währhaftig,
adj. dauerhaft, weiterbildung von währhaft,
in gleicher anwendung. das im 14.
jahrh. auftretende wort wird noch im 16.
und 17.
jahrh. nicht selten (
auch von Luther,
doch nicht in der bibel)
gebraucht, veraltet aber dann völlig. in älteren glossaren und wörterbüchern mehrfach erwähnt: werhafftiger,
durabilis, durativus. voc. theut. (
Nürnb. 1482) mm 8
a;
durativum, werhafftig das do wert, das do bliblich ist.
voc. praed. H 9
a; werhafftig sein,
annare, perennare, durare. Dasypodius 457
c;
aeterno, ich mach weerhafftig, ewig. Alberus
dict. uu 2
a; wärhafftig, das da wäret und bleibet,
durabilis, constans. Emmelius
sylva Oo 8
b; dauren, wären, wärhafftig sein,
durare. Henisch 665, 15; wärhaft, wärhaftig, wärend
et wäricht,
constans, durabilis, incorruptus. Stieler 2417; wärhafftig,
durabile, de durée. Rädlein 1029; währhafftiger als ertz,
perennius aere. Kirsch 2, 378; währhaftig (
dasselbe wie währhafft) Steinbach 2, 939. Frisch
und Adelung
führen die längere form nicht mehr an. das wort findet sich auch im älteren ndl.: duyrechtich, werechtich, onvergencklich,
durabilis. Teuthonista 31; weerachtig,
durabilis. Kilian 659.
im nd. kommt (
zu wahren,
nd. form von währen) warhaftich, waraftich
vor. Lübben
handwb. 555; Diefenbach
gl. 192
c,
nov. gl. 142
b durabilis, warhaftich.
die form warachtich
ist auch in die neueren nord. sprachen gedrungen: dän. varagtig,
schwed. varaktig,
dauerhaft, beständig, nachhaltig. 11)
auch währhaftig
wird überwiegend von concreten gebraucht. 1@aa)
von stoffen, besonders holz: daʒ hirn ist niht ain überflüʒʒikait in dem menschen, sam die gerben sint, die von dem menschen koment, noch ist von starken werhaftigen stücken. K. v. Megenberg 6, 21; das eychenholtz ist werhafftig und starck, doch mer under dann oberhalb der erden. Ryff
lustgarten der gesundheit (1546) 8
b; was von stecken und karch geschirr darausz (
aus hartriegel) gemacht würt, das ist werhafftig, zerreiszt und bricht nicht bald. Bock
kräuterb. (1595) 371; dieweil es (
cedernholz) so ein hart werhafftig holtz ist, hat der könig Salomon den tempel gottes damit bauwen lassen. Tabernaemontanus
kräuterb. (1664) 1352;
nulli ligno aeternior est natura, es ist kein wehrhafftiger holtz. Alberus
dict. uu 2
a; man soll auch, wo immer miglich, die kändl und rehr zu gueten, bequemen won (
l. wedel?) schlagen, auf das des holz desto werhaftiger sei.
österreich. weisth. 4, 317, 38 (
Tirol 17
jh.). 1@bb)
von gebäuden und andren menschlichen arbeiten: ein wehrhafft, wehrhafftig oder daurhafftig gebäu,
a strong and durable building. Ludwig 2416; disse kirch, das gmüher auszgnommen, het neit werhaftigs mehr. Hedio
chronica der christl. kirchen (1530) 95
a; so wölt er ander rörbrunnen machen, die kostlich, nutz und guet weren und auch warhaftig. Zinks
Augsburger chron., städtechron. 5, 154, 18; der werhafftigen, bestendigen und kiffern rören hiemit gedencken. Mathesius
historie d. Luthers 10, 33
Lösche. 1@cc)
von pflanzen, haltbar, nicht empfindlich: myrtus ... hat schmal und viel bletter, ist aber nicht werhaftig. Luther 23, 510, 12
Weim. ausg.; solche (
vom samen gezogene) rebengewächsz sein bei weitem nicht so wärhafftig wie die andern. Sebiz
feldbau (1580) 507. 1@dd)
von früchten, korn, wein, speisen, haltbar, nicht leicht verderbend: und irer jeder sol jeglichs jar ainen baum ... pflantzen von gutem werhafftigem obsz.
rechnungsbuch der kellerei Remigsberg bei Scherz-Oberlin 1992; es ist kein werhaftige frucht, sie bleibt nit ... sie fulet glich von stund
an. Keisersberg
vom menschl. baum 56
a bei Schmidt
els. wb. 418; und die stucke des vorrats, so verterblig seint, sollen ... ane verzihen zu notturfft unter die armen auszgeteylet, was aber wehrhafftig bisz uff nechstvolgenden sontagk, enthalden und alszdann zu nutze und bequemligkeit der armen verfuget werden. Luther 12, 19, 26
Weim. ausg.; ideo nimbt Christus das geringst et quod non est werhafftig, korn ist werhafftig. 27, 279, 8; welcher wein spat gelesen wirt, der wirt beständig und wehrhafftig sein. Herr
feldbau 11
b; was wol auf dem feldt dorret, das ist wehrhaftig. 26
d; damit solch mäl wärhafftig und gut pleibe. Sebiz
feldbau (1580) 493; so man aronblätter in die madigen käsz legt, so weichen hinweg die maden, und bleibt der käsz gut und wehrhafftig. Tabernaemontanus (1664) 1125. 1@ee)
von kleidern, haltbar: was nützet uns aber das, .. was man so bald wiedernehmen, als geben kan? es ist anders nichts, als: mit einem geborgeten kleide geputzt seyn, welches uns möglichst diese stunde wieder ausgezogen werden kan. man soll sich billig mit andern, und zwar wehrhafftigen kleidern bekleiden, die vor furchte der kälte zu verlieren, wir uns nicht besorgen dürffen. v. Butschky
Pathmos 50. 1@ff)
von einem feuer, anhaltend. als adv.: man sagt, das wachholderne kolen das fewer wol und werhafftig hallten. Luther 15, 75, 10
Weim. ausg. 22)
von abstracten: also ist es ganz müglich die misbrüch der pfaffen, die vil pfründen wöllen besitzen, werd abgethon und ein werhaftige ordnung fürgenummen, wie man hinfür all kirchen lehen sol besetzen. Schade
satiren 3, 68, 30; denn der welt trost, er sey so herrlich und freudenreich als er imer kan, so ist er doch nicht werhafftig und bestendig, sondern vergenglich. Luther 2, 525
b; denn das man krieg und hadder mit geboten wehret, oder mit gewalt steuret, das ist nicht wehrhafftig noch ewig, weil der kriegische mut nicht verendert wird. 3, 180
b; kunig uont got, dein hocher thron' ernhaftig ist zwạr ain thron' immer bleibend wærhaftig. Melissus
ps. 175 (45, 7)
neudr.; von apostemen, geschwüren
etc. sampt wärhafftiger cur derselben. Paracelsus
chir. schriften (
Straszb. 1618) 431 A. 33)
allgemein: Salomôn sprichit, daʒ alleʒ daʒ under der sunnen ist, daʒ vellet in alder und in unstêtikeit, aber di sêle sal sich heften an êwige ding und an wêrhaftige ding.
mystiker 1, 60, 9 (Herm. v. Fritzlar);
chose violente n'est point permanente, ein eilhafftig ding ist nicht wehrhafftig. Duez
le vray guidon (1657) 768.