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währhaft

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

währhaft adj.

Bd. 27, Sp. 822
währhaft, adj. , dauerhaft, beständig, abgeleitet von dem verbum währen IV. ein im mhd. und älteren nhd. nicht seltenes, jetzt in der schriftsprache abgestorbenes wort, vgl. auch die ableitung währhaftig. 11) währhaft tritt im 13. jahrh. auf (nicht viel später auch das weiter gebildete währhaftig). eine ältere ableitung von demselben verbum ist das von Notker gebrauchte adj. werig, wirig, auch noch im mhd. und im 16. 17. jahrh. vorkommend, jetzt schriftsprachlich nur in zusammensetzungen (besonders langwierig) erhalten, vgl. auch währlich 3. das häufigere werhaft hat wol unter einflusz der älteren bildung auch die nebenform wirhaft (s. wierhaft). mhd. werhaft kommt sowohl im obd. als auch im md. vor (im mnd. erscheint nur die weiterbildung), im nhd. gebrauchen das wort zwar keineswegs alle (manche kennen nur die weiterbildung, so Keisersberg, Luther, Matthesius u. a.), doch tritt keine locale beschränkung hervor, so haben es im 17. jahrh. noch Albertinus, Weckherlin, Butschky, Abraham a S. Clara, und am anfang des 18. jahrh. Hohberg, Scheuchzer. auch die älteren wörterbücher kennen es fast allgemein: durabilis, werhafft, langwirig. Dasypodius 59b; werhafft, durabilis, perennis. 457c; werhafft, durabile, forte, werhafft seyn, durare. Hulsius 276; werhafft, durabilis, perennis, perpetuus. Schönsleder Ll 7b; wärhaft, durabilis. Schottel 1440; währhafft, auf die währ, durabile. Krämer 1205; währhafft, lang während, durabitis, diutinus. Dentzler 2, 340; wärhaft, währaftig, wärend et wäricht, constans, stabilis, firmus, durabilis, incorruptus. Stieler 2417; währhafft, durable. Rädlein 1026; währhafft oder taurhafft. Ludwig 2368; durabilis, langwierig, währhafft. Kirsch 1, 406; währhafft, durabilis, durans. Frisch 2, 423b; währhaft, dauerhaft, durable, de durée. Schrader 1580b; das ist nicht währhaft, cela n'est pas de durée. Rondeau. Adelung bezeichnet währhaft 'fähig fort zu existiren' als veraltet und durch dauerhaft ersetzt und Campe giebt ihm das zeichen des landschaftlichen. es kann auffallen, dasz die adj. währhaft und währhaftig abgestorben sind, da doch das v. währen — wenigstens in der litteratursprachesich neben dauern erhalten hat. der grund war wohl, dasz währhaft in der bedeutung ganz mit dauerhaft zusammenfiel, während zwischen dauern 'bestand haben' und währen 'sich zeitlich erstrecken' ein jetzt allerdings nicht mehr aufrecht erhaltener unterschied bestand. auch in den mundarten scheint währhaft zurückgewichen zu sein, in den idiotiken wird es fast nirgends angeführt (nur bei Kehrein als 'unterrheinisch' unten 2, c), auch Schmeller2 2, 974 scheint es nicht aus der lebenden sprache zu kennen. doch mag es noch hie und da üblich sein, so im schweizerischen (2, g) und wohl auch in nd. mundarten, s. unten 2, c die stelle aus Frenssen. 22) in der bedeutung zeigt sich eine nachwirkung der ursprünglichen bedeutung von währen 'bestand haben, sich in seinem wesen erhalten' darin, dasz das wort vorwiegend auf concreta bezogen wird. 2@aa) von stoffen, knochen, metall, holz ist währhaft stark, nicht zerbrechlich oder sonst leicht zu grunde gehend: die herten pain sint inwendig hol, weiʒ und gar werhaft. K. v. Megenberg 22, 11; golt hât die art, daʒ eʒ kreftigt und läutert oder reinigt. eʒ ist auch mêr werhaft und mêr handelpær dann ander gesmeid und læst sich paʒ zämen und ziehen. 474, 28; silber ... ist werhaft, wenn eʒ lauter ist. wenn aber eʒ gemischt ist, sô zerpricht eʒ leiht. 476, 4; und wie viel das zin weisser und härter weder das bley ist, so vil ist das bley wehrhaffter im fewr denn das zin, dann es schmiltzet nicht so bald, doch sind sie beyde unfix, und nicht bestendig. Thurneisser von wassern 86; ob er (der stab) schon von gutem harten und wehrhafften holz ist und nit leichtlich zerbrochen oder zerspalt werden kan. Albertinus Gusman v. Alfarche 595; das holtz (des cypressenbaumes) ist gelblicht, wolriechend, währhafft und faulet nicht. Hohberg 1, 604b. 2@bb) von gebäuden, solid, der zeit trotzend: ein wehrhaft, wehrhafftig oder daurhafftig, gebäu, a strong und durable building. Ludwig 2416; welcher hinfüro einen baw fürnimbt, es sey hausz, schewren oder stall, der sol denselben zum wenigsten zweyer oder dreyer schuh hoch, über die erden, mit einer steinern mauren underfangen und währhafft machen. churfürstl. Pfaltz landtsordnung (1582) 81a; dannoch dær wn im hærtzen ynen háft, yr' heuser wærn fụr uont fụr sein wærhaft. Melissus ps. 188 neudr. (49, 12). als adv.: ein werhaft gebauts haus. bei Schmeller2 2, 974. von andern arbeiten, als adv.: ein kleins und ein grosz werck (orgel) in sant Sebalts pfarrkirchen daselbst mit iren zugehörungen so ordenlich, wol und werhaft ygelichs fur sich selbs gemacht, auszbereit, volbraht. urkunde von 1444, städtechron. 