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wegreisen

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wegreisen

Bd. 27, Sp. 3013
wegreisen, von einem ort reisen, abreisen: der gute herr sollte auff eine zeit eilends wegreisen, bestellt eines metzgers rosz, setzet sich darauff Hertzog die schiltwache C 2; lassen sie mich nicht ohne ... hoffnung wegreisen Rabener 3 (1752) 27a; noch dieselbe nacht reiste ich von Neapel weg Göthe 43, 200 Weim. ausg.; dann und wann rollte auch ein einspänner vorüber, wohlbepackt mit studenten, die für die ferienzeit oder auch für immer wegreisten Heine 3, 18 Elster. von handwerksgesellen 'auf die wanderschaft gehen': weil bei diesem herrn Schubart ein geselle gerne wegreisen wollte, und auszer zeit kein frembd gesell da war J. Dietz lebensbeschreibung 33. von vögeln 'nach süden ziehen': die wilden gensz und schwanen ziehen auch von uns hinweg, gleich als wie die storcken, allein dasz man sie sihet wegreisen Heyden Plinius 439; gegen winter reisen sie weg und kommen zur gewissen zeit wieder Prätorius winterflucht d. sommervögel 144. der subst. inf.: die er ... voller thränen antraff, die diese beyden über sein wegreisen mildiglich vergossen Ant. Ulr. v. Braunschweig Octavia 4, 509. wegreiszen. 11) von seiner stelle reiszen; als subject erscheinen menschen, naturgewalten u. a.: als er vom altar mit gewalt weggerissen, wird im ein gifft bracht, die solle er austrincken E. Menius chronica Carionis (1560) 1, 138a; mit diesen worten risz er meinen freund mit sich weg Göthe 25, 226 Weim. ausg.; das schaaf ist weggerissen aus den hürden. Herder 12, 75 Suphan; die hohe woge trägt mich zum entschlusz, sie reiszt mich wieder weg. Göthe 9, 338 (Mahomet 1373); so oft der strom der masken ihn wegrisz, immer war er ihnen wieder zur seite Hauff 2, 196; das gedränge risz ihn weg Schiller 4, 207. 'abreiszen und wegschaffen': wer wollte alle schlösser und riegel wegreiszen, wenn mahl ein dieb gehangen Jahn merke 154; mit diesem scharfen steine hab' ich sie glatt an der wurzel weggerissen. Göthe 39, 205 (Prometheus 254). häufig im sinn 'aus seiner stellung, lage bringen, umreiszen und wegschaffen': es komen wasser herauff von mitternacht, die ... beide stedte, und die so drinnen wonen, wegreiszen werden Jer. 47, 2; solche (heiligenbilder) mag man wegreiszen Luther 28, 678, 18; soll man ... vorgehabt haben ... die gantze seule wegzureiszen und in die Tyber zu werffen Prätorius anthropod. plutonicus 2, 220; so sie (beim brand) die nebenhäuser wegreiszen können, so thun sie es Olearius verm. reisebeschr. 158; eine mauer bis auf den grund wegreiszen Nieremberger; dieser brausende strom, risz er am quell brücken und mauern weg? Herder 27, 115 Suphan; eine kugel kam geflogen, gilt's mir oder gilt es dir? ihn hat es weggerissen. Uhland ged. (1898) 1, 184. 22) einem etwas wegreiszen, mit gewalt wegnehmen: darumb hieszen diese böswicht ir den schleier wegreiszen, damit sie verhüllet war Sus. 32; der wind risse mir den hut samt der parucke weg Kramer t.-ital. 2, 322b; ich ... kriege meinen kujon zu packen, und reisze ihm den knüppel weg Immermann Münchh.2 3, 32; Rüpel ... erwischte den Magog ... beim rockzipfel und risz ihm einen schosz seines alten frackes glatt weg v. Eichendorff 3, 457; die pistole des andern war geplatzt und hatte ihm die halbe hand weggerissen v. Holtei 162. refl.: er hat sich bald den kopff um dich weggerissen Ch. F. Weisze kom. opern 3, 90 (die jagd 2, 3). bildlich: ihr ... habt auch erfaren müssen, wie einem zu mut ist, dem gott ein stück vom hertzen wegreyszet Mathesius handsteine 5 Lösche. 33) übertragen ist wegreiszen 3@aa) jemand mit gewalt entfernen, loslösen, wegnehmen (von, aus): er ist aus dem lande der lebendigen weggerissen, da er umb die missethat meines volcks geplagt war Jes. 53, 8; wen dieser (Christus) aus den augen wegkgerissen wirdt, so ist man dahin Luther 33, 391, 25 Weim. ausg.; sind diejenige kinder unglückseelig, die allzu zeitlich und frühe von der mutter brüsten weggerissen wurden Dannhawer catechismusmilch 1, 18; vom altar risz mich die göttin weg und rettete hierher mich in ihr eigen heiligthum. Göthe 10, 52 (Iphigenie 3, 1); aus der zeitfluth weggerissen schweben sie gerettet auf des Pindus höhn, was unsterblich im gesang soll leben musz im leben untergehn. Schiller 11, 7 (götter Griechenlands); ihr reiszt mich weg von meinem glück. 12, 324 (Wallenst. tod 3, 23); doch weggerissen von der heimatlichen flur, vom vaters busen, von der schwestern lieber brust musz ich (Johanna) hier ... ein gespenst des schreckens würgend gehn. 13, 243 (jungf. v. Orl. 2, 7). auch herz, auge: also kan nichts mein hertz (zu gottesdienst nicht träg) von meinem got wegreiszen. Weckherlin 2, 45 Fischer; er risz, von erinnerung gestochen, das auge davon weg; 'was geht er mich mehr an', dacht' er J. Paul Hesp. 2, 104. refl. sich losreiszen und weggehen: hatte er sich mit seiner lauten von der gesellschaft weggerissen Schupp schriften 138; ich sah, wie daher der muth kam, mit dem sie sich wegrissen aus den armen untröstlicher freunde Zimmermann über die einsamkeit 1, x; gehn sie! ich bitte sie, beruhigen sie sich. ich risz mich von ihr weg Göthe 19, 139; ich kan mich diesmal vom schreibtisch kaum wegreiszen J. Paul briefwechsel 19 Nerrlich. auch ohne best.: ich risz mich nun weg, empfahl mich ihrem bruder herzlichst und eilte fort G. Forster 7, 238. 