weggebung,
f. :
alienatio, distributio Stieler 657; weggebung fremden gutes v. Lohenstein
Arminius 1, 880
b.
weggedenken, daran denken wegzugehen: wir sind noch hier zu finden, gedencken fast nicht weg. Fleming 67. —
weggeheien, refl. (
auch ohne sich)
sich fortpacken, vgl. sich geheien
th. 4, i, 2347
f. und frz. foutre le champ: ir losen hudler, thut euch weggheüen! Ayrer 2387, 19
Keller; er fieng mich grewlich an zu schendn, zu witern, fluchen und zu drewn, wo ich nicht bald würd weg geheien, und mich aus seinen augen packn, er wold mich schlagen auf den nackn. Pape
Jonas rhythmicus (1605) Bb
a.
aus geheien
ist keien
geworden: key weck! was wilt mich darmit kern? key weck in aller teuffel namen! H. Sachs 14, 270, 4
Götze; Amor. ey, wolt ihr mir solch ding zutrauen? nein fürwar, last mich nur hinnein!
Jan. ey, key dich wegk! es kan nicht sein. Ayrer 2913, 25
Keller. weggehen. 11)
von einem orte gehen: Diefenbach
gl. 3
b abire, 167
b decedere, 171
a degredi, 463
b proficisci, 486
b recedere, 523
a secedere, (en)weg-, (en)weck-, (en)wech-, eynweck-, eweck-, ewech-, aweg gan, geen; also ging Esau enweg noch dem geyegeze Königshofen
städtechr. 8, 254, 12; do sprach er zu ir, daʒ si eweg ging
d. volksbücher 340, 35
Bachmann-Singer; wenn du zu viel gessen hast, so stehe auff, und gehe weg, und lege dich zur ruge
Sir. 31, 25.
in Nassau verhüllend für '
seine notdurft verrichten' Kehrein 440.
redensarten: weggehen wie ein begossener hahn Herberger
hertzpostilla 1
b, 29; weggehen wie die katze vom taubenschlag Göthe 13, i, 80; weggehen wie der reif vom zaune Körte 5040.
abweisendes geh weg!
jetzt vielfach auch nur als ausdruck des unglaubens oder der überraschung üblich: gehn sie weg! sie sind ein thor! sagte der andre Gutzkow
ritter vom geiste2 4, 273.
mit ethischem dat.: du, mit deinen braunen locken, geh' mir weg, verschmitzte dirne! Göthe 6, 209
Weim. ausg.; geht mir weg mit eurem groszen! Arndt
werke 5, 117; kopfhänger, geh' mir weg! wie kann den weg mir sagen zum licht, wer frei zum licht nicht darf den blick aufschlagen? Rückert
werke 8, 266.
auffordernd (
wie frz. allez): Cupido ist bedacht die männer zu verletzen ... geht wegk, seht euch wol für. Opitz
poem. 127
neudr. der substantivirte inf. ist häufig: das weckghen tut we Luther 29, 367, 12
Weim. ausg.; er vergiszt das weggehen Wander 4, 1858; nein! liebe herrn, denkt doch an's weggehn nicht. Göthe 9, 190 (
Romeo 331); beim weggehen konnte ich mich nicht enthalten sie zu umarmen J. Möser 3, 28; das mädchen sagte im weggehen ... O. Ludwig 2, 191; jetzt entschlosz ich mich und schickte mich an zum weggehen Göthe 45, 91. weggehen
kann auch das dauernde verlassen eines ortes oder einer stellung bezeichnen: von dem an giengen seine jünger viel hinder sich, und wandelten fort nicht mehr mit ihm. da sprach Jhesus zu den zwelffen, wolt ir auch weggehen?
Joh. 6, 67; so aber ein hausgenosz wegging (
aus der gemeinde) ohne wissen eines schultheiszen
weisth. 6, 96; dasz nachgehends solch übelgehaltenes und um ihren lohn betrogenes gesind weggehet v. Hohberg
Georgica 3, 53
b; welch ein schmunzeln ... dasz als Fries wegging, Hegel kam Voss
antisymbolik 2, 309; er that wohl von Rom wegzugehn Göthe 43, 76
Weim. ausg. für '
sterben': mensch, geniesze dein leben, als müssest morgen du weggehn. Herder 26, 14
Suphan. weggehen
mit localen best.: (
sie) in umb gotes willen bate, er wege von ir gienge
Decamerone 293
Keller; und er gieng weg von Elisa, und kam zu seinem herrn
2. kön. 8, 14; mein kammerdiener hat befehl, nicht eher von ihnen wegzugehen, bis er mir antwort bringt Rabener 3, 380; zurück! lasz nicht die schimmernde bahn dich verführen, weg vom ufer zu gehn! Klopstock
oden 1, 174, 54
Muncker. hinter der schule weggehen,
sie versäumen Rondeau;
übertragen: hinter einem dinge weggehen,
es nicht verlangen ebenda. über: die schöne dame richtete das fernrohr ... nach einer öden steinigen fläche, über welche der jagdzug weggehen muszte Göthe 18, 318; wir sind über hohe gebirgsgegenden einigemal weggegangen Tieck 6, 120;
übertragen: da er glaubte, der anschlag käm' vom papste, ging er leicht darüber weg Göthe 43, 376; gar flüchtig geht er über die groszen einrichtungen des reichtags von Worms im jahr 1495 weg Ranke 1, 346. unter: wer es vermeiden kann, unter ihrem fenster wegzugehen, der thut es Rabener 2 (1751) 255; wir waren wenige schritte unter der felsmauer weggegangen Schiller 4, 78. mit der hand weggehen,
die hand wegthun, aus Obersachsen Rüdiger 2, 128
und Posen Bernd 347
angeführt. 22)
auch die zeit geht weg, '
vergeht',
zustände gehen weg: in sölchem lust die zeit flohe und wege ginge
Decamerone 239
Keller; die zeit gehet weg, als wenn sie flügel hätte Spanutius 499; ein jahr geht bald weg Ludwig 2406; hierüber gieng ihnen mehr als die halbe nacht unvermerckt unter den händen weg v. Lohenstein
Arminius 2, 872
a; die drey tage ... sind uns insgesammt unter den händen weggegangen, dasz sie uns als drey kurtze augenblicke geschienen Ch. Thomasius
kleine teutsche schrifften (1707) 661; wie eine schlittenfahrt geht mein leben rasch weg und klingelnd und promenirend auf und ab Göthe
briefe 3, 1
Weim. ausg.; jugend, lust und schöne wangen stehn fast stündlich auf der flucht: sind die einmahl weggegangen, werden sie umsonst gesucht. Günther
ged. 325; die krankheiten kommen zu pferde und mit der post, gehen aber zu fusz und mit schneekenschritten wieder weg Schottel 1118.
