wätschger,
wätschker,
wätscher,
m. mantelsack, anhängetasche, geldtasche. ein im 18.
jahrh. veraltetes, nur dem schlesischen verbliebenes wort, das auf poln. wacek,
čech. váček
zurückgeht, denen aber das deutsche watsack
zu grunde liegt. es tritt in zahlreichen formen auf; in der ersten silbe zeigt sich fast immer umlaut (
das a
der schlesischen formen geht darauf zurück),
der zischlaut kommt bis ins 16.
jahrh. auch noch als z,
von da an ausschlieszlich als tsch
vor; das k
der zweiten silbe kann zu g
erweicht werden oder ganz schwinden. die belege setzen in der 2.
hälfte des 15.
jahrh. ein (
die bei Diefenbach
gl. 53
c ascopa, 347
c mantica, 632
b vulga angeführten reichen nicht über beginn des 16.
jahrh. hinauf). 11)
die ursprünglichsten formen zeigen auslautend einen vokal und haben eine nebenform des slav. wortes zur voraussetzung: eine watzka Grunau
preusz. chronik 2, 452
Perlbach; watschko,
cassidile, pera aucupis, escarius. voc. inc. teut. C 1
b; der wetzscko
chronik d. st. Elbogen 128
Schlesinger; ain lidrein wätschgo
inventare aus Tirol u. Vorarlberg 72, 65 (1478)
Zingerle; für ein newen watscho Tucher
haushaltbuch 156
Loose; einen neser oder wetscho
verhandl. über Thomas v. Absberg 43
Baader; in einer hand oder weczschkaw tragen H. v.
d. Planitz
berichte 402.
zuweilen wird ein n-
suffix angefügt: ein hantwerkman, der peutel und wetzkein macht Deichslers
Nürnberger chronik, städtechr. 11, 577, 10; zuo Nürnberg der gut wetschken macht. Liliencron
hist. volksl. 318, 139 (1519); hat ein wetzschken Luther 27, 385, 27
Weim. ausg.; hatt den (
brief) ... yn einen waczken ... gelegt
stadtbuch v. Posen 1, 304
Warschauer; bei Gryphius (
s. u.) watschgen;
jetzt lausitzisch watschken Anton (1830) 4;
schles. watschke Weinhold 104; watschen Berndt 159;
auch mnd. watschen: eyn togesloten waetzschen
städtechr. 16, 541, 17 (
Braunschweig 1504),
dann zum fem. geworden weske, weczke, witzche Schiller-Lübben 5, 697; weseke Dähnert 548;
darauf beruht schwed. väska,
norw. væske,
ält. dän. vedske.
am häufigsten ist (
nach analogie von neser, almer, kober
u. a. gerätenamen) -er
angetreten: 1 schwartz sammet wetzkar Bothe
Frankfurter patriziervermögen im 16.
jahrh. 94; wetzker
gemma 1507
nach Diefenbach
gl. 347
c mantica. Trochus S 4
b; iglichem 1 wetzker vor 2
gr. chron. Islebiense 7 (1528)
Gröszler; wezker Schade
satiren 1, 168, 510; wetzker Agricola
sprichw. 2 (1529) 112
a. Mathesius
Sarepta (1571) 50
a.
buch Weinsberg 4, 61 (1580); wetscker (
als veraltet) Rädlein 1050; watschker Unger-Khull 613 (
ält. sprache); wetzschker Luther 29, 499, 27 (wetschger 503, 30)
Weim. ausg. tischreden 363
b. 439
b. Mathesius
Syrach 3, 50
a. Faber
thesaurus (1587) 85
b.
codex Augusteus 2, 817 (1623); wätzschker Comenius
janua (1644) 144; weczschker Schmeltzl
verlorn. son 111
b.
noch jetzt schles. watschker
zeitschr. f. d. mda. 1910, 203. Bernd
Posen 346.
mit g: wetzgar Senders
Augsburger chronik, städtechr. 23, 149,
var. zu z. 15; watzgher Gemeiner
Regensburger chronik 3, 831 (15.
jahrh.); wetsger
verhandl. über Th. v. Absberg 43
Baader; wetzger
quellen z. gesch. des bauernkriegs in Oberschwaben 33
Baumann. H. Sachs 13, 58, 1
Götze. Zimmerische chronik2 3, 518, 36. 4, 154, 8.