3@bb) hinreiszen, in seine gewalt bringen: si veniret Schwermerus, Turca, wurde er viel schwacher christen wegreiszen Luther 32, 151, 21 Weim. ausg.; unverschens wird er dich wegreiszen, du wirst ein sklave eines edelmanns werden Göthe 8, 67 (Götz 1); jeder grosze künstler reiszt uns weg, steckt uns an 48, 211; er ist ein mann worden, und musz mit diesem reinen gefühle seiner selbst, mit dem er auftritt ... alle herzen wegreiszen 11, 109 (Clavigo 4); töne, die die seele wegreiszen und aufheben und auf höhen stellen wollten, damit sie in weite frühlinge des lebens hinunterschauete J. Paul Tit. 3, 109; sich von seinen begierden, gelüsten usw. wegreiszen lassen Kramer t.-ital. 2, 322b; wie können künstler so sich von der unruhe des tages erschüttern, ja wegreiszen lassen! Gutzkow ritter vom geiste2 3, 313. 3@cc) im älteren nhd. 'vernichten, beseitigen': ehe ewre dornen reiff werden am dornstrauche, wird sie dein zorn so frisch wegreiszen ps. 58, 10; sihestu den armen unrecht thun, und recht und gerechtigkeit im lande wegreiszen pred. Sal. 5, 7; ehe man solch recht und freiheit liesze wegreiszen und darwidder handlen, solt man ehe druber sterben Luther 15, 616, 29 Weim. ausg.; so hat uns gott den trotz weggerissen, das wir darauff nicht bawen, das nicht gilt 24, 338, 32; das der teuffel nicht die lere wegreisze noch verkere 34, ii, 372, 35; so würde, förcht ich, mir mein leben weggerissen. Opitz t. poem. 52 neudr.; sie (die wahre freundschaft) dringet sich nicht ein, was gutes zu genieszen. wird weder durch gefahr, noch furchte weggerissen. op. (1690) 3, 317. auch von menschen: darumb sie gott schröcklich lesset wegreiszen, weil sie lauter tyranney, mutwill, und unzucht trieben Mathesius Sarepta 86a. wegreiten: die köche riten für enwec. W. v. Gravenberg Wigalois 226, 35; Klas narr rait mit dem zeug auch weck. H. Sachs fab. u. schw. 6, 946, 26 Götze-Drescher; sie will aber kurtzumb von hin, ist auch schon fertig wegzureyten. Ayrer 974, 20 Keller; der (nachtwandler) setzt sich auf das holz und meinet wegzureiten. Fleming 1, 115 Lappenberg; er des morgens aufgesessen und weggeritten wasz Decamerone 181 Keller; der herr sei, nach seiner gewohnheit, ganz früh weggeritten Göthe 24, 94 Weim. ausg. mit obj.: ist von einem gestohlnen pferd die frage, so sitzt ein reiter darauf, der es wegreitet J. Möser 1, 261. sprichwörtlich: wie man spricht Traw reyt das pferd weg Luther 18, 437, 16 Weim. ausg.; Trawwol reits pferd weg Schottel 1113. wegrennen, das pferd von einem ort laufen lassen (vgl. mhd. rennen Lexer 2, 404): disz fräwlein (Angelika) aber stracks ihr pferd zurücke wandte und mit verhengtem zaum hin durch den wald wegrandte. D. v. d. Werder ras. Roland 6. jetzt 'eilig weglaufen': sonst nichts? ich bin darum vom nachttisch weggerannt. J. E. Schlegel 4, 275 (die gröszte verwegenheit 1); (sie) besehn mich von oben bis unten, weil ich so im einfachen rock aus der werkstatt weggerannt war Heyse nov. 1, 89. mit localen best. auch nur 'sich rasch vorwärts bewegen': so verfall du mit dem rappier darnieder zur erden gebogen, dasz er so uber dich wegrenne Sutorius fechtbuch 83; die welt rennt unter einem weg wie der schrittschuh, man musz sich vorwärtsbeugen um nur nachzukommen Göthe briefe 28, 62 Weim. ausg. wegreuten, ausjäten (noch bei Campe angeführt, jetzt veraltet): es ist niemand, der begehrte etwas (unkraut) auszujäten oder wegzuräuten v. Hohberg Georg. 3, 43a. bildlich: nun ist die weltweisheit ... gleichsam ein bau der gemüther ... welcher die laster von grunde aus wegreutet Prätorius winterflucht d. sommervögel 373. —
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wégreisen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Wégreisen , verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, von oder aus einem Orte reisen, sich reisend entfernen.

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wegreisen

    Goethe-Wörterbuch

    wegreisen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    wegreisenschw.

    Pfälzisches Wb.

    weg-reisen schw. : 'verreisen', -rääse [ LU-Alsh ]. Wann duuschden w.? [ LU-Alsh ]. —

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wegreisen

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Zerlegung von wegreisen 2 Komponenten

weg+reisen

wegreisen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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Cotta, M. (2026). „wegreisen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wegreisen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „wegreisen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wegreisen/dwb. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wegreisen". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wegreisen/dwb.
BibTeX
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