wätlich,
adj. u. adv. schön im äuszern oder im benehmen, angemessen. ein schwieriges wort, im mhd. reich entwickelt, noch jetzt in obd. mundarten lebend. 11)
ahd. wâtlîh (
bei Notker wâllich) '
formosus, venustus'
kann nur ableitung von wât '
kleid'
sein, also eigentlich '
mit kleidern geschmückt', '
stattlich im auftreten'.
es gilt das als zeichen des vornehmen mannes, unwâtlîh
steht in glossen für '
lixa, vilis, vulgus'.
so auch im mhd., wo wætlîch
auf die erscheinung im allgemeinen geht und als schmückendes beiwort beliebt ist: du bist ein wêtlîcher man.
könig Rother 310; sô enwas iuwer man weder sô edel noch sô rîch, sô starc noch sô wætlîch, noch sô ahtebære. Hartm. v. Aue
Erec 6245; dô sprach diu vrowe Prünhilt'swie wætlich sî dîn man, swie biderbe und swie schœne,sô soltu vor im lân Gunther den recken,den edeln bruoder dî
n. Nibel. 761, 1. wætlîcher lîp
Erec 3759.
Gregorius 2910, wâlliche lide Notker 1, 177, 15
Piper. als adv.: und (
er) sach engegen im gân sehs knappen wætlîche: zî zæmen wol dem rîche von aller ir getât an ir lîbe und an ir wât. Hartm. v. Aue
Iwein 4375.
später konnte sich (
wie bei wähe
s. d.)
ein tadelnder nebensinn entwickeln: der ist ein narr, der wätlich auff der gassen gat und waist das er nüntz da haimet hat
quelle des 15.
jahrh. bei Schmeller 2, 1046.
auf die lebensweise bezogen: diu nunde (
sünde) ist ze wetlich eʒʒen, diu zehende ist ze girlich eʒʒen
beichtbuch bei Scherz Oberlin 2003.
jetzt österr. watlich '
schön' Loritza 141;
schweiz. '
gut und stark gebaut, von thieren und menschen' Hunziker 302. 22)
weiter ist es '
von gutem, schicklichem benehmen'
: bei Notker 1, 727, 17
Piper wallicho
im gegensatz zu loterlicho; dô sach man die gelieben stân edelen kinden wol gelich; frümic unde wætlich wârens an allen ir gebâren. K. Fleck
Flore und Blanscheflur 6968;
ethicorum (
liber), das puch von den wetlichen syten Diefenbach
gl. 211
b.
als adv.: Joseph der hatte weteliche den ochsen und dem esele ... gemachet ein krippe bime gasthuose
predigten des 14.
jahrh. 49, 19
Leyser. noch jetzt schweiz. '
artig, fein im betragen' Stalder 2, 427,
dann auch '
anstellig, geschickt etwas zu unternehmen' (d'sach watlich agryfe,
rem rite aggredi Frommann 4, 148
aus Bern).
im mhd. ferner von dingen '
angemessen': so enist dir niht wætlich, wan lâ varn und hebe dich mit dînn geverten hinnen, ê dîn ieman werd innen. daʒ dunkel mich sêre guot. K. Fleck
Flore und Blanscheflur 3761; daʒ dunket mich nû wætlîch.
klage 1250.
mit dat. auch '
zukommend': dâ michel golt unde schatz wætlich was vil manegem man. U. v. Zatzikhoven
Lanzelet 8345.
auch das hat in jetzigen mundarten spuren hinterlassen: schweiz. '
passend (
von einem kleid),
handlich (
von einem werkzeug)',
als adv. '
ordentlich, viel, gehörig'
; kärntn. wâtla '
hinlänglich, genug', 's ist wâtla z'essen dâ,
auch ã wâtlans essen Lexer 251. 33)
eine weitere mhd. bedeutung (Lachmann
zu den Nib. 34, 1,
zur klage 1250,
zum Iwein 1191)
erklärt sich wol aus '
sich zur handlung fügend, dieselbe den umständen nach möglich machend',
dann '
wahrscheinlich' (
in den hss., weil bald unverstanden, oft entstellt): iʒ ist vil watlich du getruobest alleʒ romische riche. von dir scol michel übel chom. Konrad
Rolandslied 111, 11; ouch truoc sî im bedaht einen willen dem gelîch daʒʒ wære wætlîch, und het eʒ nieman gesehen, daʒ dâ wære geschehen ein vil friuntlîcheʒ spil. Hartm. v. Aue
Erec 1853: si gewunnen also groʒe schar, das sie des haten guoten wan, in mOehte nieman widerstan, und was ǒch das vil wætlich. R. v. Ems
Willehalm 10861
Junk; ich wæne wol und dunket mich, unde ist ouch vil wætlich, daʒ hie gesezzes niht geschiht.
Biterolf u. Dietleib 7328
Jänicke. besonders häufig ist das adv., das in seinem gebrauch sich unserm schon (
s. d. th. 9, 1460
f.)
vergleicht. es weist zunächst auf ein gehöriges, zweckentsprechendes handeln hin, so dasz erfolg zu erwarten ist, darum dann '
vermutlich, wahrscheinlich'
oder auch nur bekräftigend '
sicherlich'.
zunächst wol von gegenwärtigem oder zukünftigem: ouch hân ich in den muot gesat, daʒ ich wætlîch werde wert swes ein man von rehte gert. Hartm. v. Aue
büchlein 1471; ich leit in slâfe alsölhen pîn, daʒ mir wachende arbeit noch hiute wætlîch ist bereit. W. v. Eschenbach
Parzival 246, 10; wilt dû dich mit unrehte bieten ze vehte, daʒ gât dir wætlîch an daʒ leben. G. v. Straszburg
Tristan 11329; hobeschlich tanzen, vrœlîch singen was bî niuwen zîten wert, daʒ wil wætlich man verdringen, sô daʒ man eʒ ze nihte gert.
minnesinger 3, 325
b (U. v. Singenberg).
gern in negativen sätzen: si wurden alle sô gewert dêʒ wætlîch nimmer mêre ergât. Hartm. v. Aue
Erec 2181; unt pflac sî grôʒer tugendedaʒ wætlich nimmer mêr ergê.
Nibel. 1272, 4.
dann auch von vergangenem, wo es das gesagte bekräftigt oder durch '
schon, bereits'
zu geben ist: lieber ougenweideder künic hie gewan, dann er in langen zîtenwætlich ie gesæhe.
Kudrun 476, 3; zwô widerkêre und wætlîch dannoch mêre stritens durch der vînde schar.
Dietrichs flucht 8348
Martin; wætlich man uns dô wîchen sach. U. v. Lichtenstein 313, 12.
zuletzt begegnet das wort bei H. v. Montfort,
wo weltlich
steht: als lieb zergat mit leid weltlich uf diser erden. 3, 18
Wackernell; so ist mir min muot gesunken und gât das weltlich nicht me dar. 37, 38.
im kärntn. kann wâtla
auch noch zur bekräftigung dienen '
wahrlich' Lexer
a. a. o.