wasserblase,
f. 11)
im wasser entstandene luftblase, bulla Diefenbach
gl. 84
b,
nov. gl. 62
a. Stieler
u. s. w. 1@aa) wasserplasze, die im wasser erscheynen, so es regnet
voc. theut. (1482) nn 3
a; (
Gargantua glaubt, es seien) die schlosen zuckererbsen, die wasserblasen laternen
Garg. 199
Alsleben; es färbet sich von den begrünten rasen (
des ufers) das schöne nichts der wasserblasen, die, wie der blitz, erscheinen und entstehn, und wieder, wie der blitz, zerplatzen und vergehn. Brockes 1, 32.
mit oder ohne zusatz auch die seifenblase (
hierher oben Garg.?, vgl. auch b): der ball, die küglichen, geseiffte wasserblasen ... ist ein unschuldig spiel. v. Lohenstein (1680)
bd. 2,
widm. zu Sophonisbe; (
unterm mond) wanket alles immerdar, und wandelt sich, und spielt mit farben, mit wasserblasen wunderbar. Claudius 1/2, 129.
seltener von dunstgebilden (
dafür meist das dimin.): ist dann wasser an dem selben ort, so würstu wasserblasen finden in dem geschirr
M. Herr
feldbau 29
a. 1@bb)
in vergleichen. in einer redensart: da fuhr dieser (
ärgerlich) auff als eine wasserblase im bade Ch. Weise
erznarren 193
neudr. die wasserblase
dient als beispiel für etwas haltloses: das wort gottes greift nicht an pfefferling, schwemgen oder wasserblasen, sondern die konigreich Luther 33, 629, 22
Weim. ausg. ihre hohlheit, nichtigkeit, vergänglichkeit wird, besonders gern im 16.
jahrh., zu vergleichen benutzt, in neuerer zeit wird dafür seifenblase (
s. d.)
vorgezogen: ich bin es müd', auf klagen zu erwiedern, zahlloser, hohler als die wasserblasen beim wettergusz auf eines teiches spiegel. Raupach
dram. werke ernster gattung 2, 231.
vom menschen im allgemeinen und von einzelnen: was bin ich gegen gott? ein arme wasserblasen, die von yhr selbs zerbricht Luther 16, 434, 27
Weim. ausg.; der mensch ist wie ein wasserblasz S. Franck
sprichw. 1, 52
a; o wasserblas, venedisch glas, staub, schatten, asch und grünes gras, was denkstu doch in deinem sinn, das du so sicher gehst dahin? Ringwald
christl. warnung (1590) M 6
a; der lere halben ist mir niemand so gros, ich halte yhn fur eine wasserblasen und noch geringer Luther 23, 28, 13
Weim. ausg.; vgl. 23, 34, 10; Christus wird platz behalten, und uns für solchen wasserblasen und zornigen jünckerlein wol erretten C. Adler
ein sehr nötige ermanung (1548) 71
b; stehn bei den freunden wie die hasen und sind schlecht lehre wasserblasen. Waldis
streitgedichte 31, 150
neudr. zuweilen wird auf körperliche aufgeschwemmtheit mit angespielt: der eyner ist furnemlich die wasserblasze
N. (
herzog Jörg), trotzt dem hymel mit yhrem hohen bauch Luther 10, ii, 55, 22
Weim. ausg.; waren des meisten theils bauchdiener und wasserblasen, und wüste greuel Mathesius
Sarepta (1587) 78
a.
in besonderen fällen: anno 591 kam der gähe tod gen Rom und inn Welschlande, also daʒ die leut dahin fielen wie die wasserplaasen S. Franck
chron. Germ. (
Augsb. 1538) 285
b.
vom menschlichen leben: und menschenleben, muth und glück, felt so uhrplötzlich hinderrück, wie eine wasserblasz im regen. Rollenhagen
Froschmeuseler E 7
b (I, 1, 6); o wasserblase, leben, zerfleug nur bald! Hölty (1869) 84
Halm. von andern abstracten: drumb weret yhr ding sein zeyt, darnach vorschwind es wie ein wasserblaszen, wirt als were es nie geweszen Luther 7, 586, 29
Weim. ausg.; weil ich voraus sah, dasz diese grille wie eine wasserblase von selbst verschwinden würde Kretschmann
werke 3, 201; sie (
die personificationen) rühren nicht, sie täuschen nicht: sie zerspringen, wie wasserblasen Herder 3, 265
Suphan; witz ist eine kalte wasserblase die sich an der sonne färbet, und zerschnellt. Denis
lieder Sineds 260, 16.
