wegreisen,
von einem ort reisen, abreisen: der gute herr sollte auff eine zeit eilends wegreisen, bestellt eines metzgers rosz, setzet sich darauff Hertzog
die schiltwache C 2; lassen sie mich nicht ohne ... hoffnung wegreisen Rabener 3 (1752) 27
a; noch dieselbe nacht reiste ich von Neapel weg Göthe 43, 200
Weim. ausg.; dann und wann rollte auch ein einspänner vorüber, wohlbepackt mit studenten, die für die ferienzeit oder auch für immer wegreisten Heine 3, 18
Elster. von handwerksgesellen '
auf die wanderschaft gehen': weil bei diesem herrn Schubart ein geselle gerne wegreisen wollte, und auszer zeit kein frembd gesell da war J. Dietz
lebensbeschreibung 33.
von vögeln '
nach süden ziehen': die wilden gensz und schwanen ziehen auch von uns hinweg, gleich als wie die storcken, allein dasz man sie sihet wegreisen Heyden
Plinius 439; gegen winter reisen sie weg und kommen zur gewissen zeit wieder Prätorius
winterflucht d. sommervögel 144.
der subst. inf.: die er ... voller thränen antraff, die diese beyden über sein wegreisen mildiglich vergossen Ant. Ulr. v. Braunschweig
Octavia 4, 509.
wegreiszen. 11)
von seiner stelle reiszen; als subject erscheinen menschen, naturgewalten u. a.: als er vom altar mit gewalt weggerissen, wird im ein gifft bracht, die solle er austrincken E. Menius
chronica Carionis (1560) 1, 138
a; mit diesen worten risz er meinen freund mit sich weg Göthe 25, 226
Weim. ausg.; das schaaf ist weggerissen aus den hürden. Herder 12, 75
Suphan; die hohe woge trägt mich zum entschlusz, sie reiszt mich wieder weg. Göthe 9, 338 (
Mahomet 1373); so oft der strom der masken ihn wegrisz, immer war er ihnen wieder zur seite Hauff 2, 196; das gedränge risz ihn weg Schiller 4, 207. '
abreiszen und wegschaffen': wer wollte alle schlösser und riegel wegreiszen, wenn mahl ein dieb gehangen Jahn
merke 154; mit diesem scharfen steine hab' ich sie glatt an der wurzel weggerissen. Göthe 39, 205 (
Prometheus 254).
häufig im sinn '
aus seiner stellung, lage bringen, umreiszen und wegschaffen': es komen wasser herauff von mitternacht, die ... beide stedte, und die so drinnen wonen, wegreiszen werden
Jer. 47, 2; solche (
heiligenbilder) mag man wegreiszen Luther 28, 678, 18; soll man ... vorgehabt haben ... die gantze seule wegzureiszen und in die Tyber zu werffen Prätorius
anthropod. plutonicus 2, 220; so sie (
beim brand) die nebenhäuser wegreiszen können, so thun sie es Olearius
verm. reisebeschr. 158; eine mauer bis auf den grund wegreiszen Nieremberger; dieser brausende strom, risz er am quell brücken und mauern weg? Herder 27, 115
Suphan; eine kugel kam geflogen, gilt's mir oder gilt es dir? ihn hat es weggerissen. Uhland
ged. (1898) 1, 184. 22) einem etwas wegreiszen,
mit gewalt wegnehmen: darumb hieszen diese böswicht ir den schleier wegreiszen, damit sie verhüllet war
Sus. 32; der wind risse mir den hut samt der parucke weg Kramer
t.-ital. 2, 322
b; ich ... kriege meinen kujon zu packen, und reisze ihm den knüppel weg Immermann
Münchh.2 3, 32; Rüpel ... erwischte den Magog ... beim rockzipfel und risz ihm einen schosz seines alten frackes glatt weg v. Eichendorff 3, 457; die pistole des andern war geplatzt und hatte ihm die halbe hand weggerissen v. Holtei 162.
refl.: er hat sich bald den kopff um dich weggerissen Ch.
F. Weisze
kom. opern 3, 90 (
die jagd 2, 3).
bildlich: ihr ... habt auch erfaren müssen, wie einem zu mut ist, dem gott ein stück vom hertzen wegreyszet Mathesius
handsteine 5
Lösche. 33)
übertragen ist wegreiszen 3@aa)
jemand mit gewalt entfernen, loslösen, wegnehmen (von, aus): er ist aus dem lande der lebendigen weggerissen, da er umb die missethat meines volcks geplagt war
Jes. 53, 8; wen dieser (
Christus) aus den augen wegkgerissen wirdt, so ist man dahin Luther 33, 391, 25
Weim. ausg.; sind diejenige kinder unglückseelig, die allzu zeitlich und frühe von der mutter brüsten weggerissen wurden Dannhawer
catechismusmilch 1, 18; vom altar risz mich die göttin weg und rettete hierher mich in ihr eigen heiligthum. Göthe 10, 52 (
Iphigenie 3, 1); aus der zeitfluth weggerissen schweben sie gerettet auf des Pindus höhn, was unsterblich im gesang soll leben musz im leben untergehn. Schiller 11, 7 (
götter Griechenlands); ihr reiszt mich weg von meinem glück. 12, 324 (
Wallenst. tod 3, 23); doch weggerissen von der heimatlichen flur, vom vaters busen, von der schwestern lieber brust musz ich (
Johanna) hier ... ein gespenst des schreckens würgend gehn. 13, 243 (
jungf. v. Orl. 2, 7).
