740
zweifelt, das richtige scheint zuerst Bronisch
lausitz. magazin 1846, 260
gesehen zu haben. die bedeutung '
nomen mulieris'
wird gedeckt durch weibername (
s. d.)
und greift nur vereinzelt in die bildung mit gen. sing. über: eyn gute christliche frawe, Claus Jungen fraw mit weibs namen Luther 18, 239
Weim.; also hat auch der erste doppelte weibsnahm, welchen Adam ... gegeben, viel in sich Dannhawer
cat.-milch 3, 279.
indem weibsen
von zwei nebenbedeutungen von name
ausgeht, ist es wie frauenzimmer
bezeichnung einer einzelpersönlichkeit und zugleich collectiv. 11)
mhd. name
steht in umschreibungen gern für die person selbst (
mhd. wb. 2 i 306).
von daher wird wîbes name
synonym mit wîbes bilde
und wîbes lîp.
während aber dieses auf das körperliche wesen, jenes auf die erscheinung zielt, richtet wîbes name
den blick auf soziale stellung (Kotzenberg
man, frouwe, juncfrouwe 73): dô funden si niht wen wîbes namen und arme gesindelehe ... die frauwen geflohen wâren Herbort v. Fritzlar
troj. 1576,
und auf die sittliche, handelnde oder leidende persönlichkeit: man finde noch guote wîbesnamme, aber wie vil der ist, das weis got R. Merswin
neun felsen 43
Schmidt; das ... ein weibes namen die achte thun wolde lassen
rechtsdenkm. a. Thüringen 351
Michelsen; liet ein man bi einime wiebisnamin an urin danc
rechtsb. d. st. Mühlhausen 8
Förstemann. dabei tritt, wie schon hier, der geschlechtscharakter in den vordergrund: dasz man die weibsen gerne hat, ist wohl sehr natürlich Tieck
nov. 12, 70,
er wird bes. betont durch die häufige gegenüberstellung von mannsen Prätorius
glückstopf 197;
winterflucht 245; Claudius
a. Herders nachl. 1, 385,
und das fördert, neben der entwicklung von weib
und s. sippe, die herausbildung eines verächtlichen klanges: dazu ... kenn ich die welt viel zu gut, dasz ich mich aufs wort eines weibsen verlassen sollt' Bode
Th. Jones 6, 31,
der doch, verglichen mit weibsbild
oder gar weibsstück,
stets gelind bleibt: dies Lütticher kind (
Brémont) hatte bis in seine alten tage eine unverlöschliche neigung für die 'weibsen' Laube 10, 244; du, Romeo Bellmaus, nimmst dich vor den weibsen in acht Freytag 3, 46. 22)
von name
als umschreibung für die gesammtheit der träger einer benennung (
th. 7, 331)
kommt weibsen
zum sinne '
alles was weib heiszt, weibliches geschlecht': ihr sollt deutlich vernehmen, warum ich nun allem weibsen so spinnefeind bin Fr. Müller 1, 125; verführe das junge mannsvolck nicht weiter zum laufen und das weibsen zur hurerey Göckingk
in Bürgers
briefw. 2, 41
Strodtmann; der war an schelmerei, das weibsen zu betriegen, von dem papa der lügen das echte conterfei Bürger 20
b Bohtz.