die gewöhnlichste form ist wetschger
oder wätschger; wetschger
steht zuerst im lied auf die Sempacher schlacht (
in der 2.
hälfte des 15.
jahrh. verfaszt): im wetschger warend zwo schalen. Liliencron
hist. volksl. 1, 135 (34, 50)
und wird verzeichnet bei Alberus
dict. 13
b capsula, ein wetschger; wätschger
bei Dasypodius, Frisius, Maaler, Calepinus, Stieler, Steinbach; Ludwig
und Rondeau
geben die dialektische (
schlesische)
form watschger
an, die auch Adelung
aus '
einigen gemeinen obd. mundarten'
noch kennt. auszerdem haben sich noch die formen wetscher, wätscher
entwickelt, offenbar nach analogie der worte, die nach zischlaut mit und ohne guttural vorkommen (
s. oben watschen): wetscher
hat Keisersberg
postill 1, 28. Wickram 6, 143, 4154
Bolte. Polydorus Vergilius v. Alpin 187
b,
verzeichnet bei Alberus
a. a. o. (
neben wetschger). Emmelius
nomencl. 338. Frischlin
nomencl. (1594) 320; wätscher
glossar bei Diefenbach 496
a reticulum und bei Krämer; wädscher Orsaeus
nomencl. (
Haag 1623) 203.
besonders auf nd. gebiet: wettscher Grunau
preusz. chron. 2, 715
Perlbach; wetzscher Kantzow
chron. v. Pommern 383
Gäbel; wetscher Waldis
Esopus 1, 184
und noch im 17.
jahrh. bei Bucholtz
Herkules (1676) 1, 369
b. 567
a und im 18.
bei Veit Weber (Wächter).
auch Kilian 666
führt wetscher
als sächs.-fränk. form an. sie erscheint auch in technischen werken des 18.
jahrh. neben wätschger. 22) wätschger
kann ganz wie watsack
gebraucht werden, wie es auch noch in den wörterbüchern des 18.
jahrh. diesem wort gleichgesetzt wird: wir (
die wölfe) haben zuom dickern mal ... den kaufleuten rosz und die groszen wetschger gefressen ... so haben die wetschger grosz eisern ring Schade
satiren 2, 63, 10; wie der herr seinen heiligsten aposteln gepoten het, sie solten nit zwen röck oder ein wetscher (
sacculum) tragen
Polydorus Vergilius v. Alpin 187
b; er, Ul, hat den geprauch, das er ain besondern wetschger liesz nachfieren; darin hat er weise vatzanetle, schlafhauben, scherdüecher und anders
Zimmerische chron.2 3, 505, 8; soll er (
der feldmesser) trei ... schuch von der ketten überig und hindersich inn seinem sack und wätschger oder eynem lüderinnen sack behalten Sebiz
feldbau 472; die da ihre diebsacke, beutel und wetzschker alle voll gepropft im vorrath haben Mathesius
Syrach 3, 50
a; von allen andern nürnbergerischen gemain pfenberthen, als wätschger, taschen, aserpeutl, gürtel
quellen z. gesch. d. stadt Wien 1, 5, 220 (1624); gefahr ... auf der heerstrasze von buschkleppern geplündert zu werden, denen ihre aufgedunsenen wetscher gar lieblich ins auge stachen Veit Weber
sagen der vorzeit 3, 46.
