wänglein,
n. ,
diminutiv von wange. 11)
kosende bezeichnung der gesichtsseite: mala, wenglin
vel becklin Diefenbach
gl. 344
a; das wängelein,
buccula Stieler 2503.
das wort ist mhd. besonders im oberdeutschen gebräuchlich (
daneben steht wengel,
s.wängel),
es kommt vereinzelt aber auch im md. (
z. b. im Alsfelder passionsspiele)
vor; auch im nhd. überwiegen wie bei allen diminutiven auf -lein
die oberdeutschen belege, doch hat das wort (
z. th. unter einflusz des altd.)
in der litteratur weitere ausdehnung gewonnen; für den gebrauch des wortes ist es nicht ohne einflusz, dasz wie bei auge
ein diminutiv auf -chen
nur in der längeren form auf -elchen
zur verfügung steht (
in der umgangssprache sagt man bäckchen).
die wahl zwischen den formen wängelein
und wänglein
wird häufig nur durch das versmasz bestimmt. wänglein
werden besonders die wangen junger mädchen, der geliebten, auch der kinder (
s. u. v. Löben, Keller),
selten die eines jünglings (Wieland 9, 205)
genannt; durch die archaisirende verwendung geht die kosende bedeutung leicht in eine tändelnde, spielende über, bei älteren personen verwandt klingt das wort ironisch (
s. u. Thoma): zwo lefse stant ir wengelinen baʒ, die hat si doch ze stiure, wem si lachet.
minnesinger 2, 32
a Hagen; dâ mohte man wol sehen manic wenglîn brehen und manigen munt, der dâ glaste. Ottokar
reimchr. 68008
Seemüller; ir har, ir mund, ir wenglin vein, ir euglin klar als der rubein. O. v. Wolkenstein 2, 21
Schatz; min hobscheit wel ich lan, dar in ich mich gepriset han. vorworffen sin augen und wengelinn, die dick wollen hobsche sinn!
Alsfelder passionsspiel 2026; owe chinddein wänglein sind dir also gar erplichen.
Erlauer spiele 6, 237
Kummer; mit zähern wurden ire wänglin nas. Hätzlerin
liederbuch 23 (19, 43); zway rote wenglein thu ich kund, die dritte (
rose) ein rosenfarben mundt. H. Sachs
fab. u. schw. 1, 59
Götze; sobaldt sie unser wart gewar, ir wenglin wurden rosenfar. Wickram 8, 205, 296
Bolte; wie das es (
das antlitz beim blasen der pfeife) sey entstellet gar ... und ihr naszlöchlein zuo weit offen, ihr wänglein zuo hoch auffgeloffen und mit röte zuo viel vermischt. Fischart
werke 1, 362 (
lob der lauten v. 276)
Hauffen; ihr eugelein die sind klare, ihr wenglein sind liligenfarbe.
bergreihen 34, 6
neudr.; so küsz ich nu dein wängelein. Weckherlin 2, 384
Fischer; die röte war verflossen der zarten wängelein. Zinkgref
auserles. gedichte 49
neudr.; gantz lieblich ist dein mundlein roth, dein wängelein bringen mich in noth.
Venusgärtlein 149
neudr.; zu saugen sie (
die bienen) da kommen die weiche wänglein dein. Spee
trutz-nachtigall (1649) 77,
str. 6, 4; zwey sterne seine äuglein schienen, und seine wängelein rubinen. Wieland 9, 205 (
Sixt u. Klärchen 2); ist eine, die so lieben mund, liebrunde wänglein hat? Göthe 1, 18
Weim. ausg.; ich küsse deine wänglein roth. 5, 41; und hinter solcher wänglein rosen fürcht' ich doch auch metamorphosen. 15, 143 (
Faust II, 7758); aber die rosige farbe der wängelein ist ... wohl nur wiederschein vom rosigen futter des strohhuts. Voss
ged. (1802) 2, 237; wie glänzen so die wänglein roth, wie weisz die arme dir! Uhland
ged.2 204; die wänglein süsz, die äuglein mild, ein blondgelocktes heil'genbild. Heine 1, 14
Elster; o schau, wie um ihr wängelein ein träumendes lächeln bebt. A. v. Droste-Hülshoff 3, 421
Kreiten; die wänglein rot, die äuglein blau. O. Ludwig 1, 33; ir nase ... tett die rosenfarwen wenglin mit glycher mensure und mǎsse underschaiden
N. von Wyle
translationen 22, 38
Keller; ich berüre allen rainen wyben ... iere wenglin mit süszen küszen Steinhöwel
Äsop 131
Österley; sie hett lang goldgelb haar ... rosenblsame wängelin Fischart
Garg. 112
neudr.; mit ihrem schönen und rubinroten mund kusset auff sein wänglein Schumann
nachtbüchlein 99
Bolte; solte dir aber belieblich seyn ..., die lächlende wängelein mit trähnen und das liebesgesäusel in seufzen zu verenden (
l.: verendern?) Schottel
friedens sieg 20
neudr.; etwa weil ich ... gern hübscher dirnen wänglein zwicke par occasion? Fr. Müller 2, 179; das kleine mädchen hatte sich rothe wänglein geschlafen v. Löben (Isidorus orientalis)
Guido (1808) 228; es war ein wunderhübsches burschchen mit rosenroten wänglein G. Keller 1, 313; augen und wänglein blühten wie vergiszmeinnicht und rosen im sonnenschein 3, 118; er ... ging vor aller welt mit rosigen wänglein und runden waden spazieren L. Thoma
kleinstadtgeschichten 120;
sprichwörtlich: das wenglein weisz, das mündlein roth, bringt manche jungfraw in grosze noth. Petri 2, 71. 22)
bei H. v. Neustadt
steht das wort einmal für '
mädchen, frau' (
wie mhd. in gleicher bedeutung rôter munt
gebraucht wird, z. b. von demselben dichter Apoll. 2049,
vgl. auch wange II, 14): nu sich an ditz schones (
var.: dy schönen) kint, di her zu were komen sint. du sihest da manig wanglin rot, die dein hant von grosser not hat erloset, werder man.
Apollonius 5797
Singer. 33) wänglein
in den glossaren als übersetzung von maxilla (
eigentlich '
kinnbacken')
ist wol nur auf die diminutivendung -illa
zurückzuführen: mala, wang,
maxilla, wengli
voc. opt. 10
b Wackernagel (= Diefenbach
gl. 352
b);
maxilla, wänglin Diefenbach
nov. gl. 243
b. 44)
gerundete seite einer frucht: wenn der haber bleichte, ... dann färbten sich die haselnüsse mit braunen, oder rosenfarbenen wänglein Stifter
werke (1901
f.) 5, 1, 267.