auch herz, auge: also kan nichts mein hertz (zu gottesdienst nicht träg) von meinem got wegreiszen. Weckherlin 2, 45
Fischer; er risz, von erinnerung gestochen, das auge davon weg; 'was geht er mich mehr an', dacht' er J. Paul
Hesp. 2, 104.
refl. sich losreiszen und weggehen: hatte er sich mit seiner lauten von der gesellschaft weggerissen Schupp
schriften 138; ich sah, wie daher der muth kam, mit dem sie sich wegrissen aus den armen untröstlicher freunde Zimmermann
über die einsamkeit 1, x; gehn sie! ich bitte sie, beruhigen sie sich. ich risz mich von ihr weg Göthe 19, 139; ich kan mich diesmal vom schreibtisch kaum wegreiszen J. Paul
briefwechsel 19
Nerrlich. auch ohne best.: ich risz mich nun weg, empfahl mich ihrem bruder herzlichst und eilte fort G. Forster 7, 238. 3@bb)
hinreiszen, in seine gewalt bringen: si veniret Schwermerus, Turca, wurde er viel schwacher christen wegreiszen Luther 32, 151, 21
Weim. ausg.; unverschens wird er dich wegreiszen, du wirst ein sklave eines edelmanns werden Göthe 8, 67 (
Götz 1); jeder grosze künstler reiszt uns weg, steckt uns an 48, 211; er ist ein mann worden, und musz mit diesem reinen gefühle seiner selbst, mit dem er auftritt ... alle herzen wegreiszen 11, 109 (
Clavigo 4); töne, die die seele wegreiszen und aufheben und auf höhen stellen wollten, damit sie in weite frühlinge des lebens hinunterschauete J. Paul
Tit. 3, 109; sich von seinen begierden, gelüsten usw. wegreiszen lassen Kramer
t.-ital. 2, 322
b; wie können künstler so sich von der unruhe des tages erschüttern, ja wegreiszen lassen! Gutzkow
ritter vom geiste2 3, 313. 3@cc)
im älteren nhd. '
vernichten, beseitigen': ehe ewre dornen reiff werden am dornstrauche, wird sie dein zorn so frisch wegreiszen
ps. 58, 10; sihestu den armen unrecht thun, und recht und gerechtigkeit im lande wegreiszen
pred. Sal. 5, 7; ehe man solch recht und freiheit liesze wegreiszen und darwidder handlen, solt man ehe druber sterben Luther 15, 616, 29
Weim. ausg.; so hat uns gott den trotz weggerissen, das wir darauff nicht bawen, das nicht gilt 24, 338, 32; das der teuffel nicht die lere wegreisze noch verkere 34, ii, 372, 35; so würde, förcht ich, mir mein leben weggerissen. Opitz
t. poem. 52
neudr.; sie (
die wahre freundschaft) dringet sich nicht ein, was gutes zu genieszen. wird weder durch gefahr, noch furchte weggerissen.
op. (1690) 3, 317.
auch von menschen: darumb sie gott schröcklich lesset wegreiszen, weil sie lauter tyranney, mutwill, und unzucht trieben Mathesius
Sarepta 86
a.
wegreiten: die köche riten für enwec. W. v. Gravenberg
Wigalois 226, 35; Klas narr rait mit dem zeug auch weck. H. Sachs
fab. u. schw. 6, 946, 26
Götze-Drescher; sie will aber kurtzumb von hin, ist auch schon fertig wegzureyten. Ayrer 974, 20
Keller; der (
nachtwandler) setzt sich auf das holz und meinet wegzureiten. Fleming 1, 115
Lappenberg; er des morgens aufgesessen und weggeritten wasz
Decamerone 181
Keller; der herr sei, nach seiner gewohnheit, ganz früh weggeritten Göthe 24, 94
Weim. ausg. mit obj.: ist von einem gestohlnen pferd die frage, so sitzt ein reiter darauf, der es wegreitet J. Möser 1, 261.
sprichwörtlich: wie man spricht Traw reyt das pferd weg Luther 18, 437, 16
Weim. ausg.; Trawwol reits pferd weg Schottel 1113.
wegrennen, das pferd von einem ort laufen lassen (
vgl. mhd. rennen Lexer 2, 404): disz fräwlein (
Angelika) aber stracks ihr pferd zurücke wandte und mit verhengtem zaum hin durch den wald wegrandte. D. v.
d. Werder
ras. Roland 6.
jetzt '
eilig weglaufen': sonst nichts? ich bin darum vom nachttisch weggerannt. J. E. Schlegel 4, 275 (
die gröszte verwegenheit 1); (
sie) besehn mich von oben bis unten, weil ich so im einfachen rock aus der werkstatt weggerannt war Heyse
nov. 1, 89.
mit localen best. auch nur '
sich rasch vorwärts bewegen': so verfall du mit dem rappier darnieder zur erden gebogen, dasz er so uber dich wegrenne Sutorius
fechtbuch 83; die welt rennt unter einem weg wie der schrittschuh, man musz sich vorwärtsbeugen um nur nachzukommen Göthe
briefe 28, 62
Weim. ausg. wegreuten, ausjäten (
noch bei Campe
angeführt, jetzt veraltet): es ist niemand, der begehrte etwas (
unkraut) auszujäten oder wegzuräuten v. Hohberg
Georg. 3, 43
a.
bildlich: nun ist die weltweisheit ... gleichsam ein bau der gemüther ... welcher die laster von grunde aus wegreutet Prätorius
winterflucht d. sommervögel 373. —