10, 164 anm.; der feldhüter hat ... diejenige zur doppelten pänung anzuzeigen, welche die gebrechen ihre zäune acht täge nach der gemeinsamen besichtigung nicht wehrhaft ausgebessert haben. österr. weisth. 2, 152, 12 (Tirol 18. jh.). 2@cc) von stoffen, kleidern, haltbar, was man lange tragen kann: wehrhafft zeug, tuch, leder etc., so man lang tragen kan, stuff, cloth, leather etc. of good wear, that will wear, last, hold out, do service long a time. Ludwig 2416; währhaftes zeug, étofe à durer. Rondeau; wehrhaftes tuch, starkes tuch. Kehrein nachtrag 58; ein guter, wehrhafter anzug für sommer und winter. Frenssen Jörn Uhl 109. 2@dd) von nahrungsmitteln, sich haltend, nicht leicht verderbend: die (so behandelten) nespeln (mispeln) sind nicht wehrhaft zu behalten. Schmeller2 2, 974 aus einer hs. von 1437; der saft ist so sehr wärhaft nicht, hic liquor non est tam durabilis. der most ist bis zum verkaufe wärhaft, durabile est mustum. Steinbach 2, 939; die währhaften weine werden für gesünder gehalten. Scheuchzer 1, 24. 2@ee) von einer lunte, anhaltend, nicht leicht erlöschend: der gezeug so in den lust- oder schertzfeuwren gebraucht wird, sol diser art seyn, das er im lufft vergehe, und also meniglich unschedlich sey, aber die ernstlichen feuwerwerck sollen einen langwirigen wärhafften brennenden zeug haben, der weder mit wasser oder anderm zu leschen. Fronsperger kriegsb. 1, 175a (1573). 2@ff) von pflanzen, mehrere jahre vegetierend, perennierend: die gewächse seind selten währ und daurhafft. allgem. weisheit lustg. 84; der feygenbaum gebrechlich ist, nicht lang währhafft sondern kurtzes leben. 197; alles was langsam daher wachst, dasselbe auch auff viel jahrlang währhafft ist. 238. 2@gg) von speisen, nachhaltig, sättigend: vielerorts zieht man aber (abends) eine 'währhafte mehlsuppe', in welcher der löffel stecken bleibt, vor. schweiz. archiv f. volkskunde 6, 33 (volkstüml. aus Sargans). westfäl. wêrhaftig 'nachhaltig, sättigend' wird von Woeste 320 zu wehren gestellt. 2@hh) zu der folgenden gebrauchsweise leiten bildliche wendungen über wie: frey, sicher bist du, so du wilt, wan ichzit dich ja wolt verlötzen, der warheit stehts wehrhafften schilt des unglücks stosz fürsetzen. Weckherlin (ps. 91, 4) Fischer; etwan ist er seinem könig nicht trew gewest, dann sonst die treu zu hoff gantz währhafft, und fast noch nagelneu, weil mans gar selten brauchet? Abraham a S. Clara Judas (1687) 1, 45. 33) in anwendung auf abstracta kommt währhaft zwar schon im mhd. vor, doch ist dieser gebrauch weniger eingebürgert und hauptsächlich der dichtersprache eigen: ein wehrhaffter friede, a durable peace. eine wehrhaffte freundschafft, a constant friendship. eine wehrhaffte glückseligkeit, a permanent felicity. Ludwig 2416; wärhafter friede, freundschaft, paix, amitié durable. Rondeau; er wânde sînes lîbes kraft wære immer werhaft ... 'waʒ ist daʒ ich fürhten sol'. warnung 592 (zeitschr. f. d. alt. 1, 455); zu einer gehugenusse und zu einer immer werhaften stercke unseres aufsatzes (ad hujus constitutionis memoriam et robur perpetuo valiturum) und diser bestetigung, hab wier dise hantfest haiʒʒen schreiben. stiftungsbuch von Zwetel (fontes rer. Austr. 2, 31, 210); dô ist êren überkraft unt alleʒ lop werhaft, elliu freude ân ende. warnung 2668 (zeitschr. f. d. alt. 1, 511); auf das sein lob würdig und wehrhaft sey (1618 dasz seines namens lob stehts wehrt und wehrhaft bleib). Weckherlin 1, 198 Fischer (od. II dedic.); ein wehrhafftes lob (so 1618, in der ausg. v. 1648 unsterbliches lob) in kriegs unsterblichen gefahren. 1, 206 (od. II, 3, 1); di freundschaft, welche durch di abwesenheit entzweyet, ist keine wehrhafte freundschaft zu nennen. Butschky hd. kanzeley 49; ja, gott hat auch der mucken geben ein standhafftes währhafftes leben, ob man ihr schon das haupt abschneit, so fleucht doch der leib noch sehr weit dahin ohn verzug seine strassen. lob der mucken 206 bei Fischart dicht. 1, 130 Kurz. von worten: daʒ er si solde meheln und die konschaft versteheln mit worten solher kraft, diu immer sint werhaft. Ottokar österr. reimchr. 75510 Seemüller; gute deutsche bücher ... die gutes, altes, wehrhaftes, kernichtes und kräftiges deutsch geschrieben haben. Bödiker grundsätze der deutschen sprachen (1690) 291. allgemein: wie unempfindlich schnell verlauffet sich die zeit? wie gar nichts ist wehrhafft in diser welt zu finden? Weckherlin 2, 390 Fischer. selten ist währhaft sein abgeschwächt 'sich erstrecken', von zeitabschnitten: (soll) erhalten werden, so lang der winter werhafft ist. Fronsperger kriegsb. 3, 150b.
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    Währhaft , adj. & adv. von währen, dauern, fähig, fort zu existiren, wofür doch jetzt dauerhaft üblich ist; indem währha…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit waehrhaft

