weberstuhl,
m. das gestell, an dem der weber sitzt und arbeitet. der ausdruck, der horizontale spannung der fäden zur voraussetzung hat, kommt im 15.
jahrh. auf (
daneben webstuhl
s. d., das jetzt zur herrschaft gelangt ist)
und verdrängt ältere bezeichnungen wie webergezau, -gezeug, -zeug (
s. d.): Diefenbach
gl. 575
c telarium, weberstuol (
voc. rer.), 582
b textorium, woberstul,
auch 410
b panus, weberstul (
fehlt in den groszen wörterbüchern des 16.
jahrh.)
; machina textoria, weberstuel Zehner
ncl. 440; weberstul Hulsius 273
usw. bis Adelung (
bei Campe
nur verweis auf webstuhl);
auch dän. væverstol; mir der zettel nit vergebens an dem weberstuol bleib Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 99
b; kurtz darnach ward ich (
das garn) gewaschen, ... an weberstul gespannet, gewebet und zu einem feinen holländischen leinwad gemachet
Simpl. 2, 181, 9
Kurz; denn über disz ... müszen die fädeme ... von denen auf der seite des weberstules stehenden gehülffen gezogen werden v. Lohenstein
Arminius 2, 189
b; die weber den galgen stets vor augen haben (dann also nennen sie den weberstuhl) Abr. a S. Clara
etwas für alle 1, 499; so wie ein fabricirtes stück vom weberstuhle kommt, wird es dem Appenzeller feilträger zum verkauf anvertraut Nicolai
reise d. Deutschland 7, 52
beyl. IV, 7; sie saszen sonst tag und nacht, ..., er am weberstuhl, sie an der spindel Engel
schriften 3, 94; sie war auch eine geschickte weberin, und schnitt eben damals ein stück köstlicher leinwand vom weberstuhle, so fein wie battist Musäus
volksmährchen 1 (1804) 14; einem am weberstuhl sitzenden wohlgebildeten mädchen stockte das schiffchen in der hand, das just durch den zettel durchfahren sollte Göthe 25, i, 122
Weim. ausg.; das klappern und rasseln der weberstühle 41, ii, 51; geh' heim, Atilia, zu deinem weberstuhl. v. Collin
Regulus 42 (1, 10); in dem goldnen weberstuhle sitzet Apo, und die spule treibt er hin durch hell und dunkel. Brentano 3, 381.
in bildlichen wendungen: die lieblingsworte der Wolfischen schule, ihre eintheilungen waren schon wie grundfäden im weberstul gespannet Herder 32, 191
Suphan; wenn ich auf meinem weberstuhl sitze, und das übersetzerschifflein behend durch den zettel des originals laufen lasse Musäus
physiogn. reisen 2, 69; er bemerkte bald, dasz er nicht bemerkt wurde, sondern sich auf jeden seitenstuhl setzen konnte, und ihn zum weberstuhl seiner träume machen J. Paul
flegelj. 2, 41; wie die fäden eines weberstuhls flimmert und zittert das menschliche leben vor meinen augen Tieck 6, 321; der du an dem weberstuhle sitzest, unterrichtet, mit behenden gliedern fäden durch die fäden schlingest, alle durch den tactschlag aneinander drängest, du bist schöpfer, dasz die gottheit lächeln deiner arbeit musz und deinem fleisze. Göthe 13, i, 30
Weim. ausg.; dasz, wenn das werk (
das leben des webers) ist fertig, ihr sollt sagen: das ward gewirkt auf gottes weberstuhle. Rückert
werke 1, 30. —
weberthaler, m. frühere bezeichnung der österreichischen kupfermünzen, die obwohl 30
darauf stand, nur 6
kreuzer galten (
ein thaler in den augen der armen weber?) Wander 4, 1839. —