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wätschker

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wätschker m.

Bd. 27, Sp. 2596
wätschger, wätschker, wätscher, m. mantelsack, anhängetasche, geldtasche. ein im 18. jahrh. veraltetes, nur dem schlesischen verbliebenes wort, das auf poln. wacek, čech. váček zurückgeht, denen aber das deutsche watsack zu grunde liegt. es tritt in zahlreichen formen auf; in der ersten silbe zeigt sich fast immer umlaut (das a der schlesischen formen geht darauf zurück), der zischlaut kommt bis ins 16. jahrh. auch noch als z, von da an ausschlieszlich als tsch vor; das k der zweiten silbe kann zu g erweicht werden oder ganz schwinden. die belege setzen in der 2. hälfte des 15. jahrh. ein (die bei Diefenbach gl. 53c ascopa, 347c mantica, 632b vulga angeführten reichen nicht über beginn des 16. jahrh. hinauf). 11) die ursprünglichsten formen zeigen auslautend einen vokal und haben eine nebenform des slav. wortes zur voraussetzung: eine watzka Grunau preusz. chronik 2, 452 Perlbach; watschko, cassidile, pera aucupis, escarius. voc. inc. teut. C 1b; der wetzscko chronik d. st. Elbogen 128 Schlesinger; ain lidrein wätschgo inventare aus Tirol u. Vorarlberg 72, 65 (1478) Zingerle; für ein newen watscho Tucher haushaltbuch 156 Loose; einen neser oder wetscho verhandl. über Thomas v. Absberg 43 Baader; in einer hand oder weczschkaw tragen H. v. d. Planitz berichte 402. zuweilen wird ein n-suffix angefügt: ein hantwerkman, der peutel und wetzkein macht Deichslers Nürnberger chronik, städtechr. 11, 577, 10; zuo Nürnberg der gut wetschken macht. Liliencron hist. volksl. 318, 139 (1519); hat ein wetzschken Luther 27, 385, 27 Weim. ausg.; hatt den (brief) ... yn einen waczken ... gelegt stadtbuch v. Posen 1, 304 Warschauer; bei Gryphius (s. u.) watschgen; jetzt lausitzisch watschken Anton (1830) 4; schles. watschke Weinhold 104; watschen Berndt 159; auch mnd. watschen: eyn togesloten waetzschen städtechr. 16, 541, 17 (Braunschweig 1504), dann zum fem. geworden weske, weczke, witzche Schiller-Lübben 5, 697; weseke Dähnert 548; darauf beruht schwed. väska, norw. væske, ält.n. vedske. am häufigsten ist (nach analogie von neser, almer, kober u. a. gerätenamen) -er angetreten: 1 schwartz sammet wetzkar Bothe Frankfurter patriziervermögen im 16. jahrh. 94; wetzker gemma 1507 nach Diefenbach gl. 347c mantica. Trochus S 4b; iglichem 1 wetzker vor 2 gr. chron. Islebiense 7 (1528) Gröszler; wezker Schade satiren 1, 168, 510; wetzker Agricola sprichw. 2 (1529) 112a. Mathesius Sarepta (1571) 50a. buch Weinsberg 4, 61 (1580); wetscker (als veraltet) Rädlein 1050; watschker Unger-Khull 613 (ält. sprache); wetzschker Luther 29, 499, 27 (wetschger 503, 30) Weim. ausg. tischreden 363b. 439b. Mathesius Syrach 3, 50a. Faber thesaurus (1587) 85b. codex Augusteus 2, 817 (1623); wätzschker Comenius janua (1644) 144; weczschker Schmeltzl verlorn. son 111b. noch jetzt schles. watschker zeitschr. f. d. mda. 1910, 203. Bernd Posen 346. mit g: wetzgar Senders Augsburger chronik, städtechr. 23, 149, var. zu z. 15; watzgher Gemeiner Regensburger chronik 3, 831 (15. jahrh.); wetsger verhandl. über Th. v. Absberg 43 Baader; wetzger quellen z. gesch. des bauernkriegs in Oberschwaben 33 Baumann. H. Sachs 13, 58, 1 Götze. Zimmerische chronik2 3, 518, 36. 4, 154, 8. die gewöhnlichste form ist wetschger oder wätschger; wetschger steht zuerst im lied auf die Sempacher schlacht (in der 2. hälfte des 15. jahrh. verfaszt): im wetschger warend zwo schalen. Liliencron hist. volksl. 