4 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von waehrhaft

waehr + -haft

waehrhaft leitet sich vom Lemma waehr ab mit Suffix -haft.

waehrhaft‑ als Erstglied (2 von 2)

währhaftig

DWB

waehr·haftig

währhaftig , adj. dauerhaft, weiterbildung von währhaft, in gleicher anwendung. das im 14. jahrh. auftretende wort wird noch im 16. und 17. …

währhaftigkeit

DWB

waehrhaftig·keit

währhaftigkeit , f. dauerhaftigkeit, abstractbildung zu währhaft und währhaftig, im älteren nhd. vorkommend und im 18. jahrh. abgestorben: w…

Ableitungen von waehrhaft (2 von 2)

unwährhaft

DWB

unwährhaft , -haftig , adj. , nicht währhaft, -haftig ( s. d. ). vgl. ungewierig, mnl. onwerich ( wb. 5, 1565); dän. uvarig, uvaragtig, schw…

währhafte

DWB

währhafte , f. dauerhaftigkeit. wie bei währhaft 2, a vom holz: die hohe cederbäum .. welche .. Salomon von wegen ihrer weerhaffte hat lasse…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „waehrhaft". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/waehrhaft/dwb?formid=W02683
MLA
Cotta, Marcel. „waehrhaft". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/waehrhaft/dwb?formid=W02683. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „waehrhaft". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/waehrhaft/dwb?formid=W02683.
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