sehr beliebt ist im 16.
jahrh. die mit der doppelten bedeutung von lat. bulla
spielende geringschätzige bezeichnung der päpstlichen bulle als wasserblase: (
der papst) wil uns zwingen, das wir sein wasserplaszen mit gotlicher ehr empfahen Karlstadt
von bepstlicher heylickeit (1520) E 3
b; der plättelmeyr zu Rom leugt offentlich in seinen wasserblasen J. Locher
eyn tzeytlang geschwigner christlicher bruder (1523) d 1
a; achten nicht des babsts oder bischoffs bullen ... wann sye seind nichts dann wasserblosen Eberlin 2, 116
neudr.; wyr wollen aber gott von hertzen dancken, die wyr die warheyt erkennet, der bullen und wasserblosen los sind Luther 18, 256, 20
Weim. ausg. gelegentlich auch später: seine papistischen bullen oder wasserblasen Gundling
satyr. schriften (1739) 215. wasserblasen '
seifenblasen' nachlaufen: so oft wir etwas begehren, fragen wir nicht ... den verstand ...; so eilen wir nach einer glänzenden wasserblase, welche inwendig faule luft verborgen hält Ch. Weise
klügsten leute (1675) 233; sie laufen sich oft nach der wasserblase eines ehrenwörtgens und kleinen ruhms aus dem athem
F. C. v. Moser
der herr u. d. diener 260; die auf der brücke, welche die vorsehung über einen theil des abgrundes der ewigkeit geschlagen hat und die wir leben heiszen, gewissen wasserblasen nachlaufen Kant 10, 461.
mit ihnen spielen: hier ist ausdruck der leidenschaft, die mit blitzen wie mit wasserblasen spielt! Klinger 8, 275. 22)
im oder am menschlichen und thierischen körper. 2@aa)
die harnblase Wiederhold
dict. (
Genf 1669) 408
b. Rondeau. Höfler 46
b,
mundartlich elsasz-lothr. Martin-Lienhart 2, 165
b. Follmann 532 (
schon seit mhd. zeit ist hier das simplex das gewöhnliche). 2@bb) die das fruchtwasser enthaltende blase Plenk
anfangsgründe der geburtsh.2 (1774) 81. Krafft
landwirtschaftslex. 394
b. Höfler 46
b: die oft noch am kopf (
des neugeborenen) haften bleibende weisze eihaut ... heiszt glückshübli ..., wasserblase E. H. Meyer
bad. volksleben 18. 2@cc)
krankhafte kleine geschwulst mit wässerigem inhalt Ryff
confectbuch (1548) 283
b,
hydatis Steinbach 1, 119;
an inneren körpertheilen, besonders bei wassersüchtigen. onomat. med. zergliederungsk. (1756) 805. Nemnich
lex. nosol. Höfler 46
b;
an der äuszeren haut, z. b. bei verbrennungen Adelung;
an den augenlidern. onomat. med. arzneywiss. (1772) 775;
im gegensatz zur eiterblase,
phyma Behrend
nichtsyphil. hautkrankh. (1839) 5.
bildlich: die spanische fliege der geldkrämerei ... wird den kindern schon von frühster jugend hinter's ohr gesetzt und musz ihnen die wasserblasen eitler hoffnungen ziehen Gutzkow (1872) 5, 90 (
Blasedow 1). 33)
wassergefäsz, zunächst blasenförmiges: wasserblasen mit verschiedenen farben gefärbt ... erschienen im rothen homogenen lichte völlig roth Göthe
naturw. schriften 2, 205
Weim. ausg.; zum wasserwärmen Adelung,
besonders das in einen herd oder ofen eingemauerte Rondeau. Helfft
landbaukunst 403. Mothes
baulex.3 4, 338
b. 44)
name von thieren. 4@aa)
eine blasenschnecke des mittelmeers, bulla (
haminea)
hydatis Nemnich 1, 717. 4@bb)
ein süszwasserpolyp, hydra hydatula L. Campe. 55) '
spitzname einer abstinentenverbindung'
Basler studentensprache 50. (blase '
freie studentenverbindung'.)