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wasserblase

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wasserblase f.

Bd. 27, Sp. 2368
wasserblase, f. 11) im wasser entstandene luftblase, bulla Diefenbach gl. 84b, nov. gl. 62a. Stieler u. s. w. 1@aa) wasserplasze, die im wasser erscheynen, so es regnet voc. theut. (1482) nn 3a; (Gargantua glaubt, es seien) die schlosen zuckererbsen, die wasserblasen laternen Garg. 199 Alsleben; es färbet sich von den begrünten rasen (des ufers) das schöne nichts der wasserblasen, die, wie der blitz, erscheinen und entstehn, und wieder, wie der blitz, zerplatzen und vergehn. Brockes 1, 32. mit oder ohne zusatz auch die seifenblase (hierher oben Garg.?, vgl. auch b): der ball, die küglichen, geseiffte wasserblasen ... ist ein unschuldig spiel. v. Lohenstein (1680) bd. 2, widm. zu Sophonisbe; (unterm mond) wanket alles immerdar, und wandelt sich, und spielt mit farben, mit wasserblasen wunderbar. Claudius 1/2, 129. seltener von dunstgebilden (dafür meist das dimin.): ist dann wasser an dem selben ort, so würstu wasserblasen finden in dem geschirr M. Herr feldbau 29a. 1@bb) in vergleichen. in einer redensart: da fuhr dieser (ärgerlich) auff als eine wasserblase im bade Ch. Weise erznarren 193 neudr. die wasserblase dient als beispiel für etwas haltloses: das wort gottes greift nicht an pfefferling, schwemgen oder wasserblasen, sondern die konigreich Luther 33, 629, 22 Weim. ausg. ihre hohlheit, nichtigkeit, vergänglichkeit wird, besonders gern im 16. jahrh., zu vergleichen benutzt, in neuerer zeit wird dafür seifenblase (s. d.) vorgezogen: ich bin es müd', auf klagen zu erwiedern, zahlloser, hohler als die wasserblasen beim wettergusz auf eines teiches spiegel. Raupach dram. werke ernster gattung 2, 231. vom menschen im allgemeinen und von einzelnen: was bin ich gegen gott? ein arme wasserblasen, die von yhr selbs zerbricht Luther 16, 434, 27 Weim. ausg.; der mensch ist wie ein wasserblasz S. Franck sprichw. 1, 52a; o wasserblas, venedisch glas, staub, schatten, asch und grünes gras, was denkstu doch in deinem sinn, das du so sicher gehst dahin? Ringwald christl. warnung (1590) M 6a; der lere halben ist mir niemand so gros, ich halte yhn fur eine wasserblasen und noch geringer Luther 23, 28, 13 Weim. ausg.; vgl. 23, 34, 10; Christus wird platz behalten, und uns für solchen wasserblasen und zornigen jünckerlein wol erretten C. Adler ein sehr nötige ermanung (1548) 71b; stehn bei den freunden wie die hasen und sind schlecht lehre wasserblasen. Waldis streitgedichte 31, 150 neudr. zuweilen wird auf körperliche aufgeschwemmtheit mit angespielt: der eyner ist furnemlich die wasserblasze N. (herzog Jörg), trotzt dem hymel mit yhrem hohen bauch Luther 10, ii, 55, 22 Weim. ausg.; waren des meisten theils bauchdiener und wasserblasen, und wüste greuel Mathesius Sarepta (1587) 78a. in besonderen fällen: anno 591 kam der gähe tod gen Rom und inn Welschlande, also daʒ die leut dahin fielen wie die wasserplaasen S. Franck chron. Germ. (Augsb. 1538) 285b. vom menschlichen leben: und menschenleben, muth und glück, felt so uhrplötzlich hinderrück, wie eine wasserblasz im regen. Rollenhagen Froschmeuseler E 7b (I, 1, 6); o wasserblase, leben, zerfleug nur bald! Hölty (1869) 84 Halm. von andern abstracten: drumb weret yhr ding sein zeyt, darnach vorschwind es wie ein wasserblaszen, wirt als were es nie geweszen Luther 7, 586, 29 Weim. ausg.; weil ich voraus sah, dasz diese grille wie eine wasserblase von selbst verschwinden würde Kretschmann werke 3, 201; sie (die personificationen) rühren nicht, sie täuschen nicht: sie zerspringen, wie wasserblasen Herder 3, 265 Suphan; witz ist eine kalte wasserblase die sich an der sonne färbet, und zerschnellt. Denis lieder Sineds 260, 16. sehr beliebt ist im 16. jahrh. die mit der doppelten bedeutung von lat. bulla spielende geringschätzige bezeichnung der päpstlichen bulle als wasserblase: (der papst) wil uns zwingen, das wir sein wasserplaszen mit gotlicher ehr empfahen Karlstadt von bepstlicher heylickeit (1520) E 3b; der plättelmeyr zu Rom leugt offentlich in seinen wasserblasen J. Locher eyn tzeytlang geschwigner christlicher bruder (1523) d 1a; achten nicht des babsts oder bischoffs bullen ... wann sye seind nichts dann wasserblosen Eberlin 2, 116 neudr.; wyr wollen aber gott von hertzen dancken, die wyr die warheyt erkennet, der bullen