erscheinungen in der natur gehen weg '
vorüber': die sonne ist schon weggegangen; über etwas: die flut geht drüber (
das schifflein) weg. Schiller 14, 280 (
Tell 1, 1).
örtlichkeiten gehen weg '
erstrecken sich in einer richtung' (
s. sp. 2936 Seume): Victor wendete seine augen nun gegen den freien platz, der vor dem düsteren hause wegging Stifter 3, 341. 33)
von concreten ist weggehen
namentlich auch '
weggeführt werden, abgehen': als der erste schnee wegging, ... kam der obrist in unsere gegend Stifter 2, 252;
excrementum, allerley unlust so von etwas weggehet
nomencl. lat.-germ. (1634) 63; von diesem ... brei bleibt bei den kindern wenig zurück, es geht ihnen alles wieder dünn weg Gutzkow 7, 210; an solche seiffen füret man die wasser, und sticht modt und werg drein, das gehet im schlam weg Mathesius
Sarepta 99
a; dardurch dann das golt gar leichtlicht ... in der trüb im wasser weggehet Ercker
beschr. aller mineral. ertzt 46
a.
bildlich: daʒ sein kleine sünde, sy gen mit dem geweichten wasser weg
Decamerone 25
Keller; werden sie denn von einer sunde ubereilet, so hats nicht not, es ghet mit ym vater unser weg Luther 32, 97, 17
Weim. ausg. überhaupt '
schwinden': ist es aber sache, dasz der wurm oder beule durch die haarseil und aderlassen nicht weggienge und geschwollen bliebe Böhme
roszartzney 13; das fleisch gehet mir von zähnen, von nägeln weg Krämer 1216; er aber habe ... das horn überrücke ausgegossen, wovon dem pferde, soweit es bespritzt worden, die haare weggegangen wären v. Lohenstein
Arminius 1, 94
b; die farb gehet weg Krämer 1216; dieser fleck wird so leichtlich nit weggehen
ebenda; machten sie sich schwarze ringe um die augen, und als sie solche grauenhafte erscheinung wieder dämpfen wollten, ging der rusz nicht weg Rosegger
schelm a. d. Alpen 2, 6. etwas geht weg '
wird aufgebraucht, vernichtet': in einem hui verderben seine (
Hiobs) kinder, es gehet weg sein haus, hof, vieh und rinder. Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 38; die (
goldenen rosen) muszte ich versetzen vor 50 thlr. ... welches geld zu einzeln bald wegging v. Schweinichen
denkw. 99; personen, die immer gelegenheit zu verschaffen wissen, dasz es (
das geld) geschwinder weggehe Göthe 21, 210; bei einem lüderlichen wandel gehen die lebensgeister weg Rondeau.
aber auch '
wird verkauft': die waare geht reiszend weg Adelung; drüben Schornheim, was damals zu einem sehr wohlfeilen preise wegging Tieck
nov. 10, 8; sollten bedeutende blätter ... um geringe preise weggehen, so sind sie mir willkommen Göthe
briefe 29, 22.
bildlich: es geht weg wie warme semmeln beim bäcker (
z. b. von heiratsfähigen töchtern) Wander 4, 1858; sie (
die gelehrten frauen) gehen unter andern leuten, als du bist, reiszend weg Lessing 1, 233 (
d. junge gel. 1, 6); den lachenden Abderiten und den weinenden Ephesier (
lasz kommen); denn die beyden müssen mit einander weggehen Wieland
Lucian 1, 378.
weggeiszeln: eil' hieher, auf dasz ich meinen muth in's ohr dir giesze; und alles weg mit tapfrer zunge geiszle, was von dem goldnen zirkel dich zurück drängt.
Shakespeare, Macbeth 1, 5. —
weggelangen: doch hiermit war das unheil nicht geendiget: weil man nirgend einiges fahrzeug bekommen konte von der insel wegzugelangen Dapper
America (1673) 56
b. —