währhaft,
adj. ,
dauerhaft, beständig, abgeleitet von dem verbum währen IV.
ein im mhd. und älteren nhd. nicht seltenes, jetzt in der schriftsprache abgestorbenes wort, vgl. auch die ableitung währhaftig. 11) währhaft
tritt im 13.
jahrh. auf (
nicht viel später auch das weiter gebildete währhaftig).
eine ältere ableitung von demselben verbum ist das von Notker
gebrauchte adj. werig, wirig,
auch noch im mhd. und im 16. 17.
jahrh. vorkommend, jetzt schriftsprachlich nur in zusammensetzungen (
besonders langwierig)
erhalten, vgl. auch währlich 3.
das häufigere werhaft
hat wol unter einflusz der älteren bildung auch die nebenform wirhaft (
s. wierhaft).
mhd. werhaft
kommt sowohl im obd. als auch im md. vor (
im mnd. erscheint nur die weiterbildung),
im nhd. gebrauchen das wort zwar keineswegs alle (
manche kennen nur die weiterbildung, so Keisersberg, Luther, Matthesius
u. a.),
doch tritt keine locale beschränkung hervor, so haben es im 17.
jahrh. noch Albertinus, Weckherlin, Butschky, Abraham a S. Clara,
und am anfang des 18.
jahrh. Hohberg, Scheuchzer.
auch die älteren wörterbücher kennen es fast allgemein: durabilis, werhafft, langwirig. Dasypodius 59
b; werhafft,
durabilis, perennis. 457
c; werhafft,
durabile, forte, werhafft seyn,
durare. Hulsius 276; werhafft,
durabilis, perennis, perpetuus. Schönsleder Ll 7
b; wärhaft,
durabilis. Schottel 1440; währhafft, auf die währ,
durabile. Krämer 1205; währhafft, lang während,
durabitis, diutinus. Dentzler 2, 340; wärhaft, währaftig, wärend
et wäricht,
constans, stabilis, firmus, durabilis, incorruptus. Stieler 2417; währhafft,
durable. Rädlein 1026; währhafft oder taurhafft. Ludwig 2368;
durabilis, langwierig, währhafft. Kirsch 1, 406; währhafft,
durabilis, durans. Frisch 2, 423
b; währhaft, dauerhaft,
durable, de durée. Schrader 1580
b; das ist nicht währhaft,
cela n'est pas de durée. Rondeau. Adelung
bezeichnet währhaft '
fähig fort zu existiren'
als veraltet und durch dauerhaft
ersetzt und Campe
giebt ihm das zeichen des landschaftlichen. es kann auffallen, dasz die adj. währhaft
und währhaftig
abgestorben sind, da doch das v. währen —
wenigstens in der litteratursprache —
sich neben dauern
erhalten hat. der grund war wohl, dasz währhaft
in der bedeutung ganz mit dauerhaft
zusammenfiel, während zwischen dauern '
bestand haben'
und währen '
sich zeitlich erstrecken'
ein jetzt allerdings nicht mehr aufrecht erhaltener unterschied bestand. auch in den mundarten scheint währhaft
zurückgewichen zu sein, in den idiotiken wird es fast nirgends angeführt (
nur bei Kehrein
als '
unterrheinisch'
unten 2,
c),
auch Schmeller
2 2, 974
scheint es nicht aus der lebenden sprache zu kennen. doch mag es noch hie und da üblich sein, so im schweizerischen (2,
g)
und wohl auch in nd. mundarten, s. unten 2,
c die stelle aus Frenssen. 22)
in der bedeutung zeigt sich eine nachwirkung der ursprünglichen bedeutung von währen '
bestand haben, sich in seinem wesen erhalten'
darin, dasz das wort vorwiegend auf concreta bezogen wird. 2@aa)
von stoffen, knochen, metall, holz ist währhaft