und wasserblosen los sind Luther 18, 256, 20 Weim. ausg. gelegentlich auch später: seine papistischen bullen oder wasserblasen Gundling satyr. schriften (1739) 215. wasserblasen 'seifenblasen' nachlaufen: so oft wir etwas begehren, fragen wir nicht ... den verstand ...; so eilen wir nach einer glänzenden wasserblase, welche inwendig faule luft verborgen hält Ch. Weise klügsten leute (1675) 233; sie laufen sich oft nach der wasserblase eines ehrenwörtgens und kleinen ruhms aus dem athem F. C. v. Moser der herr u. d. diener 260; die auf der brücke, welche die vorsehung über einen theil des abgrundes der ewigkeit geschlagen hat und die wir leben heiszen, gewissen wasserblasen nachlaufen Kant 10, 461. mit ihnen spielen: hier ist ausdruck der leidenschaft, die mit blitzen wie mit wasserblasen spielt! Klinger 8, 275. 22) im oder am menschlichen und thierischen körper. 2@aa) die harnblase Wiederhold dict. (Genf 1669) 408b. Rondeau. Höfler 46b, mundartlich elsasz-lothr. Martin-Lienhart 2, 165b. Follmann 532 (schon seit mhd. zeit ist hier das simplex das gewöhnliche). 2@bb) die das fruchtwasser enthaltende blase Plenk anfangsgründe der geburtsh.2 (1774) 81. Krafft landwirtschaftslex. 394b. Höfler 46b: die oft noch am kopf (des neugeborenen) haften bleibende weisze eihaut ... heiszt glückshübli ..., wasserblase E. H. Meyer bad. volksleben 18. 2@cc) krankhafte kleine geschwulst mit wässerigem inhalt Ryff confectbuch (1548) 283b, hydatis Steinbach 1, 119; an inneren körpertheilen, besonders bei wassersüchtigen. onomat. med. zergliederungsk. (1756) 805. Nemnich lex. nosol. Höfler 46b; an der äuszeren haut, z. b. bei verbrennungen Adelung; an den augenlidern. onomat. med. arzneywiss. (1772) 775; im gegensatz zur eiterblase, phyma Behrend nichtsyphil. hautkrankh. (1839) 5. bildlich: die spanische fliege der geldkrämerei ... wird den kindern schon von frühster jugend hinter's ohr gesetzt und musz ihnen die wasserblasen eitler hoffnungen ziehen Gutzkow (1872) 5, 90 (Blasedow 1). 33) wassergefäsz, zunächst blasenförmiges: wasserblasen mit verschiedenen farben gefärbt ... erschienen im rothen homogenen lichte völlig roth Göthe naturw. schriften 2, 205 Weim. ausg.; zum wasserwärmen Adelung, besonders das in einen herd oder ofen eingemauerte Rondeau. Helfft landbaukunst 403. Mothes baulex.3 4, 338b. 44) name von thieren. 4@aa) eine blasenschnecke des mittelmeers, bulla (haminea) hydatis Nemnich 1, 717. 4@bb) ein süszwasserpolyp, hydra hydatula L. Campe. 55) 'spitzname einer abstinentenverbindung' Basler studentensprache 50. (blase 'freie studentenverbindung'.)
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wasserblase

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Wasserblase , plur. die -n, Diminut. das Wasserbläschen. 1. Eine mit Wasser gefüllte Blase, an dem menschlichen Körp…

  2. modern
    Dialekt
    Wasserblase

    Bayerisches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    Wasserblase Band 2, Spalte 2,1043

  3. Sprichwörter
    Wasserblase

    Wander (Sprichwörter)

    Wasserblase Eine Wasserblase bedarf nicht viel zum zerspringen. – Parömiakon, 1119. [Zusätze und Ergänzungen] 2. Aus ein…

  4. Spezial
    Wasserblase

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Was|ser|bla|se f. (-,-n) bocora (-res) f. , flocora (-res) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wasserblase

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Ableitung von wasserblase

wasserblas + -e

wasserblase leitet sich vom Lemma wasserblas ab mit Suffix -e.

Zerlegung von wasserblase 2 Komponenten

wasser+blase

wasserblase setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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APA
Cotta, M. (2026). „wasserblase". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wasserblase/dwb?formid=W08234
MLA
Cotta, Marcel. „wasserblase". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wasserblase/dwb?formid=W08234. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „wasserblase". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wasserblase/dwb?formid=W08234.
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@misc{lautwandel_wasserblase_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
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  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
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