1, 135 (34, 50) und wird verzeichnet bei Alberus dict. 13b capsula, ein wetschger; wätschger bei Dasypodius, Frisius, Maaler, Calepinus, Stieler, Steinbach; Ludwig und Rondeau geben die dialektische (schlesische) form watschger an, die auch Adelung aus 'einigen gemeinen obd. mundarten' noch kennt. auszerdem haben sich noch die formen wetscher, wätscher entwickelt, offenbar nach analogie der worte, die nach zischlaut mit und ohne guttural vorkommen (s. oben watschen): wetscher hat Keisersberg postill 1, 28. Wickram 6, 143, 4154 Bolte. Polydorus Vergilius v. Alpin 187b, verzeichnet bei Alberus a. a. o. (neben wetschger). Emmelius nomencl. 338. Frischlin nomencl. (1594) 320; wätscher glossar bei Diefenbach 496a reticulum und bei Krämer; wädscher Orsaeus nomencl. (Haag 1623) 203. besonders auf nd. gebiet: wettscher Grunau preusz. chron. 2, 715 Perlbach; wetzscher Kantzow chron. v. Pommern 383 Gäbel; wetscher Waldis Esopus 1, 184 und noch im 17. jahrh. bei Bucholtz Herkules (1676) 1, 369b. 567a und im 18. bei Veit Weber (Wächter). auch Kilian 666 führt wetscher als sächs.-fränk. form an. sie erscheint auch in technischen werken des 18. jahrh. neben wätschger. 22) wätschger kann ganz wie watsack gebraucht werden, wie es auch noch in den wörterbüchern des 18. jahrh. diesem wort gleichgesetzt wird: wir (die wölfe) haben zuom dickern mal ... den kaufleuten rosz und die groszen wetschger gefressen ... so haben die wetschger grosz eisern ring Schade satiren 2, 63, 10; wie der herr seinen heiligsten aposteln gepoten het, sie solten nit zwen röck oder ein wetscher (sacculum) tragen Polydorus Vergilius v. Alpin 187b; er, Ul, hat den geprauch, das er ain besondern wetschger liesz nachfieren; darin hat er weise vatzanetle, schlafhauben, scherdüecher und anders Zimmerische chron.2 3, 505, 8; soll er (der feldmesser) trei ... schuch von der ketten überig und hindersich inn seinem sack und wätschger oder eynem lüderinnen sack behalten Sebiz feldbau 472; die da ihre diebsacke, beutel und wetzschker alle voll gepropft im vorrath haben Mathesius Syrach 3, 50a; von allen andern nürnbergerischen gemain pfenberthen, als wätschger, taschen, aserpeutl, gürtel quellen z. gesch. d. stadt Wien 1, 5, 220 (1624); gefahr ... auf der heerstrasze von buschkleppern geplündert zu werden, denen ihre aufgedunsenen wetscher gar lieblich ins auge stachen Veit Weber sagen der vorzeit 3, 46. meist war es ein kleineres stück, das zur aufbewahrung von geld und kostbarkeiten diente: es hat uns unser junckherr ietz desz abts wetschger auch zu im gnommen, uns ist kein pfenning drausz zukommen. H. Sachs 21, 10, 24 Götze; sich zuo, in disem wetscher than hab ich das gelt. Wickram 6, 143, 4154 (Tobias 8, 3) Bolte; forne auf dem sack hengt eine watzka mit silber beschlagen, darin haben sie allerley muntze und ringelein Grunau preusz. chronik 2, 452 Perlbach; in diser aufrure hern Sebastian der wetzscko, dar inne sein gerechtickeit und gelt gehapt, dem jenigen, der yn gefuert, vonn pferd geruckt und verloren worden chronik der stadt Elbogen 128 Schlesinger; da ist ein kauffman geritten gen Franckfurt in die mesz, da ist im der wetschger von dem sattel empfallen, daryn waren acht hundert guldin Pauli schimpf u. ernst 86 Österley; dieselbigen verhielten den kaufman in der golnowischen heide und erlegten ine und nhamen ime den wetzscher vul gelts Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 383 Gäbel; er ... nam im sein daumenring und ain wetzgar, darin seine klainet lagen und des bunds brieff Senders Augsburger chronik, städtechr. 