meist war es ein kleineres stück, das zur aufbewahrung von geld und kostbarkeiten diente: es hat uns unser junckherr ietz desz abts wetschger auch zu im gnommen, uns ist kein pfenning drausz zukommen. H. Sachs 21, 10, 24
Götze; sich zuo, in disem wetscher than hab ich das gelt. Wickram 6, 143, 4154 (
Tobias 8, 3)
Bolte; forne auf dem sack hengt eine watzka mit silber beschlagen, darin haben sie allerley muntze und ringelein Grunau
preusz. chronik 2, 452
Perlbach; in diser aufrure hern Sebastian der wetzscko, dar inne sein gerechtickeit und gelt gehapt, dem jenigen, der yn gefuert, vonn pferd geruckt und verloren worden
chronik der stadt Elbogen 128
Schlesinger; da ist ein kauffman geritten gen Franckfurt in die mesz, da ist im der wetschger von dem sattel empfallen, daryn waren acht hundert guldin Pauli
schimpf u. ernst 86
Österley; dieselbigen verhielten den kaufman in der golnowischen heide und erlegten ine und nhamen ime den wetzscher vul gelts Kantzow
chronik v. Pommern (
letzte bearb.) 383
Gäbel; er ... nam im sein daumenring und ain wetzgar, darin seine klainet lagen und des bunds brieff Senders
Augsburger chronik, städtechr. 23, 149,
var. zu zeile 15; henckte den wetschger mit dem geld am sattel Kirchhof
wendunmuth 1, 529
Österley; so sind nun diese zween wetscher mit gepregetem golde ... gefüllet Bucholtz
Herkules (1676) 1, 369
b; fand sehr köstliche kleinot bey ihnen (
den erschlagenen) in wetschern 1, 567
a häufig erscheint wätschger
als eine umhängetasche, die an der seite getragen wird: S. Christoff ... hat ein ... groszen wetzschker an der seiten Luther 29, 499, 27
Weim. ausg.; darnach folgte der Frantzosz, der hatte ein wetschker an der seiten
tischreden 439
b; und hab der knecht ... einen wetsger genomen, darinn bei 6 fl. gewesen, und ime die gürtel wider geben
verhandl. über Thomas v. Absberg 43
Baader: ein kouffman ists on allen won; sichst nit, wie er ein wätschger treidt?
schweiz. schausp. 1, 215, 831; darzuo trag auch zu allen zeiten ein groszen wetschger an der seiten, darin du tragst dein proviand, und drein vermauchest aller hand. Scheit
Grobianus 517
neudr.; zwen wetschger im anhencken sö
nd. Wickram 6, 233, 7146; fürwar es ist ein kauffman, er tregt ein groszen weczschker
an. Schmeltzl
verlorn. son 121
b.
eine solche tasche war oft von feinerer ausführung (
s. oben Grunau): ein wetzschker mit einem verzierten schlosz und schmeltzwerk
codex Augusteus 2, 817 (1623).
deshalb wurde sie auch von frauen als schmuckstück getragen: die muter kauft ir ein rok oder drei, zwen mentel, ein schwebisch schürz auch dabei, wezker, schwebisch erml, güldn gürtl, schnür und zopf. Schade
satiren 1, 168, 510; denn über jene hoffart wöllen nun bürgerin und ire töchter auch güldene armring, sammete wetzker mit silbern schlossen, sammete paret füren Mathesius
Sarepta (1571) 50
a.
das wort verblieb als '
geldbeutel'
dem schlesischen Weinhold 104: iche ho a kasenappel vul alde thaler, unde an watschgen mit sechs fächern A. Gryphius
lustsp. 312
Palm; pera quam foeminae gerunt Steinbach 2, 950;
als '
beutel mit zuschnappendem metallbügel'
auch bei Bernd 346
und Anton (1830) 4.
im 18.
jahrh. scheint der mehrfach angeführte ausdruck noch allgemeiner verbreitet gewesen zu sein: '
ein nach alter art gemachter beutel ... dessen sich sonderlich das frauenzimmer bedienet' Zedler 52, 513.
im schles. lebt auch noch die bedeutung '
anhängetasche' Berndt 159: wie sie (
die wirtschafterin) nur haben nach ihrem ledernen schlüsselwatschger (177 schlüsseltasche) gefühlt Holtei
Chr. Lammfell 5, 182.
in redensarten tritt das wort früher öfter auf: auff alln betrug verstündt (
er) sich wol, und hett der list ein wetscher voll. Waldis
Esopus 1, 184 (2, 21, 6)
Kurz; ufs vaterland hants wenig acht, wie es gat, stats denen wol, so inen nun wirt der wätschger vol.
badenfart guter gesellen 654
bei Bächtold
Manuel s. 412; er helt hausz im wetschger (
er hat nichts) S. Franck
sprichw. 2, 23
b; er sihet durch einen wetzker, das nichts drynnen bleybt (
von strauchdieben) Agricola
sprichw. 2 (1529) 112
a; vom franzesischen gelt sagt er, man sölte wol gomen, der wetschger wäre vorhanden, darin der eidgnossen pluot stekte Anshelm
Berner chronik 4, 445; er sprüszt sich wie ein katz im wetschger, zablet wie ein holzbetschger.
N. Manuel 212, 13
Bächtold.