stark, nicht zerbrechlich oder sonst leicht zu grunde gehend: die herten pain sint inwendig hol, weiʒ und gar werhaft. K. v. Megenberg 22, 11; golt hât die art, daʒ eʒ kreftigt und läutert oder reinigt. eʒ ist auch mêr werhaft und mêr handelpær dann ander gesmeid und læst sich paʒ zämen und ziehen. 474, 28; silber ... ist werhaft, wenn eʒ lauter ist. wenn aber eʒ gemischt ist, sô zerpricht eʒ leiht. 476, 4; und wie viel das zin weisser und härter weder das bley ist, so vil ist das bley wehrhaffter im fewr denn das zin, dann es schmiltzet nicht so bald, doch sind sie beyde unfix, und nicht bestendig. Thurneisser
von wassern 86; ob er (
der stab) schon von gutem harten und wehrhafften holz ist und nit leichtlich zerbrochen oder zerspalt werden kan. Albertinus
Gusman v. Alfarche 595; das holtz (
des cypressenbaumes) ist gelblicht, wolriechend, währhafft und faulet nicht. Hohberg 1, 604
b. 2@bb)
von gebäuden, solid, der zeit trotzend: ein wehrhaft, wehrhafftig oder daurhafftig, gebäu,
a strong und durable building. Ludwig 2416; welcher hinfüro einen baw fürnimbt, es sey hausz, schewren oder stall, der sol denselben zum wenigsten zweyer oder dreyer schuh hoch, über die erden, mit einer steinern mauren underfangen und währhafft machen.
churfürstl. Pfaltz landtsordnung (1582) 81
a; dannoch dær wn im hærtzen ynen háft, yr' heuser wærn fụr uont fụr sein wærhaft. Melissus
ps. 188
neudr. (49, 12).
als adv.: ein werhaft gebauts haus.
bei Schmeller
2 2, 974.
von andern arbeiten, als adv.: ein kleins und ein grosz werck (
orgel) in sant Sebalts pfarrkirchen daselbst mit iren zugehörungen so ordenlich, wol und werhaft ygelichs fur sich selbs gemacht, auszbereit, volbraht.
urkunde von 1444,
städtechron. 10, 164
anm.; der feldhüter hat ... diejenige zur doppelten pänung anzuzeigen, welche die gebrechen ihre zäune acht täge nach der gemeinsamen besichtigung nicht wehrhaft ausgebessert haben.
österr. weisth. 2, 152, 12 (
Tirol 18.
jh.). 2@cc)
von stoffen, kleidern, haltbar, was man lange tragen kann: wehrhafft zeug, tuch, leder
etc., so man lang tragen kan,
stuff, cloth, leather etc. of good wear, that will wear, last, hold out, do service long a time. Ludwig 2416; währhaftes zeug,
étofe à durer. Rondeau; wehrhaftes tuch, starkes tuch. Kehrein
nachtrag 58; ein guter, wehrhafter anzug für sommer und winter. Frenssen
Jörn Uhl 109. 2@dd)
von nahrungsmitteln, sich haltend, nicht leicht verderbend: die (
so behandelten) nespeln (
mispeln) sind nicht wehrhaft zu behalten. Schmeller
2 2, 974
aus einer hs. von 1437; der saft ist so sehr wärhaft nicht,
hic liquor non est tam durabilis. der most ist bis zum verkaufe wärhaft,
durabile est mustum. Steinbach 2, 939; die währhaften weine werden für gesünder gehalten. Scheuchzer 1, 24. 2@ee)
von einer lunte, anhaltend, nicht leicht erlöschend: der gezeug so in den lust- oder schertzfeuwren gebraucht wird, sol diser art seyn, das er im lufft vergehe, und also meniglich unschedlich sey, aber die ernstlichen feuwerwerck sollen einen langwirigen wärhafften brennenden zeug haben, der weder mit wasser oder anderm zu leschen. Fronsperger
kriegsb. 1, 175
a (1573). 2@ff)
von pflanzen, mehrere jahre vegetierend, perennierend: die gewächse seind selten währ und daurhafft.