23, 149, var. zu zeile 15; henckte den wetschger mit dem geld am sattel Kirchhof wendunmuth 1, 529 Österley; so sind nun diese zween wetscher mit gepregetem golde ... gefüllet Bucholtz Herkules (1676) 1, 369b; fand sehr köstliche kleinot bey ihnen (den erschlagenen) in wetschern 1, 567a häufig erscheint wätschger als eine umhängetasche, die an der seite getragen wird: S. Christoff ... hat ein ... groszen wetzschker an der seiten Luther 29, 499, 27 Weim. ausg.; darnach folgte der Frantzosz, der hatte ein wetschker an der seiten tischreden 439b; und hab der knecht ... einen wetsger genomen, darinn bei 6 fl. gewesen, und ime die gürtel wider geben verhandl. über Thomas v. Absberg 43 Baader: ein kouffman ists on allen won; sichst nit, wie er ein wätschger treidt? schweiz. schausp. 1, 215, 831; darzuo trag auch zu allen zeiten ein groszen wetschger an der seiten, darin du tragst dein proviand, und drein vermauchest aller hand. Scheit Grobianus 517 neudr.; zwen wetschger im anhencken sönd. Wickram 6, 233, 7146; fürwar es ist ein kauffman, er tregt ein groszen weczschker an. Schmeltzl verlorn. son 121b. eine solche tasche war oft von feinerer ausführung (s. oben Grunau): ein wetzschker mit einem verzierten schlosz und schmeltzwerk codex Augusteus 2, 817 (1623). deshalb wurde sie auch von frauen als schmuckstück getragen: die muter kauft ir ein rok oder drei, zwen mentel, ein schwebisch schürz auch dabei, wezker, schwebisch erml, güldn gürtl, schnür und zopf. Schade satiren 1, 168, 510; denn über jene hoffart wöllen nun bürgerin und ire töchter auch güldene armring, sammete wetzker mit silbern schlossen, sammete paret füren Mathesius Sarepta (1571) 50a. das wort verblieb als 'geldbeutel' dem schlesischen Weinhold 104: iche ho a kasenappel vul alde thaler, unde an watschgen mit sechs fächern A. Gryphius lustsp. 312 Palm; pera quam foeminae gerunt Steinbach 2, 950; als 'beutel mit zuschnappendem metallbügel' auch bei Bernd 346 und Anton (1830) 4. im 18. jahrh. scheint der mehrfach angeführte ausdruck noch allgemeiner verbreitet gewesen zu sein: 'ein nach alter art gemachter beutel ... dessen sich sonderlich das frauenzimmer bedienet' Zedler 52, 513. im schles. lebt auch noch die bedeutung 'anhängetasche' Berndt 159: wie sie (die wirtschafterin) nur haben nach ihrem ledernen schlüsselwatschger (177 schlüsseltasche) gefühlt Holtei Chr. Lammfell 5, 182. in redensarten tritt das wort früher öfter auf: auff alln betrug verstündt (er) sich wol, und hett der list ein wetscher voll. Waldis Esopus 1, 184 (2, 21, 6) Kurz; ufs vaterland hants wenig acht, wie es gat, stats denen wol, so inen nun wirt der wätschger vol. badenfart guter gesellen 654 bei Bächtold Manuel s. 412; er helt hausz im wetschger (er hat nichts) S. Franck sprichw. 2, 23b; er sihet durch einen wetzker, das nichts drynnen bleybt (von strauchdieben) Agricola sprichw. 2 (1529) 112a; vom franzesischen gelt sagt er, man sölte wol gomen, der wetschger wäre vorhanden, darin der eidgnossen pluot stekte Anshelm Berner chronik 4, 445; er sprüszt sich wie ein katz im wetschger, zablet wie ein holzbetschger. N. Manuel 212, 13 Bächtold.
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    Neuhochdeutsch
    wätschkerm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

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Cotta, M. (2026). „waetschker". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 14. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/waetschker/dwb?formid=W09903
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Cotta, Marcel. „waetschker". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/waetschker/dwb?formid=W09903. Abgerufen 14. May 2026.
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Cotta, Marcel. „waetschker". lautwandel.de. Zugegriffen 14. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/waetschker/dwb?formid=W09903.
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