waldenbergen,
verb. sich ungesetzlich verhalten, gewaltthätigkeiten verüben. ein schwer zu erklärendes wort der älteren md. und nd. sprache, das im 15.
jahrh. auftritt: dy pfaffheit werit dem volg, daʒ sy uff deme kirchhove nicht louffin noch waldenbergen.
sächs. weichbildrecht 226, 28
Daniels u. Gruben; sie liffen vor daʒ rathus und hyben daʒ uff und haben doruff gewaldenbergit.
script. rer. Pruss. 4, 401 (1416); darumbe daʒ sie eyner armen frawen by nacht yn ir hs gelauffen syn unde darynne geunfuget haben unde gewaldenberget haben.
urkundenbuch v. Freiberg 3, 184, 31 (
anf. 15.
jahrh.); darumbe daʒ sie in dem frowenhuse gewaldinberget habin. 3, 237 (1446); esz ist in unserm furstenthum nicht herkommen, das das volk regiren sal, desz regirunge nerne bestand hat, sunder sie sollen underwysunge warten. wurden sich dorobbir eczliche huffen unde waldenbergen, desz wir uns nicht besorgen, so konnen wir wedderumb vil straffen.
cod. dipl. Saxoniae II, 6, 181, 11 (1470);
auch waldenborgen: her gibt em schult, dasz her yn seym husze, eigethum unde kuchene uff der borgk zu Herleke sulde gewalden borgit haben und sulle em syn knechte haben angegriffen.
Zeitzer copialb. 168
a (Bech
Germania 27, 185).
entsprechend nd. woldenbergen, woldebergen Schiller-Lübben 5, 761. Bech
knüpft an mhd. woldan
an (
zuerst bei Wolfram,
dann bei andren dichtern des 13.
jahrh. vorkommend),
angriff, kriegerischer vorstosz, streifzug, beutezug, zusammenrottung; Schmeller
2 2, 900
f. hat dies wort auf die interj. wol dan!
zurückgeführt und mit mlat. waldana, gualdana ('
dicimus praecedentes inordinate ante militum acies'),
ital. gualdana '
bewaffneter haufe, der beutezüge unternimmt'
in zusammenhang gebracht. das wort erscheint gern in verbindung mit verben: einen woldan tuon, machen, den woldan rîten, heben.
diesen verbindungen würde sich den woldan bergen
anschlieszen, wobei bergen
etwa in der bedeutung '
sich mit etwas tragen, im schilde führen'
zu nehmen wäre; subst. und verbum verschmolzen und im md. entwickelte sich durch anlehnung an gewalt
die form waldenbergen.
das wort scheint auch noch spuren in den jetzigen mundarten hinterlassen zu haben: hess. walenbergen '
von einem menschen, der sich in fieberhafter unruhe viel hin und her bewegt'. Pfister 328 (
Schwalm),
nd. wōlbargen,
saure handarbeit thun, sich mit beständiger arbeit abquälen. Richey 345.
brem. wb. 5, 284. Schütze 4, 373.
doch sind diese formen auch nicht zu trennen von nd. walballen,
schon im 16.
jahrh. walleballen Schiller-Lübben 5, 580,
geschäftig, unruhig sein, jetzt in Pommern Dähnert 536,
bei Mi 104 wallbalgen,
umherstreifen, sich im bett umherwerfen. vgl. auch thür. walbern '
umhergehen'. Hertel 253 (
von diesem auf wallfahrten
zurückgeführt).