allgem. weisheit lustg. 84; der feygenbaum gebrechlich ist, nicht lang währhafft sondern kurtzes leben. 197; alles was langsam daher wachst, dasselbe auch auff viel jahrlang währhafft ist. 238. 2@gg)
von speisen, nachhaltig, sättigend: vielerorts zieht man aber (
abends) eine 'währhafte mehlsuppe', in welcher der löffel stecken bleibt, vor.
schweiz. archiv f. volkskunde 6, 33 (
volkstüml. aus Sargans).
westfäl. wêrhaftig '
nachhaltig, sättigend'
wird von Woeste 320
zu wehren
gestellt. 2@hh)
zu der folgenden gebrauchsweise leiten bildliche wendungen über wie: frey, sicher bist du, so du wilt, wan ichzit dich ja wolt verlötzen, der warheit stehts wehrhafften schilt des unglücks stosz fürsetzen. Weckherlin (
ps. 91, 4)
Fischer; etwan ist er seinem könig nicht trew gewest, dann sonst die treu zu hoff gantz währhafft, und fast noch nagelneu, weil mans gar selten brauchet? Abraham a S. Clara
Judas (1687) 1, 45. 33)
in anwendung auf abstracta kommt währhaft
zwar schon im mhd. vor, doch ist dieser gebrauch weniger eingebürgert und hauptsächlich der dichtersprache eigen: ein wehrhaffter friede,
a durable peace. eine wehrhaffte freundschafft,
a constant friendship. eine wehrhaffte glückseligkeit,
a permanent felicity. Ludwig 2416; wärhafter friede, freundschaft,
paix, amitié durable. Rondeau; er wânde sînes lîbes kraft wære immer werhaft ... 'waʒ ist daʒ ich fürhten sol'.
warnung 592 (
zeitschr. f. d. alt. 1, 455); zu einer gehugenusse und zu einer immer werhaften stercke unseres aufsatzes (
ad hujus constitutionis memoriam et robur perpetuo valiturum) und diser bestetigung, hab wier dise hantfest haiʒʒen schreiben.
stiftungsbuch von Zwetel (
fontes rer. Austr. 2, 31, 210); dô ist êren überkraft unt alleʒ lop werhaft, elliu freude ân ende.
warnung 2668 (
zeitschr. f. d. alt. 1, 511); auf das sein lob würdig und wehrhaft sey (1618 dasz seines namens lob stehts wehrt und wehrhaft bleib). Weckherlin 1, 198
Fischer (
od. II
dedic.); ein wehrhafftes lob (
so 1618,
in der ausg. v. 1648 unsterbliches lob) in kriegs unsterblichen gefahren. 1, 206 (
od. II, 3, 1); di freundschaft, welche durch di abwesenheit entzweyet, ist keine wehrhafte freundschaft zu nennen. Butschky
hd. kanzeley 49; ja, gott hat auch der mucken geben ein standhafftes währhafftes leben, ob man ihr schon das haupt abschneit, so fleucht doch der leib noch sehr weit dahin ohn verzug seine strassen.
lob der mucken 206
bei Fischart
dicht. 1, 130
Kurz. von worten: daʒ er si solde meheln und die konschaft versteheln mit worten solher kraft, diu immer sint werhaft. Ottokar
österr. reimchr. 75510
Seemüller; gute deutsche bücher ... die gutes, altes, wehrhaftes, kernichtes und kräftiges deutsch geschrieben haben. Bödiker
grundsätze der deutschen sprachen (1690) 291.
allgemein: wie unempfindlich schnell verlauffet sich die zeit? wie gar nichts ist wehrhafft in diser welt zu finden? Weckherlin 2, 390
Fischer. selten ist währhaft sein
abgeschwächt '
sich erstrecken',
von zeitabschnitten: (
soll) erhalten werden, so lang der winter werhafft ist. Fronsperger
kriegsb. 3, 150
b.